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Literarisches und homiletisches Beiblatt · 1838-08-18 · 23 (18.8.1838) · p. Seite 89

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Journal
Literarisches und homiletisches Beiblatt
Volume
I (1838)
Issue
23 (18.8.1838)
Date
1838-08-18
Page
Seite 89 (sequence 1)
Language
German
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L. Jahrgang. No. 23 Literarisches h o mi l e t i sch es Beiblatt. Leipzig, den 18. August 1838. Archäologie. Ueber Musik und Poesie der alten Hebräer von Joseph Levin Saalschutz, vr. ph., cffentf. Lehrer der Rel. und Theol. an der isracl. Ge- ' meinde zu Königsberg, ordentl. Mitgl. der historisch - theolog. Gesellschaft zu Leipzig. (Fortsetzung). Man sieht also, daß auch, wo die Religion der Kunstliebe manche Schranken setzte, sie selbst nicht unterdrückt werden sollte und nicht ward. Um wie viel freier mußte sie sich entfalten, wo die Religion sie belebte und hob! War dies nun zunächst bei der religiösen Poesie der Fall, kamen die Hebräer hier allen übrigen Völkern des Alterthums in eben dem Maße vor, als sie dieselben an Erhabenheit der religiösen Ideen übertrafen (oder auch umgekehrt, als die Griechen ihnen in Werken der Bildhauerei aus ähnlichen Gründen vorstchen), so konnten sie auch in der Musik, welche sich von den ältesten Zeiten her eng an die Dichtkunst anschloß, und ja derselben Richtung des Gefühles entspricht, nicht hinter andern Völkern des Alterthums Zurückbleiben. Die allgemeine Liebe, welche diese Kunst zu allen Zeiten genoß, die großartigen Anstalten für Tempelmusik seit David und Salomo und der Umstand, daß ganze Familien (wie die Familie Afsaphs) sich Jahrhunderte lang besonders dieser Kunst widmeten, kann dem eben Ausgesprochenen nicht anders als das größte Gewicht geben. Um so mehr ist es zu bedauern, daß wir über die musikalischen Ausdrücke und Bezeichnungen der Hebräer, gleichwie über die Einrichtung ihrer Instrumente so vielfach im Dunkeln sind. Denn wiewohl Man, nach der Meinung eines Gelehrten, ungefähr anderthalb Tausend Schriftsteller annehmen kann, die über diese Materien Untersuchungen angestellt, so ist es ihrem Scharfsinne doch nicht gelungen, so manche Zweifel, die hier obwqlten, zu lösen. Allerdings sollte man von den Beobachtungen oer Musik sowol als der Instrumente der heutigen Orientalen manchen Aufschluß über die Archäologie dieser Kunst erwarten, zumal bei. der Bemerkung, daß in jenen Ländern Lebensweise und Sitte sich weniger ändert, als anderswo; aber vergleicht man den hohen Rang, den diese Kunst damals in Kreisen einnahm, die Könige ihr angewiesen, vergleicht man die ausgezeichnete Stellung,' welche jene alten Sänger und Meister einnahmen, mit den Verhältnissen des heutigen Orients, so sieht man, daß gerade in den hieher gehörigen Beziehungen so Vieles dort anders ist, als bei den alten Hebräern, daß man nur in einzelnen Fällen und auch da mit großer Behutsamkeit einige Rückschlüsse zü machen sich erlauben darf. Die Hebräer hatten Saiten-Instrumente, Blas- und Schlag- Instrumente. Das Wort für Saiten überhaupt kommt Ps. 150, 4 vor und heißt: Instrumente mit Saiten sind Vss und -ntQ. Man hat über die etwaige Verschiedenheit dieser beiden nicht recht ins Klare kommen können (eben so wenig wie bei der griechischen Lyra und Either). Jndeß dürfte uns wol hierbei die Bemerkung zu Hülse kommen, daß wir überhaupt zweierlei Gattungen von Saiten-Instrumenten finden, nämlich solche, bei welchen die Saiten über einen Resonanzboden hinlaufen (wie bei der Guitarre oder dem Klaviere) und andere, bei welchen die Saiten nur.an ihrem einen Ende mit dem Resonanzboden in Verbindung gesetzt sind und also an beiden Seiten frei stehen (wie bei der Harfe). Man könnte-jene Either-, diese Harfen-Instrumente nennen. Diese Haupt-Verschiedenheit, welche auf die ganze Spielart Einfluß hat, bestand fast ohne Zweifel auch bei und Die Form der Instrumente selbst, welche sehr vieler Veränderungen fähig ist, ist minder wichtig und läßt sich in Bezug auf die hebräischen nicht mehr mit einiger Sicherheit ermitteln. Für hat die griechische Uebersetzung yuivvgu oder auch xid-aga, so auch die syrische und zuweilen sntip. Man kann also kaum zweifeln,, daß dies dem Wesen nach dasselbe Instrument ist, welches die Araber nach Spanien brachten, welches dort Gittare genannt wurde und auch bei uns in verschiedenen Formen vorkömmk und die Namen Either, Guitarre führt. Es ist sehr möglich, daß das gewöhnliche bei den Hebräern in der bei uns üblichen Weise gespielt wurde, wobei die Linke aus dem

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