Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XI (1949)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1949)
- Date
- 1949-12-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN INFORMATI VO 11 ISRAEL - UMSCHAU Probleme des Fremdenverkehrs Van MEIR FAERBER So sehr alle objektiven Vorbere). tungen dem Heiligen Lande heute ei. nen ungeheuren Auftrieb des internationalen Fremdenverkehrs versprechen, so schwere Pruefungen stehen der Fremdenindustrie. Israels noch bevor. Bereits jetzt, da der Touristenstrom erst einsusetzen begonnen hat, zeichnen sich die Probleme mit einer Schaerfe von dem rosigen Hintergrund der israelischen Mittelmeer-Landschaft ab, wie sie selbst Pessimisten nicht vorausgesehen haben. Israel ist nicht in der Lage, in dieser Saison die erwarteten dreissigtausend Touristen in einer dem internationalen Fremdenverkehr angemessenen Form aufzunehmen. Ebensowenig wird Israel die fuer das naechste Jahr erwarteten 100.000 Touristen so beherbergen koennen, wie Weltreisende dies von anderen Kulturlaendern her gewohnt sind. Der langjaehrige Unterdrueckungskampf der Mandatsmacht gegen den juedischen Bevoelkerungssektor, der Kampf auf Tod und Leben gegen die araDischen Invasionsheere, die Notwendigkeit der Aufnahme und Einordnung zehntausender Neueinwanderer monatlich laesst die Wirtschaft des Landes nicht zu ruhiger Entwicklung kommen. Die Baubewegung stockt seit langem, waehrend Land und Volk nach der Errichtung nicht nur neuer Haeuser, sondern ganzer neuer Staedte und Siedlungsgeb5 ete lechzen. Allein fuer die heute in Tel- Aviv wohnende Bevoelkerung muesste eine neue, gleich grosse Stadt zugebaut werden, damit der Wohnungsmangei hier behoDen werde, ganz zu schweigen von den Zehntausenden, die Tel-Aviv noch erwartet. Das gleiche gilt fuer Jerusalem und Haifa. Dieser Wohnungsmangel, fuehrt dazu, dass die Hotels von hiesigen Dauergaesten belegt und fuer die Touristik nicht frei sind. Wer nicht durch seine auslaendische Reisegesellschaft bereits Zimmer vorbestellt hat, s t o e s s t auf unangenehme Srhwiprie'keiten beim Suchen nach einer Unterkunft. Zur Entlastung des Zimmermarktes sammelt eine offizioese Stelle Anmeldungen von Privatwohnungen, in denen auslaendische Gaeste untergebracht werden koennen. Man kennt dieses System aus der Praxis ¡jpv v°’-'!ch;pden°vi v^eltsfaedte, au\ Internationalen Messen, Kongressorten u. dgl.—, und man weiss. dass dieses System viele Maengel hat, denn nicht jeder Tourist liebt es, in das fremde Familienleben mit einbezogen zu werden. Auch ist die korrekte Behandlung des Gaeste in Pri. vathaeusern viel schwerer zu kontrollieren als in den Hotels, obwohl es zweifellos auch Familien geben wird, bei denen der Gast besser aufgehoben sein wird als im besten Hotel... Die Maengel der privaten Unterbringung wuerde man schon gerne mit in Kauf nehmen, wenn nur genuegend Zimmer zur Verfuegung «tuenden. Was aber laesst sich in einer derart ueberfuellten Stadt von einer Zimmeraktion erwarten? Hunderte Plaene werden durchberaten. behandelt, von offizioesen und ' privaten Gesellschaften vorbereitet. Diese Plaene bemuehen sich um Ausfuellung aller Luecken. Grosse Luxushotels mit Regierungsunterstuetzung und internationalem Kapital sind ebenso projektiert wie einfache Sommerfrischler.Huetten mit weitgehender Selbstbedienung. Kurse fuer das Personal des Gastgewerbes sollen den Hotel— und Restaurant, betrieb auf internationalen Standard bringen, und eine umfangreiche Auf. klaerungsaktion der Behoerden will in Stadt und Land darueber unterrichten, wie jeder einzelne dem fremden Gast entgegenkommen, ihm am aviv Der Arbeitstag beginnt fuer die meisten Buerger in Tel-Aviv um 8 Uhr, und um halb 8 bilden sich endlose •‘Schlangen” vor den Autobus-Haltestellen. Tel-Aviv ist, gemessen an anderen Weltstaedten, klein, und im Durchschnitt hat man einen Anfahrtweg von 15 Minuten zum Arbeitsplatz. Im Augenblick, da immer noch viele Fahrzeuge und Chauffeure vom Heer beansprucht werden, ist der, Autobus-Dienst sehr ueberlastet. UM 8 UHR einem der Lokale, wo man auf der Strasse sitzend ein Margarine-Broetehen mit Kaffee zu sich nehmen kann. Eine Frau laesst vom Balkon des dritten Stocks ein Band herab, an das der Zeitungsjunge uie rviurgenzeitung b.nuet.^ Em Jemeniten - maedchen, das Kopfhaar unter einem weissen Tuch zusammengebunden und das Kleid bis zu den Fuessen, geht mit einem grossen Koro in uie ri-oupeiative, um Gemuese zu Von H. S. Der Bus ist voll, der Schaffner, laesst sein “Bitte nicht mehr einsteigen” ertoenen, aber die naechsten tuenf schafien es doch noch irgendwie, auf dem Trittbrett Fuss zu fassen, und der Bus rollt mit seinen Extra-Passagieren weiter. Drinnen bietet man aelteren Leuten sofort Sitzplaetze an, und auch juengere Damen erfahren zuweilen diese Ehre. Eine Ambulanz des Roten Magen David faelirt vorbei, ihre Sirenen ■■Hl wsiMä wátwk warn imm ¡j|¡¡|jp mwm ««¡til l!iÉ¡Éfc misil tfSSI * : Héü »8*1 ¡jfmsssspS - mm ÉÉÜ MI mm -í— .kaufen. Die ganze Stadt ist in Bewegung — zur Schule, ins Geschaeft, i auf den Markt. Um diese Zeit sieht; man sehr viele Fahrraeder, nicht nur mit Jungens, die zur Schule, sondern auch mit vielen Maennern, die ins Geschaeft fahren und von denen viele auch in dieser Jahreszeit “shorts” tragen. Langsam faehrt ein grosser, von Eseln gezogener Wagen vorbei, auf dem Baumaterialien befoerdert werden, Schuljungen benutzen die Gelegenheit und fahren als bl’nde Passagiere mit. Ein Taxi-Bus kommt, seine Tueren sind sofort umlagert. Wie gewoehnlich machen die Korpulenteren das Rennen nicht und ziehen sich resigniert in die “Schlange” zurueck, um doch auf den Bus zu warten. Soldaten, Maenner und auch Frauen, gehen an die Spitze der Schlange — sie brauchen sich nicht anzustellen. Der Bus kommt nun doch, die Schlange geraet in Bewegung. Jeder kalkuliert fuer sich, ob er noch bei diesem Bus an die Reihe kömmt, und die weniger Gluecklichen ergeben s’ch in ihr Schicksal. Bei den aufsteigenden Frauen kann man bemerken, dass die Roecke in Tel-Aviv die Mode mitgemacht haben und an Laenge nichts zu wuenschen uebriglassen. , heulen. An aer Seite ist aufgeschrieben, wer sie gestiftet hat. Diese Ambulanzen kamen aus allen Teilen der Erde. Fuer mich als Verfasser ist es ein besonderes Gefuehl, wenn ich eine Ambulanz sehe, die aus meiner Heimat kommt, und es ist erregend, wenn man durch Zufall die Ambulanz sieht, die zu kaufen man selbst geholfen hat. Der Bus faehrt weiter — man sieht 1 zuweilen ein Stueck vom Meer, vor- I bei an den zwei Freilichtkinos, vorbei an den Ecken, an denen frueher die Menge stand, um an Kar- 1 ten die mit bunten Nadeln I besteckt waren, den Ablauf der 1 Kaempfe zu verfolgen. Und dann i biegt der Omnibus in Tel-Avivs I “Times Square”, den Mograbi Platz, I ein. Dieser Platz, an dem abends die I Leute in groesster Ruhe in den Kaf- ¡ fees sitzen, ist jetzt ein Ameisenhau- I fen. Abr all das Durcheinander wird I geschickt, von Verkehrspolizisten ge- I regelt, teilweise auch von weiblichen, j die mit schmucken Uniformen bej sonders gut aussehen. I Und so traegt dich der Bus weiter I an deinen Arbeitsplatz, zusammen i mit all den anderen Tel-Avivern, die | um 8 Uhr ihren Tageslauf beginnen I (“Das Neue Israel”, Zuerich) Um in diese Bresche zu springen, haben viele Taxis einen Dienst eingerichtet, der den offiziellen Bus- Linien entspricht und etwa das Doppelte an Fahrpreis erhebt. Und nur wenige Menschen widerstehen dei Versuchung, in eriem Chrysler oder Buick 49 zur Arbeit zu fahren. Das Strassenbild um 7 Uhr 30 an einem Februar-Morgen gibt einen guten Einblick in das Leben dei Stadt. Es liegt Regen in der Luft, und die Menschen auf der Strasse koennen in zwei Gruppen eingeteiP werden: diejenigen, die fuer alle Faelle einen Regenmantel aus Nylon mitgenommen haben und ihre Crepe- Schuhe tragen — Tel-Avivs universaler Winterschuh — und die Vorsichtigen, die schon zu oft in einen jener Sturzregen geraten sind, die um diese Jahreszeit ohne jedes Anzeichen kommen, als wenn sich ploetzlich alle Schleusen des Himmels oeffen wuerden. Diese Vorsichtigen also tragen hohe Schaftschuhe, schwere ■ Regen-Capes und wasserdicht eingepackte Pakete. Frauen sind ueberall zu sehen, die ihre Kinder zur naechsten Schule bringen und die Gelegenheit fuer einen kleinen Morgenschwatz .ausnutzen. Vor einem Eis-Wagen bildet sich eine Schlange. Ein Bueroangestellter beendet sein Schnell-Fruehstueck in behilflich sein und ihn nicht etwa als' Ausbeutungsoüj ekt betrachten soll. Alle diese Bemuehungen sind sehr zu begruessen und yerden eines Tages Fruechte tragen—, inzwischen aber ist die Touristensaison mit ihren Tausenden von Fremden ueber das nur mangelhaft vorbereitete Land gekommen, und in mancher Beziehung leidet der auslaendische Gast unter den Maengeln der unvollendeten Vorbereitung. Israel, seine Regierung und seine Einwohner wissen, dass sie noch schwere Pruefungen zu bestehen haben, bevor sie das Ideal eines Touristen-Zentrums erreicht haben werden. Hier ist der feste Wille vorhanden, die Schwierigkeiten zu ueberbrtiecken. Nun haben die Touristen aus aller Herren Laendern die offene Frage zu beantworten, ob sie bereit, sind,' d*e Unannehmlichkeiten des hohen Preisniveaus und der mitunter r mangelhaften Unterbringung mit in Kauf zu nehmen, wenn sie die vielen positiven Seiten des Landes kennenlernen und gemessen wollen. (“Das Neue Israel”, Zuericli) 1