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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1951-11-01 · 11 (Noviembre, 1951) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIII (1951)
Issue
11 (Noviembre, 1951)
Date
1951-11-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Noviembre, 1951 BOLETIN INFORMATIVO T UéêHt n=s»r IN MEMORIAM PROF. ROSENFELD i | Die nachstehend wiedergegebene Rede wurde zum I Andenken an Herrn Prof. Moritz Rosenfeld von Herrn Rabbiner Manfred Lubliner auf der Trauerfeier gehalten, zu der die “Union Sionista” am Sonntag, den 7. Oktober vormittags geladen hatte. Die Eroeffnung der Gedenkstunde oblag dem Praesidenten, Herrn Dr. Emilio Weintraub, der in tiefbewegten Worten die Persoenlichkeit des Verschiedenen wuerdigte. Ihm folgte Herr Nuta Nebenschoss und umriss in praegnanten Saetzen die menschliche und i juedische Groesse, sowie die Tragik der Persoenlich- I keit Prof. Rosenfelds. | Die Trauerfeier, zu der unsere Gemeinde und die Union Sionista eingeladen hat, ist dem Gedenken Prof. Dr. Rosenfeld, der vor knapp einem Monat die irdische Lebensbahn verlassen hat, gewidmet. Wohl erfuellte alle, die ihn kannten oder zu kennen glaubten, ein Gefuehl der Demut, als sie die Nachricht von seinem Hinscheiden erfuhren, aber zur Trauer war kein An. lass. Denn man darf den Tod nicht ein fuer allemal als ein Unglueck ansehen. Ja, wenn er einen Menschen der Bluete der Jahre trifft, wenn er eine Entwicklung urploetzlich abreisst, ist nicht nur ein Grund zur Wehklage, sondern auch zu tiefer Trauer. Wenn aber Jemand nach einem reichlich erfuellten Leben zu seinen Vaetern abgerufen wird, wenn er .die Traeume seiner Jugend im hohen Alter erfuellt sieht, dann ist er gluecklich zu preisen. Wenn ein Mensch in die Welt tritt, ist er ein lebendiges Raetsel, was ihm bevor, steht, wie er sich entwickeln wird, welche Wege er beschreiten, welche Lebensaufgabe er zu erfuellen sucht; hinter all diesen Fragen steht das grosse Fragezeichen. Kommt aber der Tag der Aufloesung (wie trefflich doch bisweilen die Sprache ist) es ist eben die grosse Aufloesung des Raetsels — kann man bei aller Wehmut den Dahingeschiedenen gluecklich preisen, wenn sein Leben in Erfuellung harmonisch geendet hat. Es duerfte Ihnen, meine veehrten Anwesenden, bekannt sein, dass sich der Verstorbene jeden Nachruf verbeten hat. Der Grund fuer diesen Wunsch, den wir an der Staette des ewigen Lebens respektiert haben, ist darin zu sehen, dass er waeh. rend seines ganzen Lebens bestrebt gewesen ist, der Wahrheit, nur ihr zu dienen und deswegen wollte er nicht, dass irgend einer um seiner Willen in die Versuchung kaeme, von ihm ein Bild zu entwerfen, dass, um als ein abgerundetes zu gelten, die Wahrheit haette umbiegen muessen. Wir sind uns daher der grossen Verantwortung be. wusst und glauben daher, ueber den Menschen Moritz Ro. senfeld so viel sagen zu duerfen, dass sein Sterben ein Symbol fuer sein Leben gewesen ist. Er starb allein und einsam und hat den groessten Teil der Wegstrecke, die er in 75 Jahren durcheilte, allein und einsam gelebt. Nur zu sehr Wenigen fand er jenen Kontakt, jenes Gefuehl von wahrer und innerlicher Freundschaft, wie es uns die Bibel in dem Verhaeltnis von David und Jonatan auf zeigt: “Eine Seele war an die des Anderen gebunden”. Diesen Gluecksumstand, eine solche gleichgestimmte und gleichgesinnte Seele zu finden, war Ihm in der Gestalt des Verstorbenen Wiener Oberrabbiner Prof. Dr. Chajes beschieden gewesen. Fuer dieses Geschenk, denn als ein solches hat er es immer empfunden, hat er damit gedankt, nass er das geistige Schaffen dieses grossen Gelehrten —das Unsterbliche in einem jeden grossen Geist—- geordnet und in einem zweibaendigen Werk der Nachwelt gerettet hat. Wenn der Ausdruck Chawer in seiner Grundbedeutung ge. fasst wird, wo er vereint, verbunden bedeutet, dann darf man sagen: beide Maenner waren wahre Chawerim, vereinte, verbundene Verbuende. te im Denken und Fuehlen. Die Begegnung mit Prof. Crajes war sein tiefstes menschliches Erlebnis. Sicher hat es in seinem Leben noch einige andere Menschen — wenn auch sehr wenige — gegeben, die einen gewissen Kontakt mit ihm gehabt haben, aber dieser reicht bei weitem nicht an jene tiefe und ehrliche Bindung, die er (Foto: Nossen) mit dem grossen Gelehrten und gleichgrossen Menschen gehabt hat. Moritz Rosenfeld hat ein einsames Leben gefuehrt und das ist seine menschliche Tragoedie. Die Tatsache, dass er einige Freundschaften gehabt hat, zeugt dafuer, dass in ihm Anlage und Faehigkeit zu edlem Menschentum vorhanden gewesen ist. Warum in seinem so langen Leben nur Wenige Zuneigung, Achtung und Wertschaetzung, ja Liebe, erfahren haben, dass zu untersuchen haben wir kein Recht. Wohl aber steht es uns an, nachdem seine Lebensarbeit als eine abgeschlossene zu betrachten ist, ueber sein Schaffen und Wirken einige Worte zu sagen, darueber, was er fuer das Judentum geleistet hat. Jeder Mensch ist ein Kind seiner Zeit, er empfaengt von ihr und kaempft mit ihr, so wie das Kind von seinen Eltern empfaengt, in gewissen Sinne mit ihnen kaempft und sich mit ihnen auseinandersetzt. Man koennte den Vergleich auch fortsetzen. Wie jedes Kind den Familientypus, die Art der Gemeinschaft des Blutes, aus der heraus es entstanden ist, weiter entwik. kelt, sie individualisiert, sie zu neuer Besonderheit fuehrt, so gestaltet auch der Mensch, wenigstens der, der eigene Zuege traegt, die Zeit, der er zugehoert, weiter fort, Denn das bedeutet doch Entwicklung. Wenn Rosenzweig das Judentum einmal definiert hat als mit Augen gesehen, Ohren gehoert und Mund ge-, schmeckt — eine geistreiche Umschreibung des Begriffes Tradition—, so ist Moritz Rosenfeld in einem solchen Milieu aufgewachsen, das die I Tradition genaustens bewahrt (hat. Vater und Grossvater waren Rabbiner und sind sei-! ne Lehrer in seinen Kindheitstagen und ersten JugencL I Jahren gewesen. In beiden I Haeusern, im grossvaeterlichen und im vaeterlichen, hat er Judentum gesehen, gehoert, geschmeckt und so ist das Traditionelle ihm zu einer Seite seines Wesens geworden. Der Umstand, dass Vater und Grossvater Rabbiner waren, veranlasste ihn, die Familientradition fortzusetzen. So bereitete er sich auf den Beruf vor, studierte einige Jahre in Berlin am Hildesheimer Rabbinerseminar, wo er um die Jahrhundertwende das Rabbinatsdiplom erhielt, nach dem er vorher einige Zeit die Universitaet Bern besucht hatte und dort mit einer Arbeit ueber den Midrasch Moses den Doktortitel erworben hatte. Aus diesen Studienjahren duerfte es interessant sein, zu erwaehnen, dass er zu den Wenigen gehoert, die den ersten Schekel im Jahre 1898 erworben haben. Jedoch findet sich keinerlei Andeutung ueber eine persoenliche Beziehung zu Theodor Herzl und dem Fruehzionismus. V i e 11 e icht kann dieser Umstand seine Aufhellung in einem Schfiftstueck erfahren, dass er im Jahre 1948 verfasst hat und das er “Motive und Ergaenzungen” zu seinem Buch “Ewige und zeitliche Probleme des Judentums” betitelt hat. Es heisst dort “Das Motiv meiner Lebensarbeit, dem ich nun schon 50 Jahre diene, lautet: “Wie macht man das Judentum zu einer Sache der Gebildeten in unserem Volke?” Aus diesem persoenlichen Bekenntnis glauben wir den berechtigten Rueckschluss ziehen zu duerfen, dass ihm in erster Linie die innere geistige Erneuerung des juedischen Volkes am Herzen gelegen hat, das vor der Rueckkehr ins Judenland die Rueckkehr zum Judentum zu erfolgen hat. So sehr er die politische Seite der zionistischen Idee anerkannt und ihren Fuehrer Theodor Herzl geschaetzt und verehrt hat, so war er doch von der Wahrheit durchdrungen, dass der Begriff “Juedisches Volk” eine geschlossene Einheit darstellt, juedisch als Volksseele, Volk als Volkskoerper Ferdinand Lasalle hat einmal gesagt: “Eine Revolution ist dann immer eingetreten, wenn —gleichviel ob mit oder ohne Gewalt— ein neues Prinzip an die Stelle des bestehenden Zustandes gesetzt wird”. Die zionistische Idee war ein neues Prinzip, ein revolutionaeres und schon in jungen Jahren stellte sich Moritz Rosenfeld als eifriger Kaempfer auf die Seite der Revolutionaeren. In der biblL sehen Sprache kann man sagen, so wie Moses, Jesaja, Jehuda Halevi, Herzl, so verstand auch Moritz Rosenfeld den ersten Juden Abraham, der bereit gewesen ist, sich von alten Bindungen zu loesen und einer neuen Idee zu verschreiben. Bileams Wort von der Zukunft, die die Gegenwart ertraeglich macht: “Ich sehe es, aber nicht jetzt; ich schaue es, aber es ist noch fern” war Leitmotiv all der Gestalten, die Abraham verstanden und somit auch ein Wort der Zuversicht fuer Moritz Rosenfeld in seinem 50 jaehrigen Schaffen und Wirken fuer das juedische Volk und fuer eine juedische Zukunft. Um fuer Judentum und Zionismus zu arbeiten, begann er seine Taetigkeit ln jenem Zentrum, das die juedische Heimat in der Diaspo, ra darstellt: in der Gemeinde. So finden wir ihn zunaechst als Rabbiner im Tem. pelverein Montefiore ln Wien, dann spaeter im Brigittehauertempelverein, der der Wiener Juedischen Kultusgemeinde angeschlossen war Neben dieser Taetigkeit als Rabbiner, Seelsorger und Kanzelredner war sein Hauptaugenmerk auf die juedische Jugend und ihre Erziehung gerichtet. So war er einige Jahrzehnte Religionsprofessor an wiener Mittelschulen, im Jahre 1924 uebemahm er ausserdem das sehr verantwortungsvolle Amt des Direktors des neu gegruendeten Religionslehrerseminars, wo er fuer die gruendliche Ausbildung juedischer Erzieher Sorge trug. Zeitweise gab er auch Gastvorlesungen am wiener israelitischen Seminar. Neben dieser Taetigkeit als Lehrer und Rabbiner fand er immer noch genuegend Zeit, um sich schriftstellerisch zu betaetigen, sei es als Mitarbeiter an juedischen Tageszeitungen oder Wochenschrif. ten, sei es als Herausgeber von Broschueren wie: 1.) Der Wiener Juedische Gottesdiensi, 2.) Der juedische Religionsunterricht, 3) Zur Gruendungsgeschichte der Wiener Religionsschule. Be. sonders hervorgehoben soll seine verdienstliche Mitarbeit am fuenfbaendigen juedischen Lexikon werden, wo er neben kleineren Biographien juedischer Maenner grundlegende Artikel ueber Erzie- (Schluss auf Seite 18) S. NOVEMBER - GEDENKSTUNDE: FREITAG, den 9.11., abends 8 Uhr im Gemeindehaus, AV. PORTUGAL 810

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