Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XII (1950)
- Issue
- 4 (Abril, 1950)
- Date
- 1950-04-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN INFORMATIVO 7 NEUES FEST UND ALTE TAFELN Von KURT LOE WEN STEIN Wohl ist enge begrenzt uns Unserer Jahre Zahl sehen Doch die Jahre der Voelker Sah eine sterbliches Auge! Das Volk von Israel feiert ein neues Pest: Den Tag der ßelbstaendigkeit, die Proklamierung seines Staates vor zwei Jahren. Es ist unter unseren Festen im Grunde kein neuartiges Fest: Der 5. Ijar liegt zwischen Pessach und Schawuoth. Das Pessaeh-Fest ist ein Tag der Selbstaendigkeit, der an die Losloesung des Volkes von dem aegyptischen Oberherrn erinnert, an die Erringung physischer Freiheit. Schawuoth erinnert an die Gabe geistiger Selbstaendigkeit, an die Losloesung — die endgueltige und eindeutige — von dem Geist der Vielgoetterei, dem Leben der Voelker. wie es in jenen Tagen war, und an die Hingabe an das wahre, einzige, allumfassende Gesetz. Und noch ein drittes Fest der Selbstaendigkeit feiert unser Volk im Ablaufe des Jahres: Chanukka, die Erringung neuer Selbstaendigkeit nach einer langen Periode der Abhaengigkeit. Das neue Fest, das wir uns selbst gegeben haben, muss sich in diesem Rahmen neben einer alten, geheiligten Tradition behaupten koennen. Es muss in Geist und Bewusstsein des Volkes eingehen. Viele Nationen der Welt feiern Feste der Selbstaendigkeit, die an das aeussere Ereignis eines Freiheitskampfes oder einer Freiheitsproklamation anknuepfen. Unsere traditionellen Selbstaendigkeitsfeste unterscheiden sich von ihnen durch einen charakteristischen Zug: Ihre Grundlage ist nicht nur ein aeusseres Ereignis der Geschichte, sondern sie besitzen eine Beziehung zum Wunder. Der Auszug aus Aegypten erfolgte “unter Zeichen und Wundern”. Chanuka ist vor allem auch das Fest des “Lichtwunders”. Und Schawuoth kreist um den gewaltigen Vorgang der Offenbarung, das Wunder kat exochen, das sich dem erklaerenden Geiste des Menschen voellig entzieht. So bekamen die Feste unserer Selbstaendigkeit den Charakter des Heiligen. Das Aeussere, Irdische, Profane wandelte sich zum Heiligen. Die Feste der Selbstaendigkeit erhielten den Wert des Dauernden. Achad Haam hat dies in seinem Aufsatz: “Heiliges und Profanes” treffend ausgedrueckt: “Beim Profanen bewahren wir die Schale wegen des Kerns, und werfen jene fort, sobald wir diesen gegessen haben. Beim Heiligen dagegen erheben wir die Schale in den Rang des Kerns und setzen sie nicht herab, auch wenn der Kern verdorrt ist, sondern wir geben der Schale einen neuen Kern.” Neben solchen Festen, die durch die Heiligung ihres Inhaltes Ewigkeitswert erhalten haben, soll und muss das neue Fest bestehen. So wie unser neues Leben als Ganzes, unser Staat und unsere Gesellschaft, unsere Lebensformen und unsere Ideale neben jenem Erbe und mit ihm bestehen muessen. welches das Volk Israel aus der Vergangenheit uebernommen hat. Die Heiligung des Profanen — dies ist das Problem einer jeden Generation in Israel, moegen ihre Lebensformen wie immer sein. Am Tage des Festes geht daher unser Blick nach innen, wir stellen die Frage: Sind wir auf diesem Wege? Suchen wir nach diesem Wege in aufrichtiger Bemuehung? Es ist an jedem von uns. sich an der Antwort zu beteiligen. Wenn wir die Probleme unserer Wirtschaft und Gesellschaft eroertem, mit dem Blick auf die Zehntausende, die Monat um Monat neu zu uns kommen, die Frage der Neuverteilung des ere Lebenszeit, und zaehlen wir. sie? HOELDERLIN “Reichtums” dieses Landes, der Neuaufteilung der Arbeitsmoeglichkeiten — steht nicht dahinter das Problem einer besseren, gerechteren Gesellschaft, die wir nicht nur ertraeumen, sondern erschaffen wollen? Geht es nicht dabei im Grunde um die “Heiligung des Profanen”? In diesem Jahre ist der Staat Israel und das Land Palaestina —wie wir hoffen— einige Schritte naeher zum Frieden gekommen. Der Weg bis dahin ist gewiss noch lang. Aber dennoch ist die Stunde heute ein wenig leichter, unser Herz ist nicht mehr so gespannt Wie vor einem Jahre, die aeusserste Gefahr erscheint abgewandt. Umso mehr muessen wir uns jenen Aufgaben zuwenden, deren Loesung, unserem Leben Stabilitaet verheisst.. Wir duerfen uns dabei nicht selbst taeuschen: Stabilitaet ist nicht allein von aeusseren Faktoren abhaengig, sondern auch von inneren, seelischen. Das Mass unserer Selbstkritik und unserer Faehigkeit, aus ihr WIEDERKEHR An jenem Tag erstelle ich Davids zerfallene Huette wieder, ich verzaeune ihre Risse, t ihre Truemmer stelle ich wieder her, ich baue sie wie in den Tagen der Vorzeit, damit sie erben den Ueberrest Edoms und alle Staemme, ueber die mein Name gerufen ward. —Erlauten von IHM, der dies tut—. Wohlan, Tage kommen. —Erlauten von IHM—, da tritt Pflueger an Schnitter, Traubenkeltrer an Samenstreuer, Most traeufen die Berge und alle Huegel schmelzen. Wiederkehr lasse ich kehren meinem Volke Israel, dass sie verstarrte Staedte aufbaun, besiedeln, Rebhaenge pflanzen und ihren Wein trinken, Gaerten machen und ihre Frucht essen. Ich pflanze in ihren Boden sie ein, sie werden nicht mehr aus ihrem Boden gerettet. den ich ihnen gegeben habe. —ER dein Gott hat’s gesprochen—. (Aus Arnos 9.) Sie tragen die Last der V er ant wortung: Premier BEN GURION Aussenminister MOSCHE SCHARETT Finanzminister E L IE Z E R KAPLAN Arbeitsminister G 0 L DI E MEIRSON Immigrations— und Innenminister MOSCHE SCHAPI- RA Konsequenzen Im Leben zu ziehen, wird uns Stabilitaet verleihen. Das Volk von Israel lebt nicht isoliert in seinem Lande. Es ist Teil eines grossen durch seine Geschichte ehrwuerdigen “Commonwealth”, des juedischen Volkes in aller Welt und seiner jahrtausende alten Tradition. Wir schaffen heute neue Formen des Lebens in diesem Lande. Zum ersten Mal wieder seit 2.000 Jahren gemessen wir, die wir in Israel leben., das Vorrecht staatlicher Selbstaendigkeit. In diesem historischen Augenblick gilt es. Augeiunass und Zeitmass zu bewahren, die Proportionen unseres Daseins als Teil des juedischen Volkes in Raum und Zeit nachzuempfinden und so unseren Weg in der Welt abzustecken. Der grosse Kritiker des modernen Judentums und seiner nationalen Belegung, Achad Haam, kann uns auch hierbei die rechte Anweisung geben. Er eiferte gegen jene, die schon zu seinen Tagen ausriefen: “Neue Werte! Neue Tafeln! Anstelle der “Schrift” komme das Schwert!” Und er wandte sich gegen die, welche “in dem naiven Glauben befangen sind, dass dieses Volk, dessen ganzer Lebensinhalt, da es auf den Schauplatz der Geschichte trat, gewissermassen einen ununterbrochenen heftigen Probest seitens der geistigen Staerke gegen die Kraft der Faust und des Schwertes bildet — dass dieses Volk imstande sei, nach einer Geschichte von Jahrtausenden mit einem Schlage seine Werte umzuwerten und auf seinen nationalen Vorang in der Welt der Sittlichkeit zu verzichten, um in der Welt des Schwertes das fuenfte Rad am Wagen zu sein...” Die “Umwertung der Werte” ist ein Gedanke, der unserer heutigen Generation nahe genug geht. Die Welt ist so zerruettet, dass bei dieser Umwertung an die Stelle vieler Werte das Nichts tritt, und dass jeder Glaube an etwas materiell Unbeweisbares sich verfluechtigt. Dieser Gefahr zu begegnen, ist heute mehr denn je aktuell. Der Staat Israel wird seine innere Stabilitaet vor allem darauf gruenden koennen, dass es ihm gelingt, in seinem Leben den alten, grossen Werten unserer Erbschaft jenen Platz zu sichern, den sie beanspruchen koennen. Dies ist der Sinn der Durchsetzung des Profanen mit Heiligem, dies der Sinn des Ewigkeitswertes unserer Feste, dies der Sinn der Unterwerfung unseres Lebens unter das Gesetz der •‘alten Tafeln”. Moege das Volk seine Feste, vor allem dieses Fest seiner neu gewonnenen Unabhaengigkeit, fuer alle Zeiten in Frieden und Freiheit feiern, umhuellt von dem Segen, den die Erbschaft der alten Tafeln auf uns auszustreuen vermag! (“Mitteilungsblatt” des “Irgun Olej Merkas Europa”, Tel Aviv)