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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1950-04-01 · 4 (Abril, 1950) · p. Seite 11

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XII (1950)
Issue
4 (Abril, 1950)
Date
1950-04-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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BOLETIN INFORMATIVO 11 Die vergangenen und die kommenden 25 Jakre Von Dr. ERNST SIMON Dozent fuer Erziehungs-Prinzipien. Am 1. April 1925 wurde die Hebraeische Universitaet Jerusalem im Beisein von Lord Balfour, Dr. Chaim Weizmann, Dr. J. L. Magnes s. A. und zahlreichen juedischen und nicht juedischen Gaesten aus dem Lande selbst und der ganzen zivilisierten Welt feierlich eroeffnet. Sie war urspruenglich vor allem als ein Forschungsinstitut geplant gewesen. Den Beginn machten spezialistisehe Institute fuer juedische und orientalische Studien sowie fuer Chemie. Sehr bald erwies es sich als notwendig und moeglich, auch zum Lehrbetrieb ueberzugehen. Heute hat die Universitaet fuenf Fakultaeten: die geisteswissenschaftliche, die , naturwissenschaftlich-mathematische, die medizinische, die juristische und das Landwirtschaftliche Institut. Die Zahl der wissenschaftlichen Lehrer und Arbeiter betraegt ueber 200, die der Studenten 1500. Auch heute,, wo unsere Laboratorien und die grosse, mehr als eine halbe Million Buecher umfassende Bibliothek auf dem sogenannten Skopusberg, unerreichbar fuer uns sind, wird in allen Fakultaeten und Abteilungen der Forschungs-und Lehrbetrieb aufrecht erhalten, freilich haeufig mit Notbehelfen. Die Universitaet ist auf 23 Gebaeude verteilt und sucht sich dauernd neue Notwohnungen anzugliedern. Der Buchereinlauf ist ungewoehnlich gross und wuerde noch viel groesser sein, wenn nicht die Devisenschwierigkeiten dem Neuankauf Grenzen setzten. Die aus dem Krieg heimgekehrten Studenten sind ungewoehnlich lernwillig und stuerzen sich mit Begeisterung auf die langentbehrte geistige Nahrung. DREI KOEPFE DER HEBRAEISCHEN UNIVERSITAET: Prof. Fekete Prof. Martin Buber Prof. Joseph Klausner iißmz. Die Universitaet darf mit Befriedigung auf viele Erfolge zurueckweisen. Einige ihrer Professoren sind zu Weltruf gelangt; der Religions— und Kulturphilosoph Martin Buber, den Hermann Hesse, selbst Nobelpreistraeger, kuerzlich fuer den Nobelpreis vorgeschlagen hat; der Archaeologe Professor Sukenik, dessen Ausgrabungen und Funde die wissenschaftliche Welt, und nicht nur sie, bewegen; der Gynaekologe Bernhard Zondek, der seine Forschungen ueber Schwangerschaftsbestimmung und innere Sekretion hier fortsetzt; der Parasitologe Saul Adler, dessen Forschungen zur Aetiologie tropischer Krankheiten und ihrer Bekaempfung fruchtbares Neuland eroeffnet haben, um nur diese vier zu nennen. Andere Gelehrte der Universitaet haben ihr engeres Arbeitsgebiet selbst geschaffen und eine Schule gebildet, die fuer seine kuenftige methodische Bestellung Sorge tragen wird, wie vor allem Professor Gerhard Scholem, die groesste lebende Autoritaet auf dem Gebiet der juedischen Mystik, die erst durch ihn zu einem wissenschaftlichen Fach im strengen Wortsinne geworden ist, gleich fern von unkritischer Versunkenheit in die Geheimnisse der Kabbala wie von deren aufklaererischer Verachtung. Ebenso darf gesagt werden, dass die grundlegenden Forschungen Professor Fritz Baers der Juedischen Geschichte des Mittelalters ein neues Quellenfundament geschaffen' und vielfach eine neue Perspektive gewiesen haben, und zwar durch die gerade auf dem Boden Erez Israels wiedergewonnene geistige Freiheit, die fruchtbaren Wechselbeziehungen zwischen Binnenwelt und Umwelt des Judentums in Kausalreihen und Parallelen aufzuzeigen, so etwa in jener grossen Studie, die den Zusammenhang der “Frommen Ashkenas” (11. und 12. Jahrhundert) mit der Gedankenwelt der franziskanischen Ordensbewegung erstmalig erwies. «iS WS Professor Selig Brodetsky, Praesident der Hebraeischen Universitaet. Auch in ihrer Berufungspolitik der letzten Jahre hat die Universitaet eine glueckliche Hand gehabt. Ihr juengster Dozent, Dr. Dan Patenkin aus Chicago, ein Schueler (und Professor) der dortigen Universitaet, der sein hebraeisches Wissen jahrelangem Studium auf der Jeshiva ln Chicago verdankt, lehrt nun bei uns Nationaloekonomie neben dem durch seine, auch englisch erschienenen, Buecher ueber die Rekonstruktionsfragen Palaestinas und des ganzen Mittleren Orients weithin bekannt gewordenen Professors Alfred Bonne. Einer der geistigen Fuehrer des amerikanischen Judentums, der hebraeische Dichter und Schriftsteller Simon Halkin wurde zum Nachfolger Professor Joseph Klausners auf das Katheder fuer neuhebraeische Literatur berufen, waehrend Professor Klausner selbst, ln der erstaunlichen Frische seiner 75 Jahre, nicht nur seine umfangreichen Werke zur hebraeischen Literaturgeschichte und der juedischen Geschichte im Zeitalter des Zweiten Tempels unermuedlich weiter foerdert, sondern auch vor kurzem die Generalredaktion der 'in Jerusalem erscheinenden hebraeischen allgemeinen Enzyklopaedie fuer deren judaistischen Teil uebernommen hat. Aehnlich Guenstlges darf von der Wirkung der Absolventen der Universitaet berichtet werden. Ihre paedagogische Abteilung stellt schon heute die Majoritaet der Im hoeheren Schulwesen taetigen Lehrer. Eine grosse Anzahl entscheidender Beamtenstellen, im Auswaertigen Amt und in anderen Ministerien, ist von unseren Absolventen besetzt, eine Entwicklung, die mit dem Ausbau der neu gegründeten juristischen Fakultaet sich noch intensivieren duerfte. Der Anteil unserer Lehrer und Schueler bei der Verteidigung Jerusalems und dem Aufbau des Heeres, ist zu bekannt, um besonders belegt werden zu muessen: es genuegt, den Namen des Generalstabchefs Yadin zu nennen, Absolventen der Universitaet im Fache Professor E. L. Sukenik, Direktor des Museums fuer juedische Altertuemer an der Hebraeischen Universitaet, Jerusalem, beim Studium antiker Manuskripte, die die aeltesten, bis heute bekannten biblischen Texte enthalten. seines Vaters, Professor Sukeniks, dessen archaeologische Kenntnisse sich bei der Eroberung des Negev als von hoechstem praktischen Wert erwiesen haben. Nicht minder Bedeutungsvolles leistet die Universitaet in der wissenschaftlichen Friedensarbeit, der hoffentlich bald unsere ganze Energie wird gehoeren koennen: an der Spitze eines vom Ministerpraesidenten ins Leben gerufenen wissenschaftlichen Beirats der Regierung steht der Physiker Professor Samburski; Professor Buber hat, im Zusammenwirken mit Regierung und Jewish Agency, vor wenigen Monaten einen alten Jugendtraum verwirklichen duerfen und ein staendiges Seminar zur Ausbildung von Erwachsenenbildnern gegruendet, die in den nächsten Jahren vor allem, wenn auch nicht ausschliesslich, in den Einwanderungslagern taetig sein werden. Professor Goitein, der Orientalist und Paedagoge, hat eine Gesellschaft fuer den Mittleren Osten ins Leben gerufen, die sich der Verbreitung von Kenntnissen ueber unsere Nachbarlaender mit grosser Aktivitaet widmet. So stehen ueberall Maenner der Universitaet an entscheiden- IM® HÜB Prof. Simha Assaf, Rektor der Hebraeischen Universitaet; das Bild zeigt ihn in seiner Robe als Mitglied des Obersten Gerichtshofes von Israel. den Posten des wissenschaftlichen und geistigen Lebens. Trotzdem sind wir weit von Selbstzufriedenheit entfernt und haben auch keinen Grund zu ihr, denn die Probleme der Zukunft lasten auf uns allen. Eine Landesunlversitaet hat zwei verschiedene Ziele vor sich: sie muss einmal einen bestimmten Typus des gebildeten Staatsbuergers hervorbringen, der jede ihm gestellte Aufgabe Im Geiste wissenschaftlicher Objektivitaet und Genauigkeit zu loesen versteht, und sie muss zweitens hochqualifizierte Spezialisten erziehen, die sich die Aufgaben selbst stellen koennen und damit, eben durch die Entdeckung neuer Probleme, forschende Diener des geistigen Fortschrittes sind. Der Versuch, beiden Aufgaben gleichzeitig gerecht zu werden, ist einer der Gruende der in Europa und Amerika weit verbreiteten Krise del Universitaeten. Um ihr zu entgehen, hat die Universitaet, vor allem auf Anregung des Philosophen, Professor Leon Roth (F. B. A.) einen Reorganisationsplan ausgearbeltet, der in diesem Jahre erstmalig in der geisteswissenschaftlichen Fakultaet durchgefuehrt wird, und zwar unter der Leitung des zu diesem Zweck aus Amerika berufenen bekannten juedischen Professors Alexander Dushkin. Der Lehrgang der neu eintretenden Studenten wird in Zukunft ln zwei Haelften zerfallen: einer Art Studium generale von 2-3 Jahren, das in seinem Hauptteile eine tiefere Fundierung der juedischen und allgemeinen Bildung umfasst, waehrend das Fachstudium dagegen etwas zuruecktritt, aber doch in einem Fach mit Entschiedenheit, in einem anderen mehr orientierend begonnen wird. Dieses Studium wird mit einem akademischen Examen abgeschlossen, nach dessen Bestand der Titel B. A. verliehen wird. Nur begabte Studenten, die dieses Examen gut bestehen, sollen In der Regel ermutigt werden, die Universitaet zwei weitere Jahre zu besuchen, um sich fach- ■ lieh zu spezialisieren und den Titel eines M. A. zu erwerben. Nach weiteren zwei Jahren kann dann von einem sicherlich noch erheblich kleineren Teile, wie auch schon bisher, der Titel eines Ph. D. durch eine umfangreiche wissenschaftliche Dissertation erworben werden, die den Charakter eigener und die Forschung foerdernder wissenschaftlicher Arbeit tragen muss. Die Universitaet hofft, durch dieses, der anglo-saechsischen Universitaet nachgebildete Experiment, ueber dessen Erfolg erst nach einigen Jahren geurteilt werden darf, jene beiden oben erwaehnten Ziele in einer den Bedingungen des Landes angemessenen Form erreichen zu koennen. Eine weitere neue Aufgabe stellt sich auf dem Gebiet der bisher sehr vernachlaessigten kuenstlerischen Erziehung. Auf Anregung des Vizepresidenten Dr. David Werner Senator, der zusammen mit dem als Praesidenten der Universitaet neu gewaehlten Professor Selig Brodetzky ihre eigentliche Leitung bildet, hat neulich eine Initiativ-Besprechung mit den verdienten Leitern der Jerusalemer Museen und Kunstinstitute ueber dieses Problem stattgefunden, die hoffentlich bald Fruechte tragen wird. Im Aufbau der juedischen Kultur besteht hier ein geschichtlich sehr verstaendliches Defizit, das die Universitaet auszufuellen berufen ist. Ein anderes Defizit ist erst in den letzten Jahren historischer Katastrophen entstanden und noch (nicht Ueberall ins Bewusstsein getreten. Wir waren, jedenfalls ln den westlichen Laendern, zum Teil aber auch in Osteuropa, ein Volk mit einem Ueberschuss an Intelligenz. Durch die Pogrome hat sich die Situation veraendert, und es ist durchaus moeglich, dass wir schon in der naechsten Generation nicht zu viel, sondern zu wenig geistige Arbeiter haben werden. Die Abwanderung des besten und am staerksten idealistisch gesinnten Teile der juedischen Jugend in die chaluZischen Siedlungen der palaestinensischen Arbeiterschaft ist geeignet, dieses Problem noch zu verschaerfen, so begruessenswert, ja lebensnotwendig sie auch an und fuer sich ist. Die Universitaet hat hier die Aufgabe einzugreifen und ein neues Pathos geistiger Arbeit, vor allem auf erzieherischem Gebiete, zu schaffen. Auch der eigentuemliche Charakter eines Teiles der neuen Massene’inwanderung, soweit sie aus den arabisch sprechenden Laendern kommt, verschiebt das Verhaeltnis zwischen den geistig hoeher gebildeten und den primitiven Schichten des Volkes weiter zu ungunsten der ersten. Die unter Leitung des Mathematikers Professor A. H. Fraenkel stehende Volksbildungs-Abteilung der Universitaet steht hier vor ganz neuartigen Aufgaben. Die Hebraeische Universitaet ist die des juedischen Volkes und Landes, noch nicht die des Juedischen Staates. Es ist eine offene Frage, ob sie es werden soll und wird. Sicher ist, dass der Staat sich finanziell und verantwortungsmaessig immer staerker an ihr beteiligen wird. Ebenso sicher ist, dass verfassungsmaessige Garantien gefunden werden muessen, um nicht nur fuer die Gegenwart, sondern fuer alle voraussehbare Zukunft jenes kostbarste Gut zu sichern, ohne dessen Pflege und Erreichung keine Universitaet der Welt, und gewiss nicht die unsere, ihre Aufgaben gegenueber ihren Schuelern und gegenueber der Oeffentlichkeit erfuellen kann: die voellig uneingeschraenkte Freiheit der Forschung und Lehre. Wir sind gewiss, dass diese in der bisherigen Weise auch in den kommenden 25 Jahren erhalten und gepflegt werden koennen.

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