Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XII (1950)
- Issue
- 1 (Enero, 1950)
- Date
- 1950-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN INFORMATIVO 9 ISRAEL - UMSCHAU Die Helden Kfar Ezions werden zu Grabe getragen (Luftpost-Sonderbericht fuer das “Boletín Informativo”) 66 WEG DES MUTES 99 (DER KORRIDOR NACH JERUSALEM) Am 17. November (2. Cheschwan) trauerte Israel, und vor allem Jerusalem noch einmal um die Opfer, die die Verteidigung Jerusalems gefordert hat. Ueber 300 Leichen aus Kfar Ezion, Latrun und der weiteren Umgebung Jerusalems, die im arabischen Gebiet zerstreut begraben lagen, wurden als Erste auf dem neuen Militaerfriedhof, der Her-zls Grab umgibt, beigesetzt. Monatelang waren die Bemuehungen der Regierung, die Einwilligung des transjordanischen Gouverneurs zur Exhumierung zu erhalten, gescheitert. Im Gegensatz zu den aegyptischen Militaerbehoerden, die sich ausserordentlich entgegenkommend gezeigt hatten, machten die Transjordanier immer neue Schwierigkeiten. Dann kamen in den letzten Wochen die ersten vereinzelten Saerge und wurden in den von den Kaempfen her beruehmten “Mandelbaum-Haeusern” aufgebahrt, und die Jerusalemer Bevoelkerung betrachtete die dort Tag und Nacht aufgestellte Ehrenwache in scheuer Beklemmung aus der Ferne. Die riesige Menschenzahl, die diese 300 Opfer begleitete, liess noch einmal jene schwere Zeit vor den Augen aller erstehen. Bei weitem nicht alle Toten konnten identifiziert werden,. aber man wusste, dass hier die Verteidiger Kfar Ezions zu Grabe getragen wurde, jene Gruppe heldenhafter Maedchen, die nach dem Falle Kfar Ezions ihrem Leben selbst ein Ende setzten, um nicht in die Haende des arabischen Poebels aus Hebron zu fallen; jene “35”, die zu Fuss durch die Berge Judas zum Entsätze Kfar Ezions, wie so viele andere, aufgebrochen waren, und von einem nach Tausenden zaehlenden Hinterhalt einzeln niedergemacht und verstuemmelt wurden; jene Gruppen, die Latrun zu stuermen versucht hatten, um den Weg aus der Ebene nach Jerusalem sicher zu stellen; — und dann noch die vielen Einzelnen, die hier und da, noch mitten in der Mandatszeit, ueberfallen und erschlagen wurden. Das trauernde Volk, in seiner bunten Zusammengewuerfeltheit, von den Chawerim des Kibbuz, orthodoxen Eltern der juedischen Altstadt Jerusalems, Neu-Einwanderern aus Cypern, Kurden und Jemeniten, Sephardim und Angehoerigen des anglo-saechsischen F r e i w i 11 i gen Corps (Machal), all das gab ein getreues Bild des Jischuv, wie er damals in seiner ganzen Vielstaemmigkeit und verschiedenen Landsmannschaftlichkeit in gewaltigem Einsatz erschienen war. Die Befreiung des Landes und die Staatswerdung Israels waren ein Wunder im juedischen Sinne, d.h. ein Wunder, fuer das man vorher teure Opfer bringt. Dr. Pinchas Blumenthal Abgenagten Gerippen gleich schauten die getuenchten Innenwaende der Hae 'ser von Hartuw den gelegentlichen Besucher an. Sinnlose Gebaeudeteile, die jemand umzustossen vergessen hatte —so standen sie noch da, als warteten sie auf irgendeinen, der ihrem Leiden ein Ende bereiten sollte. Das waren im Sommer 1949 die Ueberreste einer der aeltesten Pianiersiedlungen. Nie sollten wir das Schicksal und die Probleme von Hartuw vergessen. Im Jahre 1895 von bulgarischen Juden gegruendet, durfte dieses Dorf mit Recht eine schnelle und erfolgreiche Entwicklung erwarten. Reichlich fruchtbarer Boden war verfuegbar, und wenn auch nicht im Ueberfluss, gab es doch Wasser genug fuer die lebenswichtigen Beduerfnisse der Siedlung. Ihren Einwohnern fehlte es weder an der Begeisterung noch an jenem idealistischen Geist, der zum Erfolg fuehrt. Aber eine ernste Tatsache durfte man nicht uebersehen, die schliesslich entscheidend wurde und die mannigfachen Vorteile, welche die Siedler und der Ort in die Waagschale zu werfen vermochten, aufwog: Hartuw fehlte die Verbindung mit anderen juedischen Siedlungen; es war buchstaeblich den umgebenden arabischen Doerfern auf Gnade oder Ungnade ausgeliefert. Einsame Lage und schlechte Verbindungen waren die beiden Faktoren, die sein Schicksal bestimmten. / Man realisierte diese Tatsache, als Hartuw in den paar ersten Monaten des Krieges vom uebrigen Lande voellig abgeschnitten war. Nach einem harten Kampfe, der ueber drei Monate dauerte und die Besatzung und die Siedler auf Hungerrationen setzte, wurde Hartuw nachts evakuiert. Man zog sich mitten durch die feindlichen Linien zurueck und brachte sich in Sicherheit. Zwei Tage spaeter besetzte die Arabische Legion das Dorf und machte es dem Erdboden gleich. 54 Jahre schweren Ringens und Arbeitens und das ganze investierte Kapital waren wie fortgeblasen. Die Geschichte von Hartuw, nur in viel groesserem Ausmass, wiederholte sich in Jerusalem. Mit einer Einwohnerschaft von Zehntausenden war Jerusalem, trotz seiner Groesse, doch eine kleine einsame Insel inmitten eines arabischen Meeres, fuer seine lebenswichtige Versorgung auf Strassen angewiesen, die durch arabische Staedte und Doerfer fuehrten. Schon die Unruhen von 1936|39 hatten bewiesen, dass bei gegebener Gelegenheit der juedische Teil von Jerusalem und die Siedlungen in seiner Umgebung wahrscheinlich mehr oder weniger, ganz nach dem Willen der Araber, vom uebrigen Land abgeschnitten sein wuerden. In Anbetracht dessen, dass Jerusalem nie eine sich selbst versorgende Stadt war, gab dies Grund zu ernster Sorge fuer die Zukunft der Stadt im Falle der Not. Die Siedlungen in der Naehe hatten vielleicht beschraenkte Mengen von Gemuesse und Milchprodukten liefern koennen, aber dies haette bei weitem nicht ausgereicht, um den Bewohnern der juedischen Viertel eine angemessene Versorgung zu sichern. Der 29. November 1947 brachte der Freiheit und Unabhaengigkeit der Judenheit die Anerkennung der Welt, eine Errungenschaft, die waehrend der bitteren Monate, die folgten, erst im Kampfe besiegelt werden musste. Die Aussichten fuer einen arabischen Sieg waren gross. Von SEEW SCHUL Die Araber hatten Waffen und eine betraechtliche Zahl durch erfahrene westliche Militaers gedrillter Kaempfer, aber es fehlten ihnen der Geist, die Disziplin und der Mut, ihren Angriffskrieg zu einem guten Ende zu fuehren. Was Jerusalem angeht, so war die Lage der Stadt fast vom allerersten Tage an kritisch. Es war zwar nicht die erste Belagerung der Heiligen Stadt im Laufe ihrer langen Geschichte, aber sie nahm einen anderen Ausgang: dieses Mal fiel Jerusalem nicht. Dies war vor allem unserer Faehigkeit zu danken, die trennende arabische Mauer zu durchbrechen, die Jerusalem isolierte, und einen “Korridor” zur Kueste als Lebensader fuer die Stadt zu schaffen. Unter feindlichem Artilleriefeuer wurden der “Weg des Mutes” und eine Notwasserleitung durch die oeden Berge gebaut. Der Jerusalemer Korridor erstreckt sich ueber mehr als 30 km. von den Zugaengen zur Stadt bis hinunter zur Kuestenebene. Die Strasse steigt bis 800 m. ueber dem Meeresspiegel. Die Landschaft besteht aus Strecken fruchtbarer, doch, beinahe wasserloser Ebenen, die allmaehlich in kegelfoermige, felsig nackte Berge uebergehen. Dieser Landesteil ist in erster Linie von strategischer Bedeutung, da er die Zugaenge zu Jerusalem von Norden und Sueden her sichert. Die ersten Schritte zur Neubesiedelung des “Korridors” wurden bereits unternommen, um das Vakuum auszufuellen und arabische Guerrillabanden daran zu hindern, in das Gebiet Israels einzudringen. Fuenfzehn Siedlungen sind im vergangenen Jahre im Korridor entstanden, und noch viel mehr sind geplant. Hierbei spielt der Keren Kajemeth Lejisrael eine hoechst wichtige Rolle; er gibt den Boden, beteiligt sich am Budget der ersten Ansiedlung und bemueht sich ganz allgemein, den jungen Siedlungen ueber die ersten kritischen Jahre hinwegzuhelfen. Auch der Keren Hajessod beteiligt sich an dieser wichtigen Aufgabe. Der Typus der “Grenzsiedlungen” im Lande ist keineswegs neu. Strategische Punkte, welche die lebenswichtigen Versorgungswege bewachten, wurden schon von den alten Roemern bei ihrer Eroberung des Landes errichtet, wie z. B. am Platze des ehemaligen arabischen Dor< fes Kollonia (vom Worte “Kolonie” abgeleitet) auf dem Hauptwege nach Jerusalem, das auf dem Boden der alten roemischen Siedlung erbaut wurde und noch heute ihren Namen traegt. Die Mitglieder dieser “Grenzsiedlungen” gehoeren noch der regulaeren Armee an, haben aber die Erlaubnis, ihre Boeden zu bearbeiten, unter der Bedingung, dass sie die strategischen Positionen in ihrem Gebiete besetzt halten. Gleichzeitig erhaelt die Siedlung eine Kollektivzahlung fuer ihre Heeresdienste. Wasser ist eines der Hauptprobleme der neuen Siedlungen. Es ist nur in geringen Mengen in alten Brunnen und Zisternen in der Umgebung arabischer Doerfer vorhanden, im allgemeinen unzureichend und gerade nur genuegend, um die allerdringendsten Beduerfnisse der Siedlungen zu befriedigen. Hie und da verstreut gibt es einige Quellen, aber ihre Kapazitaet ist unbedeutend, und die meisten trocknen waehrend der heissen Sommermonate voellig aus — im besten Falle bleiben sie ein troepfelndes Rinnsal. Einige Siedlungen koennen eine be- * * « pp!