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Literarisches und homiletisches Beiblatt · 1838-10-06 · 29 (6.10.1838) · p. Seite 115

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Journal
Literarisches und homiletisches Beiblatt
Volume
I (1838)
Issue
29 (6.10.1838)
Date
1838-10-06
Page
Seite 115 (sequence 1)
Language
German
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L. Jahrgang. No. SK Literarisches u u d i sch e s Beiblatt. Leipzig, -cn 6. Ortober 1838. Archäologie. Ueber Musik und Poesie der alten Hebräer von ®r. Joseph Levin Saalschütz. (Fortsetzung). In der That ist im Hebräischen noch eine andere Betonungsweise üblich welche, ohne sich nach der Stellung des Accentzekchens (Td^d) zu richten, den Ton der Regel nach aus die vorletzte Silbe legt. Gegen diese Betonungsart kann nichts gesagt werden, als daß sie der einmal angenommenen Ansicht von der inirß widerspricht, für sie kann angeführt werden, daß dieselbe Betonungsweise im Syrischen vorherrscht, daß sie sich in vielen Stücken im Arabischen wiedersi'ndet, daß die alten griechischen Dichter, wie man sich bei Homer leicht überzeugen kann, in den meisten Fallen die vorletzte Silbe betonten (im entgegengesetzten Falle würde sich bei ihnen schwerlich der Hexameter so früh aus- 'gebildet haben) und daß diese Betonung der vorletzten Silbe im Deutschen herrsche. In dieser Betonungsweise, nach welcher ein großer Theil der Israeliten das Hebräische spricht, und die wir keinesweges als eine blose Willkührlichkeit oder üble Gewohnheit zu verwerfen das Recht haben, würden obige Verse folgendermaßen lauten: b'nbh-p Tin tro’ta kb Vb nm5 ‘isöbb tnteb rfbhs 2^,7 Man sieht schon, daß hier kein jambisch -anapästischer Rhythmus entstehen kann, sondern daß man vielmehr vorne betonten Füße zu erwarten hat und der Rhythmus, den die Verse bei einem ganz ungekünstelten Ablesen haben werden, ist ohne Zweifel folgender: br>bnkb 'tTi 'ab ib *nntp bäbirn 153 ‘-ispü'b' tr»t 'nbä'iT Denn th wird gewiß Jedermann so nahe mit zusammenlesen, daß es als metrische Kürze erscheinen muß und was die hier als Kürzen angegebenen Schwalaute betrifft, so würde sich der Charakter des Rhythmus nicht andern, wenn sie etwa Jemand gar nicht wollte hören lasten. Unter allen Umstanden spricht man hier nur Dactylen, Spondeen und Trochäen *), also lauter Versfüße, die in den Hexameter hineingehören, und nicht allein dies, sondern in jeder Reihe sind auch gerade sechs solcher Füße. Man vergleiche hiermit folgende Reihen in demselben Gesänge (5 Mos. 32.) ba'3 bVn^npB Tbib;? ff Th ‘rfbirpi 'rnn 'rpätf NiT"*nbij_ tichn ^i^bbbbn-'ü§ ^b^i N’b'üHü'b' ^insin viTbbnb ' bN“N'bi( VN und man wird zugeben müssen, daß weder die hier sich findenden, wirklich hexametrischen, Verse ein Zufall sein können, noch auch die Uebereinstimmung mit der Angabe des Josep'hus, der diesen Abschnitt ausdrücklich ein hexametrisches Gedicht (7zou](nv egajiisTQov) nennt, welches sich auch in allen seinen Versen vollkommen beweiset. Da nun unsere Betonungsweise nicht willkührlich erdacht, sondern vielen unserer Leser lange geläufig ist, Andern leicht geläufig werden kann, so wird es Jedem leicht werden, unzählige Verse, wie die obigen, im Hiob, in den Sprüchen, Klageliedern, vielen Psalmen u. s. w. selbst aufzufinden. Sollte *) Da der Trochäus zwar nicht so voll klingt, als der Spondeus, aber übrigens mit demselben einen gleichen Rhythmus hat, so gehen wir hier auf die Gründe nicht ein, nach welchen wir im Hebräischen beide Versfüße unterscheiden. Eben so verweisen wir auch in Bezug auf die durch Schwa gebildeten Halbsilben auf unsere ausführlichere Schrift. Wir haben dort von denselben umständlich aus alten Schreibarten des Hebräischen nachgewiescn, daß sie bald als kurze Silben betrachtet, bald ganz übergangen wurden, gleichwie dies mit ähnlichen Silben im Deutschen geschieht (z. B. genädiger und gnädiger) welche sich auch alö wirkliche Schwalaute bewähren. In der Tbat muß es unö nun manchmal zweifelhaft bleiben, ob der alte Dichter ein Schwa mitlas und einen Dactylus bildete, oder den Versfuß ohne dasselbe für ein Spondeus nahm. Jndeß dies muß durch vollständiges Eingehen in den Charakter des Rhythmus allmählig sicherer werden und ist im Ganzen von geringerer Bedeutung. Ja, das von uns entwickelte rhythmische Maß würde sich im Allgemeinen noch dann beweisen, wenn man einmal gar kein Schwa und ein andermal alle Schwa's mitlesen würde.

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