Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIII (1951)
- Issue
- 4 (Abril, 1951)
- Date
- 1951-04-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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BOLETIN INFORMATIVO 9 evV.1 MENACHEM KILAI Touristen^Saison in Israel HERBERT FRIEDENTHAL Zionistische Propaganda von Israel aus gesehen Durch die Korea-Panik war eine starke Unterbrechung des Touristenstroms nach Israel eingetreten. Seit einigen Wochen ist Israel mit Touristen ueberfuellt, wie man es nach der Gruendung des Staates gewoehnt war. Es kommen Touristen, sowohl Juden wie Nicht-Juden. Gerade in den letzten Tagen konnte man in Jerusalem viele Hunderte christlicher Touristen und Geistliche sehen, die am Ostersonntag vom juedischen Jerusalem aus die Grenzen nach der arabischen Altstadt ueberquerten, um an den christlichen Staetten ihre Andacht zu verrichten. Nach der christlichen Ueberlieferung sollte Jesus und sein Gefolge das Abendmahl am Zionsberg verrichtet haben. Die Araber haben den Christen nie gestattet, am Zionsberg ihre Gebete zu verrichten. Heute ist der Zionsberg in juedischem Besitz und das israelische Religionsministerium hat den christlichen Pilgern die Erlaubnis gegeben, an dieser Staette jetzt ihre Gebete zu verrichten. Auch Vertreter der Kunst sind zahlreich vertreten. Der groesste lebende juedische Schauspieler Morris Schwartz trifft in den naechsten Tagen zu einem Gastspiel ein. Die Klavierkuenstler Vronsky und Babin sind seit Wochen in Is. rael; dieses Pianistenpaar spielt vor ausverkauften Haeusern. Es sind russische Juden, die jetzt in England leben. Bei einem Konzert zugunsten des Wohlfahrtsfonds der mitteleuropaeischen Alijah gab es ein Stelldichein Aller, die Rang und Namen hatten, bis ins diplomatische Korps. Es war ein festliches Ereignis und ein grosser kuenstlerischer Erfolg. Jehudi Menuhim war wieder im Lande •—diesmal brauchte er sich nicht von der Polizei bewachen zu lassen—; er fuhr sehr viel herum und gab uneigennuetzigerweise einige Konzerte in den grossen Militaerlaegern. Ein zweites Zeichen der Toleranz in Israel kann man darin sehen, dass ein getaufter Jude, der Kapellmeister Otto Klemperer, die Moeglichkeit hatte, einige Konzerte mit dem Radio-Orchester zu dirigieren. Nebenbei waren diese Abende ein Kunstgenuss und eine grossartige Gelegenheit fuer unser Radio-Orchester, zu zeigen, dass es unter einem guten Dirigenten viel leisten kann. Auch der Dirigent der Londoner B.B.C.., Walter Goer, dirigierte mit gutem Erfolg und Koennen das gleiche Orchester. Sehr gelobt wurde das Auftreten von Maurice Gendron, einem hervorragenden franzoesischen Violin- Cellisten. Unzaehlige juedische Touristen halten sich im Lande auf und man koennte gewichtige Namen von Persoenlichkeiten aus allen Laendern aufzaehlen. So waren bei den Pflanzungen des Yaar Kedoschim des Keren Kajemeth (Pflanzung des Waldes der Maertyrer) die Vertreter aus vielen Laendern, die eigens nach Israel gekommen waren, um bei den Pflanzungen anwesend zu sein, so eine Delegation der Frauenorganisation “Hadassah”, gefuehrt von Rose Halperin. waehrend ihrer Anwesenheit haben die Beamten der Hadassah in Israel eine Pensionskasse errichtet. Nahum Goldmann hat im Namen der Juden der Welt mit der Regierung verhandelt, um der Zionistischen Weltorganisation vor der Israel-Regierung einen politischen Status zu sichern, wie es heisst, sollte Goldmann Ben Gurion davon ueberzeugt haben, dem Presidenten der Zionisti schenWeltorganisation vor der Israel-Regierung den Status eines diplomatischen Vertreters einzuraeumen. Mit einem Luxusschiff aus Amerika ist Richter Proskauer mit seiner Frau eingetroffen. Waehrend seine Mitreisenden sich mit zwei Tagen Besichtigung in Israel begnuegt haben und dann ihre Weltrundreise fortsetzten, hat Richter Proskauer es vorgezogen, 14 Tage lang sich Israel genau anzusehen. Unter den nicht-juedischen Touristen hat ein fuehrender australischer Arbeiterfuehrer grosses Aufsehen erregt. Es war Mr. Clerry, der schon zweimal als Minister in Australien amtierte. Clerry ist zwar Invalide, doch sagte er, es sei ihm jeder Moment zu schade, in Israel auszuruhen; tatsaechlich war er 14 Stunden taeglich auf Tour, um sich das Land anzusehen. Ebenso wissbegierig und begeistert war eine schwedische Arbeiter-Delegation, die sich jetzt im Lande aufhaelt. Und wir sollen es nicht unterschaetzen, wenn aus dem Lande Bernadottes fuehrende Menschen zu uns kommen und sich als ergebene Freunde und Helfer entpuppen. Ein ebensolches Ereignis von politischer Tragweite, das selbst der groesste Optimist vor drei Jahren nicht erwartet haette, war die Ankunft der Parlaments-Delegation aus England, im Flughafen Ludd. In dieser Parlamentsdelegation sind Vertreter aller Parteien. Die Delegation wurde im Flughafen Ludd von der israelischen Parlamentsdelega. tiori, die alle Parteien ausser der Cheruth umfasste, empfangen. Ausser diesem ofiziellen Empfang gab es vorher einen familiaeren Empfang, denn der Fuehrer dieser englischen Parlamentsdelegation, der 80. jaehrige Lord Samuel, kam nicht als Fremder nach Israel. Am Flughafen erwartete ihn sein Sohn Edwin Samuel mit seiner Frau Hadassah, einer Sabre, Tochter von Jehuda Grasowsky-Gur, der sich in der hebraeischen Sprache und im Jischuw durch sein hervorragendes Woerterbuch unsterblich machte. Hadassah Samuel ist die Vorsitzende der Welt-Wizo-Exekutive und eine der fuehrenden und charmantesten Frauen Israels. Der 80-jaehrige Herbert Samuel kommt nach Israel, um sein Urenkelkind zu besuchen, dass er im Sefer Hajeled des Keren Kajemeth eingetragen hat. Seine Enkelkinder haben im Viel ist von, aber wenig ue. ber Propaganda gesagt worden. Die sie verachten, irren genau so wie die, die sie ueberschaetzen: sie steht weder im Gegensatz zur Erziehung, noch kann sie mehr als vorbereitenden Charakter fuer eine Aktion haben. Die praktische, eigentliche Arbeit einer politischen Bewegung wird von ihr nur erleichtert, nicht geleistet. Tatsachen haben es gewollt, dass die zionistischen Propagandisten die Prediger der Krisis geworden sind. Es ¿ab Krisen im juedischen Leben der Diaspora, es gab Krisen in Palaestina, und es gibt Krisen in Jisrael. Obwohl die “Kriseo. logen” immer durch die Ereignisse gerechtfertigt wurden, konnten sie nicht verhindern, dass sich eine Krise der zionistischen Propaganda entwik. kelte, die hauptsaechlich psy. chologische Ursachen hat. Seit siebzehn Jahren ist zionistische Propaganda im hoechsten Gang gelaufen, ver kuendend, dass der entscheidende Augenblick gekommen war —sie bestuermte die Juden, Geld zu geben, auf Alijah zu gehen, sich zu organisieren, zu Versammlungen zu kom men, den Schekel zu kaufen— heute, nicht morgen. Morgen wuerde es zu spaet sein. Je ner Tenor der Dringlichkeit war notwendig, aber er brachte ein “Fortissime” mit sich ein Rufen mit voller Stimmgewalt, eine Flut von Super, lativen, die nicht uebertroffen werden konnte. Als Unglueck 1 ueber Unglueck ueber die juedische Welt kam, und mit den Jahren die Scheusslichkeiten sich nur mehrten, gewoehnten sich die Leute an die Hochdruckmethoden der Propaganda, und allein diese Tatsache stumpfte ihre Waffen ab. Wie lange kann man dramatische Spannung aufrecht erhalten? Wie lange ist eine Neuigkeit neu? Lediglich im Jahre 1948 waren die Ereignisse so gewaltig, dass sie die ganze juedische Welt mit sich rissen. Seitdem ist die zionistische Propaganda gescheitert —nicht weil sie weniger ueberzeugend wurde, sondern weil sie in den vorhergehenden Jahren maximalistisch gewesen war— sie liess sich selbst keinen Spielraum mehr fuer eine Steigerung. Und aus noch einem anderen Grund konnte sie nicht mehr das gewuenschte Interesse mobilisieren:es fehlte ihr an Nuancen, hatte ihr immer Kriege fuer den juedischen Staat gekaempft. Herbert Samuel, der vor 30 Jahren Britischer High Commissioner in Palaestina war und an Feiertagen in die Synagoge ging, wobei sein Adjutant ihm den Tallis nachtrug, bekam die traditionelle Mizwah, den Maftir, und mit besonderer Ruehrung betonte er den Satz: “al kisso lo jeschev sar” (auf dem Koenigsstuhl soll kein Fremder sitzen). Dieses Gebet ist erhoert worden, und sicher ist Herbert Samuel darueber nicht weniger gluecklich als alle guten Juden in der Welt und in Israel selbst. an Nuancen gefehlt. Der wir. kungsvollte Schauspieler wird sein Publikum ermueden, wenn er nicht die Stimme moduliert. Die zionistischen Propagandisten schriebt ihre Warnungen seit zwanzig Jahren aus Leibeskraeften. 1 Nicht nur im Grad der Intensitaet, sondern auch in der Wahl des Themas irrte die Propaganda. Seit 1933 bis zum Ende des Weltkrieges war das Thema selbstverstaendlich die Rettung der europaeischen Juden. Humanitaere Motive waren entscheidend bis zur Ausschliesslichkeit: man konnte nicht riskieren, ueber Subtilitaeten zu streiten. Jede Moeglichkeit, Juden der Nazihoelle zu entreissen, musste versucht werden, und es spielte in diesem Zusammenhang keine Rolle, ob man sie nach Shanghai, Amerika, England oder Palaestina bringen konnte. Das Jahr 1945 haette der Wendepunkt fuer die zionistische Propaganda werden muessen. Jetzt war der Augenblick, von der humanitae. ren Note zum Zionismus umzuschalten, das Schlagwort von der “Rettung” fallen zu lassen und zur Forderung zurueckzugehen, ein juedisches Land aufzubauen; nicht mehr ueber “Sicherheit” zu sprechen, sondern ueber juedische ‘‘Freiheit”. Aber “Sicherheit” blieb das propagandistische Motto selbst dis Bomben in Palaestina fielen und die Schatten eines dritten Weltkrieges Sicherheit in allen Laendern zu einem zweifelhaften Gut machten. Man haette aufhoeren sollen, bei der jetzigen Einwanderung mittel— und osteuropaeischer Juden von “Rettungsoperationen” zu sprechen, dasselbe Wort, das gebraucht wurde, als es noch eine Gestapo gab: sie waren weder in unmittelbarer Lebensgefahr noch gab ihnen die Einwanderung unmittelbare “Sicherheit”. Wie findet jemand, der in der Diaspora eine Menge zionistischer Versammlungen besucht und zionistische Presse und Literatur sorgfaeltig studiert hat, die Wirklichkeit Jisraels, verglichen mit der Propaganda? Man muss zugeben, dass es ihr gelang, die Dynamik der Tatsachen, das Drama vom Aufbau des Landes der juedischen Welt zu vermitteln. Ein Leser zionistischer Publizistik findet sich in Jisrael zurecht, wenn er niemals zuvor im Lande gewesen ist. Er weiss, dass das Emek Jezreel ein Sumpf war, so wie einige der anderen Tae. ler, und er weiss die Felder dort zu schaetzen oder die Fabriken in der Haifa-Bay. Er ist sich der Bedeutung von Wasser in Palaestina bewusst. und er sieht auf den Beginn der Landwirtschaft im Negev mit den Augen eines Fachmannes. Er hat von Bodenerosion gehoert und freut sich, hier und da gruene Waelder vorzufinden. Er kennt die Unterschiede zwischen kollektiven und kooperativen Siedlungen und wird ihre Errungenschaften mit dem Eifer eines Spezialisten studieren. Zweifellos, zionistische Propaganda war instruktiv, was das Land betrifft, obwohl sie bewusst an manchen Problemen vorbeiging —aber nicht so sehr des Landes, wie seiner Menschen. Sie war immer am besten, wenn sie in der technologischen Sphaere blieb, und am schwaechsten, wenn sie von der menschlichen Seite handelte: sachlich, wenn sie ueber das Land, und sentimental, wenn sie ueber die Leute sprach. Zionistische Propaganda hat aus dem Jischuw ein Idol gemacht, hat ihn mit einer Gloriole umgeben —glueckliche Menschen, je gluecklicher, je mehr Opfer sie bringen koennen, Idealisten, die ihre Egos auf gegeben haben und das Gemeinwohl wichtiger nehmen als ihre eigene Misère. Im Rampenlicht der Propaganda erscheinen sie als eine Million Humphrey Bogarts, die, wie, auch immer die Schwierigkeiten, sich zum “happy end” durchbeissen werden. “Der Jischuw wird’s schon schaffen” — damit beruhigt der juedische “Mann in der Strasse” in New York, London oder Johannesburg sich und sein Gewissen— jene Humphrey Bogarts werden einen Ausweg aus jeder Krise finden, ohne dass er zu tief in seine Tasche greifen muss. Man hat ihn so oft gelehrt, zum Jischuw aufzuschauen, als staende er auf einem Piédestal, dass er ueberrascht sein wuerde, ihn mannshoch zu finden, wie andere Sterbliche. Jene Heldenverehrung macht den Fehler, die Eigenschaften einiger Weniger auf die breite Masse zu projizieren. Sie ist deshalb fuer eine falsche Darstellung gewisser Wirklichkeiten verantwortlich, und somit fuer eine Entfremdung zwischen der Diaspora und Jisrael. Auch hier handelt es sich um ein Fehlen von Nuancen — diesmal nicht in der Intensi. taet, sondern in der Farbe; das Portraet des Jischuw ist einfarbig in rosa. Mit dem ununterbrochenen Strom von Touristen nach Jisrael wird die zionistische Propaganda von denen “nachge. prueft”, fuer die sie bestimmt ist. Ihr einziger Zweck sollte deshalb eine intelligente Interpretation der Wirklichkeit sein. ("M. B”) X ANZEIGEN ANNAHME FUER DAS I/ "BOLETIN INFORMATIVO" I IN 0 VALPARAISO 7\ MARTIN HIRSCHBERG y VALPARAISO * ALMIRANTE MONTT 361 - TELEFONO n Auf Wunsch werden die Inserate abgeholt. 4316