Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XII (1950)
- Issue
- 7 (Julio, 1950)
- Date
- 1950-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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REDACCION: S.C. I. B’NE JISROEL AV. PORTUGAL 810. TEL. 33096 CASILLA 2487, SANTIAGO CHILE BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT I S O C 1 E D AD CULT U RAL I S RAE LITA ” B ’ N E J IS ROE L" I Año XII — N.o 7 Santiago de Chile Julio, 1950 Zum Todestage Theodor Herzls: DIE VISION VOM JUDENSTAAT “...lesen Sie Herzls Judenstaat, ueberall schiesst da ueber die bewusst nur auf Politik gestellten Gedankengaenge ein politisch unverwendbarer Ueberschuss hinaus, eine fast naive Ueber zeugung, dass dieser Judenstaat doch ganz etwas anderes werden muesse als sonst ein Staat, nicht bloss ein bisschen verschieden und ein bisschen aehnlich wie alle andern, sondern der Staat der sozialen Gerechtigkeit, der Meisterstaat, der Idealstaat, denn — nun es ist eben doch nicht irgend ein Staat, sondern der Judenstaat...” ) (Franz Rosenzweig) Der Gedanke, den ich in dieser Schrift ausfuehre, ist ein uralter. Es ist die Herstellung des Judenstaates. Die Welt widerhallt vom Geschrei gegen die Juden, und das weckt den eingeschlummerten Gedanken auf. Ich erfinde nichts, das wolle man sich vor allem und auf jedem Punkte meiner Ausfuehrungen deutlich vor Augen halten. Ich erfinde weder die geschichtlich gewordenen Zustaende der Juden noch die Mittel zur Abhilfe. Die materiellen Bestandteile des Baues, den ich entwerfe, sind in der Wirklichkeit vorhanden, sind mit Haenden zu greifen; jeder kann sich davon ue'berzeugen. Will man also diesen Versuch einer Loesung der 'Judenfrage mit einem Worte kennzeichnen, so darf man ihn nicht “Phantasie”, sondern |hoechstens “Kombination” nennen. Gegen die Behandlung als Utopie muss ich meinen Entwurf zuerst verteidigen. Eigentlich bewahre ich damit nur die oberflaechlichen Beurteiler vor einer Albernheit, die sie begehen koennten. Es waere ja keine Schande, eine menschenfreundliche Utopie geschrieben zu haben. Ich koennte mir auch einen leichteren literarischen Erfolg bereiten, wenn ich fuer Leser, die sich unterhalten wollen, diesen Plan, in den gleichsam unverantwortlichen Vortrag eines Romans braechte. Aber das ist keine solche liebenswuerdige Utopie, wie man sie vor und nach Thomas Morus so haeufig produziert hat. Und ich glaube, die Lage der Juden in verschiedenen Laendern ist arg genug, um einleitende Taendeleien ueberfluessig zu machen... Auf die treibende Kraft kommt es an. Und was ist diese Kraft? Die Judennot. Wer wagt zu leugnen, dass diese Kraft vorhanden ist?... Man kannte auch die Dampfkraft, die im Teekessel durch Erhitzung des Wassers entstand und den Dekkel hob. Diese Teekesselerscheinung sind die zionistischen Versuche und viele andere Formen der Vereinigung “zur Abwehr des Antisemitismus”. Nun sage ich, dass diese Kraft, richtig verwendet, maechtig genug ist, eine grosse Maschine zu treiben, Menschen und Gueter zu befoerdern. Die Maschine mag aussehen, wie man will. Ich bin im tiefsten davon ueberzeugt, dass ich recht habe — ich weiss nicht, ob ich in der Zeit meines Lebens recht behalten werde. Die ersten Maenner, welche diese Bewegung beginnen, werden schwerlich ihr ruhmvolles Ende sehen. Aber schon durch das Beginnen kommt ein hoher Stolz und das Glueck der innerlichen Freiheit in ihr Dasein. Um den Entwurf vor dem Verdacht der Utopie zu schuetzen, will ich auch sparsam sein mit malerischen Details der Schilderung. Ich vermute ohnehin, dass gedankenloser Spott durch Zerrbilder des von mir Entworfenen das Ganze zu entkraeften versuchen wird. Ein im uebrigen gescheiter Jude, dem ich die Sache vortrug, meinte: “Das als wirklich dargestellte zukuenftige Detail sei das Merkmal der Utopie”. Das ist falsch. Jeder Finanzminister rechnet in seinem Staatsvoranschlage mit zukünftigen Ziffern und nicht nur mit solchen, die er aus dem Durchschnitt frueherer Jahre oder aus anderen vergangenen und in anderen Staaten vorkommenden Ertraegen konstruiert, sondern auch mit praezedenzlosen Ziffern, beispielsweise bei Einfuehrung einer neuen Steuer. Man muss nie ein Budget angesehen haben, um das nicht zu wissen. Wird man darum einen Finanzgesetz-Entwurf fuer eine Utopie halten, selbst wenn man weiss, dass der Voranschlag nie ganz genau eingehalten werden kann? Aber ich stelle noch haertere Zumutungen an meine Leser. Ich verlange von den Gebildeten, an die ich mich wende, ein Umdenken und Umlernen mancher alten Vorstellung. Und gerade den besten Juden, die sich um die Loesung der Judenfrage taetig bemueht haben, mute ich zu, ihre bisherigen Versuche als verfehlt und unwirksam anzusehen. In der Darstellung der Idee habe ich mit einer Gefahr zu kaempfen. Wenn ich all die in der Zukunft liegenden Dinge zurueckhaltend sage, wird es scheinen, als glaubte ich selbst nicht an ihre Moeglichkeit. Wenn ich dagegen die Verwirklichung vorbehaltlos ankuendige, wird alles vielleicht wie ein Hirngespinst aussehen. Darum sage ich deutlich und fest: ich glaube an die Moeglichkeit der Ausfuehrung, wenn ich mich auch nicht vermesse, die endgueltige Form des Gedankens gefunden zu haben. Der Judenstaat ist ein Weltbeduerfnis, folglich wird er entstehen. ..._ * ' Dem Todestage des Propheten der Zionistischen Bewegung und des Judenstaates kommt in diesem Jahre eine ganz besondere Bedeutung zu; wurden doch seine sterblichen Ueberreste in einer grossen Zeremonie von Wien nach Jerusalem gebracht und damit das grosse Versprechen eingeloest, welches das juedische Volk an seiner Bahre geschworen hatte: dass er einst in der Erde eines freien juedischen Staates ruhen werde, heimgebracht und umhegt von der Dankbarkeit, Liebe und Verehrung seines Volkes. DER TAG DES HEERES sü8ÜH 1&ÉÉÍ Das aus der bereits fast legendae. r e n “Haganah” hervorgegangene Verteidigungsheer Israels feiert seinen Tag am Todestage Theodor Herzls. Bei dieser Gelegenheit kommt die innige Verbundenheit zwischen dem Volke und seiner beliebtesten Institution zu Tage: das Heer, das seine aeussere Sicherheit garantiert und niemals als Waffe gegen das Volk missbraucht werden kann, weil Heer und Volk Eins sind. AUS HERZLS BRIEFEN AN WOLFSOHN 28.3.1899 . •. Ich habe vielleicht so schon an meinen Kindern gesuendigt, indem ich soviel Geld fuer den Zionismus aufwandte, abgesehen von der Arbeit, die ich sonst zum Verdienen h a e 11 e verwenden koennen und muessen. Weiss Gott, ich habs gern getan, aber weiter gehe ich nicht. Vergessen Sie nicht, dass ich mehr und frueher als jeder andere zu opfern begann. Die “Welt” kostet mich mehr als 25.000 fl. Ich habe jetzt die genaue Aufstellung. Sie fordert noch Opfer, wer weiss, wie lange ich die bringen kann. Meine 500,— will ich auf keinen Fall zurueckhaben. Dem A. C. muss ich auch fortwaehrend Geld vorstrecken, sonst bleibt die Maschine stehen. Denken Sie nur, was die Porti fuer die Prospektversendung kosteten. Ueber 1.000 fl. — Vor allem, gebet nicht mehr aus, als Ihr habt oder haben werdet. Ich finde ohnehin manches ein bisschen verschwenderisch gemacht. 22.10.1903 Irre Dich nicht und komme mir nicht wieder mit den Dummheiten, dass ich mich in der Bewegung bezahlt machen soll. Das ist heller Wahnsinn und wird nie geschehen. Nicht nur, weil ich mich vor mir selbst ekeln wuerde, sondern auch weil es mich um alle Autoritaet braechte. Es ist eben schade, dass ich nicht Hirschs Geld oder er meine Faehigkeiten hatte.