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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1951-04-01 · 4 (Abril, 1951) · p. [Seite]

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIII (1951)
Issue
4 (Abril, 1951)
Date
1951-04-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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REDACCION: S.C. I. B’NE JISROEL AV. PORTUGAL 810. TEL. 33096 CASILLA 2487. SANTI AGO - CHILE BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT S O C I D A C U LT U RAL' I S RAÊ LITA I S R O E L» Ano XII N.o 4 SANTIAGO DE CHILE ABRIL, 1951 DAS PESSACH - WUNDER Von AHARON LOGA, Jerusalem Es war eine Woche vor Pes. sach, dem Fest zur Erinnerung an die Befreiung aus aegyptischer Knechtschaft. Jerusalem glich einer belagerten Stadt. Der Feind hatte die Zu_ fahrtsstrassen blockiert, und seit vielen Tagen war kein Lebensmitteltransport zur Versorgung der juedischen Be. voelkerung eingetroffen. Die wenigen noch vorhandenen Vorraete waren fuer die Haganah sichergestellt worden, und die Laeden standen leer. Brot und Salzkaese waren noch das einzige, was es zu kaufen gab. Kein Fett, kein Mehl, keine Milch, kein Obst und Gemuese, keine Suessigkeiten, keine Fische. Koscheres Fleisch gab es schon seit Monaten nicht mehr. Selbst Zigaretten, die noch ueber den Hunger ettvas hinweggeholfen haetten, konnte man nicht mehr erhalten. Als Ge. muese ass man das Unkraut, das auf dem Felde wuchs, aber wer keinen elektrischen Kocher besass, kannte selbst dieses nicht kochen, denn auch Petroleum gab es nicht. Um das Uebel vollzumachen smmssmm * V -Í&Í? mmm *. r J 4 . . ‘ Ein Geleitzug mit hundertzwanzig Autos Blockade durchbrochen...” hatte In gewohnter Festesfreude versiegte auch das Wasser. Die! sass man am Ssederabend beim traditionell gedeckten Tisch, auf dem die Schuessel mit den vorgeschriebenen Speisen prangte. — Ein Wunder war geschehen. * Schon einmal — vor neun Jahren — erlebte ich solch ein Pessachwunder. Ich befand mich mit fast vierhundert illegalen Emigranten zu- Araber hatten die Wasserzuleitung zur Stadt durchschnitten. Wahrscheinlich wird es auch keine Mazze geben — man stelle sich vor: Pessach ohne Mazze, die seit dem Aus zug aus Aegypten vor mehr als drei Jahrtausenden Jahr fuer Jahr gegessen wird. Mit dem Herannahen der Feiertage wuchs die Verzweiflung i und das Hungergespent* 1 zammen an Bord eines keinen schlich durch die Strassen der i Frachtdampfers auf dem Weg Heiligen Stadt.! nach Erez Israel. Wir waren . Hoch da erhellte sich ploetz. j nach endloser Fahrt in die lieh die trostlose Stimmung.! Naehe der Kueste des ersehn. Einer ueberbrachte die freu-! ten Landes gekommen, konn_! dige Nachricht dem anderen, | ten aber nicht landen, da wir j wie ein Lauffeuer durchzog es! mit dem Kibbuz, der uns bei | die Stadt: Ein Geleitzug mit! der Landung haette behilflich 1 hundertzwanzig Autos hatte i sein sollen, keine Verbindung die Blockade durchbrochen, I erhielten. Nachts naeherte war ohne Verluste durchge.. sich unser Schiff im Schutz kommen und hatte Jerusalem j der Dunkelheit der Kueste. erreicht. Am naechsten Tage ‘ Wir sahen die Lichter von dreihundert Wagen, dann wie. I Tel-Aviv und sogen den sues. der ein Transport und noch j sen Duft der Orangenblueten einer. Die letzten waren aller. I ein, der von den Zitruspflandings angegriffen worden, wir i Zungen herueberwehte. Am hatten eine Anzahl Toter zu | Tage lavierten wir draussen auf dem freien Meere. Inzwischen gingen die Lebensmittel und Kohlen auf dem Schiff zur Neige. Der Ka. pitaen zog es daher vor, nach Griechenland zurueckzukeh. ren und derweilen das Benoe. tigte funkentelegraphisch anzufordern. Ohne uns seinen Entschluss mitzuteilen, wendete er, ohne dass der neue Kurs jemandem auf fiel. Jedoch am Stand der Sonne j stellten wir fest, dass wir: staendig in westlicher Rieh-: tung fuhren und teilten es ■ bestuerzt allen Mitreisenden I ne andere Wahl, wir mussten uns in das Unabaenderliche fuegen. Unser Essen war schon von Beginn der Reise an nicht allzu reichlich gewesen, doch jetzt wurden die Rationen auf Wasserreservoir diesem einen wenig angenehmen Beigeschmack versetzte. Nach drei Tagen trauriger Fahrt ankerten wir vor einer der vielen kleinen griechischen Inseln und warteten mit knurrendem Magen auf das avisierte Boot, das uns mit Nahrung versorgen sollte. Tag fuer Tag, von Sonnenaufgang bis zur Abend. daemmerung, hielten wir Ausschau von dem schwimmenden Gefaengnis, das an der Ankerkette zerrte. Eine Woche schon, doch keine Sendung kam, uns vor dem drohenden Hungertod zu retten. Am Erew Pessach war die Verzweiflung aufs hoechste gestiegen: Lebensmittel— und Wasservorraete waren erschoepft. Hat man uns denn ganz vergessen, sollen wir hier auf dem Meere elend zugrundegehen? Hatten wir das Gelobte Land nur von ferne sehen duerfen, um jetzt fern der altneuen Heimat sterben zu muessen? Und selbst wenn die griechische Regierung be. reit, gewesen waere, uns an Land gehen zu lassen, wie konnten wir’s uebers Herz bringen, europaeischen Boden wieder zu betreten, den wir so freudig nach Jahren ungestillter Aliiah-Sehsucht end lieh doch noch verlassen hat. ten? Da weckt uns ein Freuden- Menachem Kilai: Touristen-Saison in Israel. Herbert Friedenthal: Zionistische Propagandavon Israel aus gesehen. Dr. Arthur Galliner: Die kuenstlerische Gestalt der Haggadah. Hermann Hesse: Das gestrichene Wort. beklagen, und mehrere Last autos waren verbrannt. Aber die Verbindung mit der Aussenwelt war eine Zeitlang wieder hergestellt. Drei Tage vor dem Fest begann die Verteilung. Mazzoth, Fleisch und Fisch, Margarine und Oel, Gemuese und Obst, Kaese und Eier, Zigaretten und Schokolade, alles war wieder vorhanden. Ein wenig un. glaeubig noch bestaunte man die vielen guten Sachen, die man nach Hause brachte. Und sogar das Wasser floss wieder. Die Rohrleitung war repariert worden und fuehrte nun das kostbare Nass mit kraeftigem Druck aus der Ebene hinauf nach Jerusalem. “Wir konnten aber nicht landen...” das Lebensminimum zubemes sen. An Stelle von Frueh. stueck und Abendessen nag. t e n wir an steinhartem Schiffszwieback, und mittags gab es eine duerne Graupensuppe oder in Meerwasser ge. geschrei aus unserer Lethargie. Man hat es in der Ferne gesehen, das kleine Motorboot, das jetzt schnurgerade auf uns zu kommt. Schon ist das Leben in uns wieder erwacht. unsere Pulse schlagen schneller vor froher Erwar. kochten Reis. Zum Trinken mit. Es war fuer uns eine j wurde ausser salzigem Tee am j tung. Alles laeuft an die Reegrosse Enttaeuschung, so nah j Morgen nur ein Glas Wasser I ling, um mit eigenen Augen dem Ziel wieder umkehren zu | am Tag ausgegeben, aus dem! das Wunder zu schauen, muessen. Doch wir hatten kei_ Petroleumtank, der als Trink.1 Das Boot legt seitlich an der Wand unseres Schiffes an, pralle Saecke und klobige Kisten mit Lebensmitteln werden an einer Winde heraufgezogen. Der Lagerraum, der sein letztes hergegeben hatte,; um den Hunger von vierhun- I dert Auswanderern zu stillen, fuellte sich wieder, i Ein zweites Boot erscheint. Die juedische Gemeinde von Athen hat es geschickt. Die Kunde war zu den griechischen Juden gedrungen von dem Missgeschick, dasdie Palaestinafahrer auf dem Meer betroffen hatte. Wie haetten sie abends am Ssedertisch sagen koennen: “Jeder, der hungrig ist, komme und esse. Jeder, der beduerftig ist, komme und halte Pessach!” — wenn sie wussten, dass vor der Kueste ihres Landes Hunderte hungernder Juden das Pessachfest nicht feiern konnten! So stellten sie in Eile eine groessere Sendung von Mazzoth und weine zusammen, um ihren Bruedern da draussen ein Zeichen ihres Zusammengehoerigk e i t s g efuehls zu geben. Wir trauen unseren Augen nicht und koennen das auf uns einstuermende G 1 u e c k kaum fassen, als nach den anderen Nahrungsmitteln jetzt die vielen Pakete ungesäuerten Brotes und Flaschen -mit dunklem griechischem Wein an Bord kommen. Einen Augenblick stockt das Herz vor Ueberraschung, der Atem steht still, und dann fallen die aus der Verzweiflung Erwachten sich erloest um den Hals und weinen, weinen still vor Freude. Es ist kurz vor Sonnenuntergang. Schnell wird in der Mitte unseres Bunkers aus rohen Brettern ein Tisch zusammengestellt und mit weis_ sem Papier belegt. Einige wenige nur finden an der improvisierten Tafel Platz, wir anderen sitzen ringsherum auf den Strohsaecken in den Bretterverschlaegen, die zum Schlafen dienen, und wohnen dem Sseder bei. Und wohl noch nie ist so bewusst und feierlich: “Mah nischtana haleila haseh mi kol haleloth?” gefragt worden wie in dieser Nacht. (“Das Neue Israel”, Zuerich'

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