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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1948-09-01 · 9 (Septiembre de 1948) · p. Seite 3

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
X (1948)
Issue
9 (Septiembre de 1948)
Date
1948-09-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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BOLETIN INFORMATIVO P&g. 3 Die Kultmusik der Hohen Feiertage DAS “NEUE” NEUE JAHR Von LUDWIG BOEHM (Valparaiso) Von MAGNUS DAVIDSOHN (London) Die religioese Bedeutung der Hohen Feiertage hat selbstverstaendlich den Gottesdiensten eine ueberaus mannigfaltige musikalische Illustration gegeben. Diese Kultmusik zeigt eine Synthese von Geschichte, Tradition und modern" musikalischer Schoepfung auf. Von den grossen Synagogenkomponisten des vorigen Jahrhunderts an, bis in die gegenwaertige Zeit, ist offensichtlich wiederum eine Verbindung zwischen der Tradition und der eigenen Schoepfung wahrnehmbar. Sulzer war zu sehr beeinflusst von der ihn umgebenden katholischen Kirchenmusik. Nichtdestoweniger machten seine Assimilations-Bestrebungen und der Drang nach kulturellem Ausdruck Halt vor den Weisen der Hohen Festtage. Lewandowski und seine Zeitgenossen gingen, besonders in dem alten Rezitativ, bei ihrer Arbeit auf di§ jahrhundertelange Tradition ein. Die heutigen Komponisten, wie etwa Bloch, Vinaver, Ephros u. a. sind vollkommen von der Ueberlieferung beeinflusst. Wenn im Verhaeltnis zum gesamten Schrifttum, die Wissenschaft der Historik juedischer Kultmusik ueberhaupt erst neueren Datum ist, und eigentlich nur zwei bedeutende Maenner ihres Faches, Idelsohn und Birnbaum Fundamentales gegeben haben, so liegt dies an der Schwierigkeit, die Quellen der Tradition aufzuspueren. Alle Musikhistoriker sind sich darueber einig, dass das israelitische Volk des Altertums, bis zur Zeit seiner leidvollen Wanderung durch die ganze Welt eine hochentwickelte Kultmusik in seinen beiden Tempeln gepflegt hat. Aber unablaessiges Wandern, Leid des fruehen Mittelalters, Austreibung von Spanien — man kann in Schlagworten diese Leidengeschichte bis zu den heutigen Tagen fortsetzen — laesst Israels einstige Musik in seiner aeltesten Tradition verstummen. Nur zwei geschichtliche Motive aus dem Kult dieser Gottesdienste seien anlaesslich der Hohen Feiertage herausgehoben. Zu dem aeltesten Teil dieser Kultmusik ueberhaupt gehoeren die Torah-Akzente, der sogenannte “Tropp”, hergeleitet von “Tropus”. Vernehmen wir am Neujahrs- und Versoehnungstage die Weise, mit der die bestimmten Abschnitte aus der Torah verlesen werden, dann merkt derjenige, der traditionsbewusst aus fruehester Kindheit her den Nigun kennt, dass hier aelteste Geschichte spricht. Der Forscher stellt fest, dass allen juedischen Riten diese Weise gemeinsam ist, sonst aber andere Stilarten aufklingen. Mit Ausnahme der kurzen Rezitative im Ambrasianischen Kirchengesang, begegnen wir den Weisen dieser Akzente ebenso wenig,, wie einer bestimmten Morgenweise der heiligen Feste, die auch der Geschichte zugezaehlt werden kann. Es mag sein, dass die hochentwickelte altgriechische wie auch aegyptische Musik aehnliche Weisen besass, eine unverkennbare Aehnlichkeit, die manchmal verblueffend wirkt. Ob das alte Israel von diesen Weisen beeinflusst wurde, ist bisher nicht festzustellen gewesen. Hoeren wir also dje Torahvorlesung, in ihre Weisen der Hohen Festtage gekleidet, so wissen wir, dass hier Historik nachweisbar ist. Nur sehr selten kann man solche Beweise in der Kultmusik bringen. Und noch ein anderes, eben so Wichtiges und Bedeutsames, das als feierlicher Moment in dem Neujahrgottesdienst historisch und symbolistisch zu betrachten ist: der Schofarschall. Kein Gottesdienst, und sei er noch so reformatorisch gestaltet, hat den Schofar entfernt. Keine assimilatorische Bestrebung hat es gewagt, dieses historische Kultgeraet aus dem Ritus zu entfernen. Hier spricht nicht Tradition, sondern die" Historik von dem grossen Moment der Offenbarung am Sinai an, bis zu den wundervollen Bildern der Prophetie, die dem. leidenden Israel die Erloesung ankuendigen. Das alte Israel kannte jene beiden in Silber getriebenen Posaunen, von denen im 4. Buch Moses, Kapitel 10, Vers 1, die Rede ist. Aber schon Flavius Josephus weist im zweiten Kapitel des 8. Buches seiner Geschichte Judaeas, in dem er ausfuehrlich sich mit der Kultmusik der alten Tempel befasst, sowohl auf diese Posaunen wie auch auf den Schofar hin. Heute ist an Stelle der historischen silbernen Posaunen lediglich das ausgehoelte Widderhorn als Symbol des aeltesten Kultinstrumentes in Israel getreten. Lassen wir hier nun die kurzen Anweisungen aus dem 4. Buch Mose folgen: “Wenn du nur einmal blasest, sollen die Fuersten zu dir kommen, die Haeupter der Gemeinde Sechzig Generationen haben Jahr fuer Jahr am Pessachabend die Gebetsformel: “Im kommenden Jahr in Jerusalem” gesprochen und damit waehrend eines Zeitraumes von 1878 Jahren Trauer und Zagen, Wunsch und Hoffnung zum Ausdruck gebracht, aber mehr noch, den formellen Anspruch eines Volkes auf sein Land in einer in der Weltgeschichte einzigartigen Weise im eigenen Volke wachgehalten und vor den anderen Voelkern nicht verjaehren lassen. Nur wusste niemand, welches das “kommende” Jahr sein wuerde. Wir, ein nicht nach Verdienst, sondern aus uns unzugaenglichen, wundersamen Gruenden von einem Massenmorden verschont gebliebener Rest, wird sind die Zeugen geworden des “kommenden” Jahres. Es war das jetzt zu Ende gehende Jahr 5708 unserer Geschichte, in welchem seit der Zerstoerung des letzten Tempels zum ersten Male wieder ein Heiligtum des gesamten juedischen Volkes errichtet wurde: unser Staat Israel. Die Wendung, die durch dieses historische Ereignis im Leben des juedischen Volkes ei'ngetreten ist, beginnt in der vielfältigsten Weise bemerkbar zu werden. Eine viele dieser Veraenderungen zusammenfassende Bedeutung hat der Gedanke, dass der Beginn des Neuen Jahres 5709 zum ersten Male seit jenen 1878 Jahren nicht nur das religioese Rosch Haschanah darstellt, sondern auch ein bürgerliches Jahr einleitet. In einem Lande unserer Erde, im Lande Israel, werden alle Zeitungen, alle Bueros, alle Aemter u. s. w. an diesem Tage die Jahreszahl aendern. Nach dem Begriff des “kommenden” Jahres, der schon ins Mystisch-Mythische gewandelt worden war, wird wieder der prosaischreale Begriff des weltlich-buergerlichen Jahres wie bei allen anderen Voelkern auch unserem Volke bekannt werden. Es wird wieder zu einer Verweltlichung des Judeseins kommen. Der Jude hatte —es bestand ja keine andere Moeglichkeit— das Judesein schliesslich nur noch als eine geistige Huelle, fuer manchen nur als eine Art Festgewand, in-das er gelegentlich, vielleicht gerade noch zu den Hohen Feiertagen, hineinschluepfte. Fand er selbst in seinem Inneren das als unzureichend, so glaubte er und hielt es sogar fuer ehrlicher, dann seinem Judesein entsagen zu muessen.- Die daraus entstandene innere Unsicherheit oder die diese nach aussen vertretende Ueberheblichkeit machten dem Juden das Leben unter den anderen Voelkern schwer. Die andere Reaktion, der uebermaessigen Vergeistigung, machte den Juden zum unheimlichen Gast bei andere^ Voelkern. Und das Bemuehen, diese Unheimlichkeit zurechtzuruecken, verzerrten Zuege und Haltung des Juden. Jetzt, mit dem Jahre 5709, beginnt erstmalig wieder ein “weltliches” Jahr fuer die Juden. Jeder Jude kann sich wieder wie jeder andere Mensch auf allen Gebieten des menschlichen Wesens bewegen und kann dabei seine durch eine jahrtausende alte Geschichte und Ahnenreihe auf ihn ueberkommene Eigenart ausleben. Diese Eigenart wird ihn davor bewahren, das Weltliche durch Fortfall des Geistigen verarmen zu lassen. Der Schofarton des religioesen Rosch Haschanah ertoent auch am weltlichen Jahresbeginn weiter, und man braucht nur die Unabhaengigkeitserklaerung des Staates Israel zu lesen, die diesen auf das Fundament unserer religioesen Tradition stellt. Jeder Jude, der an diesem neuen Staate mitarbeitet mit seinem ganzen Herzen und seinen ganzen Kraeften, wird sich selbst wiederherstellen als ganzes, unverzerrtes Wesen, und er wird teilnehmen koennen" an dem neuen Ansehen, das jetzt schon nach wenigen Monaten des Bestehens das kleine Israel in der ganzen Welt unserem Volke verschafft. Sieh, Glueck erschaut mein Knecht, Er steigt, emporgetragen, raget hoch. Wie viele sich bei dir entsetzt, Weil so entstellt vom Menschlichen sein Aussehen Und die Gestalt ihm vor den Erdenkindern— So macht er viele Voelker staunen, Denr nie Erzaehltes schauen sie, Und was sie nie erhoert, Des werden sie gewahr. (Jesaja) Israels. Wenn aber laenger und mit Absaetzen der Schall erklingt, dann sollen zuerst aufbrechen, die gen Morgen sind, und wenn zum zweiten Mal, die geh Mittag sind. Wenn aber das Volk soll versammelt werden, soll der Trompetenklang einfach und nicht in Absaetzen sein”. Der Schofar ist das einfache Horn eines Widders, das nur durch Einwirkung von Hitze praepayiert wird; getreu der geschichtlichen Ueberlieferung, besteht es aus einem Stueck. Kein Eisen, kein Metall wird ihm angesetzt. Nach den Segensspruechen, die gleichfalls durch traditionelle Weise illustriert werden, hoeren wir zunaechst das Intervall von zwei langgezogenen Toenen: “T’kiah”. Das aelteste Verstaendigungszeichen, der Ruf an die Fuersten in Israel. Dann dreimal kurz abgestossene “Sch’warim” Intervalle, die vom Grundton zum naechsten Intervall einer Quarte entsprechen. In dieser Bewegung liegt die Aufforderung zum Aufbruch. Und zum dritten “T’ruah”: Der frueher gehoerte Grundton, nicht mehr ruhevoll, sondern schmetternd, laermend, aufwuehlend und dann hinauffuehrend zur Oktave. Als Fermate des ganzen Tonbildes “T’kioh g’dauloh”, das Schlussintervall, das seine besondere geschichtliche Bedeutung hat. Mit dieser Fermate wird das Anbrechen des messianischen Zeitalter charakterisiert. Aber mit dem Schofar und seinen Tongruppen, deren Schall uns so fremdartig und erschuetternd anmutet, soll der Charakter des “Jaum hadin” angedeutet werden. Israel, du bist einen langen Leidensweg gegangen. Und nun erhebe sich Gott beim Posaunenschall, der Ewige beim Tone des Schofars. Wie spricht doch der Schofarblaeser vor seiner heiligen Aufgabe: “Moege es dein Wille sein, Ewiger, mein Gott, Gott des Gerichtes, jetzt eine Gnadenzeit eintreten zu lassen, dass du in der Fuelle deines Erbarmens und Groesse deiner Gnade, alle Scheidewaende entfernst, die dich heute von deinem Volk Israel trennen wollen. Du wirst die Stimme der Gebete und der Posaunentoene deines Volkes Israel heute erbarmungsvoll vernehmen”. Das ist Geschichte, sowohl von heute wie auch von ehedem, Geschichte in den heiligen Dienst der Tage, hineingetragen durch den Schofar und seine Toene, mahnend, aufrichtend und — am Schluss des Versoehnungstages, verheissend. 1948 - 49 Die Beduerinisse fuer den Aufbau von Erezj Israel, Rettung der in Europa internierten juden und Unterstuetzung der lokalen sozialen und edukativen Institutionen haben alljaehrlich verschiedene Aktionen notwendig gemacht. Zum ersten Mal in der Geschichte der chilenischen Juden ist jetzt fuer alle in Frage kommenden Fonds eine Einheits-Campana zustande gekommen, die auch in unserem Sektor bereits eroeffnet wurde. Mit vollem Verstaendnis fuer die bedeutenden Aufgaben, die in dieser Aktion vereinigt sind, haben bereits einzelne Mitglieder unserem Rufe Folge geleistet und ihre Pflichten erfuellt. Mit diesem einmaligen Besuch und der uebernommenen Verpflichtung die Zahlung entweder sofort oder in monatlichen Zahlungen zu leisten fallen alle Sonderaktionen fuer die Dauer dieser Campana weg, sodass unsere Mitglieder jegliche Aufforderungen von separaten Sammlungen zurueckweisen koennen. Alle Einzelheiten ueber Sinn und technische Durchfuehrung dieser Campana sind in einem Circular enthalten, dass wir an alle Mitglieder verschickt haben, und das auch an anderer Stelle dieser Zeitung veroeffentlicht ist. DAS AKTIONSCOMITE.

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