Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XI (1949)
- Issue
- 6 (Junio, 1949)
- Date
- 1949-06-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 BOLETIN INFORMATICO NOCH HEUTE! Im Folgenden veroeffentlichen wir den Auszug einer am 8. Tage Pessach gehaltenen Predigt des Herrn Rabbiner Lubliner, die nicht nur die Besucher unserer Gottesdienste, sondern auch weiteste Kreise unserer Gemeinde interessieren duerfte. / Wenn wir uns heute an der Stelle des Gebets versammeln, so ist es nur allzu verstaendlich, dass wir in diesem Augenblick den Tod der sechs Millionen unserer Brueder und Schwestern beklagen, die in unserer Zeit ihr Leben ausgehaucht haben. Aber haben wir ein Recht, all derer zu vergessen, die im Laufe von zweitausend Jahren durch ihre Haltung im Leben, durch ihre Opferbereitschaft im Tode unter Beweis gestellt haben, dass sie den Glauben an Gott und seine Verheissung niemals verloren haben? Die zwanzig Generationen sind die Kraftquelle gewesen, die es unserem Geschlecht erst ermoeglicht hat, den Weg zu beschreiten, den der Prophet einst Israel gekuendet hat: “Es wird ein Aufstieg fuer den Rest meines Volkes, der aus Aschar uebrigt bleibt, geben, so wie es ein Hinaufziehen aus Aegypten fuer Israel gegeben hat”. Der Weg ist nunmehr gebahnt, nicht nur zu Wasser und zu Lande kehren die Vertriebenen heim, auch —auf den Fittichen des Adlers— durch die Luefte werden die Verstossenen heimgebracht. Durch Tiefe eines unermesslichen Leides sind wir zur Hoehe des einzigartigen Erlebnisses geschritten, das unserem Geschlecht die Erfuellung jahrtausende-alter Prophezeiung gebracht hat. Es waere vermessen, zu behaupten, dass wir dieses Geschehen in seiner ganzen Tragweite erfassen, besonders in einem Zeitpunkt, da wir noch mitten ln diesem Geschehen stehen. Viele haben dieses Ereignis als ein Wunder betrachtet und stehen mit ehrfurchtsvoller Scheu vor dem grossen Meisterwerk “Israel”. So sehr diese Begeisterung berechtigt und menschlich nur allzu verstaendlich ist, so birgt diese Haltung doch eine grosse Gefahr in sich, naemlich staunend, begeisternd, weiter auf neue Wunder zu verharren. Gerade weil wir Aussergewoehn. liches erlebt haben, was unsere Vorfahren nur getraeumt hatten, duerfen wir den Sinn fuer die Notwendigkeit, den Blick fuer die Wirklichkeit, nicht verlieren. Der 5. Ijar 5708 ist das groesste Erlebnis unserer Zeit gewesen, aber leider nicht alle, die es miterleben durften, haben den Sinn und die Pflicht, die aus diesem Geschehen sich ergibt, verstanden. Als eine schwache Entschuldigung lassen wir es gelten, dass Alles sich mit solch ueberraschender Schnelligkeit vollzogen hat, dass noch nicht Alle die gewaltige Veraenderung der Einzel- Existenz wie der Gesamtheit begriffen haben, die die Schaffung des Staates Israel mit sich gebracht hat. Als der Staat vor nunmehr einem Jahre ins Leben trat, war es seine hoechste und heiligste Aufgabe, alle diejenigen in die Freiheit zurueckzufuehren, die noch immer trotz Beendigung des grausamsten aller Kriege ihr Leben als Sklaven fristen mussten. Fuer die Maenner der Verantwortung galt als Richtschnur ihres Handelns jenes Wort, das der Prophet Jesaja einst ausgesprochen hat: “Recht ist der Gurt Deiner Lenden; Treue, der Gurt seiner Hueften”. Recht und Treue sollten die Grundpfeiler fuer diejenigen sein, die die Verantwortung des grossen Freiheitswerkes auf sich nehmen und in diesem Geiste haben unsere Fuehrer gehandelt, Recht zu gewaehren denen, denen die Welt so unendlich viel Unrecht zugefuegt hat, Treue zu ueben gegenueber den Idealen, um derentwillen Israel entstanden und aufs neue sich erhoben hat. Die juedische Welt hat es als eine Selbstverstaendlichkeit erachtet und ist stolz darauf, dass Israel bemueht ist, diese Prinzipien in die Tat umzusetzen. Die juedische Welt nimmt es als etwas Gegebenes hin, dass Israel seine Tore weit geoeffnet hat, um Jedem, der noch heute in Elend lebt, und dem, IMPRENTA GERT HAND SAN DIEGO 645 L O C A L 1Í CASILLA 9361 F O N O 74886 /BRECHER- ECKE -y.. ie^uden in Chile 4raehr end der Kolonialzeit der aus freien Stuecken, aus eigenem Entschluss geht, Einlass zu gewaehren. Aber leider hat ein Teil der juedischen Welt noch nicht den Sinn und die Pflicht erkannt, die jedem Einzelnen in der Durchfuehrung der Prinzipien von Recht und Treue zukommt. Gewiss, in der Stunde hoechster Not, als die Feinde Israel ueberfielen, in der Stunde aeusserster Gefahr hat die Judenheit der Welt spontan gehandelt und mit allen Kraeften dazu beigetragen, den Sieg an Israels Fahne zu heften. Damals verstand sie, was gespielt wurde und war sich ihrer Verantwortung bewusst; sie hatte begriffen, dass es um Sein oder Nichtsein geht. Nachdem aber die aeussere Gefahr beseitigt ist, ist ein Teil der Meinung, dass das Sein damit fuer alle Zeiten gesichert ist; sie vergisst leider, dass noch immer die Entscheidung des Seins oder Nichtseins, d. h. der Bestand von Israel, in den Haenden jedes einzelnen Juden liegt. Denn Israel ist nicht nur fuer die geschaffen, die dort wohnen und soll nicht nur von denen verteidigt werden, die dort leben, sondern von allen Juden, die mit ihrem Herzen mit dieser uralten Heimat sich verbunden fuehlen. Es ist daher ein sehr betruebendes Zeichen, dass es auch in unseren Kreisen noch eine groessere Anzahl gibt, die zwar den Ruf der Freiheit Israels miterlebt, selbst aber sich innerlich noch nicht frei gemacht haben. Wo ist bei ihnen der Geist von Recht und Treue, wo die Verantwortung fuer die Freiheit derer einzutreten, die sich immer noch in den Laegern befinden oder auf dem Weg nach Israel sind, oder dort in provisorischen Wohnraeumen untergebracht wurden? Sollen wirklich achthunderttausend Menschen die alleinige Verantwortung fuer die Heimkehr der in Not lebenden Brueder tragen? Hat nicht der juedische Staat, der vom ersten Augenblick seines Entstehens an um seine Existenz kaempfen musste, uns und der uebrigen Welt ein Musterbeispiel gegeben, indem er in Kriegszeiten mehr als Hunderttausend unserer Menschen auf genommen hat? Gibt es einen Staat in der Welt und sei es der groesste, der das Prinzip von zedek unter solchen Umstaenden zur Durchfuehrung gebracht hat? Vergessen wir nicht, was Israel im letzten Jahrzehnt erlebt hat, welche Pruefungen es zu bestehen hatte, welche Entbehrungen es zu tragen hatte; haette es nicht auch einmal ein Recht darauf, an sich selbst zu j Vor kurzem hat die chilenische Akademie fuer Geschichtswissenschaft eine Studie von Guenther Boehm ueber diesen Gegenstand veroeffentlicht, die nunmehr in er- Un trabajo interesante Reproducimos, a continuación, un informe sobre un libro de apicultura, recientemente publicado, del se¬ ñor Jacobo Rothfeld, miembro de la colectividad: “He leído con detención el libro sobre apicultura, titulado “Apicultura, un libro de enseñanza y guía para principiantes”, de que es autor el señor Jacobo Rothfeld. El trabajo del señor Jacobo Rothfeld comprende varios capítulos que abarcan toda la actividad del colmenar, desde la instalación de colmenas, cosecha y explotación. Se trata, en realidad, de una obra minuciosa, que revela en su autor amplios conocimientos sobre la materia y, más que nada, práctica en la industria de las abejas. Se ve, en cada una de las materias que comprende esta obra, el fruto de una constante observación de la vida de estos laboriosos insectos y su aplicación práctica hacia su mejor aprovechamiento. En resumen, es un libro escrito por un apicultor, conocedor y de experiencia en su ramo. Estamos, pues, en presencia de una obra de verdadero mérito, que viene a aumentar nuestra escasa literatura agrícola e industrial, la cual, sin duda, servirá de ayuda para cuantos quieran dedicarse a la industria de las abejas. Y viene en época muy oportuna. Chile, hoy más que nunca, necesita incorporarse de lleno al trabajo productor, como única manera de crear riqueza efectiva. La apicultura es una de las industrias llamadas a cumplir dicho objetivo en la economía nacional, pues pocos países, como el nuestro, tienen el privilegio de contar con recurso_s tan especiales para explotar intensivamente esta industria. Para corroborar este aserto, baste considerar que Chile produce mieles tan buenas como las mejores del mundo. Felicitamos, pues, al señor Jacobo Rothfeld por su patriótico aporte al mejoramiento de nuestra apicultura.” Profesor de Api-Avicultura de la Escuela de Agronomía (U. de Ch.) Santiago, 10 de mayo de 1949. weiterter Form auch als Buch erschienen ist (Santiago de Chile, Imprenta “El Esfuerzo”, 1948). Die Arbeit hat in der chilenischen Oeffentlichkeit einiges Aufsehen erregt, sodass es schon aus diesem Grunde angebracht ercheint, sich mit ihr etwas eingehender zu beschaeftigen. Woher kommt dieses Interesse? Den Historikern war laengst bekannt, dass, abgesehen von Christoph Columbus —dessen juedische Abstammung zwar wahrscheinlich, aber nicht exakt nachgewiesen ist—, unter den Maennern, die seine Entdeckungsfahrten vorbereiteten und finanzierten und unter seinen Gefaehrten und den Gefaehrten der Conquistadoren sich zahlreiche Juden und Scheinchristen (Marannen) befanden, die damals —die Austreibung der Juden aus Spanien und die Entdeckung Amerikas faellt in das gleiche Jahr— Spanien verlassen mussten oder aus Zweckmaessigkeitsgruenden verliessen. Der bekannte chilenische Historiker Carlos I. Larrain, der zu dem Buch eine Einfuehrung (prölogo) geschrieben hat, bemisst den Anteil des juedischen Elements unter den ersten europaeischen Einwanderern auf mindestens 20 bis 25 o[o, wobei er mit Recht darauf hinweist, dass die als Kolonisatoren aufgefuehrten “Portugiesen” mindestens zu 95 o|o Juden waren, was den Zeitgenossen zu dem Witzwort Anlass gab: “Portugueses nacldos en Hebrea”. Ist dem so, ist es leicht erklaerlich, dass ein grosser Teil der alten chilenischen Geschlechter —sei es mit Stolz, sei es auch ohne Stolz— ihre Abstammung auf Juden und Marannen zurueckfuehrt. Da Boehm in seinem Buch einen grossen Teil dieser Abstammungen analysiert und ausserdem auch im Anhang ein Verzeichnis der in Chile vorkommenden juedischen Familiennamen aus der Kolonisationszeit gibt, konnte er von vornherein mit dem Interesse der sog. “alta sociedad” rechnen, umsomehr, als in Chile in diesen Kreisen die Familienforschung in hoher Bluete steht. Dieses Interesse zeigt sich besonders deutlich in einem umfangreichen und wissenschaftlich wohl dokumentierten Aufsatz von Joaquin Edwards Bello in der “Nacion” vom 3. 2. 49, den der Verfasser mit den Worten beginnt, dass nach der von Boehm aufgestellten Liste seine eigene Familie juedischen Ursprungs sei, wo immer man ihre Abstammung anpacke. Vcjrsorglich (Fortsetzung auf Seite 9) denken, selbst in Ruhe zu leben? Ein Volk, eine Regierung, die im Geist der Tora angetreten ist, kann nicht an sich selbst denken, so lange es noch Unrecht in der Welt gibt. Das sollten alle als Lehre beherzigen, daran sollte ein jeder Einzelne sich ein Vorbild nehmen. Und wenn er gerufen wird, dann soll und muss er seine Pflicht tun, denn damit beweist er nur, dass auch er die Prinzipien von Recht und Treue als den moralischen und sittlichen Masstab des Volkes anerkennt, in das er hineingeboren ist. Nie ist es zu spaet und deshalb noch heute moege ein Jeder das Gebot des “Du sollst” erfuellen, um durch die Tat seine Verbundenheit mit dem Volk und seinem Gott zum Ausdruck zu bringen. Immer, wenn wir der Toten gedenken, wir die Ueberlebenden, denen die Gnade zuteil geworden ist, mit eigenen Augen die Auferstehung Israels zu erleben, dann ziehen an unseren Augen vorueber in unendlich langen Scharen die Maenner und Frauen, die zweitausend Jahre lang den Geist des Sinais hochgehalten haben, die die Treue ihrem Gott und seiner Verheissung bewahrt haben. Ihnen allen, den Toten dieser Zeit und den Freiheitskaempfern, die ihr Leben fuer die Erloesung des heiligen Bodens hingegeben haben, sind wir zu unendlichem Dank verpflichtet, den wir nur dadurch abtragen koennen, dass wir alle unsere moralischen, sittlichen und materiellen Kraefte vereinen, um den Frieden fuer unser Land und unser Volk fuer kommende Geschlechter zu sichern. Und dann werden alle diejenigen ewigen Frieden geniessen, die im Letzten fuer den Scholaum des juedischen Volkes und der gesamten Menschheit ihr Leben geopfert haben. In der Erinnerung an seine Naechsten erfuelle ein Jeder noch heute seine Pflicht, ohne an sie gemahnt zu werden.