Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XI (1949)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1949)
- Date
- 1949-09-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Aluf David Saltiel in Santiago Nur einem kleinen Kreis der aktiven juedischen Mitarbeiter war bekannt, dass am Freitag, den 22. Juli der Generalinspektor des israelischen Heeres, Aluf (Coronel) David Saltiel, hier eintreffen und als Gast der Regierung einige Tage in Santiago verbringen wuerde. Die wenigen Informierten beobachteten die Ankunft des Panagra-Flug zeugs und die Begruessung des hohen juedischen Offiziers durch Vertreter des chilenischen Generalstabs. Das war das erste Erlebnis dieses hohen Besuchs: der in Uniform in Chile eintreffende Repraesentant der Haganah wird hochoffiziell bei seiner Ankunft begruesst! Auch unsere Vertreter hatten Gelegenheit ihn namens der Gemeinde herzlich willkommen zu heissen. Fuer wenige Stunden spaeter wurde uns sein Besuch beim Freitag — Abendgottesdienst angemeldet; aber er war bereits durch eine offizielle Visite der Vertreter der hiesigen Wehrmacht so in Anspruch genommen, dass er seinen Wunsch nicht ausfuehren konnte, den Aufenthalt in Chile mit einer Teilnahme am Schabbath-Gottesdienst zu beginnen. t Am folgenden Sonntag wurde er von der Federación Sionista mit einem Cocktail im Círculo Israelita und am Montag abends von beiden Spitzenorganisationen feierlich und herzlich begruesst. Was mag er sich bei den 18 Begruessungsreden — darunter die Mehrzahl in der ihm unbekannten spanischen Sprache, wohl gedacht haben?! (Wir waren nicht dabei). Am Dienstag abend sprach er vor dem Hauptsektor unserer Colectividad im Círculo Israelita, der so ueberfuellt war, dass seine Tore polizeilich gesperrt werden mussten. Mittwoch vormittag 11 Uhr legte er im Namen der israelischen Armée eine Blumenspende am Monument des chilenischen Nationalhelden Don Bernardo O’Higgins nieder. Wer diesen Akt miterlebt hat, wird ihn wohl niemals vergessen. Unter den Klaengen der Hatikwah, prachtvoll zu Gehoer gebracht von einer Militaer—Kapelle der Escuela Militar und gegruesst von hohen chilenischen Militaers und einer schwer zaehlbaren Menschenmenge ging die ofizielle Fahne des juedischen Staates hoch! und so mancher wird in diesem Augenblick sich die Frage vorgelegt haben, womit er es sich verdient habe, Zeitgenosse der Verwirklichung dieses alten Traumes geworden zu sein. Auch der sinnvolle Text auf der an dem Blumenschmuck angehefteten Schleife darf nicht vergessen werden: “Al glorioso Ejército de Chile — El Ejército defensivo de Israel“. Am Abend des gleichen Tages war er Gast der Comudad Sei'aradi und nachher des Chefs des chilenischen Generalstabs, der ihm zu Ehren ein Bankett veranstaltete Und den letzten Abend in Chile hatte er fuer uns reserviert. Ziemlich erschoepft, aber puenktlich um 9 Uhr traf er in unserem Gemeindehause ein; nachdem er mittags ein Essen fuer den chilenischen Generalstab veranstaltet und Besuche sowohl bei der Escuela Militar wie bei der Escuela de Carabineros, verbunden mit Cocktails, abgestattet hatte. Er wurde von einem Auditorium erwartet, wie es unser Gemeindehaus noch nicht bei sich gesehen hat. Gewiss hatten wir mit starkem, mit aussergewoehnlichem Besuch gerechnet, die kleinen Nebenraeume vorbereitet, im Wirtschaftssaal 150 gemietete Stuehle aufgestellt und einen Lautsprecher angebracht. Aber der Besuch an diesem Abend stellte alle vorsichtigen Schaetzungen in den Schatten. Jeder wollte einen der Obersten Kommandanten unseres Heeres, auf das wir ja alle so stolz sind, hoeren und den Verteidiger Jerusalems im Krieg des vergangenen Jahres sehen und wir haben durch seinen Vortrag das Grosse, das Unvorstellbare, die Heldentaten unserer Soldaten und das grosse Wunder unseres Sieges erlebt. Aluf David Saltiel sagte eingangs, er sei kein Redner, Wenn ein Redner ein Mann ist, der mit Temperament, mit sich ueberschreiender Stimme und mit schoen geformten Saetzen ueberreden will, dann ist er kein Redner; wenn aber auch der ein Redner ist, der schlicht und sachlich durch ehrliche Berichterstattung und durch Schilderung eigener Erlebnisse ueberzeugen will, dann gehoert David Saltiel zu den groessten Rednern, die vir je gehoert haben. Es ist sehr schwer, auch nur Bruchstuecke seiner Darlegungen wiederzugeben, weil der Leser das alles niemals so aufnehmen kann wie der Hoerer, weil der Anblick und die Stimme dieses seltenen Mannes fehlt. Wie erschuetternd war sein Bericht ueber die Ausbildung und Entsendung der 35 Fallschirmabspringer, die sich freiwillig gemeldet hatten, um in den von Nazis besetzten Laendern den ungluecklichen Juden behilflich und notfalls eine Stuetze und ein Trost auf ihrem letzten Wege zu sein - 35 junge Menschen beiderlei Geschlechts, die sich der persoenlichen Gefahr ihrer Mission bewusst waren und von denen wirklich nur drei lebend zurueckkamen! Wie warm sprach er von den alten “Eseln”, wie er sie nannte, die die schwerste Buerde der Verteidigung, der Heimat viele, viele Jahre hindurch getragen hatten! Und wohl zum ersten Mal hat jeder ein Stueck der ungeheuren Gefahr und der uebermenschlichen, opfervollen Verteidigung Jeruschalajims miterlebt, Einzelheiten, von denen wir bei den Berichten ueber die Kaempfe in Jerusalem, die wir in den Tageszeitungen lasen, uns gewiss nichts vorstellen konnten. Wie die beiden Ober-Rabbiner Herzog und Usiel das Gebot der Sabbathruhe aufhoben, um die ewige Stadt zu verteidigen, wie sie selbst in der Sabbathnacht an der Befestigung der Stadt mitwirkten, um die Bedeutung dieser Mizwah vor den Augen der Bevoelkerung zu demonstrieren und den Alten, den Jungen, Maennern, Frauen und Kindern ein Vorbild zu sein. Wie erschreckend war die in ihrer Sachlichkeit dramatische Darstellung, wie diese umzingelte Bevoelkerung nur noch Brot fuer 3 Tage besass und wie der Jubel ausbrach, als die Freiwilligen aus dem freien Lande nachts, mit Saecken von Lebensmitteln ueber den FEIER AM 9. AW Am 4. August (9. Aw) fand auf dem Friedhof in Conchali die feierliche Einweihung der Plakette statt, die unsere Gemeinde an dem dortigen Ehrenmal zum Andenken an unsere dem Naziterror zum Opfer gefallenen Brueder und Schwestern anbringen liess. Herr Rabbiner Loewenstein brachte in einer Ansprache die Gefuehle der Trauer um unsere Maertyrer zum Ausdruck, die uns an jedem Tag, insbesondere aber in einem solchen Augenblick, immer aufs Neue erfuellen. Unser junger juedischer Staat sei das erhabenste Monument, das wir zu ihrer Ehre errichtet haetten. Herr Isaac Goren, Praesident der “Jevra Kedischa”, nahm alsdann mit Worten des Gedenkens die Enthuellung der Plakette vor. Mit dem Kol Mole Rachamim, vorgetragen von Herrn Kantor Schneier, und dem Kaddisch fand der feierliche Akt seinen Abschluss. Schultern, sich unter eigener Lebensgefahr durch die feindlichen Stellungen schlichen, um den Bruedern Brot zu bringen. Und wie erschuetternd schilderte er die Selbstopferung der heldenhaften Besatzung von Kfar Ezion, die von der arabischen Legion und Tausenden arabischer Partisanen angegriffen wurden, stolz die Uebergabe ablehnten und ausser zwei durch Zufall Geretteten sich fuer die Freiheit Israels geopfert haben. Konzertabend. Das Konzert am 6. August darf als voller Erfolg gebucht werden. Der erste Teil des Programms betonte die juedische Note mit zwei geistlichen Arien von Mendelssohn und Cellokompositionen von Ernest Bloch. Bloch ist wohl einer der fruehesten seiner Generation, der juedischen Geist in weltlicher Musik bewusst gestaltet hat. Die Arien wurden von Ruth Weissenberg mit warmer Empfindung gesungen. Fuer die schwierigen Blochschen Stuecke setzte Hans Loewe einen gepflegten Ton und bedeutsame Technik ein, die er auch im Verlauf des Abends in Stuecken von Faure, Weber u. a. bewaehrte. Im zweiten Teil des Abends entzueckte Olinfa Parada, die erfolgreiche Solistin eines der letzten Symphoniekonzerte, durch mehrere Arien von Puccini; Francisco Fuentes entfaltete in Arien von Verdi, englischen und russischen Gesaengen nicht nur eine hochstehende Gesangskunst, sondern auch eine erstaunliche Vielsprachigkeit. Zum Schluss vereinigten sich Frau Weissenberg und Herr Fuentes in Duetten von Mozart, die in schoenem Zusammenklang gegeben wurden. Juan1 Peyser am Klavier war allen Mitwirkenden ein zuverlaessiger und einfuehlsamer Begleiter. Die zahlreiche Hoererschaft dankte fuer alle Vortraege mit begeistertem Beifall und begehrte und erhielt liebenswuerdig gespendete Zugaben. A. L. Saltiel bei dem seinem Vortrag folgenden Empfang. Bei den Schilderungen unseres Gastes bekam man einen tiefen Eindruck davon, wie unser Jischuw In seinem kaum vorbereiteten Abwehrkampf auf den ersten Waffenstillstand wartete, ueber den lang und breit verhandelt wurde, waehrend die Angreifer ihre Ueberlegenheit an Kriegsmaterial ausnutzen konnten und wie dagegen der zweite Waffenstillstand gradezu ueber Nacht von den Vereinigten Nationen aufgezwungen wurde, als (oder weil?) inzwischen unser Heer seinen Angreifern auch materiell ueberlegen geworden war. Es war ein typisches Beispiel fuer die laengst erwiesene Erkenntnis, dass wir nur auf uns selbst angewiesen sind und uns auf keine Hilfe von aussen verlassen sollen. Scharfe Worte fand David Saltiel fuer die verantwortungslosen Aktionen des Irgün Zwai Leumi und der Sterngruppe, die oft genug unsere disziplinierte Haganah kompromittierten und Straf — oder Rache-Aktionen an unschuldigen arabischen Frauen und Kindern durchfuehrten. Es waere fuer die mit so ungeheurer Verantwortung belasteten Kommandanten unserer Heimat erfreulicher gewesen, wenn es keine Spaltung im Jischuw gegeben haette, wie diese beiden Gruppen sie oft genug provoziert haben und wie sie von unserer Haganah unter unnoetigen Opfern und entgegen den strategischen Plaenen verhindert werden musste, nur um solche separatistische Aktionen nach aussen hin nicht in Erscheinung treten zu lassen. Denn England habe sein Mandat in Palaestina nicht aufgegeben, weil es einige Hundert Soldaten oder Beamte verloren hat, sondern weil der gesamte Jischuw eine kalte Revolution gegen die Mandatarverwaltung durchgefuehrt hat, derer die Regierung nicht Herr werden konnte. Keine Einzelgruppe, sondern der gesamte Jischuw habe die Befreiung Palaestinas vom Mandat und die Gruendung des Staates Israel errungen. Das solle die juedische Welt niemals vergessen. Es war ein Erlebnis, das uns David Saltiel vermittelte, fuer das wir ihm dankbar sind und das uns vor Augen schweben wird, wenn der naechste Ruf zu uns dringt: mit dem bescheidenen materiellen Opfer Israels Kampf um seine Existenz zu unterstuetzen. J. H. SONNTAG, DEN 11. SEPTEMBER 1949 NAECHSTE MONATLICHE HAUSSAMMLUNG unseres Hllfswerks fuer die Judennot ln der Welt Haltet Eure Spenden bereit und sorgt dafuer dass unsere Jan* gens und Maedels nicht vergeblich kommen! Praesidium der Soctedad Cultural Israellta “B’ne Jlsroel” Comité Representativo Am 22. August fand unter zahlreicher Beteiligung von Vertretern juedischer Organisationen Chiles die Ordentliche Generalversammlung des Comité Representativo de la Colectividad Israelita de Chile statt. Der Praesident des Comités, Herr Samuel Goren, erstattete einen umfassenden Bericht ueber die in der abgelaufenen Wahlperiode geleistete Arbeit, dem ein Bericht des Schatzmeisters, Herrn Juan Bab, folgte. Beide Berichte wurden einstimmig genehmigt. Nach einer ausgedehnten Debatte ueber die Taetigkeit des Departamento de Intercambio Cultural wurde in geheimer Abstimmung zur Neuwahl der Exekutive geschritten, die folgendes Ergebnis zeitigte: Praesident: Isidoro Dimant. Vize-Praesidenten: Fernando O. Friedmann u. Moris Israel. General-Sekretaer: Robert Levy. Stellv. Sekretaer: Moisés Zimmerman. Schatzmeister: Arón Fliman. Stellv. Schatzmeister: Juan Bab. Direktoren: Samuel Goren, Egon Rosenfeld, Gil Sinay, Dr. Simón Tannenbaum, Eduardo Flatau, José Klein. Mit Dankesworten und einer kurzen programmatischen Erklaerung des neugewalhten Praesidenten, Herrn Isidoro Dimant, fand die Versammlung ihren Abschluss.