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Literarisches und homiletisches Beiblatt · 1838-08-25 · 24 (25.8.1838) · p. Seite 94

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Journal
Literarisches und homiletisches Beiblatt
Volume
I (1838)
Issue
24 (25.8.1838)
Date
1838-08-25
Page
Seite 94 (sequence 2)
Language
German
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94 bräer unstreitig den Vorzug vor den Griechen, bei welchen bekanntlich die Chorführer in die Hände schlugen, oder eiserne Sohlen unter die Füße banden um den Tact anzugeben; ja sie zeigten hierin offenbar mehr Geschmack, als noch jetzt mitunter Musikdirectören zeigen, wenn sie mit dem Lactstock so unbarmherzig auf ihr Pult losschlagen, daß man fürchtet, dasselbe werde bis zum Ende der Musik nicht aushalten. Daß, wie oben bemerkt wurde, die neuen für den Gottesdienst geeigneten Lieder von den Musikdirectören übernommen und eingeführt wurden, geht aus dem NL:7:b hervor, welches 53 Psalmen und dem Gebete Habakuks (3, 19.) bekgesrtzt ist und nichts Andres heißen kann als: dem Vorsteher oder Director (nämlich zu übergeben, welches wir aber ebenfalls beim Addressiren weglassen). Ost steht blos N2:vb ohne weitern Beisatz, wo wahrscheinlich der erste Director gemeint ist. Mitunter aber hat dieses Wort einen Beisatz, über den uns, für einige Fälle wenigstens, das Vorhergehende Aufschluß giebt. Ps. 12 führt die Üeberschcift NL:?:b; da wir nun aus Obigem wissen, daß es einen ganzen Chor mit Harfen ri-diann-b^ gab, so war dieser Psalm unstreitig dem Vorsteher dieser Harfenart (d. h. Alles dessen, was zu diesem Theile der öffentlichen Musik gehörte) zuzusertigen. Ganz entsprechend ist Ps. 5, I: , „dem Dirigenten der Flöten." — Die sorgfältige Wahl der begleitenden Instrumente läßt auch eine große Verschiedenheit der Melodien voraussetzen. Es laßt sich also wol denken, daß einer der vielen Direktoren das besondere Amt hatte, darauf zu sehen, daß jedes Gebet in der für dasselbe geeigneten Melodie vorgetragen würde. Dies scheint die Ueberschrift ':nb Ps. 4. 6. 54. 55. 67. 76. zu bedeuten („dem Vorsteher der Melodien"); denn heißt Melodie, welche sich sowol singen als auf einem Instrumente abspielen laßt. Einmal Ps. 6,, ist noch hinzugesetzt, daß das Lied mit der Cither zu begleiten sei. Der Ueberschrift Ps. 61 : „Dem Vorsteher der Melodie Davids," welche nicht ganz klar ist, entspricht das NL:?:b Habak. 3, 19. Andere nehmen für Saiteninstrumente, was es allerdings auch heißen kann. Ueberschristen wie nip-^b ^b, ■pn-wb?, yinrrb können heißen: Dem Vorsteher des von der Familie Korachs, Iedutuns gebildeten Chors. nbNL Ps. 53. 88. nimmt Gesenius nach dem Aethioprschen für ein Instrument. Andere geben dem Worte die Bedeutung von bin». Dann würde es eine Procession, einen wandelnden Chor bedeuten, dergleichen z. B. bei der Uebertragung der Bundeslade, auch Ps. 68, 26. erwähnt werden. Nehemia ordnet zwei solche wandelnde Chöre an (12, 31. 38), welche einen Wechselgefang anstimmten; dem würde das ni::'b' Ps. 88. entsprechen. Daß bin» übrigens wirklich kein Instrument (nach Einigen sollte es gar eine Sackpfeife sein) sondern stets einen Chortanz, oder einen Umgang bedeutet (von bin sich im Kreise bewegen) ist außer allem Zweifel. (Zum Ueberfluß kann noch besonders auf Nicht. 21, 21.. hmgedcutet werden, wv bas Verb, bmb dabei sieht). Außerdem werden noch genannt Vorsteher trpni übs n'nsii b*, . ü^ö’wT'b:?, “pb m»*»?, ‘"vHOin nb-1« bp u. s. w. Ob dies besondere Arten von Instrumenten oder Melodien waren. laßt sich nicht entscheiden. Forkel (§. 66) erinnert passend an ähnliche Ueberschristen der Meisterfängcr, zur Angabe der Weife (Melodie)^ z. B. in der hohen fröhlichen Lode-Weiß (Melodie), die über kurz Abendröth-Weis' (vgl. nb\s b* NN'LN), die .Jungfrau-Weist (vergl. rii'abp welches nach Einigen eine hohe Stimme bedeutet). Der eigentliche Sinn von riNAn bat (verdirb nicht), welches 4 Mal bei m£3»b steht, ist ebenfalls schwer zu ermitteln. . In der Mitte sowol als am Ende vieler Psalmen finden wir das Wort nbö (im Ganzen 69 Mal und außerdem Habak! 3. ebenfalls 3 Mal). Auch dies hat zu einer außerordentlichen Menge von Erklärungsversuchen Anlaß gegeben, ohne daß es bisher gelungen ist, seine Bedeutung evident zu bestimmen *). Die Meisten haben sich dafür entschieden, daß in dem Worte eine auf Musik sich beziehende Andeutung liege. Hier haben es nun Einige, für eine Abbreviatur genommen, z. B. nibnp»n msyb iiw nb:>»b aö d. i. da capo ü. dgl., wobei natürlich der Phantasie großer Spielraum gelassen ist. Nach Andern.bedeutet cs eine Erhebung der Stimme, eine Veränderung der Tonart oder des Tactes, eine Tonleiter zur Hinüberleitung in andere Tonarten, welche Erklärungen aber nicht gut passen, wo nbü am Ende des Psalms steht. Am sichersten ist unstreitig die Erklärung Rosenmüller's durch: „Pause" nämlich des Gesanges bei fortgesetztem Spiel der Instrumente, mit Vergleichung des Syrischen ab'2 ruhen, schweigen. Hiernach bedeutete es also Nachspiel, welches zwischen den Theilen desselben Psalms zugleich zum vermittelnden Zwischenspiel wurde {d'ia'ipaXf.ia HX.); aber IM Allgemeinen kann man nicht Zwischenspiel übersetzen, weil Nb2 öfter am Ende des Psalms steht, wo es freilich die Alexandrinische Uebersctzung nie berücksichtiget, ynn welches Pf. 9, 17. vor Nb2 steht, giebt die Griechische Uebersetzung durch (pd'rj Gesang, Lied, womit also hier ein einzelner Sänger statt des Chors eintrat, und ebenso Ps. 92, 4. 11:22 Lied mit Begleitung der Cither (/«fr $(% iv xid-aga LXX.). lieber die innere Beschaffenheit der hebräischen Musik läßt sich nichts mit Bestimmtheit sagen, da uns kein Zeichen geblieben ist, welches uns mit ihrem Charakter und mit der Reihenfolge ihrer Töne und Tonarten bekannt machen könnte. Da die Alten unsere .vierstimmige Harmonie noch nicht hatten, so wirkte diese Musik wöl besonders durch das Ergreifende ihrer Melodien, welche die erhabenen Gedanken des Textes ohne Zweifel entsprechend und würdig ausdrückten. Die nähern Resultate, welche die Geschichte dieser Musik, im Vergleiche mit der Griechischen und anderer alten Völker, so wie der neuern Musik darbictet, bitten wir in unserer angef. Schrift nachzulesen. Zwar hat An to n die Meinung ausgestellt, daß die Accente die Noten der alten Tempclmusik.seien und demnach mit vielem ' Scharfsinne und theoretisch - musikalischem Wissen versucht, die alten Choräle wirklich zu entziffern, wir haben indrß, feinem Systeme Schritt vor Schritt folgend, gezeigt, wie unsicher alle Stützen desselben seien, (Form d. H. P. S- 370 ff.). (Fortsetzung fvlgt.) *) Vergl, die erste meiner sbgcnannten Schr. S. 346 ff.

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