Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Journal
- Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Volume
- I (1838)
- Issue
- 35 (15.12.1838)
- Date
- 1838-12-15
- Page
- Seite 162 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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162 all ihren Ueberzeugungen und Handlungen die Sicherheit des Wahren verleiht. Dunkel ahnend fühlte er, nun, daß an diese sich anzuschließen das Größte sei, was man in geistiger Beziehung erreichen könne, und arbeitete von nun an auf nichts Geringeres hin. Er gab die kabbalistischen Studien auf, nahm an ihrer Statt die religionsphilosophischen Schriften zur Hand, wodurch eine neue Epoche für ihn anging, die eigentlich literarische Befruchtung. Zunächst waren es Mendelssohn und der Exeget Weffely, die als die Letzten, jener in der Reihe der Religionsphilosophen, dieser unter den vernunftgemäßen Schrifterklarern ihn zur Nachahmung aneiferten. Der Ruf, das Ansehen, das makellose Leben dieser Männer, die Liebe seines Vaters zu ihnen, die ihm anerzogene Ehrfurcht gegen sie, die Kenntniß der deutschen Sprache und sein guter Geschmack in der hebräischen, das Bedürfniß seines Herzens und seiner ganzen geistigen Existenz, kurz Alles vereinigte sich, ihm Dieselben als das erhabenste Muster erscheinen zu lassen, welchem nachzukommen die Bestimmung seines Lebens sein müsse. In der That ist ein Fortschritt nicht eher möglich, als bis die Materialien, die Mendelssohn und Wessely herbeigeschafft haben, völlig verarbeitet sind, und so lange keine neue spekulative Periode angeht, wird der geschichtlich thätige Geist immer auf sie—worunter der Letztere jedoch nur der populäre Reflex des Erstem — zurückblicken als - auf die nächste Ursache seines Seins und Werdens. Glaubt man darüber hinaus zu sein, so ist das nur eine eitle Selbsttäuschung und bezeugt höchstens das Streben, daß man es gerne sein möchte. Denn selbst die neue schaffende Zeit kann nur vermittelst stetiger Anknüpfung an die vorangegangene weiterschreiten, indem sie diese nicht als eine überlebte und für die Gegenwart unbrauchbare betrachtet, sondern alle ihre Resultate für wahr, gültig und unumstößlich anerkennt. Dies fühlte auch Herr Reggio; er wußte wohl, daß er ohne Mendelssohn und Wessely keinen Anhaltpunkt habe und beschloß kein Haarbreit zu weichen von dem, rpas durch sie begründet worden. Sein höchster Wunsch war nun, beider Stellung sich zu erwerben; er wollte ein Mendelssohn - Wessely werden, und ward es auch für Italien. (Fortsetzung folgt.) Literarische Correspondenz. München, 15. Mai. Bibliographische Notizen über die hebräischen Manuskripte der königlichen Bibliothek zu München, von Lrlienthal. , (Fortsetzung.) 232) Mehrere Abhandlungen verschiedenen Inhalts, die 59 Blätter anfüllen, a) Erklärung des Schemona Esreh. b) R. Jehuda der Fromme, über das Bestreben nach einem frommen 'und religiösen Lebenswandel, c) Rabbenu Jehuda, der Heilige, eine starke Abhandlung über die verschiedenen Arten und Grade der Sünden und der Buße, ä) 'o von R. Jonas, das Trachten nach einem frommen ^Leben und über die Buße, .e) über Mosts Hymne beim Auszug aus Egypten, f) Von dem Paradies und von der Hölle. 2) von R. Jsaac ben Rüben aus Dura, eine Zugabe zum Jors Dea. Der Codex ist auf Baumwollenpapier geschrieben. — 233) nVis inH» oder der pa'ö des R. Jsaac ben R. Joseph aus Corbeille. — 234) WvillN 'D des Aristoteles, commentirt von Ebn Roschd, aus dem arabischen ins hebräische übersetzt von R. Salomon ben Joseph Ebn Job hasphardi 5091 (1295). 2) rnNSfcfcift mbfinin von Abunazar Alpharabi, eine philosophische Abhandlung über den. Anfang der Existenz. Aus dem arabischen ins hebräische von Moses ben Tibbon.— 3) Commentar des Timosthäus über die Naturphilosophie des Aristoteles bon Moses ben Tibbon 5015 (1255) übersetzt.— 235) Eine Sammlung von Zeichnungen ehemaliger Kriegsmaschinen,.als aller Arten Katapulten, Widderköpfe, Sturmböcke rc. mit einer jüdisch-deutschen Erklärung. Der Codex ist nicht unähnlich, wenigstens, was die Zeichnungen anlangt, dem Werke über das Kriegswesen des Flavius Vegetius Reinatus in der Pariser Ausgabe. 2) Eine Zauberformel zur Auffindung verborgener Schatze, mit Angabe. der hiezu günstigen Zeit ulld andrer erforderlicher Umstände. — 3) 'o von Alphasri, Abhandlung wie>man die Zukunft durch das Loos errathen und angeben könnte. Vielleicht ist es dasselbe, das oben angegeben wurde, und als dessen Autor Aben Esra genannt ward. 4) Ueber denselben Gegenstand von Rabbenu Saadja. 5) Eine jüdisch-deutsche Vorschrift, Schießpulver zu verfertigen, und Anweisung, Vögel und wilde Thiere damit zu schießen. 6) Endlich in altdeutscher Sprache von der Zauberei, die die verschiedenen Griechen, als Plato und Aristoteles trieben. — 236) Die Tosephot zum talmudischen Tractat Chulin, geschrieben im Jahre 5120 (1360). (Fortsetzung folgt.) Redakteur: vr. L. Philippson. — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirfchfeld.