Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XII (1950)
- Issue
- 3 (Marzo, 1950)
- Date
- 1950-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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$ t REDACCION: S. C. I. B’NE JISROEL AV. PORTUGAL 810. TEL, 33096 CASILLA 2487. SANTI AGO - CHILE BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT SOCIEDAD C U LT U RA L ISRAELITA " B ' N E JISROEL” Año XII — N.o 3 SANTIAGO DE CHILE Marzo, 1950 ROBERT WELSCH EHNSUCHT “FREIH Es ist keine neue Entdeckung, dass die “Freiheit”, deren Erringung wir am Pessach.Feste feiern, nicht nur ein hohes Gut ist, sondern zugleich auch eine schwere Last. Der Doppelsinn des Wortes wurde oft bemerkt, nicht zuletzt von Nietzsche; und er ist am besten formuliert in der Gegenüberstellung von “Freiheit —wovon?” und “Freiheit— wozu?” Auf BEIDE Fragen geben unsere Feste Antwort. Freiheit wovon? — “Der dich herausgefuehrt hat aus dem Hause der Knechtschaft”. Wir sind frei geworden von der Knechtschaft (im Lande Mizrajim, oder wo immer es spaeter gewesen ist). Freiheit Wozu? —“Du sollst mir sein ein Volk von Priestern ein heiliges Volk”. Nach der Erringung der Freiheit wird dem Volk ein Ziel gesetzt, dem es die frei gewordenen Kraefte und vor allem seine frei gewordene Entschlusskraft fortan zu widmen hat. Es ist gar kein Zweifel, dass die Freiheit von Knechtschaft ein hohes und unschaetzbares Gut ist, nach dem jeder sittlich bewusste Mensch strebt. Aber wir haben auch erlebt, dass Menschen mit der Freiheit nicht viel anzufangen wissen. Wir haben erlebt, dass sie Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte, unter Fuehrung ihrer besten Geister nach der Freiheit strebten, dass sie dieses Ideal von ihren Dichtern besingen Hessen und ihr Blut dafuer vergossen und dass sie dann, am Ziele angelangt, sich ihrer Richtungslo- •sigkeit bewusst wurden und nicht imstande waren, ihr Leben zu meistern, am wenigsten ihren Weg selbst zu bestimmen. Und sie verlangten wieder nach dem Meister, der ihnen die Last der Freiheit und die Last der Wahl abnimmt, und ihnen Befehle gibt, ein Kommandowort, nach dessen Klang sie in Reih und Glied marschieren koennen. Und wir sahen sie jubelnd marschieren. So sind wir uns in unserer Gene, ration besonders stark bewusst geworden, welche seltsame Bewandtnis es mit der Freiheit hat. Und unser Pessach ist sozusagen ein anderes geworden als das unserer Vaeter. Freilich, wenn wir von jetzt reden, dann ist es diesmal noch in weit hoeherem Masse als je zuvor “anders”. Denn fuer die in einem juedischen Staat lebenden Juden ist zwar der “historische” Teil der Pessach-Geschichte noch immer giltig, denn Historie bleibt Historie, aber viele der in der Pessach.Litur. gie ausgesprochenen Bitten, sind eigentlich gegenstandslos geworden, und die Analogie, die man in der Golah zu ziehen pflegte zwischen den Juden in der aegyptischen Knechtschaft und denen, die die Hagada lasen, trifft nicht mehr zu. Daher muss auch im Bewusstsein, besonders der Jugend, vieles anders geworden sein. Die Jugend “betet” nicht mehr um Freiheit, sie hat sie. Welch ein gewaltiger Unterschied! Es ist eine Wendung um 180 Grad, eine voellige Umkehrung. Jetzt steht vor dem jungen Menschen die Frage, was sie mit dieser Freiheit anfangen wollen. ¡Das Schicksal des juedischen Staates ist in der Hand der jungen Menschen; schon jetzt in hohem Masse, und in wenigen Jahren wohl voellig. Es wird bald eine fuehrende Schicht von Menschen geben, die den Golus nicht gekannt haben. Bald werden sie kaum mehr wissen, welch ein hohes! Gut die Freiheit ist, es wird ihnen I selbstverstaendlich scheinen. Es ist vielleicht am Platze, hier noch eine Bemerkung einzuschalten. In dem nicht sehr praezisen Sprachgebrauch des 19. Jahrhunderts, und bis auf unsere Tage wird in der volkstuemlichen Ausdrucksweise und in der politischen Propaganda der Begriff “Freiheit” unter schiedslos verwendet zur Bezeichnung von “nationaler” Freiheit und von “individueller” Freiheit. Ja man betrachtet beide geradezu als identisch! Und ueberdies gibt man dem Begriff der “nationàlen Freiheit” noch den besonderen Sinn der nationalen Selbstaendigkeit. Daraus entstand die Ueberzeugung, dass kein Mensch in wahrem Sinne individuell “frei” ist, wenn er nicht in seinem eigenen Nationalstaat lebt. Auf der anderen Seite hat man sich gewoehnt, mit Erreichung der nationalen Selbstaendigkeit eines Volkes auch die “Freiheit” fuer verwirklicht zu halten. Zwar haben viele erleuchtete Geister schon im 19. Jahrhundert auf diesen Irrtum hingewiesen, aber ihre Lehre ist nicht aus dem Kreise der Gebildeten hinausgedrungen, und die volkstuemliche Terminologie blieb wie sie war. Nun ist es aber eine Tatsache, die viele Angehoerige vieler Voelker erlebt haben, dass unter Umstaenden ein Mann auch voellig frei sein kann, wenn er in einer andersnationalen Umgebung lebt; d. h. seine individuelle Freiheit ist in keiner Weise anders beschraenkt als durch die notwendigen Gesetze der Gemeinschaft. Auf der anderen Seite braucht die Erringung der nationalen Freiheit keineswegs auch schon die Verwirklichung des Ideals der menschlichen Freiheit zu sein wie es seit der geistigen Revolution der alten Griechen und der alten Juden jahrtausendelang verstanden wurde. Wir waren in den letzten 30 Jahren Zeugen, wie Voelker nachdem sie vorgegeben hatten, ihre Freiheit erreicht zu haben, ein Regime grausamer Unterdrückung und Freiheits-Beschra'enkung auf richteten. Es gibt kein groesseres Armutszeugnis und keine groessere Nega; tion der Freiheit. Aber wir haben Eines gelernt: “Nationale” Freiheit, in welcher Form immer, ist nur eine Stufe. Sie ist noch nicht “die” Freiheit schlechthin. Sie legt nur denen, die (Fortsetzung auf Seite 3) Vw w ism Betrachten wir die Hagadah als etwas Ganzes und fragen uns dann, aus welchen Elementen es zusammengefuegt ist, so bemerken wir bald, d? ss sich hier Geschichtserzaeh lung, Gebet und Juedisches Lernen vermaehlt haben. Diese drei Elemente wechseln zwar nicht immer in genauer Regelmaessigkeit mitein ander ab, treten aber alle immer wieder hervor. Die Erinnerungen an unsere leidensreiche Geschichte, ihre dankbare Vergegenwaertigung im Gebet, und die Bruecke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, die das Lernen schlaegt, indem es juedischen Brauch aus dem Bibelwort ableitet oder darauf stuetzt: das sind die drei Elemente nicht der Hagadah nur, sondern unserer gesamten gei stigen Existenz. Aber noch eine intimere architektonische Eigenschaft des kleinen £151it Das “Käschern” der Geraete, aus dem Minhagim-Buch, gedruckt von Herz Levy Harofe, in Amsterdam 5483 (1723) Buechleins laesst sich aufweisen, und zwar innerhalb seiner ge. schichtserzaehlenden Schicht selbst. Diese beginnt bekanntlich mit dem Bekenntnis: “Knechte waren wir dem Pharao in Aegypten...” und wird dann, nachdem Gebet und Lernen das Wort genommen haben, wieder aufgegriffen mit dem zweiten Bekenntnis: “Im Anfang waren unsere Vaeter Goetzendiener”. Es ist ganz deutlich, dass hier 7in'jQVOhppTi,3Dn}iDD^>s-iw’ PNiäa WM« i lé-i'l y mÊÊêà mmm Illustration aus der Schlesingerschen Hagadah. von der Aussage der aeusseren zu der der inneren Knechtschaft fortgeschritten wird; es ist zugleich bemerkenswert, dass an diesem Tage hoechsten Geschichtsbewusstseins keine antik heroische Verklaerung die kleinen und dunklen Anfaenge des Volkes emporfaerbt, sondern die Wandlung und der Aufstieg vielmehr dem eigentlichen Taeter der Geschichte, Gott, verdankt werden. (Fortsetzung auf Seite 3) Israel und die zionistische Arbeit.. . .. .. Seite 13 ¿Far vus, señor Crenovich...? . .. Seite 19 Ein abgeschlossenes Kapitel .. .. .. Seite 21 Valparaiso .. Seite 23