Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Journal
- Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Volume
- I (1838)
- Issue
- 10 (15.4.1838)
- Date
- 1838-04-15
- Page
- Seite 40 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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40 _ i tern, Staatsdienern, Doctören rc. gelangten, und somit gewiß die Aufmerksamkeit der Menschen genugsam auf sich gezogen, um von ihrer Religionslehre Kunde zu geben; — zweitens, daß der Charakter der heil. Schriften zu speziell und bestimmt ist, um nicht ihre Spuren sofort zu erkennen, besonders da die Chinesen in ihren King6 und Sche-chou und in den ersten Commentarien aus der Schule des Konfuzius eine Geschichte und einen religiösen und philosophischen Codex haben, der zu einer Epoche von hohem Alter hinaüfsteigt, und so leicht die Vergleichung darbietet, indem man die Lehren der neueren Chinesen daneben stellt, waö diese den Traditionen ihrer Väter hinzugefügt haben. Ich erlaube mir nun das Bedeutsamste aus den Anführungen des Abbe Sion net hervorzuhebtn. Hoai-nan-tseu (im 2ten Jahrh. vor d. chr. Ztr.) macht folgende Beschreibung von dem wonnigen Orte der Tao-sse: „in der Mitte des Berges Kouen-lun (eines geheimnißvollen Berges der Tao-esse,) ist ein Garten, wo ein sanfter Zephyr unaufhörlich weht und dse Blätter der schönen Bäume Tong bewegt, von denen er umgeben ist. Dieser Garten liegt an der verschlossenen Pforte des Himmels; die Wasser, die ihn benetzen, sind die gelbe Quelle, die die höchste und reichste ist; sie heißt der Quell der Unsterblichkeit; jdie, welche davon trinken, sterben nicht. Dieser Quell theilt steh i» vier Flüsse: einer zwischen Nord und Ost, das rothe Waffer zwischen Ost und Sud, das Waper Jo zwischen Süd und West, das Wasser des LammeS zwischen West und Nord." Nach dem alten Buche Chan-haiking, erhält man nicht aus den Wassern dieser Quelle, sondern aus den Früchten eines Baumes, der sich in der Mitte des Gartens befindet, die Unsterblichkeit). Derselbe Schriftsteller sagt, „daß der unmäßige Wunsch des Wissens das menschliche Geschlecht hat fallen lassen." (S. Aleinoires concernant les Chinois t. 1. p. 106 etc.). Wer findet hierin nicht die spezielle Beschreibung des Paradieses? Anderswo erzählt er, daß der General des Prinzen von L o u, da er einen über feine Feinde davon getragenen Sieg nicht vollständig machen kon'nte, weil die Nacht sich näherte, sein Schwert erhob und die Sonne betrachtete, und die Sonne ruckte um drei Che zurück. Ist dies nicht eine Verwirrung der Wunder Josua's und Hiökia's? Lou-pou-oney (240 vor d> gew.lZtr.), und nach ihm die Annalen und großen chronologischen Tabellen, setzen unter die Regierung des Tc hing-lang (1766 vor d. g. Ztr.) eine Hungersnoth und Dürre von sieben Jahren, (wovon die früheren Schriftsteller nichts wissen,) — ist dies nicht eine Nachahmung der ägyptischen Hungersnokh, die nach der jüdischen Zeitrechnung genau in diese Zeit fällt? Lietse, 100 Jahr früher, spricht von einem Besuche, welche Mou-vang, im Jahre 1001 v.or d. gew. Zeitr., in dem westlichen Lande, daö westlich vom Kaspischen Meere, in Syrien oder Arabien liege.« bei Sy-vang-mou machte, und von welchem er geschickte Künstler und alle Arten Kenntnisse von den natürlichen Wissenschaften mitbrachte. (Königin Saba um dieselbe Zeit bei Salomon). Der frühere Chou-king, welcher viel vom Mouvang spricht, weiß noch hiervon nichts. Derselbe Autor wußte, daß der Mensch aus rother Erde geworden; daß ein Baum existirt habe, dessen Frucht tenen, welche davon aßen, Erkenntniß verlieh; daß in den alten Zeiten eine Sündfluth geschickt worden sei, um das Menschengeschlecht zu verderben; daß aber Niu-oua, den er zum Kaiser von China rnacht, die Welt rettete, indem er die Spalten des Himmels mit einem Stein von fünf Farben (Regenbogen), den er durch Opfer gereinigt, verstopfte. — Was hierbei besonders zu bemerken ist, es wird der Name Noa'S in den Inschriften zu Kai-fongfou ebenfalls Niu-oua geschrieben. (S.das cit. Memoire und Gaubil, Chronol. des Bhin.'p. 264). ES ist besonders der Schriftsteller Lao-tseu (550 vor d. gew. Ztr.), welcher viele Anklänge an die heil. Schrift enthält. In seinem Tao-te-king ist unter andrem folgende Stelle zu lesen: „Derjenige, den ihr betrachtet und nicht sehet, nennt sich 1; denjenigen^, den ihr vernehmet und nicht höret, nennt sich Hl; denjenigen, den eure Hand sucht und -den sie nicht ergreifen kann, nennt sich WEJ. —" Diese drei Sylben bilden nach den chinesischen Commentarien nur ein Wort, und sie bemerken, „daß wenn man den nennen will, den man nicht sieht, nicht hört und nicht berühren kann, man sagt: J-HJ-WEJ. t' Was anders ist dieser Namen nun, als die chinesische Aussprache des rPTT'/ welches auch die Griechen zu schreiben pflegen: taov, ikt], mou oder ievu)1 1 Remusar bemerkt hierzu ausdrücklich, daß, wenn man auch annehmen will, gleiche Ansichten und Grundsätze könnten auch ohne Correspondenz in verschiedenen Gegenden erstehen, die Existenz dieses Namens in dem alten chinesischen Buche unleugbar die Uebertragung auö dem Hebräerlande beweise. Es sei dies eine factische Grundlage, die'entfernt ist von aller Hypothesensucht. Nun bemerken die chines. Geschichtsschreiber, daß, nachdem der der Tao-te-king vom Lao-tseu abgefaßt worden, er eine Reise nach dem Westen unternommen, und nie wieder nach seinem Vaterlands zurückgekehrt sei; und Remusat schließt hieraus, daß er seine Kunde von den damals in China.eingedrungencn Juden erhalten hatte, und nun, wie Pythagoratz und Plato tvach Essypten, nach dem Westen auSgezogen sei, um die fremde Lehre in ihrer Heimath zu ergründen. Mit vielem Scharfsinn erklärt nun Sionnct eine Stelle, die bisjetzt der Aufmerksamkeit der Gelehrten entgegen, und dennoch von großem Gewichte ist. In dem Tso-tchouen nemlich, einem Commentar über den Tchun-tsieou, dessen Abfassung in das vierte Jahrhundert vor d.chr.Ztr. fällt, und den man dem Tsokieu-ming: einem Schüler deS Konfuzius, zuschreibt, heißt cs: „der Geschichtsschreiber des Königreichs Tchou kannte alte Bücher in Charakteren, welche die Gelehrten nicht entziffern konnten, aber die der Geschichtsschreiber von T chou verstand: Diese Bücher umfaßten San-sen (drei Abtheilungen), Ou-tien (fünf Bücher),' Pa-so (acht köstliche Steine), Kieou-kieou (neue Schriften). — Nun ist eb wohl zu bemerken, daß alle späteren Schriftsteller hierüber nur muthmaßlich sprechen, und« sich durchgängig widersprechen. Wie wären aber»,Liese Widersprüche zu fassen, da, wenn .die Schriften chinesisch verfaßt gewesen, sich doch einer der vielen der Paleographie kundigen Chinesen das Verständniß hätte eröffnen können, besonders, weil sich die Schule des Konfuzius viel mit dem Studium des AlterthumS beschäftigt hat —- wenn sie nicht eben in einer fremden Sprache geschrieben-waren. Siouet erklärt nun diese Stelle dahin, daß jdie Schriften des««A. T. die alteren Juden in drei Abt Heilungen theilten (^ J H) und zwar 1) fünf Bücher (MosiS), 2) acht Prop heten (die 12 kleinen als TW *nr\ einen), 3j neun Hagiographen (2\3irQ Schriften). , Dies sind die bedeutsamsten Punkte, welche Sronnet hervorhebt, indem er ein Mehreö von der klebersetzung deS Li-ki, die jeltt gedruckt wird, und des Tao-te-king, die als nahe angokündigt worden, erwartet. Er fügt nun noch eine Reihe von Stellen aus dem Schi-king, dem Buche der Verse, hinzu, dre Anklänge von Bibelstcllen enthalten sollen, die aber dennoch zu vage sind, um die Leser weiter damit zu behelligen. Die hervorstechendste lautet: „Du trägst in Dir das Bild und die Aehnlich- , keit Gottes, denke daran, sie zu ehrfürchten."/ In der Beürtheilung dieser Schrift können wir ihr folgende Stelle vindiciren; sie erregt die Aufmerksamkeit auf einen allerdings bis jetzt außer Acht gelassenen Gegessstand, auf einen Zusammenhang der chinesischen Literatur mit der hebräischen — ohne also diesen Nachweis aus völlig evidente Weise durchzufuhren, gibt sie doch späteren Forschern einen Fingerzeig, wohin sie ihre Aufmerksamkeit zu lenken haben. Bei der immer stärker werdenden Neigung zum Studium deS Chinesischen werden übrigens weiters Revelationen nicht ausbleiben. H. Redakteur: vr. L. Philippson. — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. —- Druck von I. B. Hirschfeld.