Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XII (1950)
- Issue
- 9 (Edicion Especial)
- Date
- 1950-09-01
- Page
- Seite 17 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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17 BOLETIN INFORMATIVO KIBBUZIM Wie wir erfahren haben, geht der Bau des Gemeindehauses' seiner Vollendung entgegen, und die feierliche Einweihung wird Anfang September stattfinden. Wir “chilenischen” Chawerim des “Haschomer Hazair”, die wir uns im Kibuz Maabaroth befinden, haben im Laufe der JaKre. stets in engster Fuehlung mit der Gemeinde “B’ne Jisroel” gestanden und betrachten uns noch heute, hier in Medinath Israel, als ihre Mitglieder. So teilen wir mit Ihnen Ihre berechtigte Freude ueber die Fertigstellung des Gemeindehauses und wuenschen, dass es stets ein Zentrum pulsierenden juedischen Lebens und dass dort den juedischen Jugend Chiles der Weg aufgezeichnet werde, der als einziger den Fortbestand unseres Volkes verbuergt, der Weg in unser Land. Das arosse Gemeinschaftshaus Wir sind nun schon ein Jahr Chawerim des Kibbuz Maabaroth, und Mitglieder unserer Gruppe sind in allen Wirtschaftszweigen des Kibbuzes beschaeftigt. Zum grossen Teil arbeiten sie in dem Fach, in dem sie ausgebildet sind. Maabaroth gehoert zu den alten Kibbuzim, es besteht nun schon 18 Jahre. Es leben hier Chaluzim aus Bulgarien, Ungarn, Rumaenien und Deutschland. Landwirtschaft und Pardessim bilden die Haupterwerbsquelle, daneben Kuhstall und Huehnerstall. Mechaniker arbeiten in der Reparaturwerkstatt fuer Traktoren, in der Autoschlosserei.-Auch Tischler, Klempner, Schuhmacher haben ihre Werkstaetten. Die Kueche ist auf das Modernste eingerichtet, fast alle Arbeiten werden maschinell ausgefuehrt. Die Wohnungen der Chaluzim sind von den verschiedensten Typen, und das Anrecht auf Wohnung richtet sich nach der Zeit, die der Betreffende bereits in Maabaroth lebt. Erfreulicherweise haben sich auch unsere Eltern, trotz der grossen Veraenderung in Klima, Ernaehrung, Lebensweise, Kultur gut hier eingelebt und beteiligen sich an den Arbeiten des Kibbuzes. Natuerlich wird immer weiter an der Ausgestaltung des Kibbuzes gearbeitet. So steht augenblickfleh im Mittelpunkt des Interesses unserer Gruppe ein Projekt, dessen Verwirklichung fuer uns eine Ehrenpflicht ist. Es handelt sich um die Errichtung eines “Sportzentrums”, das dem Andenken unserer lieben Chawerim Ernst Mueller und Jascha Ghinesin gewidmet sein soll. Ihre Gemeinde hat stets der chaluzischen Idee Verstaendnis und Unterstützung entgegengebracht, und wir sind ueberzeugt, dass Sie auch diesmal unser Werk foerdern werden. Es handelt sich doch darum, eine Staette zu errichten, mit der die juedische Blick in den Speisesaal; im Hintergrund die Buehne fuer Aufzehrungen. II MSsísSí illÜÉ Eine Ecke aus dem Leseraum Kollektivitaet Chiles ihren Gefallenen den ihnen gebuehrenden Dank abstattet. B. H. grosse Obstplantagen-Anlage. Zu den echón gesetzten 15 Dunam Weinherg wollen wir dreitausend PflaumenUaeume setzen, die ln der Umgegend sehr gut gedeihen und die nicht sehr wasserbeduerftig sind- Diese Erweiterung des Mesolheks enmoegliöht uns eine zweite, naemlieh eine Bienenzucht, die Juda Werner eohon mit viel Enthusiasmus vorbereitet. Ein jetzt echón gut tragender Wirtschaftszweig sind unsere beiden Lastwagen, ein Mack von 12 Tonnen, der ln Transporten arbeitet und ein 6 Tonnen G.M.C., der hauptsaechlich Materialien zum Aufbau herbringt. Sobald wir die finanzielle Moeglidhkeit haben, werden wir diesen Zweig noch sehr erweitern. Die Wirtschaftslage des Landes wie auch unsere geographische Position, macht es unerlässlich, die Landwirtschaft noch zu unterstuetzien durch Angliederung einer Industrie, um die wirtschaftliche Basis des Kibbuzes zu sichern. Wir suchen schon seit einiger Zeit eine passende Ea/brlkai tion, die sich im Rahmen des Kibbuzes I und angesichts des Arbeltskraftmangels ermoeglichen laesst. Es bestehen verschiedene Moeglichkeiten, unter anderem auch die Sozietaet mit einem der Naohbar- Kihtouzlm, wo bereits eine Industrie vorhanden ist. die wirtschaftlich durch Monopolbesitz des Artikels sehr gut gestellt, aber erweiterungsbeduerftig ist. Ich habe mit diesem Artikel bezweckt, durch Beschreibung der aeusseren Realitaeten einen Durchblick zur inneren Gegebenheit unseres Kibbuz-Aufbaus zu geben. Einen Einblick in die chaluzische Realttaet, in deren Verwirklichung wir bestrebt sind. Wir hoffen, dass Ramot Menashe ein Bindeglied zwischen dem Judentum in Chile und dem Aufbau in Erez Israel wird, ein Symbol chaluzischer Arbeit, das jeden Einzelnen dem Land naeherbringt und mit ihm verbindet. Werner Goldschmidt DIE MENORA Zum ersten Male nach beinahe 2000 Jahren nennt Israel ein “Semel” —ein Wappen— sein eigen, in dessen Mittelpunkt die Menora, der sie. benarmige Leuchter, steht. Auf die Menora bezieht sich schon der Prophet Secharja, der gleichfalls an einem Wendepunkt juedischer Geschichte lebt und dessen Grab als einziges unter den Propheten auf dem Oelberg in Jerusalem erhalten blieb. Im Augenblick der Wiedererrichtung des neuen Bet-Hamikdasch, des neuen Tempels, im Jahre 520 laesst er sein Wort erklingen: “Ich sah hin und da ward ein Leuchter ganz aus Gold mit 7 Armen;.. und zwei Oelbaeume daran, einen zur Rechten und den' anderen zur Linken.” Schon in jener weit zurueckliegenden Zeit war die Menora ein Symbol unseres Volkes, in dem sich die Idee Israels kristallisierte. Anders als der Magen David knuepft die Ide der Menora an die Urspruenge unseres Volkes an. Ein Jahr nach dem Auszuge aus Aegypten —also vor mehr als 3000 Jahren— ergeht schon an Mosche der Befehl eine siebenarmige Menora aus reinem Gold hersteilen zu lassen und sie im Stiftszelt links vom Altar, aufzustellen. Allabendlich entzuendete sie ein diensthabender Priester. Mit dem Stamm in der Mitte, aus dem die Arme wie Zweige herauswachsen, ist die Menora dem Baum nachgebildet, der das Symbol des Lebens ist. Die Menora diente nicht nur, um das Heiligtum zu erleuchten, sondern sie verkoerpert das Licht, das von diesem Heiligtum ausstrahlend, die Welt erleuchten soll. Die von dem Kuenstler Bezalel nach Auftrag Mosches angefertigte Menora des Ohel Moed (Stiftszelt) kam nach der Eroberung Kanaans nach Schilo. Dort blieb sie im Stiftszelt bis sie Koenig Salomon mit anderen heiligen Geraeten in den Tempel nach Jeruschalaj im brachte. Im salmonischen Tempel standen 10 Menorot, die wahrscheinlich nicht minder kunstvoll waren. Zur Zeit des Koenigs Joschijahu wurde sie versteckt, aber nach der Zerstoerung des Tempels durch Nebukadnezar nach Babylon gebracht, wo sie bis zum Jahre 537 v. blieb. Sie kehrte nach Palaestina zurueck als Koenig Cyros von Persien die Rueckgabe aller heiligen Geraete an die in die Heimat zurueckkehrenden Exilanten anordnete. Im 2. Tempel in Jeruschalajim stand wohj nur eine Menora vor dem Gottesaltar. Von Amtiochos Epifanes profaniert, wurde sie von Jehuda Makkabi wieder hergestellt und an sie die Geschichte des Chanukawunders geknuepft. Auch Jehoschua ben Sirach erwaehnt die grosse Menora des Tempels. Josephus Flavius erzaehlt. welch grossen Eindruck sie auf den roemischen General Pompejus ausuebte. Als im Jahre 70 u.Z. der Tempel von Jerusalem zerstoert wurde, blieben von den heiligen Geraeten des Tempels nur die Menora, der Altar und seine Thorarolle intakt. Titus befahl, sie als Siegestrophaen nach Rom zu bringen. Er Hess den Triumphbogen errichten, in den die heiligen Tempelgegenstaende und unter ihnen auch die Menora eingraviert wurden. Von jetzt an begleitet nur noch die Legende ihr Schicksal. Vespasian soll sie im Tempel des Friedens aufgestellt haben. Als im, Jahre 455 u.Z. der Vandalen, koenig Genserich Rom auspluender. te, brachte er Sie nach Cartago. Der General des byzantinischen Kaisers Justinian, Belisar, zerstoerte das Vandalenreich und brachte sie nach Byzanz. Seit dieser Zeit sehen wir die Menora nur in roemischen Katakomben, auf alten Synagogenmauern u. a. Aber auch das Bild der zerstoerien Menora uetote noch immer einen Einfluss auf zahlreiche Werke der alten juedischen Literatur ans, immer wieder suchte man ihren Symbolgehalt au deuten. In der Kabala wird die Menora zum Ez Chajim — Baum des Lebens — und stellt die Schoepfung des Universums in 7 Tagen dar. Das zentrale Licht ist der Schabbat, die 7 Arme stellen die 7 Kontinente dar und die 7 Lichter die 7 Planeten mit der Sonne im Zentrum und alles strebt zu Gott. Auch in der modernen juedischen Literatur hat die Menora in der Novelle Stefan Zweigs “Der vergrabene Leuchter” und in Theodor Herzl’s “Die Menora” Ihren Niederschlag gefunden. So ist die Menora in der Geschichte unseres Volkes das Symbol des Lichtes gewesen, das von Israel ausstrahlt. Stefan Zweig findet am Schluss die schoenen Worte: “Schliesslich wird sie irgendjemand am dem Tage finden, an welchem das Volk sich wiederfindet und an dem sie die Friedfertigen im Tempel des Friedens erleuchten kann.” Diese Worte Stefan Zweigs waren prophetisch. Das wiedererstandene Israel hat die Menora ausgegraben und nun leuchtet sie als das Symbol des Staates Israel in die Welt hinein. Heute haengt an der Wand der Knesset in Jerusalem das Bild des grossen Herzl, umrahmt zu beiden Seiten von der Menora. Sie symbolisiert den Willen des juedischen Volkes, seinen Beitrag zur Erleuchtung der leidenden Menschheit zu leisten. Die Menora mit ihren 7 Armen re. praesentiert heute das grosse Israel, das ueber die Welt zerstreut auf den Staat als die Verkoerperung unserer Hoffnungen und Sehnsuechte blickt. Wenn wir wollen, dass die Menora ihr Licht mit immer staerkerer Intensitaet ausstrahlt, muessen wir bereit sein, der Rohstoff des Leuchtmaterials zu sein, welches die Menora zum Leuchten bringt. Jeder Jude muss sich mit seinem Leben in den Dienst der Menora stellen und durch seine Bereitwilligkeit, die er in jedem Moment bezeugt, dazu beitragen, dass die Menora hell aufleuchte. Auch in unserem neuem Gemeindehaus hat die Menora an heiliger Staette.einen Platz gefunden. Moege sie der Ausdruck dafuer sein, dass auch unsere “B’ne Jisroel” bereit sind, sich von der Menora, dem Symbol des Lichtes erleuchten zu lassen und Israel zu dienen. Sie verkuende unseren ©ruedern und Schwestern in der Welt, dass wir uns als ein Teil, ein Arm, des grossen Israels fuehlen und wir gemeinsam mit ihnen an der Verwirklichung des Traumes Herzl’s arbeiten wollen: “Unserem Manne àber wurde das ganze zu einem Gleichnis fuer die Entflammung der Nation. Erst eine Kerze, da ist-es noch d-unkel und das einsame Licht sieht noch traurig aus. Dann findet es noch einen Gefaehrten, noch einen, noch mehr. Die Finsternis muss weichen. Bei den Jungen und Armen leuchtet es zuerst auf, dann schliessen sich die anderen am, die das Recht, die Wahrheit, die Freiheit, den Fortschritt, die Menschlichkeit, die Schoenheit lieben. Wenn alle Kerzen brennen, dann muss man staunen und sich freuen ueber das getane Werk. Und kein Amt ist beglueckender als das eines Dieners am Licht.” (Herzl, “Die Menora”). Rabbiner E. Loewensteir,