Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XI (1949)
- Issue
- 7 (Julio, 1949)
- Date
- 1949-07-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN INFORMATIVO 7 WIR SEHENS HOEREN, LESEN... YEHUDI MENUHIN Nach mehrjaehriger Abwesenheit konzertierte Yehudi Menuhin neuerdings in Santiago, und sein Ruf, einer der besten Geiger der Welt zu sein, schuf ausverkaufte Haeuser. Menuhin ist ein Schueler Adolf Büschs, der ihn erstmalig durch seinen Bruder Fritz Busch in Dresden mit der Staatskapelle konzertieren liess. Der damals zwoelfjaehrige Menuhin spielte die drei grossen Violinkonzerte von Bach, Beethoven und Brahms schon damals technisch hervorragend und mit solch jugendlich - musizierfreudiger Gestaltungsk r a f t, dass nicht nur das Publikum, sondern auch die sehr verwoehnten Dresdner Musiker begeistert waren, unter denen Koenner von Ruf sich befanden. Heute nun steht ein Dreiunddreissig jaehriger vor uns, und der staerkste Eindruck, den er jetzt hinterlaesst, ist der einer Technik, die ans Unglaubliche grenzt, einer Routine, die keine Schwierigkeiten mehr kennt. Und dennoch wuerde man gern auf ein wenig Routine verzichten zugunsten jener Urspruenglichkeit, die den Zwoelfjaehrigen auszeichnete. Jedes Werk, das grosse Technik erfordert, wird hervorragend interpretiert, wo aber weniger virtuose Technik, als musikalische Vertiefung verlangt wird, bleibt die Leistung unbefriedigend. Dem zufolge spielt Menuhin glaenzend: Paganini, Tartini, Wieniawski, oder die sehr schwierigen und anspruchsvollen modernen Sonaten von Bartok und Prokofieff, auch das romantische g-moll Konzert von Bruch, hingegen war Beethovens Fruehlingssonate nicht nur farblos, sondern auch von deutlichen Schaerfen durchsetzt, und der Versuch, Mozarts b-dur Sonate virtuos anzufassen, bekam weder Mozart noch den Hoerern. Ein unuebertrefflicher Techniker, der den Klassikern gegenüber versagt, das war der Eindruck, den man nach den beiden ersten Konzerten hatte, und der auch sehr deutlich in den Tageszeitungen zum Ausdruck, kam. Diese berechtigte Kritik bewirkte offenbar, dass Menuhin das dritte Konzert wesentlich ernster nahm, “WER BLINDE AUF EI- NEN IRRWEG FUEHRT...” Seit einigen Tagen wird der im Jahre 1948 “Oscar” —ge. kroente Film “Gentlemen’s Agreement” in Santiago gezeigt. Der Film, der sich ausschliesslich mit dem Problem des Antisemitismus beschaeftigt, ist von Vielen mit grossem Interesse erwartet worden, besonders nachdem “Crossfire”, der dasselbe Thema behandelte, einen sehr negativen Eindruck hinterliess. Was schon in der Programm- Gestaltung zum Ausdruck kam. Dann aber zeigte Menuhin, dass er auch mehr kann, als virtuose Technik. Er spielte die Kreutzer-Sonate so vollendet schoen, dass eine bessere Interpretierung kaum denkbar ist. Es war künstlerisch der Hoehepunkt der drei Konzerte: denn schon die darauffolgende a - moll Sonate von Bach war zwar korrekt, aber durchaus akademisch gespielt, nicht mit jenem Schwung, den das im ersten Konzert als Zugabe dargebotene Praeludium aus Bachs e-Dur Sonate aufwies, und mit dem jenes erste Konzert seinen Hoehepunkt und Abschluss fand. Alle jene Einwaende aendern aber nichts an der Tatsache, dass Menuhin einer der ganz grossen Geiger ist, der, da er noch sehr jung ist, schliesslich in innerer Entwicklung steht. Viele grosse Kuenstler, z. B. auch Heifetz, haben ihre virtuose Periode durchgemacht, was nicht gehindert hat, dass gerade Heifetz heute an der Spitze aller Geiger steht. Menuhin hat die Klippe vom Wunderkind zum Mann ueberwunden, und so wird er auch noch dahin kommen, die Technik als Mittel zum Zweck, nicht aber als Selbstzweck anzusehen. Der Pianist George van Renesse ist sehr viel mehr, als ein Begleiter. Er ist ein gleichberechtigter Mitgestalter, was speziell in dem Klavierpart der Kreutzersonate zum Ausdruck kam. Zu den Pianisten, die sich als Solistenbegleiter beruehmt gemacht haben, wie Franz Rupp oder Michael Raucheisen, darf man getrost den Namen van Renesse hinzusetzen. — s. Die Propaganda, der “Oscar”, die Schauspieler, Gregory Peck, Dorothy Mc Guire, John Garfield, Ann Revere, alles wies daruf hin, dass es sich um einen der Spitzenfilme des Jahres handelte. Nachdem wir den Film gesehen haben, muessen wir wieder einmal festeilen, dass leider nicht das Wissen oder der Mut vorhanden war, um dieses Problem einer wirklichen Analyse zu unterziehen. Bereits am Anfang wird das Judentum als eine religioese Gruppe definiert. Die abgenutzten Parolen eines assimilierten Judentums wiederholen sich: “es gibt amerikanische Katholiken, amerikanische Protestanten und amerikanische Juden”. Sie unterscheiden sich nur durch die Form ihrer Tempel. Alles andere, was uns zeigen koennte, dass Judentum mehr als Religion ist, wird vermieden. Der Film zeigt die Abenteuer eines Journalisten, der um einen Artikel ueber Antisemitismus zu schreiben, sich als Jude ausgibt und auf diese Art kennen lernt, was es heisst, als solcher zu leben. Merkwuerdigerweise findet er fast nur negatives Verhalten seiner Mitmenschen, sei es seine Sekretaerin, seine Braut oder Angestellte des Geschaeftes, in dem er arbeitet. Min den positiven Seiten wirklich juedischen Leben kommt er nicht in Beruehrung. Seine Erlebnisse, di° Haltung seines juedischen Freundes, die Ratschlaege seiner Mutter, bringen i h n schliesslich zur Ueberzeugung, dass Antisemitismus in jedei | Form, nur durch sofortiges) persoenliches Auftreten und i seine Argumente, nur durch; sofortige Widerlegung zu bekaempfen sind. Der Film en. det natuerlich mit happy end. Es scheint uns. dass die Hersteller dieses Filmes nichts davon gewusst haben, dass dieselben Bekaemofungsmethoden des Antisemitismus bereits vor einigen Jahren besonders im Mitteleuropa angewandt wurden. Das Schicksal der mitteleuropaeischen luden braucht wohl nicht kommentiert zu werden. Scheinbar muss man in Nordamerika wohnen, um heutzutage nicht zu wissen, dass das Problem des Antisemitismus nicht mit “common sense” zu loesen ist, dass man mehr da- #00000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000 HAT SCHACHT ETWAS BESSERES VOR? Das Dementi, das die Firma “Yarur S. A.” ueber die Nachricht -von der vertraglichen Anstellung und Einwanderung nach Chile des Dr. Hjalmar Schacht brachte, war so schwach, dass es die anscheinend gut fundierten Befuer tuen sollte, Positives zu schaffen als Negatives in naiver Art zu bekaempfen, dass der Antisemitismus heute wissenschaftlich zu erklaeren ist, dass die Waffen im Kampf gegen ihn neue Namen haben: Erziehung juedischer Jugend, Wiederaufbau Israels, progressives Denken und Handeln, Schaffen neuer Kul. turwerte im Geiste des Judentums. Davon ist natuerlich im Film keine Rede. Er scheint gedreht worden zu sein, um das Gewissen amerikanischer assimilierter Juden zu beruhigen. Ausserdem dient er dazu, das juedische Publikum auf falsche Wege zu fuehren und das nichtjuedische Publikum, in diesem Falle das chilenische, zu langweilen. Etwas finden wir in diesem Film bestaetigt: eine halbe Wahrheit ist oft gefaehrlicher als eine ganze Luege. M. A. hauptungen in dieser Hinsicht nicht entkraeften konnte. Es lautete darufhin, dass die Firma “Yarur S. A.” eine Textilindustrie sei, die keinen Fachmann aus der Hochfinanz benoetige. Was damit aber nicht dementiert wird, ist u. a. die Moeglichkeit, Herrn Schacht mit der Verwaltung der Interessen eines der Finanzinstitute zu betrauen, die wie z. b. der “Banco de Crédito e Inversiones” von der genannten Firma kontrolliert werden. Was ausserdem nicht dementiert wird, ist das Geruecht, wonach einflussreiche Kreise Interesse daran haetten, Herrn Schacht an die Spitze einer der wichtigsten Banken des Landes zu bringen. Sollte Chile zu seinem eigenen Besten von der Anwesenheit dieses Finanzgenies verschont bleiben, so wird das vielleicht in erster Linie dem Umstand zuzuschreiben sein, dass ihm etwas Besseres vorschwebt. Und zwar hat der General Hays jetzt erklaert, dass “einer Mitarbeit Schachts in einer eventuellen deutschen Regierung keine legalen Hindernisse im Wege stehen”. Koennte man es ihm verdenken, wenn er es vorzieht, zum dritten Male an Deutschlands Ruin zu arbeiten? 000000000000000000000000000000000000000000000 o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o O.M.O.S. UND AMERICAN PRODUCT EXPORTERS Generalvertretung: SANTIAGO, HUERFANOS 757, Oicina 412 — Telefono 32921 Beurteilen Sie selbst Preise und Auswahl, überzeugen Sie sich durch einen Versuch von unserer Leistungsfaehigkeit, Raschheit der Auslieferung und Qualitaet. Sofortige Lieferung ab deutschen Lagern Mannheim-Stuttgart garantiert und versichert. “APE - SELBSTWAHL - GUTSCHEINE von $ 96.— aufwaerts 1 kg Rohkaffee Santos Ila. ... 1 kg Rohkaffee Santos Ia. ... 1 kg amerik. Weizenmehl. 1 kg Kristallzucker. 1 kg reinster Kakao. 1 engl. Pfd USA Schweineschmalz 1 engl. Pfd Orange Pekoe Tee .. . 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