Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XI (1949)
- Issue
- 10 (Octubre, 1949)
- Date
- 1949-10-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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BOLETIN INFORMATIVO 9 ISRAEL - UMSCHAU THEATERREISE ======— Von FRIEDRICH LOBE -.= Eine Tournee in die Gemeinschaftssiedlungen hatte ich, obwohl .ich lange am Hebraeischen Theater Regie fuehre, noch niemals mitgemacht. .Wohl bin ich mit meinen Stuecken von Tel-Aviv aus nach Jerusalem, nach Haifa und auch nach anderen Staedten des Landes zuweilen mitgefahren, aber einen “Sibuw” —wie es hebraeisch heisst— kannte ich noch nicht. Und,, um es gleich vorweg zu sagen, das ist ein Erlebnis, wie man es eben nur im juedischen Palaestina haben kann. Bevor ich von Einzelheiten erzaehle, muss, noch frisch, der Eindruck aufgezeichnet werden, den der erste Abend auf mich gemacht hat. Man stelle sich vor: Auf einem sehr grossen —sagen wir— Bauernhof ist eine Buehne aufgebaut, wie eine gewaltige Jahrmarktbude, auf Pfaehle gerammt, mit Stricken nach allen Seiten befestigt, von maechtigen Scheinwerfern angestrahlt; neben ihr eine im Freien stehende Schalttafel, vor der auf erhoehtem Podest der Beleuchter hantiert; — hinter der Buehne ein grosser Garderoberaum mit Schminktischen und unzaehligen Lampen, in welchem nur von praktikablen Waenden umstellt, sich die Schauspieler anziehen und Maske machen. der Vorhang sich oeffnete — vom ersten Moment an, in ihrer gefaelligen Spielfarbigkeit. Aber meine Inszenierung, die in langer sorgfaeltiger Probenarbeit geschah, musste sich schamvoll verkriechen gegenueber der gewaltigen Wirkung, die mich ueberfiel, als ich einen Blick ins “Parkett” warf. Etwa dreitausend Menschen sassen, standen, saeumten den riesigen Platz ein. Grossartige Gliederung in atemloser Stille! Masse Mensch, ohne jegliche disponierende Absicht, schoen und zweckmaessig gruppiert: vorne'sassen auf dem Fussboden (auf Strohmatten) etwas fuenfzehn Reihen Kinder. Es war prachtvoll, wie zufaellig die aufmerksamen Kinderko'epfe von den beiden maechtigen Scheinwerfern rechts und links noch mit erwischt wurden. Alle Koerper nach oben gereckt — die Koepfe zurueckgeworfen in den Nacken, ein strahlender “Kinderteich”. Dahinter begann es nun mit Baenken, das heisst, auf Strohbuende waren riesengrosse Bretter gelegt, fuenfzig Reihen etwa, auf denen sassen die Grossen. An den Raendern zwang, los noch Unzaehlige, die keine- Sitzplaetze mehr gefunden hatten, und ueberragt wiederum, waren die — rings um die ganze Arena — von SUS * Zwei Szenen aus “Bearboth Hanegew”, von Igal Mossinsohn Es ist schwer zu schildern, wie auf einen Schauspieler, wie mich, der in seinen juengsten Theaterjahren das Wandertheater in Deutschland gut kennengelernt hat, diese Einzelhei-- ten wirken. Gewiss, eines erinnert an das andere — und trotzdem, das eine ist grundverschieden vom andern. Das hier — es ist viel optimistischer, viel gemeinsamer. Ich stand lange vor diesem Lastwagen, der seinen improvisierten Schminktisch in die dunkle Nacht praesentierte, ebenso amuesiert wie auch ergriffen — zweifach ergriffen: erstens, weil ich denken musste, zwischen damals —1911 etwa— und heute liegt eine sogenannte Karriere, und nun muendet es da wieder ein, wo es einmal arifing (und scheint doch nur so!). Zweitens, wie sonderbar, wie uebermuetig fast alles wirkt. Rings die kahlen Berge des naechtlichen Galilaea mit ihrer gigantischen Gewalt. Landschaft nur insoweit, als die unermuedliche willensvolle Kraft juedischer Haende sie geschaffen hat — und nun mitten in dieser grandiosen Verlassenheit stehen Buehne und Schminktische unter dem offenen blauen Sternenhimmel! Sinnbild des menschlichen Willens zur Freude. Aber alles das ist noch nichts gegenueber dem Eindruck, der mich ueberfiel, als die Vorstellung begann, sie spielte sich in der grossen Zeltbuehne nach den genauen Gesetzen ihrer Inszenierung ab, in dem voellig gleichen Dekorationsbau wie ln Tel-Aviv, und ueberhaupt gaenzlich unveraendert, sie waermte — als maechtigen Lastautos und Traktoren, auf denen, dichtgedraengt, still und gebannt nocn Hunderte standen, die von den umliegenden kleineren Kibuzim herangefahren waren, ihre Wagen gar nicht verliessen und am Schluss wieder mit maechtigem Getoese in die Nacht hinausratterten. Diese saeumenden hohen Fahrzeuge, auf denen sich die Mensehen manchmal uebereinander tuermten, gaben dem Bild nun wieder in seiner atemlosen Aufmerksamkeit etwas von einem riesigen gespenstischen Heerlager. Der Wille, zu schauen, sich zu freuen — eingefangen in einer solch gewaltigen Menschenzahl — ist in der Tat imposant. Neben diesen vielen Eindruecken konnte ich aber noch eine andere hoechst angenehme Betrachtung anstellen. Das wunderbare, voellig ka. meradschaftliche Einvernehmen zwischen kuenstlerischem und technischem Personal des “Ohel”-Theaters ist in der Tat etwas Seltenes. Wir reisten diesmal mit zehn Schauspielern, ihrem Regisseur, fuenf Musikern und vierzehn technischen Arbeitern und Beamten. Das Buehnenpersonal arbeitet in zwei Schichten zu je sechs Mann. Nachts nach der Vorstellung wird die Dekoration von der Buehne abmontiert, verladen und nach der naechsten Siedlung abtransportiert. Die Schicht der Arbeiter, die das besorgt, begibt sich auf das Bankett, feiert mit und geht dann schlafen. Indessen beginnt die zweite Schicht zu arbeiten: sie montiert das ganze Buehnenzelt ab, ver- 3ä|Ss| WS pgfg t i** k:M0S& I-* v illi .. ■mm-w wWKW'íL-. AUF DEM CARMEL » ws.- 1 Das Zionistische Aktions-Komitee be- Das KKL - Direktorium schloss in seiner letzten Sitzung, anstelle des auscheidenden Herrn David Ben Gurion Herrn Berl Locker, anstelle des dahingegangenen Rabbi Meir Bar-Ilan (Berlin) Raw Kowalsky in das Direktorium des Keren Kayemeth zu waehlen. Wiedergewaehlt wurden Dr. A. Granovsky, der Praesident des Direktoriums, und die Herren Kestenbdum und Zuchowitzky. Ein Vorschlag der Revisionisten, unterstuetzt vom Misrachi, die Zahl der Direktoren von 11 auf 12 zu erhoehen, wurde abgelehnt. Elf Jahre besteht die Siedlung Cha- Chamta hat Wasser nita in Westgalilaea, nicht fern von der libanesischen Grenze. Vor zwei Jahren begann man in dem benachbarten Matzuwa mit Bohrungsarbeiten, bei denen man in einer Tiefe von 80 m Wasser entdeqkte, aber es war unmoeglich, eine Wasserleitung zu legen, weil sie ueber arabisches Gebiet haette fuehren muessen, das die Araber indessen dafuer nicht hergaben. Jetzt ist die Leitung fertig, und Chanita kann stuendlich 200 cbm Wasser erhalten, wodurch intensive Bewirtschaftung ermoeglicht ist. Die Kosten der Bohrungen und Wasserleitüngsanlage beliefen sich auf IL 45.000. Um kleinen kooperativen Unterneh- Kleine Kooperativen men (vor allem solchen von Arbeitern und entlassenen Soldaten, die ein kleines, fuer Errichtung eigener Fabriken nicht ausreichendes Kapital besitzen) den Beginn ihrer Arbeit zu ermoeglichen, wurde ein Anleihefonds gegruendet, der natuerlich auch, neue Immigranten berücksichtigen wird. Eine Giesserei, welche die Haelfte des Eine Giesserei Bedarfes unseres Landes an Zubehoerteilen fuer Rohre, Motoren, Traktoren und sonstige landwirtschaftliche sowie Textilwaren-Maschinen decken soll, wird voraussichtlich Anfang 1950 mit ihrer Arbeit beginnen. Sie wird das erste Unternehmen in Israel sein, das Maschinenteile haemmert und Gusstuecke aus Stahl herstellt. Sie soll im ersten Jahre 800 Tonnen im Werte von IL 300.000 fabrizieren. Bisher wurden jaehrlich solche Waren im Werte von zwei Millionen Pfund importiert. Ein Drittel des Rohmaterials wird aus Abfall stammen, die uebrigen zwei Drittel muessen eingefuehrt werden. Einrichtung und 50 technische Fachleute sollen aus den Vereinigten Staaten kommen, doch die meisten gelernten und ungelernten werden hiesige Leute sein. Das Kapital der Gesellschaft betraegt zunaechst IL 300.000. .In Kuerze wird man drei neue Wasser fuer Tel Aviv Wasser-Pumpstationen, die taeglich 10.000 cbm versorgen koennen, fuer Tel Aviv errichten. Die zusaetzliche Pumpstation im Norden der Stadt wird zuerst mit ihrer Arbeit beginnen. Der Wasserverbrauch in der Stadt ist um 17 o[o gegen das Vorjahr gestiegen, und das Publikum musste aufgefordert werden, sparsamer im Verbrauch zu sein. packt es und faehrt mit ihm nach dem naechsten Spielort — das geschieht meistens morgens etwa um fuenf Uhr, dann ruht auch diese zweite Schicht, sie beginnt etwa gegen Mittag das Zelt wieder aufzubauen, indessen sind die Schauspieler und die Dekorationsarbeiterschicht auch bereits im neuen Ort eingetroffen, und ab vier Uhr mittags beginnt man wieder mit dem Einbau der Dekoration — so geht das fort, mitunter zwanzig Tage lang, immer frohgemut, trotz der unleugbaren Anstregung, die alle leisten. Aber alles ist beglueckt im freudigen Wechselspiel von Gabe und Empfang. Glueck bei uns, weil wir die Kraefte anfeuern, .die Landbau schaffen und Menschensiedlung — und Glueck bei den Siedlern, weil sie mit Recht glauben duerfen, wenn es sie nicht gegeben haette, so haette es doch wohl kaum solch ein Hebraeisches Theater geben koennen. (“Das Neue Israel”, Zuerich) \