Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Journal
- Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Volume
- I (1838)
- Issue
- 36 (27.12.1838)
- Date
- 1838-12-27
- Page
- Seite 166 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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tßß gellose Gesetzwidrigkeit., sich breit zu machen ansing, erhielt einen neuen Impuls durch Herrn Reggio, und erreichte Ln ihm ihre Mitte. Hebt mit ihm' kein neuer spekulativer Zeitabschnitt an, so half er ihn doch beschleunigen, und ward er nicht selber Religionsphilosoph, so hat er auf einen solchen vorbereitet. Er zeigte, daß wir jetzt keinen andern Haltpunkt als Mendelssohn haben, und das war genug. (Fortsetzung folgt.) Literatur. bTTM p ms^Ta "M2. Metrisch übersetzt von Di-. Leopold Stein. Franks, a. M. bei Schmecker. Zu den früh angeregten *) und anregenden Geistern gehört unstreitig Salomen den Gabirol (dessen Leben und literarisches Wirken wir bereits besprochen haben °"). Als Begründer der neuhebr. Literatur gebührt ihm große Aufmerksamkeit, besonders von Seiten des Styls, dessen Schöpfer er ist, und zwar jenes Styls, der so reich an Kunst als Geist sein kann, den die Idee oft so eng begränzt, daß eine andere Sprache sie in einem solchen Raum nicht aufnehmen kann, und welches Hinderniß zu überwinden eben die Kunst des Uebcrsetzers ist. Es giebt Ideen, die Kosmopoliten sind, sie wandern von Sprache zu Sprache, bekommen in jeder das Bürgerrecht, und man merkt ihnen nicht das Geringste von ihrer fremden Abkunft ab. Andere wieder, sind wie Leibeigene des?Worts, nur in ihrem Gehäuse ist ihnen wohl, und das Auswandern tobtet sie, wenigstens ihre ursprüngliche Gestalt. Solche Ideen sind gewöhnlich jene, welche in einem Wortspiele wohnen, oder in einer besondern Form deö Ausdrucks, welche der Genius einer Sprache in genialer Schöpfung, sich zu eigen machte. Wirft man einen solchen Gedanken aus'seinem Wortgehäuse, so bleibt auch ein Stück des Gedankens in der Schale. Solche Ausdrucksweisen, die nur auf ihrem Boden gedeihen, hat jede Sprache; besonders aber die neuhebr. Literatur, die noch Kompositionen machte von Bibelstellen ""), die man analysiren, aber nicht synthetisch wieder darstellen kann. Ben Gabirol war der erste, der diese Komposition versuchte und sehr glücklich zwar, alle andern Dichter rangen mit ihm um die Palme — und sind ihm manche auch gleich gekommen, so ermangeln sie des Verdienstes der ersten Erfindung. Das Werk aber welches er selbst am höchsten hielt, und mit Recht bleibt der msVs *-t'rib.. Wenn mir behauptet haben, daß er zur Schwärmerei geneigt war, so müssen wir, uni nicht mißverstanden zu werden, dies naher bezeichnen. Cr war zum beschaulichen Leben sehr geneigt und liebte das sich Versenken in Gott und in die ewigen Ideen, aber nicht wie der Bramme am Ganges, dessen *) In seinem 16. Jahre fühlte er sich schon stark genug etwas zu leisten, und seine Worte ''SVl 11)101, ^iST! (Nfcr“fc'tn NN2NN ims») p ^>3 P sind wahrscheinlich einleitend blos eine literarische Unternehmung. '**) In den Ehrensäulen ff. 1837. Seit dieser Zeit sind wir um vieles bereichert an Documeiiten von seinem literarischen Streben, und wenn diese Biographie abermals erscheinen sollte, so können wir des Lesers Urtheil-um ein Bedeutendes erweitern, durch das erweiterte Terrain. »»») Ueber welche Art sich auszudrücken (Mnfevstyl) wir außer Thun nur Lassen ist, der sich zwar in sich versenkt, aber gar nicht mehr erscheint, seine Persönlichkeit ganz aufgebend. Gabirols kräftiger Geist versenkt sich wol auch in daS Unendliche, aber er sinkt nicht unter. Er beugt sich im Staube vor der Allmacht, aber er zerstört die Persönlichkeit nicht. Er ist wie ein geschickter Taucher, der sich zwar in die Fluchen stürzt, aber um Perlen zu holen. Auch er holt Perlen der Reflexion aus den Tiefen seines Gemüths, und-legt sie aneinander gereihet an die köstliche Schnur der Poesie, auf den Altar seines Schöpfers nieder. Eine solche Perlenschnur ist rnsbft Wenn alles Versenken zur Mystik führt, d. h. zu einem Punkte wo das Wort den Dienst verjagt, weil die Seele keine klare Anschauung hat, sondern durch daS gefärbte Glas der wilden entzügelten Phantasie sieht, so ist nicht zu läugnen, daß ein gewisser Grad — wo nämlich grübelnder Verstand und glühendes Gemüth, die Grundlage aller Mystik, sich noch die Wage halten — auch Gabirol eigen ist. DaS macht Dschetaledin Rumi*) merkwürdig, dies macht auch Ben Gabirol") hervorragend. Diese glückliche Mischung ist es eben, die dem^ besprochenen Werke den Werth giebt. Von Seiten der Idee wäre wol dem Werke leicht beizukommen, nicht so leicht ist es aber von Seiten des Ausdrucks. Herr vr. Stein — dessen „Stofengesänge" gewiß vielen Lesern Vergnügen verschaffen, hat sich unterzogen, dieses geistvolle Werk den deutschen Lesern zur Lectüre zu reichen, und wir gestehen gern, daß Ben Gabirols Werk in sehr glückliche Hände fiel, wir wünschen daß der Uebersetzer des mehrern Werken der neuhebr. Literatur seine Aufmerksamkeit schenken möchte, welches gewiß die Lauheit, welche diese Literatur zu ertragen hat, zu beseitigen vermögend wäre, und von den Autoren wenigstens den Grund des Nichtgelesenwerdens abnehmen würde. Daß der Uebersetzer mit Liebe sein Werk studirte und sich hineinlas, sieht der verständige Leser auf jeder Seite. Die Schwierigkeiten der Sprache sind soviel als möglich überwunden — daß es nicht ganz möglich war, besonders das Ende der Verse in ihrer Schärfe zu geben, wo die epigramatischen Spitzen wie Adler aus den Lüften überraschend — gesteht der Uebersetzer (Einleitung Seite 37) selbst offenherzig ein, wo (ebenf. S. 38) diese Uebersetzung als ein , „zwischen der pünktlich wörtlichen und der ganz freien" die Mitte haltend, ausgegeben wird, welche aber zur Lectüre.die beste Gattung der Uebersetzungen ist""), f Die oben angeführte Einleitung — eben so klar gedacht alö schön geschrieben — enthält daS Nöthigste über den Verfasser, feinen Stil und sonstiges noch. Die Theile des Werkes werden den Lesern auseinandergelegt und vor seinen Augen wieder zusammengesetzt.^ Die Anmerkungen zu Ende des Werkes, erfüllen ihre Aufgabe, einzelne Stellen zu erklären, auf's vollkommenste. Auszüge daraus haben wir nicht gegeben, weil wir wünschen und dringend empfehlen, daß sich jeder Leser selbst solche mache nach Herzenslust, besonders da die äußere Ausstattung — Druck und Papier — sehr elegant ist. — Hamburg. ' Leopold Dukes. in den erwähnten Ehrensäulen S. 15 auch in dem bald zn erscheinenden Tarschisch kurze Audeutungcn gaben, deren genetiscke Entwickelung und Verfall wir aber unserer Einleitung zur Geschichte der neuhebr. Poesie, Vorbehalten. °) Vergl. Blüthensammlnng aus der orientalischen Mystik vom vr. Tboluk. Berlin 1825. °*) Die talmudische Mystik — die unser Autcr benutzte — hak ihre Wurzel in der Stelle lÖSbi /k7. Vergl. Ehrensäulen S. 17. Anmerkung 2. welche Stelle durch ihre bestimmte Nuancirung der Stufe aller Speculation, die auf ein gänzliches Negiren der Gottheit ausarten kann, zu den sehr merkwürdigen gehört. Wir hoffen bald Gelegenheit zu haben, dieselbe näher zu betrachte»,. "*") Zufällig ist vpu diesem Werke auch eine prosaische Uebersetzung vorhanden — vom Schreiber dieses — in der» Ehrensäulen, welche Stoff zu Vergleichungen geben kann. Redakteur: vr. L. Philippson. — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirschfeld.^