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Literarisches und homiletisches Beiblatt · 1838-11-17 · 33 (17.11.1838) · p. Seite 131

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Journal
Literarisches und homiletisches Beiblatt
Volume
I (1838)
Issue
33 (17.11.1838)
Date
1838-11-17
Page
Seite 131 (sequence 1)
Language
German
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1. Jahrgang. No. 33 Literarisches homiletisches Beiblatt. Leipzig, den 17. November 1838. Literatur. Beiträge zur Literatur der jüdischen Religionsphilosophie, mitgetheilt von Dr. I. Gol-enthal. Vorwort des Redakteurs. Der folgende Aufsatz berührt anregend die höchsten Momente des Zudenthums, und wir ließen daher den Verfasser sich unumwunden aussprechen, wenn wir auch in seinen Ansichten und Urtheilen nicht selten nicht ganz seiner Ueberzeugung sind, was wir in einem Nachwort darzulegen gesonnen sind. - Der Redakteur. Wie es in der Natur eine Zeit des Säens gibt und eine Zeit der Ernte, eine Zeit der Produktion und eine Zeit zum Einsammeln der Produkte, so auch auf dem Gebiete des Geistes. Geist und Natur, die beiden Zwillkngsbrüder eines gemeinschaftlichen Vaters, des Absoluten, vollenden gleichmäßig ihren Kreislauf im Entstehen, Werden und Zugrundgehen, aus dem sie wieder wie der Phönix aus seiner Asche frisch emporblühen zu neuem Leben, zu neuer Kraft und fruchtreichem Wachsthum. Zeiten kommen, Zeiteü gehen, Geister tauchen auf und tauchen unter, nur der Geist der Zeiten ist's, der, gleich dem Begriff in der Natur, sich in dem steten Treiben und Drängen wozenfest erhält und uns Kunde gibt von vergangenen Tagen. Und der Zeitgeist, die sommerceife Frucht in der blüthevollen Welt des Gedankens, schlagt, nachdem er seinen Höhepunkt erreicht, in sein Gegentheil über, um in ihm sich wieder zu sammeln und zu sich selbst zu kommen, und unter dem Schnee scheinbarer Leblosigkeit neue Nahrung zu saugen für ein künftiges, frischeres, thatenreicheres, kerngesunderes Leben. Und das Leben des Geistes ist seine Unruhe, sein ewiges Strömen und Zurückströmen, sein Aus- und Jnsi'chgehen, die Ebbe und Fluch auf dem Weltmeer der Geschichte. Geschichte aber ist das Leben des Geistes blos als Geist, des selbstbewußten Geistes ist nur die Geschichte der Literatur, und im eminenten Sinne die Geschichte der Philosophie. Hat ein Volk gelebt, und als Geist gelebt, so muß es eine Geschichte haben. Ward es von der Sonne der Freiheit durchwärmt, hat eS Zeit gehabt, beim Streben nach außen auch nach innen sich zu entfalten, gab es in schicksalschwerem Zusammentreffen mit andern Völkern seine innere Freiheit und Selbständigkeit nicht auf, hat es sich unter allen Verhältnissen und Umstanden als persönlicher Geist bewährt, so muß es auch eine Literatur, eine eigenthümliche Literatur und Philosophie haben. In dieser Literatur würde sich sein eigenstes Wesen, sein unverkennbares Selbst naturgetreu abzeichnen, ein reines Bild ungetrübter Geistigkeit. Die ganze innere Welt seines Gemüthes und seines Verstandes, so wie seine Erlebnisse und Erfahrungen, müssen da zum Vorschein kommen, scharf und originell, je nachdem diese selbst es sind oder nicht. Je absonderlicher ein Volk, desto ausgeprägter seine Literatur; je der Verstand oder das Gemüth bei ihm überwiegender, dieselben Spuren tragt seine Philosophie. Kein lichthebender Schatten, keine charakterisi'rende Nüance darf da fehlen; es ist die unverfälschte Selbstbiographie des sich bewußtgewordenen Geistes. Wer weiß es aber nicht, baß unter allen Völkern das jüdische am standhaftesten seinen innern Kern gegen annulirende Verschmelzung und Auflösung von jeher bewahret? Daß es sich als Volk Gottes, als Geist von seinem Geiste, trotz aller äußern Bedrückungen und Verknechtungen, aller Zerstreuung und Verführnisse, immer si'ttlichfrei, gesund und unverdorben erhalten? Seine Literatur giebt davon Zeugniß. Rein, frisch, kräftig und durchaus eigenthümlich ist die jüdische Literatur in ihren mannigfachen Gestaltungen, ' streng eigenthümlich wie das jüdische Volk selbst. Sie ist kein bunter Reflex individueller Einfälle und allerwelts Nachahmungen, ohne Charakter, ohne Prkncip, ohne innern Zusammenhang, wie es anderswo geschieht, sondern der klare Ausdruck reinjüdischer Nationalität. Ueberall dieselbe Würde, dieselbe Eigengewißheit, dasselbe innige Ducchdrungensein von gemüthlicher Hingebung und verständiger Freiheit, vyn starrem positivem Glauben und selbständigem rationellem Forschen. Ein Geist athmet in all den präeisgeformten

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