Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XII (1950)
- Issue
- 6 (Junio, 1950)
- Date
- 1950-06-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/8553624-8553958-9191567--0413-8554057- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
BOLETIN' INFORMATIVO 7 Zum Thema: Israel und die Golah (4) Der geistige Inhalt unserer Erziehung Von RUDOLF WASSERMANN Ueber dieses Thema hat Sch. D. Goitein (wohl ein Sohn des badischen Rabbiners gleichen Namens) in dem “Haaretz.Almanach” ein Essay veröffentlicht, in dem er u. a. das Verhaeltnis der heranwachsenden Jugend Israels zu den verschiedenen ausserjuedischen Kulturkreisen eroertert. Robert Weltsch, der an dieses Essay in seinem Aufsatz “Gegen geistige Isolierung” anknuepft, den wir in unserer vorigen Nummer teilweise wiedergegeben haben, bemerkt hierzu: “Goitein beruehrt damit eines der wichtigsten Probleme fuer die Zukunft und fuer den Zusammenhalt des juedischen Volkes ueberhaupt, denn vieles von dem, was Dr. Goitein ueber die ßeruecksichtigung ausserisraelischer Welten in der israelischen Erziehung sagt, gilt mit umgekehrten Vorzeichen fuer die Juden in der Diaspora, die keine voll-juedische, und manchmal nicht einmal eine partiell-juedische,, Erziehung geniessen, und dadurch unaufhaltsam dem juedischen Volk in Israel entfremdet werden, so stark auch ihre seelische Anteilnahme an dem Phaenomen der Wieder-Auferstehung einer juedischen Nation sein mag.” ist natuerlich das, was wir “Erziehung” (durch die Schule) nennen, nur ein Faktor unter vielen. Die Verschiedenheit der Lebensweise, der Umgebung, und vor allem der Willensrichtung koennen allmayhlich einen Abgrund aufreissen zwischen Juden in Jisrael und anderswo. Aber Erziehung kann doch viele Anschauungen korrigieren. Soll GEGEN ISOLATIONISMUS “Auch vom Standpunkt der Aufrechterhaltung des Zusammenhanges mit dem Diaspora-Judentum wird viel davon abhaengen, wie die neue juedische Generation in Jisrael aussehen wird. In der Formung dieser Generation, die heute noch im Schatten eines Volks-Krieges lebt, die Jugend in Jisrael eine weite Weltkenntnis haben oder nicht? — Diese Frage wirft Dr. Goitein auf. Die Antwort ist nicht so selbstverstaendlich, wie es uns scheinen mag, denn wir wissen, dass es heute Laender gibt, die es fuer notwendig halten, die Jugend (und auch die erwachsene Bevoelkeruhg) wasserdicht abzuschliessen von Information, die aus dem Ausland kommt, und sie ausschliesslich in einer bestimmten, vom Staate gewuenschten Richtung auszubilden. Goitein verneinteine solche Abschliessung. Er warnt nachdruecklich vor einem Isolationismus in der Erziehung. Heute ist Jisrael noch mit vielen Kulturkreisen verbunden, da es ein Einwandererland ist, in das viele Kulturen importiert wurden. Aber die Verwandlung geht schnell. Die Kinder wissen nichts mehr von dem geistigen Hintergrund ihrer Vaeter. Darum ist jetzt der Moment gekommen, sich darueber klar zu werden, Zwei wichtige Ereignisse hat uns der vergangene Monat gebracht und beide sind dazu angetan, Israel auf dem Wege des Friedens um einen grossen Schritt weiter zu bringen. Das erste bedeutet einen Schritt zum inneren Frieden und besteht im provisorischen Abkommen zwischen der israelischen Regierung einerseits und der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation andererseits, ueber EINWANDERUNG UND KOLONISATION Bekanntlich war seit laengerer Zeit eine Diskussion darueber im Gange, welche Funktionen die Jewish Agency auch heute noch, nachdem die Regierung Israels ihre wichtigsten uebernommen hat, ausueben kann. Die Jewish Agency war vom Tage Ihrer Gruendung an bis zur Proklamation des Staates das ausfuehrende Organ der Zionistischen Weltbewegung fuer die gesamte praktische Arbeit in Erez Israel: Alijah, Siedlung, Erziehung, Chaluziuth. Es war logisch, dass mit der Gruendung des Staates diese Aufgaben im Wesentlichen von der Regierung uebernommen werden mussten; war doch diese Arbeit im Grund genommen eine “Regierungs” — Arbeit. Andererseits gehoert die Foerderung all dieser Unternehmungen nach wie vor zu dem Programm der Zionistischen Bewegung und es ist ein eminent praktisches Problem, zu bestimmen, wie weit der Weltbewegung das Recht zusteht, nicht nur zu leisten, sondern auch Einfluss zu nehmen. Die diesbezügliche Diskussion hat nun ein vorlaeufiges Ende gefunden; definitiv kann das erreichte Abkommen erst vor dem fuer den 20. Dezember zusammengerufenen Zionistischen Weltkongress ratifiziert werden. Und zwar sind Vertreter der Regierung und der Agency uebereingekommen, ein gemeinsames Koor. dinierungs-Comite zu schaffen, das die Aufgaben der beiden Koerper. schäften auf folgenden vier Gebieten in Einklang bringen soll: Einwanderung, Aufnahme, Jugendalijah und Siedlung. Die Einigung haette nicht verheissungsvoller sein koennen. Liegen nicht etwa all diese Aufgaben dem Jischuw und den Juden der ganzen Welt gleich am Herzen? Der “Kibbuz r/ Galujoth” —die Sammlung der Zerstreuten—, der in den einleitenden Betrachtungen zum Abkommen als die grosse historische Aufgabe des Zionismus bezeichnet wird, ist ein Werk, an dem die Brueder die ins Land kommen und die Brueder, die sie aufnehmen, gleichermassen interessiert sind. Die baldige Raeumung der Immigrantenlager, der Bau geeigneter Wohnungen die Absorbierung der Einwanderer in Siedlungen und Doerfern ist gleich lebenswichtig fuer die Alteingesessenen —d.h. in diesem Falle fuer die Regierung— wie fuer die Olim. bezw. die Jewish Agency. Die Erziehung der juedischen Jugend der Galuth zu Chaluziuth und Produktivierung. ihre Vorbereitung fuer Israel, die Pflege der hebraeischen Sprache, all dies sind gemeinsame Aufgaben, die in einem Rahmen geloest werden muessen, der die Verantwortung und die Rechte vorteilhaft und gerecht verteilt. Dieser Rahmen scheint jetzt gefundep zu sein. Bei der Debatte in der Knesset ueber das Abkommen wurde Kritik von der aeussersten Rechten und der aeussersten Linken laut. Die Revisionisten verlangten, dass die israelische Regierung die alleinige Verantwortung uebernehme und die Kommunisten unterstuetzten diese Forderung, indem sie von einer Gefahr fuer die israelische Souveraenitaet sprachen. Sie vergassen dabei, wie ihnen der Premier-Minister vorhielt, dass diese Souveraenitaet in nicht geringem Masse noch vor ganz kurzer Zeit von der Zionistischen Bewegung gerettet wurde. Es steht zu erwarten, dass im weiteren Verlauf der Verhandlungen die Jewish Agency einen Sonderstatus im Rahmen der Verfassungsbestimmungen eingeraeumt bekommt. Eine weitere Kensequenz des Abkommens duerfte die Fusion mehrerer, vielleicht aller nationalen Fonds sein, bei weitgehender Autonomie des Keren Kajemeth. Jedenfalls kann kein Zweifel darueber bestehen, dass viele Neuerungen moeglich sein werden, welche der Zionistischen Organisation helfen koennen, sich den veraenderten Umstaenden anzupassen und zum Werke des Friedens und Aufbau des Staates auch in Zukunft die entscheidende Rolle zu spielen, die sie bei seiner Gruendung bereits gespielt hat. Die zweite Friedensbotschaft iit aussenpolitischer Natur und besteht in der Londoner ERKLAERUNG DER DREI WESTMAECHTE Dieselbe lautet auszugweise wie folgt: “1.) Die militaerischen Lieferungen an die Arabischen Staaten und Israel haben den Zweck, die internationale Sicherheit dieser Staaten zu garantieren und.. sie zu befaehigen, an der Verteidigung der ganzen Zone teilzunehmen. Es darf kein Wettruesten zwischen ihnen geben. 2. ) Die Kaeufer muessen sich verpflichten, keinerlei Angriff auf ihre Nachbarn zu planen. 3. ) Wenn die “Drei Grossen” entdecken sollten, dass irgendeiner der Staaten des Vorderen Orients sich vorbereitet, die Grenzen oder Waffenstillstandlinien zu verletzen, so werden sie gegen diesen Staat Vorgehen, sowohl innerhalb wie ausserhalb der Vereinigten Nationen. Ferner stellt die Erklaerung fest, dass die drei Maechte die Absicht haben, Informationen ueber ihre jeweiligen Waffenlieferungen nach dem Nahosten zu dem Zweck auszutauschen, das Gleichgewicht der Kraefte aufrechtzuerhalten. Wenn nun in naechster .Zukunft, wie zu hoffen steht, den Worten Taten folgen werden, so besteht kein Grund zu bezweifeln, dass die israelische Diplomatie und der Druck, den die Juden und viele unserer Freunde in der Welt ausgeuebt haben, zu einem beachtlichen Erfolg gefuehrt haben. Lastete doch noch bis gestern auf Israel praktisch die gesamte Last des einseitigen Waffenembargos, waehrend die arabischen Staaten Grpssabnehmer fuer Kriegswerkzeuge schwersten Kalibers waren. Gewiss klingen im Unterton der “Erklaerung von London” auch schwere Gefahren mit. Man spricht von “der Verteidigung der ganzen Zone” lind von “internationaler Sicherheit” und niemand kann einen Zweifel darueber hegen, was die Westmaechte damit meinen. Die klare Sprache der Londoner Kanzlerkonferenz liess auch noch nicht einmal die Absicht durchblicken, irgend einen {Zweifel zu naehren. Israel jedoch hat von der Sicherheit des Vorderen Orients und vom Weltfrieden wenn auch nicht grundverschiedene, so doch eigene Auffassungen und zwar nur solche, cTie sich mit einer klaren Neutralitaet im “Kalten Krieg” erklaeren lassen. Es kann also keineswegs als Preis welche Beziehungen zu anderen Kulturkreisen auftrechterhalten werden sollen oder koennen. WELCHE FREMDSPRACHEN BRAUCHEN WIR? Goitein unterscheidet 3 Kreise: den romanisch-germanischen, den russischen, und den anglosaechsischen. Pessimistisch ist er in Bezug auf Deutsch (das zwar von Juden besonders viel gebraucht wurde und auch die Grundlage des Jiddischen bildet, aber infolge des grauenvollen Erlebnisses der Jetzten 15 Jahre von den Juden verworfen wird) und Franzoesisch (zu dem nur wenige Bande noch bestehen und dessen Welt der jugen Generation voellig fremd ist). Was das Russische betrifft, so besteht in weiten, aus Russland stammenden Kreisen, eine ausgesprochene sentimentale Vorliebe (Fortsetzung auf Seite 9) Negba, an der noerdlichen Ecke des Negew, wies mehrere aegyptische Angriffe zurueck und vereitelte den feindlichen Vormarsch auf Tel Aviv. Am 12. Juni, vor nunmehr zwei Jahren erreichte der ungleiche und heroische Kampf seinen Hoehepunkt. Chawerim des Haschomer Hazair Chile nahmen an ihm teil. Juden aus der ganzen Welt eilten herbei, um ihren Bruedern im Kampfe um die Freiheit beizustehen. Col. David Marcus aus den Vereinigten Staaten^ Kommandant von Jerusalem, war einer der Helden, die im Felde fielen. fuer die versprochenen Waffenlieferungen irgendwelche politische Kompromisse oder gar Definierungen im Sinne eines eventuellen “Mittelmeerpaktes” akzeptieren. Denn schliesslich sind Waffen dazu da, um die nationale Unabhaengigkeit zu verteidigen, und nicht die nationale Unabhaengigkeit, um Waffen zu erwerben. Doch dies sind vorerst noch mues. sige Betrachtungen. In Erwartung der ersten der versprochenen Lieferungen ist es nicht mehr als logisch, festzustellen, dass es besser ist, ebenso viel Waffen zu bekommen wie unsere unruhigen Nachbarn als, wie es bisher der Fall war, mit papiernen Protesten Sturm zu laufen. ATSCIIEKA