Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIII (1951)
- Issue
- 7 (Julio, 1951)
- Date
- 1951-07-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Julio, 1951 BOLETIN INFORMATIVO 7 FI1MBESPRECHUNG: DIE AFFAIRE BLÜH UND DANACH "DIE STRASSE FREI..." DIES SIND DIE VAHREN NAHEN Der Film “Affaire Blum” behandelt mehr als eine blosse Affaire, auch mehr als nur das Schicksal des Mannes Blum. Gewiss wird bei diesem ausgezeichneten Film auch der auf seine Rechnung kommen, welcher in ihm nur den Ablauf eines interessanten Kriminalfalls oder den Kampf eines Unschuldigen um sein Recht verfolgen will. Doch der eigentliche Wert dieses Werkes liegt darin, dass er ein getreues Spiegelbild einer Zeit und ihrer Wirren ist, dass er die Geschehnisse vor einem deutlich gezeichneten Hintergrund ablaufen laesst und somit eine eindrucksvolle symbolische Wirkung hervorruft. Der franzoesischen und italienischen Filmkunst, an die sich dieser deutsche Film seinem Wesen nach anlehnt, ist es gelungen, ihren Schoepfungen eine Tiefenschaerfe zu geben ohne dabei die Charaktere zu schemenhafter Undeutlichkeit verblassen zu lassen. Diese Kunst steht —im Gegensatz zur amerikanischen, die sich mit der oft abstrahierten Aufzeigung eines Problems begnuegt— wie ein Wegweiser am Scheidewege. Sie wurzelt noch in dem, was besteht, doch ihre Arme weisen in die Zukunft. Wer die Weimarer Republik nicht kannte und von ihrer Entstehung und Niedergang wenig weiss, der kann durch diesen Film ueber einen zu Unrecht angeschuldigten Juden einen tiefen Einblick in die wesentliche Ursache ihrer Schwaeche nehmen. Ganz abgesehen von der wirtschaftlichen Notlage, die zu dem endlichen Untergang der Republik beitrug, war den Kraeften von Gestern die Macht belassen worden, ihre Stellung durch zaehe Kleinarbeit zu untergraben. Die deutsche Justiz, beruehmt we. gen ihrer Unbestechlichkeit, beruechtigt aber wegen ihrer politischen Rechtsprechung, wird in diesem Film von Typen repraesentiert, die an George Grosz’ bitterernste Karikaturen erinnern. Es ist eine Kaste, durch Vergangenheit und Interessen aneinander geschmiedet, die mit zaeher Sturheit ihre unedlen Absichten frueher oder spaeter verwirklichen wird. Wie schwach nimmt sich dagegen der offizielle Vertreter der sogenannten Macht aus! Zweifellos ist dieser, der aus der Arbeiterschaft emporgestiegene Regierungspraesident, ein angenehmerer Mensch, der ausser seinem Palais und dem seidenen Schlafrock den aufrichtigen Willen zu helfen besitzt. Doch fuehlt er sich in den eben erklommenen Hoehen viel zu unsicher, als dass er seine kaempferischen Quaiitaeten, die er gewiss einst besass, einsetzen wuerde. Die Tragoedie von ihm und seinesgleichen besteht darin, dass er sich krampfhaft an die Spielregeln einer anderen Gesellschaftsschicht haelt, in dem Moment gerade, wo diese im Begriff ist, dieselben ueber Bord zu schmeissen und das Feld fuer Leute vom Schlage eines Gabler (der Moerder in Film) zu raeumen. Es ist nicht schwer vorauszusagen, wie der Regierungspraesident reagieren wird, wenn er zum ersten Mal mit der brutalen Gewalt zusammentrifft. Er wird ihr weichen. Das “Spiel der Goetter” im Justiz- und Regierungspalast geht um das Schicksal des Industriellen Blum, des eigentlichen Helden also. Und doch ist der Typ so getreu gewaehlt, dass wir keineswegs den strahlenden Helden vor uns sehen, von dessen Unschuld man sofort ueberzeugt sein wuerde. Ein bequem im Wohlstand dahinlebendei Mensch geraet er ploetzlich in die Haende von Gewalten, deren abgrundtiefe Boeswilligkeit er erst langsam zu durchschauen beginnt. Damit beginnt das innere Wachstum dieses Menschen. Er, der Jude, und nicht seine deutsche Frau, die von dem endlichen Sieg der Gerechtig. “Macht nichts, der Jude wird verbrannt!’’: Diese klassischen Worte kommen einem immer wieder in den Sinn, wenn man das dramatische Geschehen in dem Film “Die Affaire Blum” vor sich abrollen sieht. Viele unter uns werden sich noch des Justizskandals erinnern, der sich vor genau 25 Jahren in unserer “alten Heimat” abgespielt, uns aufs tiefste er. schuettert. aber uns damals doch nicht zu entscheidenden Entschluessen veranlasst hat. Der Regisseur Engel hat die Idee, die Faehigkeit und nicht zuletzt den Mut gehabt, diesen historischen Fall in seine r ganzen empoerenden Wirklichkeit als eine der er- V keit in Deutschland spricht, formuliert die Tendenz dieses Filmes. Nachdem seine Unschuld erwiesen ist, aeussert er gedankenvoll: “Ich fuerchte, dass noch nicht al les vorueber ist. Es geht erst los.” Dann naemlich, wenn es nicht mehr um eine Rechtsverbiegunggeht, sondern das Recht schlechthin aufgehoben wird; wenn die Strasse frei ist dem organisierten Mord und der Gewalt. Der Film enthaelt einige besonders starke Szenen, die einem unvergesslich bleiben werden. Die bedrohliche Atmosphaere bei der Familienfeier in Gablers Haus kurz nach dem Mord; die Koechin im Hause Blum, als sie ihrem Herrn hoehnisch vorwirft, die reichlichen Geschenke seien also wohl nur Schweige, gelder gewesen; der Moerder beim Verhoer, der sich vorsichtig von Luege zu Luege tastet; das Auftreten des Detektiven Bonte, der, kein “Superman”, hinter der Maske gutmuetiger Dummheit aus. serordentliche Faehigkeit ln seinem Fach verbirgt und aehnliches mehr. Zu bedauern ist eigentlich nur das voellige Fehlen von Szenen auf der Strasse und im Volk, wo sich die ersten Boykottzeichen gegen das Haus Blum gezeigt haben muessen. Immerhin hoert man in den Ge. spraechen einiges davon. Die “Affaire Blum” ist ein mitreissender, das Gewissen aufruettelnder Film. Das haben diejenigen wohl gemerkt, die das Gewesene vergessen wollten. Es wissen es auch die hier lebenden Volksgenossen der Herren Juristen Konrad und Schwerdtfeger. Darum sehen sie sich den Film, aus ihrem Vaterland und in ihrer Muttersprache lieber gar nicht an. Und wenn man etwas kritisieren koennte an dem Film, so ist es dies: es sehen ihn nicht diejenigen an, die es unbedingt sollten. Und das ist schade, sehr schade. BEN sten deutschen Filmschoepfungen der Nach-Hitlerzeit auf die Leinwand zu bringen und sich damit vielleicht im eigenen Lande der Unpo. pularitaet auszusetzen. Wenn er das Kind nicht beim richtigen Namen nennt, sondern die wahren Personen hinter Pseudonymen verbirgt, so hatte er dafuer gewiss seine Gruende. Sicher hat er mit der Betitelung “Affaire Blum” eine Parallele zu der “Affaire Dreyfus” ziehen wollen, die ja im Grunde dasselbe Thema —den aus fanatischem Rassenhass zu Unrecht beschuldigten Juden— behandelt und die eine Welt in Aufruhr gebracht hat. Nur in einem Punkt wird das Pseudonym fallen gelassen: in der Erwaehnung, dass sich die Dinge in Magdeburg abgespielt haben. Die Stadt Magdeburg war das Zentrum der mitteldeutschen Zuckerindustrie, des Braunkohlenbergbaus und der Waffenfabrikation (Krupp-Grusonwerk). Kein Wunder, dass auf diesem reaktionaer-schwerindustriellen Naehrboden nicht nur die Zuckerrueben, sondern auch jene reaktionaeren Kraefte gediehen, die im Film ihre treffende Darstellung gefunden haben. Nicht durch Zufall wurde Magdeburg der Gruendungsort und Zentralsitz des “Stahlhelm”, jener militaristischen Organisation, die mit dem Vorzeichen der sogenannten Wiedererstarkung zum scharfen Gegner der demokratischen Weimarer Republik wurde. (Dass spaeter auch ihr repraesentativer Fuehrer Oberst Duesterberg dem “Arierparagraphen” zum Opfer fiel, sei nur nebenbei bemerkt). In dieser Atmo. sphaere also kam es zu dem im Film gezeigten Vorgehen jener feudalen Elemente, die in all ihrer borniert ueberheblichen Arroganz, ihren politisch-rassischen Hassgefuehlen und ihrer Flucht vor der Verantwortung trefflich charakterisiert sind. Die Zugeknoepftheit dieser sich auserwaehlt duenkenden Kaste haette man kaum besser veranschaulichen koennen, als durch jene Herren in Bratenroecken und mit ueberdimensionalen steifen Kragen. Wir haben keine Veranlassung, die wahren Namen der Handelnden in dieser Affaire zu verschweigen und sie seien hier genannt. In seinem Buch Richter und Gerichtete” eroertet und glossiert der Gerichtsberichterstatter der “Vossischen Zeitung” jener Zeit SLING (Dr. Schlesinger) unter dem Titel “Der Raubmoerder Schroeder” die Affaire Haas. Rudolf Haas ist der wahre Name des verfolgten und unschuldig in den Raubmord an dem Buchhalter Helling hineingezogenen juedischen Fabrikanten. Seine Widersacher waren der Magdeburger Kriminalkommissar Tenholt, der im Einvernehmen mit dem Untersuchungsrichter Koelling die Ermittlungen fuehrte und die unter dem Patronat des Landgerichtsdirektors Hoffman handelten. Haas, der monatelang in Untersuchungshaft zubringen musste und unter Mordanklage gestellt werden sollte, erwuchs der Retter in dem Berliner Kriminalkommissar Busdorf, der auf Geheiss des Regierungspraesidenten eingriff und trotz aller nur erdenklichen Erschwerungen und Gegenak. tionen der antisemitischen Untersuchungsclique auf eige ne Faust den wahren Jg.achverhalt, d i e APf; Hariä4. Schroeders und 3ihann fuer Haas’ z u t a g! ,in Buchen, y Schroeder wurde# £challer.w verurteilt, Haas re — sieben J.ahre vor der “Machtergreifung”. Es ist selbstverstaendlich, dass Koelling und Hoffman im Hitlerreich sofort bedeutende Posten in der “Rechts”pflege bekleideten. Die Weimarer Republik hatte nicht den Mut gehabt, diesen Edelmaennern endgueltig das Handwerk zu legen. Sling hat das nicht mehr erlebt. Prophetisch schrieb er im Schlussabschnitt seines Essays, der Fall Schroeder sei abgeschlossen, aber die Faelle Koelling und Hoffman schwebten noch. Die Akten hierueber muessten ihre im Gesetz vergeschriebene Erledigung finden und erst dann werde man ueber diese Faelle zur Tagesordnung uebergehen koennen. Koennen wir zur Tagesordnung uebergehen? C. S-r. Der Visen-Prozess Der Tagespresse entnehmen wir, dass die Berufungsinstanz dem Staatsanwalt Luis Baquedano eine neue Fristverlaengerung, diesmal bis zum 31. Juli ds. Js., gewaehrt hat, um den Prozess wegen “illegaler Einwanderung staatenloser Israeliten” anzustrengen. Der genannte Prozess befindet sich seit etwas mehr als zehn Jahren noch im Untersuchungsstadium. Die Stadtverwaltung von Ascona (Schweiz) hat beschlossen, ein Denkmal fuer den 1948 verstorbenen Emil Ludwig zu errichten. Ludwig hat , viele Jahre in Ascona gelebt. In Ungarn wurden saemtliehe juedische Schulen von AUS DER JUEDISCHEN der Regierung uebernommen. Das Rabbinerseminar in Budapest wurde einer hoeheren Schule angegliedert. Juedische Buecher duerfen nicht mehr veroeffentlicht werden. Die einzige jiddische Zeitung ist auf lokale Nachrichten beschraenkt. WELT Die Stadtverwaltung der schlesischen (jetzt polnischen) Stadt Strehlen hat beschlossen, den Namen der Stadt nach Prof. Paul Ehrlich, dem Entdecker des Salvarsan, umzunennen. Strehlen wird in Zukunft Ehrlich heissen. 85. Geburtstag 15 Juli, Frau Ernestine Rosenberg, Obispo Orrego 545. 75. Geburstag 7. Juli, Frau Marta Krieg, El Oidor 1888. Wir gratulieren den Jubilarinnen auf ¡d,as herzlichste und wuenschen ihnen noch viele glueckliche und segensreiche Jahre im Kreise ihrer Familie. Direktorium und Repraesentanten-Kollegium der S. C. I. “B'ne Jisroel” Serge Koussevitzky Das ploetzliche Ableben des grossen Dirigenten Serge Koussevitzky ist nicht nur ein schmerzlicher Schlag fuer alle musikliebenden Menschen, sondern ganz insbesondere fuer die israelische Musik. Was er fuer die Entwicklung und die Erfolge des Israelischen Philharmonischen Kaussevitzky dirigiert das I.P.O. Orchesters geleistet hat, laesst sich nur mit der Arbeit des unvergesslichen B r o n i slaw Hubermann und dem Wirken Toscaninis vergleichen. Erst im Vorjahre hatte er einen triumphalen Erfolg als Gastdirigent in Israel und leitete dann —neben Leonard Bernstein— die Philharmoniker auf ihrer erfolgreichen U.S.A. Tournée. Zu den Festspielen des Jahres 1953, anlaesslich des 3000-jaehrigen Bestehens der Stadt Jerusalem war er bereits als Dirigent verpflichtet. Der Tod hat diesen schoenen Plan vereitelt... "Das aelteste Landtier juengsie Staat" Unter dieser Ueberschrift hat die “Air France” eine wunderschoene Fotomontage zusammengestellt, welche die touristischen Reize Israels verlockend zur Schau stellt. Die ein ganzes Fenster einnehmende Propaganda scheint durch verschiedene Reisebueros zu wandern und befindet sich im Moment in der Auslage der Zentral- Agentur dieser Luftfahrtlinie, Agustinas 1191 (Servicio Internacional de la L.A.N.).