Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1951-09-01 · 9 (Septiembre, 1951) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIII (1951)
Issue
9 (Septiembre, 1951)
Date
1951-09-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/8553624-8554211-9192730--0729-8554358
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Septiembre, 1951 BOLETIN INFORMATIVO 7 WALTER TRIER H Wn*eJre*t, Aus Toronto in Canada kommt die Nachricht, dass der bekannte Karikaturist und Maler Walter Trier dort kuerzlieh gestorben ist. Diese Notiz wird bei Vielen von uns die Erinnerung an jene freudvolle Welt kulturellen und kuenstlerischen Scha f f e n s ausloesen, deren hervorragende Exponenten auf zeichnerisch-karikaturistem Gebiete die unvergesslichen Heinrich Zille, Paul Simmel und nicht zuletzt Walter Trier waren. In jungen Jahren aus seiner boehmischen Heimat nach Muenchen gekommen, hatte Trier durch seine originellen Zeichnungen in sueü deutschen humoristischen Blaettern bald Aufsehen erregt. Seine Schoepfungen zeichneten sich durch die Ur. spruenglichkeit ihrer Darstellung, die Menschlichkeit des Stoffes, die Alltaeglichkeit und Schlichtheit des Behandelten aus, ohne je damit in die oft vulgaere billige Witzelei vieler anderer landlaeufiger Karikaturisten zu verfallen. Da war nichts Hergeholtes, nichts kuenstlich Gewolltes, da lebte der Ausdruck Das ist Emil —der von den Detektiven— am Telefon. echtesten, kultiviertesten Humors. Der Verlag Ullstein, der nie kleinlich war, wenn es sich um die Gewinnung eines hervorragenden Koenners handelte, wusste sich mit einem fuer damalige Verhaeltnisse phantastischen Gehalt die Mitarbeit Walter Triers zu sichern, dem sich nun ein Feld ungehemmter Betaetigung seines Talents und seines Ideenreichtums bot. Er wurde zu einer der angesehensten und beneidetsten Groessen des Zeitschriften- und Buchverlags. Bald gab es in der Leserschaft ganze Gruppen, die sich “Die Dame”, die “Berliner Illustrierte Zeitung” oder den “Uhu” schon allein der Trier’schen Karikaturen wegen kauften. Zum Presseball, dem groess- ENLACE CHILENO-ISRAELITA L E N O X, Massachussetts. (EE. UU.).— El compromiso matrimonial de Leonard Bernstein, conocido compositor, pianista y Director de Or. questa, con la señorita Felicia Montealegre, acttriz chilena, fué anunciado. t Como lo saben nuestros lectores, Leonard Bernstein es Director de la Orquesta Filarmónica de Israel y ha llevado su batuta —junto con el maestro Serge Koussevitzky, fallecido hace poco— durante su reciente y triunfal jira a través de los Estados Unidos. Leonard Bernstein Und das ist Emils Grossmuter ten gesellschaftlichen Ereig nis jener Zeit, schuf Trier mit tausend originellen Einfaellen und in humorvollster Pinselfuehrung unübertreffliche Dekorationen. Der stets schlagfertige Ullstein-Fahrstuhlfuehrer Schulz meinte: “Wat brauche ick zum Presseball zu jehen, wenn ick die Prominenten und den janzen Rummel hier im Hause habe” und er spielte damit nicht nur auf den Chefredakteur Georg Bernhard, damals Prae. sident des Vereins Berliner Presse, an, sondern auch auf Walter Trier, der in hervorragender Weisee an dem alljaehrlich erscheinenden Presse - Almanach mitgearbeitet hatte. Ausserdem hatte Trier den gesamten Bauzaun des Ullsteinhauses, der sich von der Koch- bis zur Charlottenstrasse erstreckte, mit bun. ten Monumentalkarikaturen versehen. Fast alle Unter. grundbahnhoefe zeigten gettto Hirro TJ olylo w anl Q td fö V/lTl Trier und unzaehlige Buchumschlaege und Saeulenanzeigen taten ein uebriges, die Popularitaet dieses grossen Humoristen mit Zeichenstift und Pinsel zu verbreiten. Mit dem Ausbruch des “Dritten Reiches” war auch dem kuenstlerischen Schaffen Triers das Handwerk gelegt. Er siedelte nach England ueber, wo er noch mehrere Jahre Gelegenheit hatte, sich in der seiner Eigenart und seinen hohen Gaben entsprechenden Form zeichnerisch zu i betaetigen, bis er sich entj schloss, zu seinen Kindern [ nach Canada zu ziehen. I C. S.-r. Zeit: Gegenwart. Ort der Handlung: eine der Hauptstrassen der Stadt. Herr A. und Herr B. kommen von verschiedenen Richtungen. Sie begruessen sich. bleiben stehen. A. Alles wohl zu Hause...? Ja, danke, bei uns auch. Besten Dank uebrigens fuer die Einladung zu Ihrer Veranstaltung. Wir werden natuerlich alle kommen. Aber sagen Sie, was heisst das eigentlich: “Es wird nicht gesammelt?” B. Na, “Es wird nicht gesammelt!” Genau so, wie wir es hingeschrieben haben. Es war meine Idee. A. Ihre Idee? Und was soll die Idee bedeuten? B. Na, Mensch, das ist doch klar! Wenn dasteht: “Es wird nicht gesammelt”, kommen mehr Leute. Und wir moechten, dass es recht voll wird! Sie wissen doch, wie viele wegbleiben, weil sie sagen: “Das kostet uns wieder’ne Stange Geld! Eintritt, Tee, Versteigerung.... und dann kommen noch die Sammlungen! Und da gehen sie am Ende mit einem offnen Tablett umher, so dass jeder sehen kann, was der andere hinlegt. ... Na, und damit sie wissen, das wird diesmal nicht geschehen., und damit sie alle kommen, darum habe ich die Idee gehabt, unter die Einladung zu schreiben: “Es wird nicht gesammelt!”... A. Eine geniale Idee! B. Soll das ironisch sein? Ich sehe wirklich nicht ein, wo da Ironie am Platze ist! Ich stelle mich einfach auf den Boden der Tatsachen! A. Da steht keiner gut! B. Hoeren Sie mal! ...Sie sind doch schon wieder in einer Ihrer beruehmten Stimmunaen! Also lieber raus mit der SDrache! Was haben Sie auszusetzen? A. Darf ich zunaechst eine Gegenfrage stellen..? Die Leute wissen doch —so nehme ich an—, wofuer gesammelt wird? B. Eine originelle Frage, lieber A.! Ob der. der gerade sammelt, sich K. K. L. nennt oder K. H. oder wizo. oder Gemeinde, —es geht, doch alles an ein und dasselbe Ziel: nach Israel! Wir sammeln doch alle fuer Israel, nicht wahr? A. Und Sie meinen, die Leute wissen das. B. Na selbstverstaendlich wissen sie das! A. Und wissen die Leute auch, wie es in Israel aussieht ...? B. Was meinen Sie: “Wie es aussieht...?” Ach, Sie meinen die Probleme und so...? A. Ja, ich meine die Probleme und so... B. Na, wieso sollten die Leute das nicht wissen? Alle Augenblicke gibt es Vortraege darueber! Der kommt gerade zurueck..., jener war grade da! Alle erzaehlen, was sie gesehen haben! Die Laeger! Wie die Leute auf der Erde schlafen! Wie sie die Kinder nackt aus den Flugzeugen geholt haben! Dass man nicht weiss, wie man die Alten ernaehren, wie man die vollkommen unerzogenen Kinder, die noch nie mit der Zivilisation in Beruehrung gekommen sind, — wie man die erziehen soll! Ja, furchtbar schwer, das alles! Grosse Pro. bleme! Natuerlich wissen das die Leute! Es wird ihnen so oft erzaehlt, dass sie es schon gar nicht mehr hoeren wollen! A. Und da meinen Sie, wenn ich Sie recht verstehe, dass sie dennoch nicht so recht geben wollen! Oder besser ausgedrueckt: Wenn sie wissen, es wird nicht gesammelt, dann kommen sie eher! B. Gewiss, ja! Das sagte ich Ihnen doch! Ich weiss nicht, wo Sie hinauswollen! Immerfort wird von den Leuten hier was verlangt! Hier sollen sie geben, — da sollen sie geben! Die Leute werden auch mal muede! Das ist doch nur menschlich! A. Ich finde es unmenschlich! B. Hoeren Sie! Lassen Sie mich in Ruh’! Sie sind... Sie sind... (er sucht nach dem passenden Wort) ...also, Sie sind ein Idealist! A. Mein Lieber, sollte das ein Tadel sein, so stecke ich ihn mit Freuden ein. Aber da Sie wollen, dass ich mich naeher erklaere, und wenn Sie noch 5 Minuten Zeit haben ... Gut, setzen wir uns einen Augenblick auf den Platz, hier, auf die schoene, sonnige Bank. Nicht wahr, es ist schon ganz warm heute?! Ja, — also, vom Geben sprachen wir, nicht wahr...? B. Ja, oder vom Sammeln, wenn Sie so wollen... A. Gut, vom Sammeln und vom Geben. Sehen Sie, Israel ist nicht das einzige Land, das sich in seinen Anfaengen in einer schwierigen, fast un. ueberwindlich schweren Situation befunden hat. Es gibt kaum ein Land im Laufe der uns bekannten Geschichte, das anders aufgebaut wurde. "Es wird nicht gesammelt1/' Ein Gespraech. Von N. SERIO Ein Vaterland wird einem nicht auf einem silbernen Tablett angeboten...! hat ein beruehmter Mann gesagt. Und nicht nur im Anfang, nich nur beim Aufbau ist es vielen Laendern so gegangen, —nach verlorenen Kriegen,— nach Ueberfaellen, — nach Naturkatastrophen, — nach Seuchen, — solange es solche noch gab, — ist es vielen Voelkern, ich moechte sagen: allen Voelkern der Geschichte, ebenso gegangen. Sie fanden sich vor die schwersten Probleme gestellt. Was taten sie? Sie sammelten! Sie riefen auf! Sie forderten...! Was tat das Volk...? Es gab! Es gab nicht das Menschliche, — es gab das Uebermenschliche! An Geld, — an Kraft, — an Leistung, — an Leben! Haben Sie mal Toynbee gelesen? Sehen Sie mich nicht so entsetzt an! Sie brauchen ihn nicht zu lesen! Ich will Sie nicht dazu zwingen ...! Es faellt mir nur eben so ein! Toynbee nennt das: “Challenge and response!”, das heisst: Herausforderung und Antwort! Nur die Voelker, die wirklich vom Schicksal herausgefordert worden sind, und dieser Herausforderung ihre kraftvolle Antwort entgegengestellt haben, haben sich entwickelt, sind nicht untergegangen. Frauen haben ihre Eheringe gegeben, Maedchen haben sich ihre Haare abgeschnitten — laecheln Sie nicht, mein Lieber—; damals war das lange Haar der schoenste Schmuck der Frau und die Dauerwelle waren noch nicht erfunden...! Ganze Generationen haben gehungert, wie Sklaven gearbei. tet, um der Gesamtheit des Volkes in schwerer Bedraengnis zu helfen. Unser eigenes Volk, — Ihres, mein Lieber, und meines, hat eine glaenzende Vergangenheit aufzuweisen, wenn es sich um Opfermut handelt! Das alte Testament ist voll davon! Wenn es “menschlich” ist, zu ermueden, — dann muesste man schliessen, dass das alles Uebermenschen waren! Aber ich versichere Sie, es war nicht so. Nicht das Verhalten der Voelker, die solche Opfer brachten, ist bemerkenswert, sondern unser Verhalten heute und hier, scheint mir das Merkwuerdige und recht Unverstaendliche zu sein. Das juedische Volk ist einer “chal. lenge”, einer Pruefung gegenuebergestellt worden, wie selten ein Volk in den letzten Jahrhunderten. Es ist zerstueckelt, dezimiert, in grausamster Weise zerrissen worden! Und was fuer eine Antwort hat das Volk auf diese Herausforderung gegeben...? Es hat ein Vaterland gegruen. det! Fuer die Millionen hoch, kultivierter, geistig geschulter, in europaeischer Zivilisation erzogener Juden, die man nmgebracht hat. holte das Volk sich neues Menschenmaterial heran. Oder vielmehr: es wurde ihm dargeboten. Halbwilde Menschen, Maenrier und Frauen, die noch nie auf einem Stuhl gesessen haben, — die nicht wissen, was Messer und Gabel ist..., lassen Sie mich von Lesen und Schreiben schweigen...! Nun. und was wird geschehen...? Diese Menschen werden lernen, in einem Bett zu schlafen, auf einem Stuhl zu sitzen. mit Messer und Gabel zu essen, — nicht zu rauben, nicht, zu stehlen...! Ihre Kinder werden Lesen und Schreiben lernen, und Rechnen. und Snraehen. und Geschichte ... Und ihre Enkelkinder werden von Ihren eigenen Enkelkindern, mein Verehrter, so wenig zu unterscheiden sein, wir Sie und ich. Trotzdem ich in einem kleinen Dorf in Polen geboren bin und Sie in einer Grosstadt Deutschlands. Und diese Menschen werden das Land fuellen, werden fuer das Land arbeiten, werden Erfindungen machen, Buecher schreiben, Blider malen, Sym. phonien komponieren. Kurz, sie werden eine Kultur aufbauen. Aber wissen Sie, was dazu gehoert, mein Lieber? Opfermut, Vergessen der eigenen Beduerfnisse, nicht “muede” werden—, kurz, Idealismus gehoert dazu, mein Freund! Die Jugend, sehen Sie, die hat nicht versagt. Sie ist hingegangen und sie geht weiter hin. Sie laesst das bequeme Leben beseite liegen, — adieu, bequemes Leben, sagt sie. Du warst sehr bequem, und das nässt nicht mehr zu mir...! Sie geht und arbeitet, und ist sehr gluecklich dabei. Und wir, die wir nicht gehen, — noch nicht gehen...? Nun, mein Freund, wir tun, was man in solchen Faellen tut: wir sammeln und wir geben! Immerzu, — immerzu! Noch mal und noch mal! Nein, wir sind es nicht muede, zu sammeln, wir sind es nicht muede, noch einmal zu geben! Die “challenge” steht vor uns, — und wir wissen die “resnonse!”... Uff, mein Freund, ist das heiss ge. worden! Augenblick mal, ich will mir nur den Mantel ausziehen...! Na. Sie! Sie sind doch so still geworden! Was ist denn los? B. Ach, wissen Sie, man sollte Ihnen gar nicht zuhoeren! Sie reden und reden... und ploetzlich ist man ueberzeugt...! Also Sie meinen, ich sollte... A. Ich meine, Sie sollten unter Ihre Einladung schreiben: “Es wird gesammelt!” Damit recht viele kommen! Und nun, adieu, mein Lieber, es ist schon spaet, ich muss laufen! Und herzliche Gruesse an Ihre Frau...! (Herr A. und Herr B. schuetteln sich die Haende, — und gehen eilig in verschiedenen Richtungen die Hauptstrasse einer Stadt entlang).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.