Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Journal
- Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Volume
- I (1838)
- Issue
- 14 (26.5.1838)
- Date
- 1838-05-26
- Page
- Seite 56 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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36 sei?" — Demnach beschlossen sie unter sich, ein großes Rabbinen-Concilium zu versammeln, und hielten zugleich Rath wegen deS Versammlungsortes. Ungarn wurde für das hierzu geeignetste Land befunden und gewählt, da dieses Land, in Folge der häufigen Kriege mit den Türken sehr menschenleer geworden. Der Congreß wurde nach Nagy-Ida (Aba-Ujvarer Comitat) bestimmt, und die damals im Kriege verwickelten regierenden Häupter gewährten leicht, die deshalb an sie gerichtete Bitte. Dieser Congreß, ein sonst ungewöhnliches Ereigniß bei den Juden, fand im Jahre 1650 statt. Zur bestimmten Zeit erschienen, mehr als 300 Rabbinen, und außer diesen eine unberechenbare Menge Juden von entlegenen Landern in Europa und Asien am angezeigten Orte, wo zur Aufnahme und Erhaltung einer solchen Menge, die nöthigen Anstalten getroffen waren. Allesammt wohnten unter freiem Himmel in Zelten, in welchen sie auch ihre Berathungen hielten. Zu diesem Congresse wurden aber keine andern Juden zugelaffen, als solche, welche geläufig hebräisch sprechen und ihre Genealogie beweisen konnten. Dieser letztem Bedingungung wegen, wurden viele von denen, die auö spanischen, italienischen und französischen Synagogen daher kamen, ausgeschlossen, und wurde ihnen blos gestattet, daß sie in.gewisser Entfernung von dem zur ' Berathung bestimmten Zelte unter den Fremden verweilen könnten, welche die Neugierde herbeigezogen hatte. Ein Rabbine Namens Zacharias aus dem Stamme Lewi wurde zum Vorsitzer und Sprecher gewählt. Dieser saß an einem Tische, der Thüre, welche sich gegen Sonnenaufgang öffnete, gegenüber; die übrigen Doctoren oder Lehrer, in wohlgeordneter Reihe ihm zur Seite. Der erste Tag verging mit gegenseitiger Begrüßung und mit der Untersuchung, ob die erschienenen Mitglieder nach den geschehenen Bestimmungen, die verlangten Eigenschaften besäßen. In Folge dieser Untersuchung wurden mehr als 600 ausgeschloffen, weil sie ihre Abstammung nicht beweisen konnten. Am zweiten Tage wurde das Concilium mit einer Rede eröffnet und festgesetzt, daß vor allem Andern die Frage in Erörterung gebracht werde, „ob der Messias bereits gekommen, oder dessen Ankunft erst,zu erwarten sei?" Worauf einige behaupteten, daß er bereits gekommen sein müsse, indem sie deutlich überzeugt wären, daß all' daS Elend und die Leiden, welche es der göttlichen Vorsehung gefallen hat, seit so vielen Jahrhunderten über sie zü verhängen, nicht mehr von der Götzendienerei herrühren können, welcher Sünde die Juden sich, seit der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft stets enthalten hattey, und a'lso in andern Dingen begründet sein müssen. Nach langer Debatte vereinigten sie sich doch dahin, daß der Messias noch nicht gekommen und daß Israels Sünden und Unbußsertigkeit als die Ursachen seines Säumens anzusehen seien. — Alsdann beriechen sie die Art der Erscheinung des Messias, und bestimmten folgende drei Erkennungszeichen fest: 1) Er müsse erscheinen als ein großer siegreicher König, der seine Nation von dem Joche der Völker befreien werde. 2) Er ändert durchaus' Nichts an den Gesetzen Mosis. 3) Er werde von einer Jungfrau geboren werden, und diese seine Geburt werde sein Erkennungszeizeichen sein bei den Fremden. Am Ende versuchte das Concilium eine Ausgleichung mit den-, jenigen, welche an die bereits geschehene Ankunft des Messias glaubten, indem sie behaupteten, daß dieser vermeintliche Messias kein anderer sein könne als Elias,, und zwar weil dieser 1) mit größer Macht bekleidet war, was unter Anderm die Hinschlachtung so vieler falscher Propheten beweise. 2) Er wurde von Achab und Isabel verfolgt, was auch ein Criterium des Messias, wie dies aus den Prophezeiungen über dessen zu bestehende LeidenSprüfungen hervorgeht. 3) Er war mehr als ein gewöhnlicher Mensch, und war auch in den Augen Gottes mehr als ein solcher, da er ihn lebendig gen Himmel fahren ließ. 4) Er trug ausgezeichnete Sorge für sein Volk, da er den Elisa zur Fortsetzung seines Prophetenberüfes zurückließ. Noch in derselben Nacht erörterten sie auch die wichtige Frage, ob nicht Jesus, den ihre Vorfahren gekreuzigt chatten, der wahre Messias gewesen sei? — Doch dies wurde folgenden TagS durch die Sekte der Pharisäer, welche in diesem Concilium die Mehrzahl machten, verworfen und zwar aus der Ursache, daß Jesus in Armuth und Dürftigkeit geboren wurde, die Erscheinung deö Messias hingegen mit Prachst und Glanz vor sich gehen müsse, und Er die Gesetze Mosis bekräftigen müsse. — Ein Rabbine Namens Abraham, dem diese Einwendung nicht richtig genug erschien, hielt den Pharisäern die von Christus verübten Wunder entgegen, und fragte, durch welche Macht er diese vollbrachte, worauf Zebedeus einer der genannten Secte antwortete, daß er diese mit der Macht des Teufels verübt hätte. Doch Abraham behauptete, daß durch keine Hexerei weder Gesicht noch 'Gehör oder Sprache einem Blind-, Taub- oder Stummgebornen wiedergegeben werden könne. Hierauf erwiederten seine Gegner, daß diese Blinden, Tauben oder Stummen schon im Mutterleibe durch Teufelsmachl in solche umgeschaffen wurd-n, und der sie geheilt, habe nichts anders gethan, als den Zauberknoten gelöst und zwar durch ähnliche Teufelsmacht (wie mittelalterlich!). Obschon die Zaducäer mit der vorgenannten Secte über andere Gegenstände in Widerspruch waren, vereinigten sie sich doch in diesem Punkte mit ihnen und zwar um so mehr, da sie die Auferstehung laugnen, welche Christus gegen sie so standhaft vertheidigte. Nachdem das Concilium 7 Tage gedauert hatte, wurde es -plötzlich durch die Ankunft von 6 katholischen Priestern, die aus Rom geschickt worden waren, unterbrochen. Denn ihre Beweise dessen, daß Christus der wahre Messias sei, brachten eine so große Verwirrung in die Versammlung, daß sofort Niemand mehr was Anderes vernehmen konnte, als den unverständlichen Lärm. — Folgenden Tages trennten sich die Glieder des Conciliums, nachdem sie beschlossen hatten, nach drei Jahren ein andere» in Syrien zu halten." . Literarische Notizen. sK u n stj. Mrs. Trollope, über die Musik des israel. Tempels in Wien, (Vienna and the Austrian). „Einer andern Gattung von Musik, die ich in Wien gehört, habe ich noch zu erwähnen, doch wird es mir schwer, dafür einen Ausdruck zu finden.' Wollte ich versuchen, die ganze Macht der Gefühle zu schildern, die sie in mir hervorgerufen, so könnten Sie leichtlich auf, den Gedanken kommen, mein Bischen Vernunft habe vor dem Zauber der Sinne die Flucht ergriffen. Und in der Tbat, eine so wunderbare, prächtig ergreifende Harmonie tönt aus den Gesängen der Söhne Israels — wie man sie in der hiesigen Synagoge vortragen hört — daß man, um der vorzüglichen Meister-- schaft der Ausführung auch nur Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen, zu der Sprache des Enthusiasmus feine Zuflucht nehmen muß. Die Soloparthieen dieser herrlichen Gesänge werden von einer Stimme, die der Brahams in seiner glänzendsten Periode^ nicht nachsteht, vorgetragen; mit ihr vereinigen-sich etwa zwölf Sänger, von denen einige noch Knaben, zu den großartig erhabenen Chören. Der Umfang dieser Stimmen., übertrifft Alles, was ich der Art jemals vernommen, und von keiner Instrumentalmusik begleitet, bringen sie eine so eigenthümliche als entzückende Wirkung hervor. Einige Stellen dieser majestätischen Gesänge sind so erhaben, daß wir, dem-Eindrücke der Töne uns hingebend, die gänze Geschichte der Gefangenschaft des unglücklichen Volkes vor unS vvrüberrauschen zu hören meinen, und unwillkürlich muß sich daS Auge mit Thränen füllen, wenn die Worte: „Israel! Israel! Israel!" mit jenem Seelenschmerz der Empfindung herausgestoßen, der sich dem Hörer unmittelbar mittheilt, die Leiden schildert, welche das Volk GotteS in seinem Exile zu dulden hat. Redacteuri vr. L. Philippftm. — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirfchfeld.