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Literarisches und homiletisches Beiblatt · 1838-04-07 · 9 (7.4.1838) · p. Seite 34

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Journal
Literarisches und homiletisches Beiblatt
Volume
I (1838)
Issue
9 (7.4.1838)
Date
1838-04-07
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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34 kenntniß schließt es Lehre und Sittengesetz, so wie deren Bekenntniß in sich, und diese werden durch jenes gefaßt und zum Bewußtsein gebracht. Sobald aber, der Mensch fähig geworden, Lehre und Sittengesetz als intellektuellen Besitz zu fassen, wird ihm, sobald er diesen festhält, das Symbol zum Factum, die Schale zu einem wesentlichen Theile für sich. Indem nemlich die Intelligenz Hie Verbindung zwischen Lehre und Symbol.zerstört,- und sich auf sich selbst zurückgezogen hat, weil sie der Hilfe nicht mehr bedarf, so läßt sie jenes als etwas für sich Wirkliches und Bestehendes zurück.' . Dies gilt für die Zeit, wo man bei dem Erworbenen verharrt. Sobald aber der Trieb der Entwickeluug erwacht, und damit der Geist der Kritik rege wird, der das. Vorhandene vor das Forum der geistigen Untersuchung ruft, wird nicht allein das Intellektuelle zur Prüfung gebracht, sondern auch das faktisch gewordene Ceremoniale. Der einseitige Verstand, der sich selbst genug ist, ohne den Anspruch der Phantasie und des Gemüthes gellen zu lassen, ohne Geschichte und Sitte zu erwägen, ohne die organische Volks¬ und menschengeschlechtliche Entwickelung zu berücksichtigen, steletirt das Erstere und vernichtet als etwas Materielles und Todtes das Letztere. Glücklicherweise macht sich aber das Mangelhafte hieran — gewöhnlich leider erst durch starke Reaction — fühlbar, und indem man nun durch die Extreme hindurchstrebt, kommt man dazu, das überkommene ' Intellektuelle von Neuem auffassend und bildend zu entw ick e ln, in die Ceremonie das Symbolische und die Idee wieder zurückzuführen, um sie als solches gelten zu lassen, so lange sie noch nothwendig sein wird zur Bildung und Erhaltung des'Ganzen in der Masse. — Hier besteht allerdings jedesmal die Gefahr einer totalen Reaction, vor der aber der gesunde Geist der Masse und der hohe Geist der Zeit glücklich verüberführt. —r Dieser eben bezeichnete Weg war insbesondere der des Iudenthums bis heute. Die jüdische Homiletik hat natürlich dieselben Phasen durchgemachk. So wie die alten De rächst durchweg das Eeremoniale als faktisch und an und für sich bestehend behandelten: so war im Gegentheil die israelitische Predigt in ihrer ersten Periode, dem von allem innerlichen Offenbarungs: und Berufungsglauben entfernten und aller Geschichte entfremdeten strengen Rationalismus ergeben. Wir können aber sagen, daß diese Periode bei uns sehr kurz ' war, und daß in demselben Decennium, in denselben Geistern schon die nothwendige. Veränderung vor sich gegangen. Die nothwendigen Theile des Judenthums, das geschichtliche Moment,- die Lehre von der Offenbarung und Berufung, das Sittengesetz als Ausfluß der Gotteserkenntniß, der Rückblick auf die Tradition, nebst der Symbolisirüng ^des Ceremonialen, wurden wieder aufgegrkffen *), und mit der Betrachtung der gegenwärtigen äußern und innern Beschaffenheit und Bedürfnisse der Masse **), bald mit größerer, bald mit geringerer Warme und Beredsamkeit zur Sprache gebracht.' Innerhalb dieses Gebiets schattiren und gruppiren sich jetzt die jüdischen Prediger, und nachdem die Predigt aufgehört hat, von den Abergläubigen als zu entfernende Neuerung angesehen zu werden, ist es sichtbar geworden, daß die jüd. Homiletik selbst der krassesten Reaction zum Werkzeuge geworden. Und dennoch muß man gestehen, daß selbst diese Erscheinung nur erfreulich ist; denn das Element der Bildung stellt sich nun nicht mehr als ein fremdes, hereingebrachtes dar, sondern als ein den Stoff immer mehr durchdringendes, und seine Unentbehrlichkeit erweist sich somit selbst an denen, die es wol für entbehrlich ausgeben mögen. Indew wir nun die homiletischen Schriften, welche die letzten Jahre gebracht, dem.Leser vorüberführetr wollen, werden wir immer ein größeres Werk und dann eine Reihe Einzelner, der Abwechselung wegen, besprechen, ohne im Geringsten eine systematische Gruppirung zu beabsichtigen, was wir hiermit ganzbesonders bemerkt haben wollen. (Fortsetzung folgt.) Synagogalgesang. Wir haben es vor Kurzem erst ausgesprochen,, daß wir für das geeignetste Mittel, den Gottesdienst zu ordnen, halten, wenn einfache Melodieen, welche die Gemeinde leicht fassen kann, für verschiedene Parthieen der Gebete, besonders der Psalmen, die ihrer Natur nach schon rhythmische Anlage .haben, einstudirt wecde'n, von denen dann abwechselnd vom Vorsänger und von der Gemeinde die Verse gesungen werden. Wir halten es für unsre Pflicht, dem Bedürfnisse chiefür zur' Hilfe zu kommen, und werden, von Zeit zu Zeit dergleichen Melodieen, theils schon irgend gebräuchliche, theits neue, geben. Wir beginnen im Folgenden mit der Melodie, nach welcher im Hamburger Tempel, das große Loblied (Halel) gesungen wird,, und die sehr zu empfehlen ist. Denn es spricht sich in ihr'eine schöne, lebhafte Frische, ein wahres Aufdrängen in dem Bedürfnisse, dke Herrlichkeit des -Herrn zu-preisen, aus, wenn auch die, so durchaus im Gottesdienste den Charakter steifer Kirchlichkeit bewahrt wissen wollen, mit rigoristischer Strenge urtheilend, für weniger ernst gehalten finden. *) 3. B. die schöne Predigt Kley's über Zizot. *°) Z. B. Auerba ch' ö Predigren in Leipzig.

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