Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XI (1949)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1949)
- Date
- 1949-11-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN INFORMATIVO 7 EINDEUTIGE SYMPTOME Wer den Nazismus und seine Greuel aus naechster Naehe miter. lebt und am eigenen Leibe verspuert hat, darf nie muede werden, die Politik der Milde, die diesen Verbrechern gegenueber geuebt wird, zu brandmarken. Wen es langweilt, immer wieder die “alte Leier” vorgespielt zu bekommen, der “kehre abends froh nach Haus und segne Fried’ und Friedenszeiten”. Wer aber den Grauen Hitlerdeutschlands nicht vergessen kann, ganz einfach, weil er ihn nicht vergessen will, der hat die Pflicht, volle Suehne zu verlangen. Und fuerchte er nicht, ohn. maechtig wie Michael Kohlhaas an der Ungerechtigkeit uebermaechtiger Kraefte zu zerschellen. Solange es Menschen gibt, die an Gerechtigkeit glauben, fuer sie beten, eintreten, kaemnfen, solange gibt es auch eine moralische Kraft, die ihre Wiederherstellung moeglich erscheinen lasst. Erst wenn der Zynismus, die Gleichgueltigkeit und die Gedaechtnislosigkeit um sich greift, entschwindet auch diese Moeglichkeit. Ilse Koch, die “Bestie von Buchenwald”, wurde im Laufe des vergangenen Monats auf freien Fuss gesetzt. Wohl soll sie in Baelde vor ein deutsches Gericht gestellt werden. Wer aber ausrechnen will, welche Strafe ihrer wartet, der rufe sich ins Gedaechtnis zurueck. dass die Nordamerikaner ihre Schandtaten mit den vier Jahren, die sie abgesessen hat, als gesuehnt ansehen. Der General Fritz Erich von Mannstein, unterstuetzt von den hervorragendsten englischen und deutschen Inwaelten, haelt lange Reden in dem regen ihn inszenierten Theater- Prozess, um den rein mil'taerischen Charakter seiner Handlungsweise zu beweisen. Es ist allgemein bekannt, lass die Advokaten aus einem. Fond aezahlt werden, zu dem Wmston Churchill eine betraechtliche Summe reigesteuert hat, der gleiche Winston Churchill, der den Nazi-Verbrechern ■in schonungsloses Gericht angedroht batte, um ihre Untaten zu bestrafen. All dies kann jedoch nichts an ler Tatsache aendern, dass der Herr ran Mannstein Oberbefehlshaber an;iner Front und ueber ein Gebiet war. in dem fast alle Todeslager funktionierten, unzaehliee Ghetti irmidiert wurden und Millionen von luden den Tod fanden. Wie lange lauert der Prozess bereits und wra ariere wirrt er noch dauern? Welches wird der RichtsDruch sein? Es sind nur zwei Faelle, aber einlent.ig als Svmntome. Winston Chur- •hill, der Politiker, mag “nach vier fahren dem besiegten Feind mit anleren Gefuehlen gegenueber stehen ils waehrend des Krieges”. Wir aber vissen, dass ueber die Graeber der flofer des Nazismus kein Gras gevachsen ist und auch keines wach- :en wird. WIEDER OBEN AUF Auch in Oesterreich erholen sich die Nazis. Ein nicht hinwegzuleugnend er Beweis dafuer sind d'e letzten Wahlen, bei denen die sogenannte “TTnnbhaengigkeits-Liera” einen beachtlichen Erfolg errang. . Dieser Erfolg wurde auch in bestimmten Gegenden mit Horst-Wessel-Liedern, Hakenkreuz-Malereien und anderen geraeuschvollen Manifestationen gebuehrend gefeiert. Fuer die Weltnresse kam dieser Erfolg “ueberraschend”. Fuer uns, die wir die Suenden der Besatzungsmaechte seit Jahr und Tag mit steigender Besorgnis mitansehen, kann von einer Ueberraschung keine Rede sein. Ihre Politik konnte nur zu einer eindeutigen Renazifizierung fuehren. Das mag vom Standpunkt gewisser politischer Interessen aus verstaendlich sein und sie moegen es auch Der Haushaltsplan der Stadt Jerusa- STADT-HAUSHALT lern sieht bis Ende des Jahres ein Budget von ueber I£ 2.000.000 vor, das heisst, ein Fuenffaches im Vergleich zum Vorjahre. Diese Mehrausgabe ist auf die Uebernahme der oeffentlichen Dienste zurueckzu. fuehren und wird durch erhoehte Steuern ausgeglichen werden. Die wirtschaftliche Situation Jerusalems wird weiter besser. Auch die Bevoelkerung, die auf 97.000 Seelen gesunken war, zaehlt nun wieder 100.000. Die staedtische Bauflaeche umfasst im Moment 40.000 Du. nams und schliesst die westlichen Viertel und den Sueden der Stadt ein. ' Fuenf Millionen Dollar der amerikani- ZITRUS . PRODUKTION sehen Anleihe sind in modernen Maschinen zur Mechanisierung der Zitrus-Produktion in Israel investiert worden. Die ersten Sendungen sind bereits im Lande angekommen. > „ Die Zahlen ueber “Amidar” —die Na- AMIDAR” BAUT tionale Wohnungsbau-Gesellschaft — zeigen auf, dass bis Ende 1949 im Ganzen 17.000 Einheiten fertiggestellt sein werden, davon 11.000 Stein— und 6.000 Holzhaeuser. Das Netz der Gesellschaft umfasst 36 staedtische Bezirke und 130 landwirtschaftliche Kolonien. Der erste Teil des Plans ist bereits vollkommen durchgefuehrt. 35.000 Menschen werden gute und billige Wohnung, mit einem monatlichen Mietspreis von £ 6-7 erhalten. Man hofft auch, dass im Jahre 1950 die Baukosten bis um 25% sinken werden. __ . __ Der Praesident der Vereinigung von PLASTIX _ FABRIKATE .Plastix-Fabrikanten, der acht Indu- , . ... strien —die insgesamt 300 Arbeiter beschaeftigen— repraesentiert, erklaerte in einer Presse-Konferenz, dass die Regierung die Industrié ausserordentlich unterstuetze, sodass ihre Produkte in Export-Vertraege mit anderen Laendern eingeschlossen werden koennen. INDUSTRIESTADT Die Einwohnerschaft von Ramat Gan ist von 11.000 im Jahre 1945 auf 20.000 . . . ,, TT . Seelen angestiegen. Die Zahl der in. dustnellen Unternehmen ist in der gleichen Zeit von 61 auf 133 ge wachsen. Diese verarbeiten vor allem Baumaterialen und Marmor Metall und Webwaren. rechtfertigen. Vom moralischen Standpunkt aus ist es niemals zu rechtfertigen. UNABHAENGTGKEIT FUER LIBYEN Weisungen ihrer Regierung folgend, stimmte die israelische Delegation in der U.N. fuer die sofortige Unabhaengigkeit fuer Libyen. Das heisst, dass Israel sich spontan fuer die Entstehung eines neuen arabischen Staates eingesetzt < hat und, gewollt oder ungewollt, eingeladenerweise oder nicht, zusammen mit den arabischen Staaten gestimmt hat. Daraus kann man zwei positive Schluesse ziehen. Erstens einmal hat Israel unter Beweis gestellt, dass es seine eigenen momentanen Interes. sen einer gerechten Forderung unterzuordnen versteht. Und zweitens hat seine Regierung damit erneut ihr festes Vertrauen bewiesen dass frueher oder spaeter, die offensichtliche Interessengemeinschaft der Voelker des Nahen Ostens zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn normale und sogar freundschaftliche Beziehungen herstellen wird. VOR DER DEBATTE In wenigen Wochen -wird der Internationalisierungs-Plan Jerusalems in Flushing Meadows zur Diskussion stehen. Zwar sind die Fronten noch nicht definiert, doch sprechen alle Anzeichen dafuer, dass die urspruenglich einheitliche Front der Freunde des Plans abzubroeckeln beginnt und man spricht davon, dass die Vereinigten Staaten, als Fuehrer der Mehrheit, einen Kompromiss suchen. Das waere auch dann nicht erstaunlich, wenn man sich die keineswegs freundschaftliche Auslegung der sowjetrussischen Delegation zu eigen macht, wonach der Plan einen neuen Versuch darstellt, die angloamerikanische Hegemonie im Nahen Osten zu befestigen. Denn selbst wenn dem so waere, ist dieser Vorschlag zu plump und undurchführbar, um dem genannten Zweck zu dienen. Das laesst sich selbst an Hand von Details feststellen, wie dies zum Beispiel die Unterbindung der juedischen Einwanderung nach Jerusa. lern —uebrigens einer der von Israel mit der groessten Schaerfe abgelehnten Punkte— ist. Der Internationale sierungsplan spricht von freiem Zugang zu allen Heiligen Staetten. Nun, was geschieht, wenn juedische Wallfahrer, deren freien Eintritt in die Stadt zu garantieren Pflicht der juedischen lokalen Behoerden ist, sich in dieser niederlassen, um sagen wir, taeglich ihr Gebet zu verrichten? Wird es dann ploetzlich zur Pflicht der gleichen Behoerden, sie aus den Mauern der Stadt zu verweisen? Es ist nicht schwer voraus. Zusagen, dass sie sich nicht dazu entschlossen wuerden. Wird dann der Oberkommissar der U.N. intervenieren? Wenn ja, mit welcher Gewalt? Und wo bleibt dann die lokale Autonomie? Oder: das juedische Jerusalem hat bereits kund getan, dass es jeglicher nicht-israelischen Autoritaet den Gehorsam verweigern, zumindest passive Resistenz entgegensetzen und die Zahlung der Steuern verweigern wird. Waehrend der Zeiten des britischen Mandats wurden mit juedischen Steuern nicht nur der Unter. drueckungsapparat, die oeffentlichen Dienste, die juedischen Institutionen wie Schul, und Sanitaetswesen, sondern auch der groesste Teil der arabischen unterhalten. Das wird nicht noch einmal geschehen. Aber: wie wird es ja geschehen? Drittes Beispiel: Wenn der Jischuw und seine Regierung so naiv waeren, wie dies gewisse Kreise gerne sehen wuerden und seine Streitkraefte im juedischen Jerusalem auf die Zahl von 500 Polizisten reduzieren wuerde, wer wuerde dieses gegen einen ploetzlichen Ueberfall der unter dem Befehl des englisch-anglikanischen Coronels Glubb Paschä stehenden musul manischen Truppen des “Koenigs von Jerusalem” (Abdulla) schuetzen? Die gleiche U.N., die gleichen Politiker und die gleichen konfessionellen Autoritaeten, die sich im vergangenen Jahre erst an die Heiligkeit der Stadt erinnerten, als der transjordanische Angriff endgueltig aufgehalten war? In wenigen Wochen wird man in Flushing Meadows ueber die Internationalisierung Jerusalems reden. Man wird reden und reden und reden und die bunte Seifenblase ganz dick auf blasen... bis sie piatzt. GUATEMALA Die kleine mittelamerikanische Republik von Guatemala ist von einem schrecklichen Unwetter heimgesucht worden, bei dem mehr als 500 Menschen ihr Leben verloren und viele Tausende obdachlos geworden sind. Mit dem Gefuehle engster Verbundenheit gedenkt die gesamte Judenheit des Landes, das an der Spitze aller unserer vielen Freunde auf diesem Kontinent fuer die juedischen Rechte eingetreten ist. Klein an Gebiet und schwach, hatte dieses demokratische Land eine Haltung eingenommen, die ihm dep Nimbus einer hohen moralischen Autoritaet einbrachte. Sein Praesident, Juan José Arévalo und der Vorsitzende der Delegation bei den U.N., Dr. Jorge Garcia Granados, der auch Mitglied der UNSCOP-Kommission war, stellten unter den schwierigsten Bedingungen ihre unverbruechliche Freundschaft zur juedischen Sache unter Beweis. So wurde Guatemala zum Vorkaempfer fuer die Durchfuehrung des Teilung-Planes und war, zusammen mit den beiden Grossmaechten das erste Land, das Israel 24 Stunden nach seiner Geburt anerkannte. Israel und die gesamte Judenheit werden die Gelegenheit wamehmen, der noblen Republik hilfreich beizustehen. IHRE NEUE HEIMAT Lady Lorna Wingate, Witwe des Generalmajors Orde C. Wingate, ist nach Israel uebergesiedelt. Orde Wingate kam 1946 nach Palaestina. Seine offizielle Mission bestand in der Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung; die geheimen Instruktionen, die ihm seine Rangobersten erteilten, lauteten auf schrankenlosem Gewaehrenlassen der arabischen Banditen unter dem Oberbefehl des Mufti und Fawzi el Kawkji. Doch Orde Wingate war kein typischer englischer Kolonialoffizier, sondern ein Mensch und sogar ein grosser Mensch, mit einem grossen Herzen und klarem Verstand. Die brennenden Waelder und Felder, die unschuldig Ermordeten, die “Havlagah” —Selbstbeschraenkung des Jischuw, dessen grandioses Aufbauwerk er bewunderte—, machten ihn zu einem gluehenden Zionisten und zu einem Rebellen gegen die Militaerbehoerden. Er begann, kleine Einheiten von Chaluzim zu organi, sieren und auszubilden im Kampf gegen den arabischen Terror. Ein Charod war sein Hauptquartier. So entstand die Palmach, Stosstruppe der Hagana und entscheidend im Befreiungskrieg Israels. Wingate hatte seine Karriere auf dem Altar seiner Ueberzeugungen geopfert. Er wurde nie mehr befoerdert. 1944 fiel er in Burma, wohin man ihn versetzt hatte. Im vergangenen Jahre besuchte seine Witwe Ein Charod, um ihren Sohn, Orde Jonathan Ben-Zion Wingate dort einzuschulen. Nun kam sie von Neuem, diesmal fuer immer. ATSCHEKA