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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1950-03-01 · 3 (Marzo, 1950) · p. Seite 19

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XII (1950)
Issue
3 (Marzo, 1950)
Date
1950-03-01
Page
Seite 19 (sequence 15)
Language
German
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BOLETIN INFORMATIVO 12 ) I I I i I j i í ffiá ye/ren, tótett, /e?e*e. Die Glocke des Die italienische Kolonie in Chile zeichnete sich bereits watehrend der faschistischen Aera, im Gegensatz zu der ihrer “Achsen”—Partner, dadurch aus, eine demokratische Mehrheit aufweisen zu koennen. Diese Tatsache war so allgemein bekannt, dass die Organisation “Italia Libre” in Wirklichkeit von weiten Kreisen als die repraesentative Institution der Kolonie angesehen wurde und u.a. gehoerte zu ihren Ehrenmitgliedern der heutige Praesident der Republik, S. E. Don Gabriel González. Umso erstaunlicher ist es, dass heute, fast fuenf Jahre nach Kriegsende, d.h. in einer Zeit, in der selbst die unentwegt nazistische deutsche Kolonie auf ihre “demokratische” Gesinnung pocht, eine Gruppe von Italienern eine Nazi-Zeitung herausbringt, die aus ihrer Einstellung ueberhaupt keinen Hehl macht und sich werbend —in italienischer Sprache— an ihre Landsleute wendet. Das Blatt heisst “Italia” und im Untertitel “Le Campane di San Giusto”, wird in Valparaiso fabriziert und ist nach Angabe des Herrn “Direttore-Editore” Rodolfo Carnio bereits 41 Mal erschienen; uns liegt die Nummer 1 des 4. Jahrgangs vor. Tatsache ist, dass es bereits eine Vergangenheit hat: wir erinnern uns, dass es im vergangenen Jahre anlaesslich des Graziani.Prozesses diesem Massenmoerder eine Sondernummer widmete (“Al maríscale d’Italia, Rodolfo Graziani”), die von einem russischen Delegierten in der U.N. als Diskussionsmaterial benutzt wurde. Die uns vorliegende Nummer zeichnet sich u.a. durch einige Artikel aus, bei denen wir es uns und den Lesern des “B.I.” nicht versagen wollen, eine kleine Bluetenlese vorzunehmen. IN STREICHERS FUSSTAPFEN Die antisemitischen Artikel erscheinen an prominenten Stellen des Blatts und sind in Form, Sprache und Ignoranz ihren deutschen Mustern vollkommen ebenbuertig. So befasst sich ein Subjekt namens Camilo Quinzio damit, Churchills Memoiren einer “Kritik” zu unterziehen und “beweist” dass dieser ein “Judenknecht” ist: “Weiss Mr. Win. ston Churchill nicht, dass der Zweite Krieg, oder besser gesagt, der 1939 begonnene Krieg (sic!), von den Juden fuer sich und zu ihrem ausschliesslichen Nutzen entfesselt wurde? Ignoriert er etwa, dass 1939 der Konflikt unvermeidlich wurde, als die juedische Systematisierung von Versailles (sic!) von der europacischen und antijuedischen Tatsache von Muenchen bedroht wurde und dass er endlich ausbricht, nach langer und geduldiger Vorbereitung seitens des Juden Leon Blum, dessen wahrer Natme Leon Karfunkelstein ist, genau in dem Moment, in dem die Heiligen Justus Schluessel z u Frankreichs Kassenschrank in Haenden des Juden Mandel sind, dessen wahrer Name Jeroboam Rothschild ist und die Schluessel der Kassenschraenke des Weissen Hauses in Haenden des Juden Paraugh und die von Nordamerika in Haenden des Juden Morgenthau, und die Schluessel des Britischen Imperiums fast vollstaendig in Haenden der englischen Hebraeer und dass der englische Kriegsminister Lord Belisha. ist und die maechtige City von den Hoare und Loeb beherrscht wird? Churchill verschweigt den wesentlichen, ursaechlichen, wahren Kriegsgrund und damit, dass dieser notwendig, nuetzlich und wohltuend war fuer die Juden und fuer niemanden sonst, dass die einzigen Sieger die Juden waren und dass diese und nur diese allein ihn entfesselten”. Nicht minder geistreich ist ein Aufsatz “Processo al giudaismo”, in dem die juedischen Weltherrschaftsplaene aufgedeckt werden und in dem “bewiesen” wird, dass diese von drei Zentralen aus durchgefuehrt werden: Er" stens, d i e Schluesselstellung der Juden in den nordamerikanischen Finanzen; zweitens, die Kontrolle der Juden ueber die U.N. (“Beweis”: Der Vize- Sekretaer heisst Benjamin Cohen) und drittens, der Zionismus und die Stern-Bande. Dieser Artikel ist aus Madrid von der “Agencia Centro.Europea,” geschickt worden, d.h., aus Francos Hauptstadt von einem der Ueberbleibsel der Nazintern, die heute vielleicht Nazinform heisst. DEUTSCHE MITARBEITER Natuerlich kann in solch hochwissenschaftlicher Atmosphaere der deutsche Geist und Genius nicht fehlen, und so beweist ein stolzer Germane, der auf das “Land Goethes und Bismarcks” unsagbar stolz ist, dass keineswegs die dekadenten westlichen Demokratien, sondern einzig und allein Deutschland die christliche Zivilisation vor dem Bolchewismus retten wird. Wie unsei Stammtischpolitiker diese er leuchtende Wahrheit erkannt hat? Er hat in der Wochenschau deutsche Jugend bei einem Sportfest gesehen! Ein anderer Geistesheld namens Karl Ludwig Wargny, schreibt voll inbruenstiger patriotischer Erregung, er habe einen Prospekt der Radio-Firma' Telefunken gesehen und sei zu der Schlussfolgerung gelangt, dass ein Land, das waehrend des Kriegs zerstoert worden sei, unmoeglich fuenf Jahre spaeter solch hervorragende Radio.Empfaenger hersteilen koenne und dass es selbst fuer Leser, die einem dermassen hohen Gedankenflug nur mit Muehe folgen koenne u, klar sein m u e s s e , dass Deutschland nie zerstoert war. Womit die Luege der Allierten Propaganda zu Nichts zerstiebt. EINE NEUE KYFFHAEUSER-SAGE j Die Mitarbeit eines gewissen Herrn Willibald Mattem schlaegt sozusagen dem Fass die Krone ins Gesicht., Don Willibald beweist naemlich, dass Hitler nicht etwa in der Reichskanzlei ums Leben gekommen sei, sondern vielmehr mit einem Bataillon seiner Tapfersten “einen strategischen Rueckzug” vorgenommen habe. Jedoch verweilt er keineswegs bei dieser sensationellen Enthuellung, nein er geht weiter und eroeffnet dem staunenden Leser, wo sich der Fuehrer im Moment befindet! Der Fuehrer und seine Getreuen halten sich naemlich in Neuschwabenland auf und werden, wie dies natuerlich auch nicht dem geringsten Zweifel unterliegen kann, von dort aus ihre harrenden Anhaenger befreien und nebenbei die Welt erobern. (Diese Behauptung steht in einem gewissen Widerspruch zu den Befuerch tungen von einer bevorstehenden juedischen Welteroberung, die auf den anderen Seiten des Blattes geaeussert wurden, aber das macht fast gar nichts). Halt, beinahe haetten wir vergessen, unseren Lesern auch noch wieder, zugeben, wo sich Neuschwabenland befindet. Nun, da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich: die juengste der deutschen Provinzen ist nichts anderes als eine warme Oase in der Antarktis, d.h., sie befindet sich in unserer naechsten geographischen Nachbarschaft. Leider verschweigt Herr Mattem, welches die Quelle dieser welterschuetternden Enthuellun. gen sind, aber dem begeisterten Leser zum Tröste verspricht er eine Fortsetzung in der naechsten Nummer. Diese wird zweifellos wichtige Nachrichten ueber des “Fuehrers” Wohlergehen enthalten (denn “er und nur er und sonst niemand ist berufen, Deutschland zu retten”) und es sollte uns nicht Wunders nehmen, wenn —gleich Kaiser Rotbarts lobesamem Vorbild— des Erretters Schnurbart langsam aber si cher, durch einen Eisblock hindurch zu wachsen beginnt. SONSTIGE DETAILS Die uebrigen Mitarbeiter bewegen sich auf dem gleichen Niveau; von deutschen Namen vermissten wir den des Herrn Kretschmer, der unter der Anklage stand, im vergangenen Monat das Irrenhaus ansezuendet zu haben, um daraus zu entfliehen. Ein Beitrag seinerseits waere zweifellos von hohem Wert gewesen. Ein gewisser Carlos Lento ergeht sich in elegischen Redewendungen ueber “José Antonio” (Primo de Rivera), den Gruender der spanischen “Falange”, die faschistische Partei Francos. Der Herausgeber selbst beweist seinen guten Geschmack mit einer halbseitigen Abbildung des “Moses” von Michelangelo, den er als eine der Hauptattraktionen fuer die Pilger ansieht, die anlaesslicb des Heiligen Jahres nach Rom fahren.;Far vus, señor Creitovich? Unsere Leser sind verschiedener Meinung, wie antisemitische Vorgaenge zu behandeln sind. Man ist zwar davon abgekommen zu glauben —so dachten manche im Ueberschwang der Gefuehle— dass der Antisemitismus nur eine Galuth.Erscheinung sei, die nach Gruendung des Staates Israel verschwinden wuer. de. Warum denn auch? Seid wann haben heldenhafte Leistung und Erfolg Neid und Missgunst zum Verstummen gebracht? Im Gegenteil “Sollten Dich die Dohlen nicht umschrein, musst Du nicht Knopf auf dem Kirchturm sein!” Nun fragt es sich: Soll man Angriffe einfach totschweigen oder soll man sie zur Kenntnis der Leser bringen? Wir halten das letztere fuer richtig, schon allein deshalb, weil wir damit der juengeren Generation juedisches Schicksal und juedische Geschichte aufzeigen. Wir duerfen aber nicht in den Fehler uebergrosser Empfindlichkeit verfallen. Diese uebergrosse Empfindlichkeit war zu verspueren, in der Art und Weise, wie ein Teil unserer Leser auf eine Novelle von José Santos Gonzalez Vera reagierte, die unter dem in der Ueberschrift erwaehnten Titel auf der ersten Seite der Sonntag-Ausgabe des “Mercurio” vom 29. Januar 1950 erschien. Es lag auch zu nahe —zunaechst— in dem Gebrauch der jiddischen Worte “far vus” (—fuer was — por qué—) eine antisemitische Anfeindung zu vermuten. Bei ruhiger Lektuere —sine ira et studio— ohne Aufregung und Voreingenommenheit, 1 a e s s t sich dieser Vorwurf gegen die Geschichte — sie soll einen Vorgang schildern, der sich tatsaechlich so zugetragen hat— GELDGEBER UND HINTERMAENNER Es ist klar, dass ein solches Blatt sich unmoeglich selbst finanzieren kann. Wer einen Begriff hat, was die Druckkosten einer zum groesseren Teil in Fremdsprache und zum Ueberfluss in drei Farben ausgestatteten Zeitung ausmachen, weiss, dass auf der anderen Seite der Bilanz tausende von Lesern und ein die Haelfte der Ausgabe umfassenden Anoncenraum gehoert. Das erstere kann ein solches Revolverblatt —selbst, wenn man die italienische Kolonie in Argentinien einrechnet— unmoeglich haben und letzteres hat es auch nicht. Die Annoncen machen keine zwei von den acht Seiten aus und kommen in ihrer Mehrzahl von kleinen Geschaeften und Akademikern der Kolonie. An grossen Firmen annoncieren: Ambrosoli, Liqueure Mitjans, Viña Santa Teresa (Martini & Cía.), Panadería Selecta von Valparaíso, Hotel Adria von Valparaiso und La Joven Italia, daselbst. Natuerlich draengt sich die Frage auf ,wer das Unternehmen nun eigentlich tatsaechlich finanziert. Sollte etwa eine gewisse Kolonie, die einst ungeduldig auf den Einzug Mussolinis, des “Schutzherrn des Islam”, in Kairo harrte, a'us “Dankbarkeit” nun heute die untroestlichen Anhaenger des “Duce” unterstuetzen? Eine Mutmassung, weiter nichts. Sollte sich aber einmal jemand ernstlich mit der Angelegenheit befassen, so wird er die Hintermaenner entdecken muessen, bevor, er den Gesellen das Handwerk legt. H. K. nicht aufrecht erhalten. Es werden juedische Menschen mit ihren Fehlern und Vorzuegen geschildert aber — ohne jede feindselige Verzerrung (man vergleiche auch die beigefuegte Illustration!) —in durchaus sympathischer Weise. Da ist die Frau des ueberschuldeten Pelzhaendlers Elias Pincarin, dessen Lager von seinem Glaeubiger Crenovich gepfaendet werden soll, die dem Glaeubiger immer wieder die im Titel erwaehnten Worte entgegenruft —sinnge maess uebertragen: “Warum tun Sie uns das "an, Herr Crenovich?” Der offenbar sehr lyrisch veranlagte Autor schildert den Eindruck, den diese Worte auf ihn als Augen — und Ohrenzeugen machten, indem er sie mit dem Ton eines Violincello vergleicht, der geeignet ist, bis in die tiefsten Tiefen aufzuruehren. So kann der Verfasser sagen, der Gebrauch der Worte stimmte traurig auch fuer den — der wie er — sie gar nicht verstand! Und zuletzt verfehlt die Stimme der elegischen Verzweiflung in der Tat ihre Wirkung nicht! Der Glaeubiger gibt nachtraeglich die gepfaendeten Waren — nachdem er sie schon weggefuehrt hatte — der Frau Pincarin, die immer wieder ihr “far vus” hatte ertoenen lassen, wieder frei, ein Vorgang, den, wenn man ihn verallgemeinern wollte, nicht nur Crenovich, sondern auch dem Volk, dem er angehoert, nur zur Ehre gereichen kann! Aber dieser Vorgang vermag das Schicksal des Schuldners Pincarin zunaechst nicht zu aendern. Es gelingt ihm nicht, in die Hoehe zu kommen, er verlaesst Chile und begibt sich nach Bogotá in Kolumbien, wo er nach einigen missglueckten Versuchen auf den unseligen Plan verfaellt — der Verfasser sagt, sein “boeser Engel” habe ihm die Idee eingegeben — Schuhe als Schmuggler zu “importieren”. Das misslingt und nun kehrt er auf dem Umweg ueber Argentinien nach Chile zurueck, wo er sich — in bescheidenem Stil — dem Handel mit gebrauchten Saecken zuwendet. Der Autor kann seiner Ausdauer die Bewunderung nicht versagen: “Un chileno, después de tan enorme fracaso, se convertiría en empleado o se daría a la bebida”. Dies alles spielte sich in der Zeit ab, als in Chile schuecht e r n (“tímidamente”) die Konfektionsindustrie aufkam, (also vor etwa 10 Jahren). Nun wendet sich Pincarin diesem Zweig zu. Es gelingt ihm, allma'ehlich in die Hoehe zu kommen. Der Verfasser ist schon voll Optimismus fuer ihn erfuellt! Da stirbt Pincarin. Die Geschichte endet mit seiner Beerdigung. Ein Arbeiter, der im Trauerzug mitgeht, sagt von ihm — sachlich, nuechtern—•: Se puede decir, pensándolo bien, que el hombre no era malo... Das ist alles! Man kann zwar sagen: Es ist eine Kurzgeschichte mit einer etwas dummen Pointe; aber man ka'nn nicht behaupten, dass die Geschichte auf einen unbefangenen Leser antisemitisch wirken muss. Dazu ueberwiegen die sympathischen Eingenschaften der geschilderten Personen doch zu sehr die weniger sympathischen! Also: keine unnoetige Aufregung! “Fas vus, lieber Leser?” Teil

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