Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIII (1951)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1951)
- Date
- 1951-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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REDACCION« S.C. 1. B'NE JISROEL AV. PORTUGAL 810. TEL. 33096 CASILLA 2487. SANTIAGO-CHILE BOLETIN INFORMATIV MITTEILUNGSBLATT SOCIEDAD C U LTU RAL ISRAELITA "B * N E J I S R Q-E Año xm — N.o 11 SANTIAGO DE CHILE Noviembre, 1951 DEUTSCHLA Die 13. Wiederkehr jener feuerroten Novembern acht, derem Gedenken wie jedes Jahr die vorliegende Ausgabe gewidmet ist... Adenauer hat eine an die juedische Adresse gerichtete Wiedergutmachungs-Botschaft erlassen, welche vom Bundesrat feierlich ratifiziert wurde... Truman proklamiert das Ende des Kriegszustands zwischen U.S.A. und Deutschland... Staendig wachsender Einfluss der Bonner Republik auf die Geschicke der westlichen Welt... Wahrlich Grund genue. um einmal einige Gedanken ueber diese scheinbar unloesbaren Gleichungen mit mehre, ren Unbekannten zu ordnen, deren gemeinsamer Nenner Deutschland heisst. Sentiments, Ressentiments und Realismus Die grausigen Schandtaten deren kalendarisches Symbol wir im 9.-10. November sehen —es koennte ebenso gut der 30. Januar. Tag der “Machtergreifung” sein, wenn man scann ueoerhaupt daran glauben will, dass die Weltgeschichte von Sternstunden be einflusst wird—, die Braende, Foltern, Sadismus, Teufelei und Massenmorde, fuer die Deutschland in 12 Jah’e langer geistiger und moralischer Umnachtung verantwortlich wurde, duerfen nicht vergessen werden. Was auch von juedLscher Seite aus immer geschehen mcege, um deutschen Initiativen zur Annaeherung zu begegnen, muss von dieser Forderung mitbestimmt werden: jeder Verzicht auf diese Prae. misse kaeme einem Verzicht auf die elementarste nationale Wuerde gleich, einer Schmaehung unserer Maerty. rer und einer Umkehrung des Sinns unserer eigenen Rettung ln einen Un-Sinn. Das heisst nun einerseits nicht, dass man fuer heute und immer die Moeglichkeit eines Dialogs mit Deutschland von vornherein verwerfen soll, jede Reue als Heuchelei, jeden Wiedergutmachungsversuch als Hohn und jede menschliche oder politische Annaeherung als Tabu ablehnen muss. Denn eine Sache ist, in der Vergangenhel zu leben und eine andere. der Vergangenheit eingedenk zu sein. Die erstere Haltung waere die eines alten und senilen Menschen oder Volkes; die letztere entspricht einer mit den Jahren erworbenen Lebensweisheit. Und unser Volk ist mehr als 3.000 Jahre alt geworden: oft schon hat es fuer seine Weisheit — sein« historische Erfahrung — buessen muessen, aber noch niemals hat man ihm Senilitaet zum Vorwurf gemacht. Wenn wir uns also bewusst eine schreckliche Vergangenheit vor Augen halten wollen, so darf dies nicht nur zu Ehren aller geopferten Menschen und zerstoerten Werte geschehen —auch das ist unbessere Zukunft. Gewiss: auf diesem mit Blut getraenkten. mit dem Schwert gepfluegten, mit Asche geduengten und mit Knochen gesaeten Acker werden keine Blumen wachsen. Aber vieles Ist schon getan, wenn seine grausige Saat nie wieder aufgeht, wenn die dort ansaessige Bevoelkerung j ehrlichen Abscheu und I Grauen empfindet und wenn diejenigen Opfer, deren Wun-I den noch geheilt werden koennen —wie wenige sind es doch im Vergleich zu den andern!— diese Genugtuung er. fahren. Andererseits soll damit aber nicht gesagt werden, dass es klug, wuerdig oder zweckmaessig waere, jeder Geste der Annaeherung eine uebertrieben« Bedeutung beizumessen. sie allzu positiv zu bewer. ten und dementsprechend zu reagieren. Ist dies eine sentimentale le Warnung? Ressentiments? Wenn Vergangenheit und Zukunft unvereinbar scheinen, muss dann nicht diese jener den Vorrang lassen? Erfordert das wiedererstarkte Deutschland nicht eine andere Art von Realismus in der Definition? Jawohl, auch Gefuehle und eine zutiefst verwundete Seele sprechen mit, denn wir haben ein Recht darauf; es gibt keine Zukunft, die nicht aus ihrer ureigenen Vergangenheit erwaechst; doch all diese Vorbehalte zusammen schliessen nicht aus, die Problematik realistisch zu behandeln. Nur darf man nicht Realismus mit Opportunismus verwechseln. Realistisch sein, heisst objektiven Faktoren, soweit wir dazu intellektuell faehig sind, die Bedeutung beizumessen, die sie wirklich haben und nicht die, die wir wuenschen, dass sie haben moechten. Nicht mehr und nicht weniger. Es heisst aber keineswegs, vor Faktoren, die wir als maechtig erkennen, nun unbedingt von vornherein in die Kniee zu sinken. Die Adenauer.Erklaerung Von beiden Extremen disagbar wichtig—, sondern vor allem im Hinblick auf eine stanziert, muessen wir feststellen, dass die Erklaerung GESTERN vor dem Bonner Parlament einen Fortschritt in den deutsch-juedischen Beziehungen dieser Postnazi-Aera darstellt. Sie ist kein grosser Fortschritt und zwar aus vie. len Gruenden: Erstens kam sie mehr als sechs Jahre zu spaet. Zweitens wurde sie im Zuge der Einreihung eines souveraenen Deutschlands in die westliche Welt ab'regeb0-’! und d^r Zeitpunkt ihrer Verbreitung ist allzu guenstig fuer die deutsche Politik, um es auch gleichzeitig fuer den juedischen Beschauer zu sein. Drittens ist sie etwas unbestimmt und verschwommen, jedenfalls nicht so mutig und konkret, wie wir ein Recht haben, zu erwarten, wenn wir auch zugeben muessen, dass sie weiter geht als die kuerzlichen Erklaerungen des Praesiden. ten Heuss oder ertraeglicher ist als das schamlose 10-Millionen-Mark-Angebot des Von. jahres. Ihre wesentliche Bedeutung liegt zweifellos darin, dass sie die erste Geste darstellt, die von verantwortlicher offizieller deutscher Seite ueberhaupt zu unserem Problem abgegeben wird. Auch die etwas naive Entschuldigung des Presidenten Heuss, er vermisse auf juedischer Seite eine einheitliche Repraesentanz, um Verhandlungen anzuknueDfen, erwies sich als nicht stichhaltig, als der Bundesrat zeigte, die Adresse des iuedischen Volkes —Jerusalem— zu kennen. Es ist muessig, die positiven und die negativen Seiten dieser Deklaration ad Infinitum gegenueberzustellen. Es kommt auf das Mass an Skep. sls, mit dem man sie aufnimmt, gar nicht an. Die wesentliche Schwaeche dieser Erklaerung, die Erbsuende so. Zusagen, mit der sie geboren wurde, besteht darin, dass sie nur eine Erklaerung ist. Was geschehen ist, kann nicht mehr ungeschehen gemacht werden. Vielleicht ertraeglicher gemacht. Aber gewiss nicht mit Deklarationen und seien sie noch so gut gemeint oder noch so feierlich abgegeben. Dazu gehoert eine Anerkennung der Verantwortung Deutschlands mit all lh. ren Konsequenzen auf dem Gebiet praktischer materieller und moralischer Restitution und Wiedergutmachung. Je rascher, desto besser. “Der Worte sind genug gewechselt “Lasst mich auch endlich Taten seh’n. Kritik von Osten Der Einwand, dass die Bonner Erklaerung sich mehr nach Washington gerichtet Von IIANS KAUFMANN Der Alpdruck: “Konzentrationslager” Zeichnung von Lea Grundig haette als nach Jerusalem, wurde von Ostdeutschland nahestehenden Kreisen fol. gendermassen krass formuliert: “Sowohl Westdeutschland wie Israel sollen zusammen ln die antikommunistische Front eingespannt werden; Westdeutschland fabri. ziert Waffen und Israel verlangt Wiedergutmachung; ergo: Washington befiehlt, dass Westdeutschland die Israeli, sehen Ansprueche mit Waffenlieferungen abgilt, wozu die Bonner Erklaerung den diplomatischen Auftakt gibt”. Eine solche schlagwortartige Argumentierung ist vielleicht schwer zu wiederlegen, noch schwerer aber zu beweisen; ueberlassen wir es einstweilen den davon Betroffenen, die entsprechenden dokumentarischen Unterlagen herauszufordern. Was uns daran interessiert, sind andere Fragen, wenn sie auch ursaechlich damit zusammen haengen. So duenkt uns zum Beispiel, dass auch die verwerflichsten Absichten, die man Adenauer und seinen Leuten fuer ihren schuechternen Annaeherungs. versuch in die Schuhe schieben koennte, noch keine Ent schuldigung dafuer darstellen, dass Grotewohl und seine | Genossen sich zu der gleichen! Frage ueberhaupt noch nicht, geaeussert haben. Auch die I moralische Warnung, dass Juden nicht auf der gleichen Seite Partei ergreifen duerfen, auf der Deutsche kaemp. fen werden, ist sinnlos in einer Welt mit zwei Parteien, in der es sehr schwer ist, neuj tral zu bleiben, und in der je ein Detuschland auf jeder [ Seite zu finden ist; gewiss1 aber klingt sie unaufrichtig aus dem Munde von Koriphaeen des erst gestrigen “Friedensfestes des Jugend” zu Berlin. Allerdings ist es wahr, dass wir sehr oft an Westdeutschland denken, wenn wir Deutschland sagen. Woran das liegt? Vielleicht subjektiv, dass wir schliesslich und endlich in der westlichen Welt leben und dass der “Eiserne Vorhang” Ostelbien unseren Blicken weitgehend entzieht. Oder objektiv, dass man das Regime Pieck-Grotewohl-Ulbricht wohl nur schwerlich fuer seine Handlungen ln dem Masse verantwortlich machen kann wie dies der Fall bei dem von Bonn ist. Gewiss, auch dieses ist nicht absolut souveraen —wieviele Staaten koennen das heutzutage ueberhaupt noch von sich im vollen Sinn des Wortes behaupten?—, aber es lie. fprt. doch Bew^s^ pio^r entwickelteren Individuaütaet als dies das gleichgeschaltete volksdemokratische Ostdeutschland vermag. Mehr als ein Denkfehler ist es also die machtpolitische Konstellation, die uns veranlasst, zuerst nach Bonn zu schauen und nicht nach Berlin oder wegen ersterer in Washington vorstellig zu werden und nicht wegen letzterer in Moskau. Schalten wir dabei jedes Werturteil aus: es interessiert in diesem Zusammenhang nicht und stellen wir nur klar, dass diese Tatsachen anerkannt werden, koennen, ohne dass dies ein Verzicht auf irgendwelche Forderungen bedeutet, die an beide a-leich energisch zustel. len sind (Schluss auf Seite 3)