Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XII (1950)
- Issue
- 6 (Junio, 1950)
- Date
- 1950-06-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN) INFORMATIVO 9 BptPpiÉ mmm ¡¡|6f| l#feÉI wMmSi MÜHÄ MM : §||||||| ||p¡|¡|¡ i *flf§ ¡ssai , *V'í,Cí. _Segelboote auf dem Jarkon Der geistige Inhalt unserer (Von Seite 7) fuer das Russische, noch aus der Zeit ihrer Jugend vor 50 Jahren; anderseits neigen die pro-kommunistischen Parteien zur Verherrlichung alles Russischen. Von' beiden sollen wir uns nicht beeinflussen lassen, aber Goitein tritt fuer einen, wenn auch begrenzten, russischen Unterricht ein, um nicht den Kontakt mit diesem grossen Kulturkreis zu verlieren. Die Beziehung zum anglo-saechsischen Kulturkreis bezeichnet Goitein als besonders kompliziert, denn vom praktischen Gesichtspunkt ist der angelsaechsische Bereich fuer Jisrael der wichtigste, waehrend der englischen Kultur gegenueber bei den Bewohnern Jisraels weder das sentimentale Verhaeltnis besteht wie zur russischen noch die alte verwurzelte Tradition einer Symbiose wie bei der romano-germanischen. Dennoch tritt er dafuer ein, dass dem Englischen in den Schulen der erste Platz unter den Fremdsprachen zukommt, und zwar muesse der Unterricht viel gründlicher sein, als das heute der Fall ist. Die englische Sprache ist eine Weltsprache, die “lingua franca”, mit deren Hilfe Jisrael mit der Welt verbunden bleibt. Vor allem aber ist sie auch die Bruecke zu America; und Amerika ist nicht nur jene Macht, auf deren Hilfe Jisrael in jeder Beziehung angewiesen ist, nicht nur der Aufenthaltsort der groessten juedischen Gemeinschaft der Welt, sondern vor allem hat Amerika ein aehnliches Verhaeltnis zu den verschiedenen europaeischen Kulturen wie Jisrael, und daraus koenne Jisrael viel lernen, meint Dr. Goitein”. “JIDDISCH”, DAS ESPERANTO DER JUDEN Ich stimme Goitein vollstaendig bei, wenn er sich —wie uebrigens neuerdings auch Nahum Goldr-iann— gegen jede geistige Isolierung wendet und insbesondere dafuer eintritt, dass die Jugend in Israel dem Studium der englischen Sprache volle Aufmerksamkeit zuwencteii muesse —und dasselbe muss auch fuer diejenigen Juden gelten, die einmal nach Israel uebersiedeln wollen. Aber ich teile seinen “Pess i m i s m u s ” nicht, dass die deutsche Sprache — die Grundlage des jiddischen — auf Dauer in Israel verpoent sein wird. Auf die Dauer ist der Hass — auch wenn er noch so berechtigt ist, ein schlechter Fuehrer. Auf die Dauer bricht sich immer die Vernunft, und die wirtschaftliche Notwendigkeit Bahn! So wichtig wirtschaftlich gesehen englisch ist, so bleibt eben doch die Tatsache bestehen, dass deutsch ausser in Deutschland in ganz Zentraleuropa verstanden wird und schliesslich diejenige Sprache ist, die der groesste Teil der vertriebenen Juden in der ganzen Welt mehr oder minder beherrscht oder doch mindestens versteht. Ich muss immer wieder daran denken, dass auf dem ersten panslawischen Kongress, als sich herausteilte, dass die Russen die Tschechen nicht verstanden wenn diese in ihrer Muttersprache diskutierten und ebensowenig die Serben und Bulgaren und umgekehrt, deutsch zur Verhandlungssprache des Kongresses gewaehlt wurde, weil dieses allen Beteiligten verstaendlich war, obwohl sie ganz gewiss fuer das Deutschtum keinerlei Sympathien hatten, vielmehr die Deutschen zum Teil sogar — das gilt insbesondere von den Voelkern des damaligen Oesterreich — wie die Pest hassten! In kleinen Laendern wie z.B. in Holland spricht jeder gebildete Mensch — also insbesondere jeder Absolvent einer hoeheren Schule, wie ich mich selbst wiederholt ueberzeugen konnte — perfekt franzoesisch, deutsch und UNSICHTBARER AUSSENHANDEL haushalt bei. 16.800.000 Dollar steuerten die im vergangenen Jahre nach Israel gekommenen Touristen zum Devisen- NEUE AUSRUESTUNG Fuer unseren wichtigsten Exportzweig, die Zitrusertraege, hat man ein besonderes Amt geschaffen, welches die Wiederherstellung zu Grunde gegangener Orangenpflanzungen und deren Ausstattung mit den noetigen Maschinen etc. ueberwachen soll. Eine Dreimaenner-Kommission war zum Einkauf dieser Sachen nach den U.S.A. gefahren. Sie kaufte 'Lastwagen, Traktoren, Irrigationsrohre und Beregner, sowie moderne Apparate fuer das Packen der Fruechte. Hierfuer wurden aus der amerikanischen Anleihe 5 Millionen Dollar bewilligt- Ein Teil der Maschinen und Werkzeuge ist bereits im Lande eingetroffen; die fuer das Pfluecken der Orangen beorderten Hilfsgeraete erwartet man noch vor Beginn der Ernte. Maschinen fuer Bodenbearbeitung und Bewaesserung der Pflanzungen sollen vor dem naechsten Sommer ankommen. Man wird dann, nach Erweiterung der Zwischenraeume zwischen den Baeumen, mit Traktoren pfluegen koennen und dadurch die Kosten der Arbeit verringern. Mit den neuen Maschinen etc. denkt man etwa 100.000 Dunam wieder ertragfaehig zu machen. Seit dem zweiten Weltkrieg sind die mit Pflanzungen bedeckten Flaechen von 300.000 auf 100.000 Dunam zurueckgegangen. Die Gesamtemte der kommenden Saison schaetzt man auf 6.1 j 2 Millionen Kisten. AT.T.TA AUS POLEN monatlich verlassen, um nach Israel zu wandern, wie der israelische Bot- , schafter in Warschau, Israel Barsilai mitteilt. Mehr als 20.000 Juden m Polen haben bereits ihre Visen erhalten. GINEGAR Kolonie in Emek Jesreel englisch. Man hat nicht davon gehoert, dass die Hollaender jetzt nicht mehr deutsch lernen, obwohl sie von den Deutschen nicht viel beser behandelt wurden als die Juden. Warum soll sich in Israel nicht ein aehnlicher Zustand entwickeln? In den gebildeten Kreisen von Israel ist man sich offenbar bewusst, welche Bedeutung das Jiddische fuer die Entwicklung der Kultur des Judentums und als Mittel zur Verstaendigung jahrhundertelang gehabt hat. Anders waere es nicht verstaendlich, dass kuerzlich die Universitaet Jerusalem einen Lehrstuhl fuer die jiddische Sprache gegruen-, det hat. In weiteren Kreisen scheint sich aber diese Klarheit noch nicht durchgesetzt zu haben. Wenn hebraeisch auch die Sprache des Staates Israel ist, so bleibt doch die Tatsache bestehen, dass das Jiddische das natuerliche Esperanto der Judenheit (d. h. die Hilfssprache des Judentums der ganzen Welt) ist, obwohl das Jiddische je nach Herkunft des Sprechenden erhebliche Abweichungen aufweist. Daran aendert nichts, dass das Jiddische ueberwiegend aus deutschen Elemen. ten besteht und das man um wirklich gut jiddisch zu erlernen —wenn man es nicht schon als Kind in der Familie gehoert hat— auch gewisse | Kenntnisse der deutschen Sprache haben muss. Von entscheidender Bedeutung ist auch, dass man zwar nicht verlangen und erwarten kann, dass alle Juden der Diaspora, die nicht nach Israel auszuwandern beabsichtigen, die verhaeltnismaessig schwere hebraeische Sprache erlernen, waehrend man sehr wohl erwarten kann, dass jeder einigermassen Sprachgewandte es verhaeltnismaessig leicht zu einem Verstaendnis des Jiddischen bringen kann. Von Rabbi Akiba wird erzaehlt, dass er in jungen Jahren ein Hirte war und allen geistigen Dingen feindlich gegenueber stand. Er hat von sich selbst gesagt, dass er damals am liebsten jeden Gelehrten “wie einen Esel gebissen haette” und doch ist er spaeter einer der groessten Gelehrten aller Zeiten gewor. den. Sollte diese Kunst der Umstellung, die die Vaeter auszeichnete, unseren jungen Freunden in Israel verloren gegangen sein? Die spanischen Juden, die im Jahre 1492 ihr Vaterland verlassen mussten, haben gewiss das dortige Regime gehasst. Die Beantwortung der Frage, ob Torquemada schlechter war als Himmler oder umgekehrt, duerfte eine Geschmacksache sein! Und doch haben sie die spanische Sprache beibehalten und sprechen heute noch ein dem jiddisch verwandtes spanisch, also: man kann um den Juden der ganzen Welt Gelegenheit zu geben, sich mit den Bewohnern von Israel zu verstaendigen, ruhig die Kenntnis des Jiddischen weiterverbreiten und wenn eine entsprechende Transskription geschaffen wird, es so. gar mit lateinischen Buchstaben schreiben, so gut wie die Tuerken vor nicht allzulanger Zeit dazu uebergangen sind, ihre Sprache anstatt mit den heiligen arabischen mit lateinischen Lettern zu schreiben... Esaü hat sein Erstgeburtsrecht um ein Linsengericht verkauft; Jakob (Israel) wird auf ein Weitverstaendigungsmittel nicht deshalb verzichten, weil er seine Hassgefuehle befriedigen will! Warum sollte in den Schulen Israels nicht die Moegliclikeit gegeben werden, englisch, jiddisch — und sogar deutsch — zu erlernen? Man sollte glauben, dass zum mindesten die Juden Verstaendnis fuer das “Gebot” Nietzsches haben: “Du sollst Voelker weder lieben noch hassen!” Aehnliche Gedanken schweben offenbar auch Robert Weltsch vor. Er schliesst die Eroerterungen ueber Goitein in seinem erwaehnten Aufsatz mit folgenden Worten ab: “Es ist hier nicht meine Absicht, Goiteins Analyse der Beziehungen Jisraels zu den einzelnen europaeischen bezw. amerikanischen Kulturen (das immense Problem des Orients deutet er nur an) zu diskutieren; sicherlich ist sie nicht er. schoepfend. Das wichtige aber ist eine Warnung vor der sehr akuten Gefahr isolationistischer und partikularistischer Tendenzen in der Erziehung. Wenn diese die Oberhand gewinnen, wie es in einer Zeit nationaler Hochspannung und Misstrauens gegen alles Fremde moeglich ist, wuerde dies von einschneidender Rueckwirkung sein auf die Beziehungen zwischen Jisrael und denjenigen Juden, die Juden bleiben wollen und dennoch innerhalb nichtjuedischer Kulturkreise leben”.