Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XII (1950)
- Issue
- 1 (Enero, 1950)
- Date
- 1950-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN INFORMATIVO 11 “Ein Geschlecht geht, ein Geschlecht kommt, aber die Erde bleibt ewig bestehen”, so lautet die Antwort Kohelets auf die Frage nach dem Vergaenglichen und Bleibenden in der Welt. Natur und Geschichte scheinen sein Urteil zu bestaetigen. Die Erde ist die Wiege und das Grab jedes organischen Lebens. Gibt die Geschichte uns nicht dieselbe Lehre? Wieviel Grossreiche des Altertums hatten im vorderasiatischen Raum ihren Traum von der ewigen Herrschaft getraeumt? Ein Volk machte dem anderen den Platz an der Sonne streitig. Menschen kamen und Menschen gingen. Nur die Erde blieb bestehen. So will es scheinen. Um so erstaunlicher ist es, dass ein Jude in der Mitte des zweiten Jahrhunderts, Rabbi Jehoschua ben Korcha, lehrte: “Die Erde geht und die Erde kommt, aber der Mensch bleibt ewig bestehen!” Was bedeutet der Protest dieses beruehmten Talmudlehrers? Jehoschua ben Korcha wusste, was er wollte. Durch die Umkehrung des Urteils Kohelet, das so selbstverstaendlich klingt, wollte er die wahre Meinung des Judentums zum Ausdruck bringen, der zufolge nicht die Erde, sondern der Mensch im Mittelpunkt des Geschehens in der Welt steht. Der Mensch hat seine Aufgabe und darum seine Zukunft. Eist der DIE 16. SPRACHE LEO HEIMANN Es gibt eine alte Redensart: Ein Englaender ist ein Gentleman: zwei Englaender — eine Expedition in die Kolonien; drei Englaender — Imperialismus. Ein Jude ist ein Geschaeftsmann; zwei Juden — ein Debattierklub; drei Juden — fuenf politische Parteien und sieben Sprachen. An diesen letzten Teil des Sprichwortes musste ich denken, als ich neulich im Bus nach Haifa fuhr. Ausser mir waren nur wenige andere Fahrgaeste da, und ich weiss natuerlich nicht, zu wie vielen politischen Parteien sie gehoerten, aber sie sprachen 15 verschiedene Sprachen! Das muss doch wohl ein Weltrekord sein fuer einen einzelnen Bus. Die Unterhaltung fing an, als einer der Mitreisenden ein Exemplar der “Palestine Post” in meiner Tasche bemerkte und mich auf Englisch fragte, ob ich Amerikaner sei. Ich sagte ihm, ich waere keiner. Wir redeten weiter englisch, bis er ploetzlich auf Jiddisch ueberging. Er erzaehlte mir, dass er aus Johannisburg kaeme, aber auch russisch spreche, das er von seinen aus Russland stammenden Eltern gelernt haette. “Na also”, sagte ich, “Russisch kann ich auch”. Wir redeten nun ein bisschen russisch und fanden es sehr nett, als ein kleines Maennchen mit einem riesigen schwarzen Bart sich mit einer Art bulgarischem Russisch einmischte. “Stammen Sie aus Moskau?” fragte er. Mein neuer Freund erzaehlte ihm, dass er ungefaehr 10.000 Meilen von Moskau entfernt geboren sei, und ich sagte, ich haette in “nur” 1.000 Meilen Abstand von Russland das Licht der Welt erblickt. Der schwarzbaertige Mann uebersetzte es fuer ein junges Maedchen. das mit einer leeren Flasche in der Hand in der Ecke sass und genau so aussah wie ein Reklamebild fuer Coca-Cola. Die beiden unterhielten sich zunaeehst bulgarisch. Das konnten wir noch verstehen, aber dann redeten sie eine eigenartige Sprache, 'kommt »«a ieht nudi die Erde Garant des Ewigen auf Erden. Der Mensch muss dauern, damit die Erde dauern kann. Die Existenz eines juedischen Staates in unserer Zeit ist der beste Be- "T■"* f'if'r die Wahrheit der These des Rabbi Jehoschua ben Korcha. Nicht, dass Judaea einst besiegt und seiner Bewohner beraubt wurde, macht das Besondere des juedischen Schicksals aus. Dags wir Juden uns nach dem Verlust unseres eigenen Landes niemals selbst verloren haben, dass wir uns erhalten konnten und die Kraft hatten, einen neuen eigenen Staat aufzurichten, das ist das Wunder juedischer Existenz in der Welt. Die Erde ging — aber wir hatten den Willen zu bleiben und sie zurueckzugewinnen. Heute erleben wir mit besonderer Eindringlichkeit wieder die Wirklichkeit des Wortes: die Erde geht und die Erde kommt. Die Erkenntnis, dass nicht nur “Erde geht”, sondern auch “Erde kommt", wirkt sich an den Menschen unseres Geschlechtes in kaum geahnter Weise aus. Der Bodenfonds des juedischen Volkes ln der Welt — der KKL — hat dem Juden unserer Zelt die Erde wiedergegeben. Durch ihn kam und kommt die Erde wieder, die einst ging. Er erst schliesst den Kreis des Wunders eines Volkes, dass seine Existenz erhielt in der Hoffnung, dass “die Erde kommt”. Den der eigene juedische Staat in Erez Israel hat nur so viel Realitaetswert in sich, wie er Bereicschaftswillen im juedischen Menschen in Israel und in der Welt zur Erloesung und Fruchtbarmachung des Bodens unseres alten TToirv’siMandes ausloest. die mich an einen zweitrangigen Film mit Carmen Miranda und Xavier Cugat erinnerte. “Klingt ungefaehr wie Portugiesisch”, meinte mein neuer Freund. Nach einer Weile erfuehren wir, dass es Ladino war, eine Art Spanisch, das die griechischen und bulgarischen Juden gebrauchen, wie die polnischen und russischen Juden Jiddisch. Dann stellten wir fest, dass das huebsche “Coca-Cola-Maedchen” auch franzoesisch sprechen konnte. Damit wurde ich aus dem Gespraech ausgeschaltet. Denn Franzoesisch kann ich nicht. Als die zwei anfingen, franzoesisch zu reden, war es, wie wenn man in ein Hornissennest schlaegt oder in ein heftiges Meschinengewehrkreuzfeuer geraet. Die ganze Busgesellschaft fing ein so fliessendes Franzoesisch an, dass ich — wenn wir nicht gerade an den Orangenhainen voruebergefahren waeren — gedacht haette, ich saesse im falschen Bus md fuehre nach Marseille statt nach Haifa. Bis jetzt waren meine beiden Nachbarn auf der anderen Seite des Mittelganges die einzigen Fahrgaeste, die noch nichts gesagt hatten, und da sie so blond und blauaeugig waren, fragte ich sie auf Deutsch, ob sie kein Franzoesisch koennten. Sie erzaehlten mir, dass sie aus der Karpato-Ukraine stammten. Ich redete sie in Deutsch, Jiddisch, Russisch und Polnisch‘an und ueberlegte mir, welche andere Sprache ich wohl nun noch versuchen sollte, als sie anfingen, uh g a r i s c h, tschechisch und slowakisch zu schwatzen. Inzwischen wechselten einige der anderen Mitreisenden von Franzoesisch ins Griechische, Italienische und Arabische ueber. Eine Blondine fing sogar mit ihrem Soldatenschatz eine Unterhaltung an, die mir chinesisch klang. Ich hoerte spaeter, dass es absolut nicht so romantisch war. Es war nur Flaemisch. Sie kamen aus Belgien. Ich hatte die Sprachen nicht alle gezaehlt, aber der Chauffeur hatte es getan. Als wir in Haifa ankamen, nahm er seine Muetze ab und sagte vor sich hin: “Na ja, und ich bin der Mann, der die sechzehnte Sprache kann — Hebraeisch!” (“Das Neue Israel”, Zuerich) - Éllilâi Milli Huff BEGEGNUNG VON WUESTE UND MEER Bei den juengsten Bohrversuchen in IM SEKTOR VON ELATH Elath hat man kleine Mengen guten Wassers entdeckt. Man will in Elath eine Fischerei-Industrie auf bauen; die Methoden des Fischfanges dort sind von denen im Mittelmeer verschieden, denn das Meer ist ruhig und voll von Pflanzenwuchs. Bisher hat man dort nur ganz primitive Methoden angewandt, und man wird noch manche Versuche anstellen muessen, um die besten Wege fuer die Fischerei im Roten Meer ausfindig zu machen. Elath wird als der fuer einen Hafen am besten geeignete Punkt angesehen; die Stille des Meeres ist fuer die Entwicklung einer Kuestenschiffahrt guenstig. -:o:- Die Zahl der gegruendeten Kolonien KOLONISATION 5709 im Jahre 5709 ist 110 und die -seit der Gruendung des Staates 140. Die letzten 4 Kolonien, die im Jahre 5709 gegruendet wurden, sind ein brillantes Beispiel des “Kibbuz Galujoth” (Vereinigung der Diaspora): Eine Gruppe von Olim aus Indien besetzte den Boden von Julis im Darom. Auf der Wegkreuzung zwischen Latrun und dem Negew liess sich eine weitere Gruppe nieder. In Birburin, in der Naehe des Dreiecks, wurde eine Siedlung von tschchoslowakischen Olim gegruendet und in der Naehe von Latrun, ein Moschaw von Juden aus der Tuerkei.