Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Journal
- Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Volume
- I (1838)
- Issue
- 35 (15.12.1838)
- Date
- 1838-12-15
- Page
- Seite 159 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1. Jahrgang. Literarisches No. 35« und homiletisches Beiblatt. Leipzig, den 15. Deeember 1838. Literatur. Beiträge zur Literatur der jüdischen Religion sphilosophie, mitgetheilt von Vr. I Gol-errthal. (Fortsetzung.) 1. smnn, Tora und Philosophie in ihrer Versöhnung, eine spekulative Untersuchung von Zsacco Samuele Reggio. Wien, 1827. Die vorliegende Schrift wurde vom Verfasser, nach seiner eigenen Aussage*), der Errichtung des Collegium Rabbinicum zu Padua vorausgeschickt, um der frömmeren Klasse die Verträglichkeit eines solchen Instituts, mit der Religion darzuthun, so wie diesem selbst Verhaltungsregeln und Wirkungskreis genau zu bestimmen. Sie verfolgt also zwei Tendenzen, denen gemäß sie in zwei Haupttheile zerfallt; zu dem ersten gehören die drei ersten Abschnitte, zu dem zweiten der vierte und letzte. Das Institut nämlich setzt wissenschaftliche Bildung voraus; profane Wissenschaften aber scheinen mit der Tora zu collidiren, es entstand nun die Forderung, einerseits zu zeigen, daß die Religion die Beschäftigung mit den weltlichen Wissensfächern nicht verbietet, dann andrerseits dem menschlichen Wissen seine Beschränktheit vorzuhalten, in Folge deren es kein Recht hat das, was über dem Horizont seines Begreifens, ganz über den Haufen zu werfen. In der Einleitung erklärt sich der Verfasser über den Zweck dieser Schrift noch deutlicher, er •) Bikkure ha-Ittim vom Jahre 5591, S. 6. sagtdie Juden seien ursprünglich nur auf die Tora angewiesen, als das einzige Mittel'zur Glückseligkeit; nachher erst als sie mit verschiedenen Nationen in Berührung kamen, namentlich während der Blüthezeit der Araber, lernten sie von diesen Künste und Wissenschaften zu betreiben. Es fehlte seit der Zeit unter den Juden an gebildeten Männern und Philosophen nicht, jedoch verursachte die Speculation eine Spaltung in der Nation, die bis jetzt noch nicht gehoben ist. Die Einen trauen ihrer Vernunft zu viel, die Andern möchten sie gerne ganz unterdrücken; die Talmudisten verketzern und verfolgen jeden unschuldigen Menschen, will er etwas noch außer dem Talmud wissen, die Uebergebkldeten hingegen verachten die Frommen und die Frömmigkeit, wegen der damit verbundenen Unwissenheit. Eine solche Zwietracht gereicht dem Judenthume zu großem Nachtheil, und die Erziehung der Jugend wird am meisten dabei gefährdet. Hiernach wäre eine Ausgleichung beider Parteien sehr dringend, und diese unternimmt in der That unser Verfasser in obgenannter Schrift, indem er zuerst die Talmudisten von ihren Vor-' urtheilen überzeugt, dann aber auch mit um so.größerer Energie die einseitigen Philosophen bekämpft Md ihr zügelloses Verfahren in gewisse Schranken zurückweist. Im ersten Haupttheil wird demnach aus dem Talmud und andern rabbinischen Schriften weitläufig nachgewiesen, daß das Studium der Wissenschaften nicht antireligiös, ja sogar oft für die pünktliche Erfüllung mancher Ceremonialgebrauche sehr ersprießlich ist; dagegen nimmt der Verfasser im zweiten Haupttheile einen höheren Aufflug und sucht nicht nur die Religion zu vertheidigen, sondern will, überhaupt ein für allemal eine Versöhnung zwischen Religion und Philosophie zu Stande bringen, welchem letztem Vorhaben erst eigentlich der Titel dieses Buches entspricht. Nur noch Eins ist zu merken: Herr Reggio versteht unter Philosophie im weitern Sinne alle möglichen Wissenschaften, die der menschlichen Forschung ihr Dasein verdanken, im Gegensätze gegen die Tora, welche aus der göttlichen Vernunft herstammt. Es ist daher nicht zu verwundern, wenn er David Friedländer, Joelson, Peter Beer, Mysis, Ahron Chorin und bergt. Philosophen nennt und m ihnen die neue deutsche Philosophie anfeindet.