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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1949-08-01 · 8 (Agosto, 1949) · p. Seite 8

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XI (1949)
Issue
8 (Agosto, 1949)
Date
1949-08-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 BOLETIN INFORMATIVO Der Kampf am Jerusalem Seit jenem tragischen Tage unserer Geschichte —dem 9. Aw des Jahres 70 u. Z.— an dem Jerusalem durch den barbarischen Feind zerstoert wurde, lebt das juedische Volk mit einer wunderbaren Vision. Das irdische Jerusalem ist zerstoert, das “Jeruschalajim schel matah” ist eine Ruine geworden, aber dem irdischen Jerusalem genau gegenueber entspricht das ewige Jerusalem, das “Jeruschalajim schel maaiah”, die unzerstoerbare himmlische Stadt. Und wenn dereinst Melech Hamaschiach —der aufs neue gesalbte Koenig— wieder in Jeruschalajim herrschen wird in erneutem Glanze und in der wiederhergestellten Pracht, dann wird auch die einstige Herrlichkeit sich wieder ueber Jeruschalajim herabsenken. Mit dieser Hoffnung lebte das juedische Volk in den Jahrhunderten des Leides und um der Verwirklichung dieser Vision willen ueberdauerte es alle Qualen. Unter allen Staedten der Welt ist wohl keine andere so sehr zum Inbegriff aller Sehnsucht geworden wie dieses Jerusalem. Dichter und Denker, Saenger und Visionaere, sie alle traeumten von der heiligen Stadt. Verwuestungen und Zerstoerungen zogen ueber diese Mutterstädt in Israel hinweg. Das juedische Volk wanderte in seiner Leidensgeschichte durch tausende von Staedten hindurch, aber Jerusalem blieb seine geistige Metropole. Von kaum einer anderen Stadt der Welt wissen die Chroniken der Geschichte soviel zu berichten wie von ihr, die zur heiligen Stadt dreier Religionen geworden ist. Schon in den Keilinschriften der Tel el-Amarnabriefe-jener Briefe, die um das Jahr 1400 von verschiedenen Stammesfuersten und Hofleuten der orientalischen Welt an den Pharao von Aegypten gesandt wurden-taucht der Name Urusalim auf. Und das Buch unserer Buecher erzaehlt auf den ersten Seiten aus der Zeit Abrahams von einer Stadt Schalem, die unsere Tradition mit Jerusalem in Verbindung bringt. Jedenfalls bestand sie schon lange vor der israelitischen Einwanderung und wurde von den Ureinwohnern Jebuss genannt. Als David die Bergstadt Jebuss erobert, wird sie als Jerusalem zum politischen und religioesen Zentrum des israelitischen Staates. In ihr wird das Symbol echtester historischer Realitaet erichtet: der Tempel. Hier wurde damit ueber dem irdischen Koenigtum, das geistig fundierte, das Koenigtum des Einzigen Gottes aufgerichtet. Durch die Gewalt dieses Symbols wurde Jerusalem innerhalb der juedischen Geschichte zur “heiligen Stadt” und Palaestina zum “heiligen Land”. Damit beginnt sich von Jeruschalajim her das Weltbild des Juden zu ordnen. Sein Heiligtum in Jerusalem steht im Mittelpunkt der Welt, so wie es, auch in den dunkelsten Zeiten, nie aufhoerte, der eigene Mittelpunkt zu sein. Schon in jenen Tagen, als das juedische Volk noch auf seinem eigenen Boden lebte, stand der Feind mehrere Male vor den Toren der Stadt. Immer verteidigte das juedische Volk sie mit Heldenmut. Auch dann, als nach jenem tragischen Jahre 70 der juedische Staat zerstoert wurde, versuchten juedische Soldaten die Stadt zurueckzuerobern. Das letzte Mal versuchten sie im Jahre 614 einzudringen. Sie wollten Rache nehmen an jenen Fanatikern unserer Tochterreligion, die das Verbot der Roemer, das Juden den Zutritt in die Stadt untersagte, erneuert hatten. Das unter dem roemischen Kaiser Hadrian als Aelia Capitolina neuentstandene heidnische Jerusalem durfte kein Jude, unter Todesstrafe, betreten. Aber der Aufstand von 614 brach zusammen. Erst nach der Eroberung Palaestinas durch die Araber im Jahre 635 begannen wieder Juden in der heiligen Stadt zu wohnen. Die Periode der islamischen Herrschaft fiel in eine Epoche, in der die Autoritaeten des juedischen Palaestinas bald mit denen der beruehmten babylonischen Zentren wetteifern konnten. Eine Verminderung des materiellen und geistigen Status wird erst wieder vom Christentum herbeigefuehrt, als das Papsttum zur Staerkung seiner Autoritaet und zur Bindung unruhiger Kraefte die Kreuzzuege zu propagieren beginnt. Palaestina, “der Erde Mittelpunkt und das zweite Paradies”, wie Papst Urban II es nennt, wird 1099 von den ersten Kreuzfahrern betreten. An der Verteidigung Jerusalems beteiligen sich auch die Juden. Sie verschanzen sich in der Synagoge und verteidigen sich drei Tage, bis sie samt ihrem Gotteshause verbrannt werden. Aus dem jetzt entstehenden “Koenigreich Jerusalem” werden sie systematisch verdraengt. Sie ziehen sich zunaechst in die Kuestenstaedte zurueck, werden aber auch von dort zwischen 1104 und 1124 in Richtung Aegypten, Syrien, Mesopotamien verdraengt. Dies ist das einzige Ergebnis dieser Kreuzzuege fuer die juedische Geschichte. Um 1170 lebt in Jerusalem eine einzige juedische Familie. Erst als Saladin 1187 die Kreuzfahrer besiegt und Jerusalem ohne Blutvergiessen und ohne Pluenderung zurueckerobert, wird die Stadt wieder den Juden zur Besiedlung freigegeben. 1244 wird die inzwischen neu entstandene juedische Gemeinde durch die Tartareninvasion wieder vernichtet. Sie sammelt sich erneut, um wiederum 1259 von den Mongolen zerstoert zu werden. 1267 gab es in den Truemmern Jerusalems zwei Juden. Als der bedeutende juedische Gelehrte Mosche ben Nachman 1276 es uebernimmt, die Gemeinde zu reorganisieren, schickt er einen Aufruf in die juedische Welt: “Was aber soll ich ueber das Land sagen? Gross ist die Oede und Verlassenheit. Um es kurz zu bezeichnen: je heiliger die Stelle, desto wuester. Jerusalem ist zerstoerter als alles, das Land Judaea mehr als Galilaea. Aber auch in dieser Verwuestung ist es ein gesegnetes Land... Juden sind nicht dort; denn seit der Ankunft der Tartaren sind sie entflohen. Manche fielen durch das Schwert. Nur zwei Brueder, Faerber von Handwerk, die vom Landesherrn die Farbstoffe kaufen, sind dort. Bei ihnen kommt das Minjan zusammen, und sie halten an den Schabbaten die Gebete in ihrem Hause ab... Uns aber gelang es, ein oede stehendes Haus zu ermitteln, das auf Marmorsaeulen gebaut ist, mit einem schoenen Gewoelbe. Das haben wir zur Synagoge genommen. Denn die Stadt ist herrenlos, und wer sich der veroedeten Staettenbemaechtigen will, kann es tun... Der uns Jerusalem in seiner Verwuestung hat sehen lassen, der begluecke uns auch, es aufgebaut und wiederhergestellt zu schauen, wenn der Gottesglanz dahin zurueckkehrt”. Seit dieser Reorganisation hat die juedische Gemeinde in Jerusalem ohne Unterbrechung b'estand.en. Doch war sie noch oftmals das Opfer der Unruhen in Kriegen, ln denen die Umwelt ihre Sucht nach Eroberungen oder ihren Hass gegen die Juden zum Ausdruck brachte. Das heutige Jerusalem ist jedenfalls nicht mehr das Jerusalem, das dereinst die Hauptstadt Jehudas war. Die jetzige Stadt ist von den Kreuzfahrern nach einem neuen Plan aufgebaut worden. Sie ruht auf den Truemmern der einstigen Stadt und ist bis zu 20 Meter hoeher. Das jetzige Jerusalem hat keine Strasse, keinen Winkel des einstigen juedischen Jerusalem. Die ganze Stadt ist wie eine mittelalterlich-europaeische Stadt. Der Archaeologe, der das Jerusalem des Koenigs Salomo oder Herodes finden will, muss schon in der Erde graben. Nur wenn man die Gebaeude abreissen und bis zu 40 Ellen graben wuerde, koennte man nicht nur die alten Strassen und Haeuser finden, sondern auch den Plan der einstigen juedischen Stadt rekonstruieren. In den letzten hundert Jahren ist die Lebenssicherheit dank der Arbeit der westeuropaeischen konsularischen Vertretungen besser gewesen als in frueheren Jahrhunderten. Die Zahl der Juden, die sich in Jeruschalajim niederliessen, wurde immer groesser, trotz des Widerstandes nicht juedischer Kreise. Aber das juedische Volk hat die Mauern Jeruschalajims nach besten Kraeften treu gehuetet. Vor allem in den Kaempfen des vergangenen Jahres hat ein kleines Haeuflein — etwa 1700 Soldaten — um Israels willen die Altstadt verteidigt. Sie haben uns ein neues Recht auf unsere alte Hauptstadt erworben. In diesen Tagen wird das Schicksal Jerusalems verhandelt. Und wir vertrauen darauf, dass unser historisches Recht auch in diesem Punkte siegen wird. Dann werden wir, die wir ueber Jeruschalajim trauerten —nach einem Worte unserer Weisen— uns auch am Wiederaufbluehen unserer “Ir hakodesch”, der heiligen Stadt erfreuen duerfen. Von dort aus wird die neue Schoenheit Israels ausgehen und sein Glanz sichtbar werden. Rabb. E. I. 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