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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1950-09-01 · 9 (Edicion Especial) · p. Seite 1

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XII (1950)
Issue
9 (Edicion Especial)
Date
1950-09-01
Page
Seite 1 (sequence 3)
Language
German
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BOLETIN INFORMATIVO 1 UNSER ß ET H - AM Noch nicht 12 Jahre sind vergangen seit dem unvergesslichen 9. und 10. November 1938, an dem die Synagogen Mitteleuropas in Flammen aufgingen. Die Welt sollte es als Strafakt fuer den Schuss ansehen, den ein Verzweifelter auf einen Vertreter des Systems abgefeuert hatte. In Wirklichkeit war es ein Programmpunkt in dem systematischen Vernichtungswerk, das eine Gruppe Besessener dem Judentum und dem juedischen Volk zugedacht hatte. Dieses Volk mit seiner grossen geistigen Kraft war ein Hindernis auf dem Wege zur Eroberung der Welt. So sollte den nirgends judenfreundlichen Voelkern ein stolzes Beispiel dafuer gegeben werden, wie ein juedischer Volksteil mit seinen tief verankerten wissenschaftlichen, kulturellen, sozialen und materiellen Guetern ueber Nacht ausgerottet werden koenne. Glecihzeitig wurden die juedischen Maenner in Konzentrationslaeger gesperrt und nur unter der Bedingung sofortiger Auswanderung freigelassen. Auf dem Wege solcher Einschuechterung wurde planmaessig erreicht, dass Zehntausende jede sich ihnen bietende Einwanderungsmoeglichkeit aufgriffen, unter Zuruecklassung ihres Vermoegens das Land ihrer Geburt und die Graeber ihrer Ahnen verliessen und in Massen ihre neuen Gastlaender meist mittellos betraten. Das sollte gleichzeitig Unruhe und Feind, schaft der neuen Wirtsvoelker, Belastung der eingesessenen juedischen Gemeinschaften und Brechung juedischer Kraft zur Entwicklung und zum Wiederaufbau unserer Verluste in Europa mit sich bringen. Die Rechnung war falsch. Um ein Volk und seine Moeglichüeiten zu beurteilen, muss man seine Geschichte kennen und bewerten. Unser Volk, das aus der Knechtschaft in Aegypten zur physischen Freiheit und zu der niemals uebertroffenen sittlichen Groesse, der Offenbarung am Sinai und des Empfangs der 10 Gebote, aufgestiegen ist, ist im Unglueck und grade durch Unglueck stark und zu neuen Leistungen faehig geworden. Dieses Volk, das unter dem Druck der Roemer, der Griechen, der Syrer und Babylonier ' gelitten und alle diese Voelker ueberdauert hat, unser Volk, das die Zerstreuung nach der Zer. stoerung des Tempels ertragen, die Vertreibungen im Mittelalter, Inquisition und Pogrome bis in die neueste Zeit ueberstanden hat, ist durch Tuecke und Grausamkeit nicht zu vernichten. Nur Mangel an Einigkeit und Treue koennen den Bestand unseres Volkes gefaehrden; dies aber ist in Zeiten gemeinsamen Leides am wenigsten zu befuerchten. So hat auch die Zwangswanderung unserer Epoche nicht zur Erfuellung der Ziele unserer Feinde gefuehrt, sondern im Gegenteil zu produktivster Gestaltung neuen juedischen Lebens in den neuen Heimatlaendern der aus Europa vertriebenen Juden. Auch die nach Chile gekommenen Juden haben ihre Energien fuer die Wiedergewinnung der ungeheuren Verluste eingesetzt, die das Judentum in Europa erlitten hat. Unter dem Titel “Chewra, Kultus —und Bestattungsgemeinschaft’', der heutigen Sociedad Cultural Israelita “B’ne Jisroel” schufen sie sich eine Gemeinde, die sich —wie aus ihrem ersten Namen hervorgeht— die dringendste Aufgabe stellte, den Ritus im religioesen Leben und Tradition und Pietaet in der Bestattung der Verstorbenen aufrechtzuhalten. Mit der Entwicklung ihrer Kraft durch ihr Wachstum nahm unsere Gemeinde mehr und mehr am Leben unseres Volkes in der juedischen Welt und dem unserer hiesigen Gemeinschaft regen Anteil. Denn wohl jeder von uns spuerte in sieh das Gefuehl der Dankbarkeit fuer seine Errettung, dem er durch Mitarbeit an der Gestaltung juedischer Zukunft Ausdruck geben wollte. Viermal waren wir bereits Mieter von Raeumen, die entsprechend unseren Beduerfnissen immer umfangreicher wurden: in einen Vorraum des Bueros der Hicem, in einem Zimmer im Hause Catedral 1019, in einem Stockwerk Monjitas 507 und als Mieter des Hauses San Diego 216, wo wir bis Juli 1945 Vertrag hatten. Auch die Raeume dieses Hauses waren rasch unzulaenglich geworden: der Saal mit seinen 400 Sitzplaetzen und die Zimmer fuer Verwaltung, Schule und Wohlfahrtsarbeit. Aus der Fest_Ansprache des Praesidenten der Sociedad Cultural Israelita “B’ne Jisroel”, Dr. José Hirschberg, anlaesslich der Einweihung des Gemeindehauses. Trotzdem war 8 Monate vor Beendigung des Mietverhaeltnisses, als am 29. Oktober 1944 in wenigen Stunden alles in Flammen aufging, was wir uns in 6 Jahren muehsam auf gebaut hatten, noch keine Ueberlegung darueber angestellt worden, was nach Ablauf des Mietsvertrages geschehen sollte. Es war ja noch Krieg und die Existenz unserer Gemeinde durch die Moeglichkeit starker Rueckwanderung ihrer Mitglieder nach Kriegsende ungewiss. So uebersiedelten wir nach langem Suchen nach dem Hause Monjitas 690, und erst als ein weiteres Jahr vergangen und die Zukunft unse. rer Gemeinde gesichert war, glaubte das damalige Direktorium der Generalversammlung den Bau eines eigenen Gemeindehauses mit staendiger Synagoge empfehlen zu koennen. Die Gemeindevertreter wussten wohl, dass sie bedeutende materielle Anforderungen an die Gemeindemitglieder stellen muessten, aber sie wussten auch, dass die meisten von ihnen inzwischen wirtschaftlich festen Fuss gefasst hatten, dass mit weiterem Zuzug mitteleuropaeischer Juden aus anderen Wanderungslaendern zu rechnen war und dass unsere finanziellen Pflichten gegenueber allen anderen juedischen Aufgaben, vor allen gegenueber den zionistischen Fonds, durch den Bau nicht zu leiden brauchten. Diese Erwartung hat sich in vollem Umfange erfuellt; denn voller Stolz duerfen wir zum Ausdruck bringen, dass in den beiden schwersten Jahren unseres Baues, 1948 und 1949, fuer die Campañas in unserem Sektor ein Vielfaches dessen beigetragen worden ist, was in den vorangegangenen Jahren zusammengekommen ist. Ja, es waren schwere Inflationsjahre, die wir mit unserem Bau durchgemacht haben! Mangel an Baumaterial wechselte mit Mangel an Geld, und jeder dadurch hervorgerufene Zeitverlust warf die unzaehligen Voranschlaege ueber den Haufen. Oftmals traten Zweifel an der Moeglichkeit zur Durchfuehrung dieses Werkes auf, und es gehoerte Mut und Energie dazu, das Werk zu Ende zu bringen. Aber nun sind wir am Ziel. Dafuer gebuehrt unser Dank in erster Reihe unserem unermuedlichen Architekten, Don José Dvoredsky, der fuer dieses Haus seine genialen Ideen, die Liebe zu seinem Werk und seine Begeisterung fuer ein juedisches Zentrum in uneigennuetziger Weise zur Verfuegung gestellt und jedes kleinste Detail persoenlich vorbereitet, geprueft und ueberwacht hat. Ebenfalls danken wir fuer ihre selbstlose Mitarbeit unseren Calculistas den Herren Carlos Sandor und Enrique Schlesinger, die dem hohen Zweck dieses Gebaeudes weitestgehend Rechnung getragen haben. Es ist weiterhin eine angenehme Pflicht allen denen aufrichtigen Dank auszusprechen, die in ehrenamtlicher Mitarbeit an der Werbung sowie an der technischen Durchfuehrung unseres Baues zu seinem Gelingen beigetragen haben: Unseren Direktoren Landau und Friedmann, sowie den Mitgliedern unserer Bau- Kommission. in erster Reihe Herrn Kurt. Hoffmann, der seit Jahr und Tag an der technischen Leitung des Baues und zwar taeglich an Ort und Stelle mitgewirkt hat. Auch den anderen Mitgliedern unserer Bau-Kommission danken wir herzlichst den Herren Lichtenstein, Ermann, Roesler und Weintraub, so wie das Andenken unseres verehrten Freundes Bernardo Pincus ueber seinen Tod hinaus mit unserem neuen Gemeindehaus stets verbunden bleiben wird. Vor allem aber sind wir allen unseren Mitgliedern zu Dank verpflichtet, die durch Geschenke von Einriçhtungsgegenstaenden, Preisnachlass bei ihren Lieferungen und Bauarbeiten den Bau gefoerdert haben, so wie denen, die durch Geldspenden, Darlehen und regelmaessige Zahlung von Sonderbeitraegen die Finanzierung dieses Werkes ermoeglicht haben. Ohne sie alle, ohne die Opferbereitschaft und das Verstaendnis unserer Mitgliederschaft, haetten wir die Schwierigkeiten, die uns durch die Inflation begegnet sind, kaum ueberwinden koennen. Es ist ein grosses Haus geworden und doch knapp gegenueber den Anforderungen, die das juedische Leben unseres Sektors schon heute an seine Raeume stellt. Aber die Gemeindekoerperschaften werden alles moeglich zu machen suchen, um alle Institutionen und Gruppen in unserem Hause aufzunehmen, die darauf Wert legen, denn hier auf unserem eigenen Grund und Boden soll eine juedische Heimat im Galuth aüfgebaut werden. Unser religioeses, kulturelles und soziales Leben, der Schul-Unterricht, Geselligkeit und Jugend-Zentrum werden hier ihren Platz haben und die uns befreundeten Institutionen wie Wizo, Unión Sionista und die Logen des Ordens B’ne Berith haben bereits ihre Zentren in unserem Haus errichtet. Darueber hinaus stehen die Tore dieses Gemeindehauses selbstverstaend- Iich dem ganzen Jischuw von Chile zu ernster Arbeit wie zu kollektiven und privaten Festlichkeiten stets zur Verfügung. So nur koennen wir den herzlichen Beziehungen Ausdruck gebeii, die uns sowohl mit den Spitzen-Organisationen wie den uebrigen Institutionen und den fuehrenden Persoenlichkeiten unserer Colectividad verbinden. Wir wissen, dass Skeptiker die Berechtigung dieses Baues durch die Ueberlegung in Zweifel setzen, ob eine naechste Generation vorhanden sein wird, die dieses Haus in Anspruch nehmen soll. Die Argumentation, dass unsere heutige Jugend entweder ihre Alijah nach Israel durchfuéhren oder durch Assimilation ihr Interesse am juedischen Leben und am juedischen Zentrum verlieren wuerde, koennen wir nicht anerkennen. Ohne den natuerlicben juedischen Optimismus waere alle unsere Arbeit sinnlos und die Arbeit unserer Ahnen in den 2000 Jahren der Galuth, vor allem in den 1 112 Jahrhunderten seit der Emanzipation, sinnlos gewesen. Was im Laufe dieser 2 Jahrtausende durch Treue und Glauben an unsere religioese Mission mit der in allen Gebeten zum Ausdruck kommenden Sehnsucht nach der Rueckkehr ins Heilige Land zur Erhaltung des Judentums beigetragen hat, wird heute nach der Erfuellung unseres Traumes von der Wiederaufrichtung unseres Staates in noch staerkerem Masse zum Bestand unseres Volkes und seiner Zukunft beitragen. Wenn schon die fuehrerlosen und schutzlosen Gruppen in den langen Zeiten der Diaspora nicht der Assimilation zum Opfer gefallen sind, um wieviel weniger besteht diese Gefahr heute, wo der Blick jedes Juden und jeder juedischen Gemeinschaft des Galuth auf Israel und die Stroemungen gelenkt ist, die von diesem innerlich starken Staatswesen auf die juedische Welt ausgeuebt wird. Und nach menschlicher Berechnung wird der Staat Israel die 10 Millionen Juden, die heute im Galuth leben, in ihrer Gesamtheit in absehbarer Zeit nicht aufnehmen koennen. So glauben wir verantwortungsbewusst gehandelt zu haben, wenn wir dem Jischuw unseres Sprach — und Kulturkreises eine Heimstaette auf diesem Grundstueck errichteten. Wir aber, die wir nicht oder noch nicht unsere Alijah antreten und im hiesigen Galuth bleiben wollen oder muessen, wollen in diesem Hause Israel erleben, wollen seine Scbelichim und seine Kultur hier empfangen und an Materiellem hier zusammenbringen, was Israel von uns verlangen kann. So soll dieses Haus das Symbol unseres Dankes fuer die Rettung sein, die uns ohne besondere Berechtigung zuteil geworden ist, waehrend Millionen unserer Brueder dem groessten Pogrom aller Zeiten zum Opfer gefallen sind. Wir werden jederzeit dieser Kedauschim gedenken durch eine Tafel, die am Eingang dieses Saales ihren Platz gefunden hat und wir werden durch eine zweite Tafel aller derer gedenken, die als Helden freiwillig im juedischen Krieg unserer Zeit ihr Leben fuer die Freiheit unseres Volkes und die Wiedergeburt unseres Staates geopfert haben. Und es soll eine weitere Tafel allen unseren Mitgliedern und Freunden Gelegenheit geben die Namen ihrer Verstorbenen, deren Graeber sie nicht besuchen koennen, mit unserer Gemeinde und ihrem Zentrum fuer immer zu verbinden. So wollen wir in diesem Hause vor uns selbst bestehen durch bescheidenen Beitrag zum Ersatz dessen, was das europaeische Judentum verloren hat. Moege dieses Haus alle Erwartungen erfuel. len, die jeden von uns mit ihm verbinden: Unserem Schoepfer zum Dank, unserem Staat und Volk Israel zur Ehre, uns selbst und kommenden Generationen zu stolzer Befriedigung. In diesem Sinne uebernehme ich im Namen der S.C.I. “B’ne Jisroel” den Schluessel unseres neuen Beth-Am, das Symbol sein soll fuer unsere Einheit und Einigkeit, fuer unsere religioese und nationale Wurzel und fuer ernste Arbeit zum Wohle unseres Volkes und unserer Gemeinde.

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