Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Journal
- Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Volume
- I (1838)
- Issue
- 32 (3.11.1838)
- Date
- 1838-11-03
- Page
- Seite 127 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/8366961-8376900-8366984--156-8366985- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1. Jahrgang, No. 32 Literarisches und homiletisches Beiblatt. Leipzig, den 3. November 1838. Archäologie. Ueber Musik und Poesie der alten Hebräer von ®r. Joseph Levin Saalschütz. (Schluß.) Es darf wol kaum bemerkt werden, wie willkührlich und unrichtig Alles dieses sei. Was diese Männer irre machte, ist die Leichtigkeit mit der sich im Hebräischen Reime ergeben, wegen des Gleichlautes so vieler grammatischer Formen. Aber eben weil sich der Reim so leicht darbot, verschmahete ihn der hebräische Dichter im Allgemeinen und namentlich im hohem Stil, und nur in den seltensten Fallen wol ließ er ihn geflissentlich mit unterflkeßen, wie z. B. vielleicht Ps. 2, 12. 8, 5. 106, 5. 116, 7. Job. 21, 4, und an andern ähnlichen Stellen*). Auch in sprüchwörtlichen Redensarten bediente man sich wol zuweilen des Reimes, wie z. B. Nicht. 14, 18. Häufiger war der Gebrauch von Wortspielen, aber auch eigentlich nur in Volksreden, bei prophetischen Verkündigungen und Ermahnungen, z. B. vp-n ,NLÄ7o iiirn soaüiw'b ip“n iTpyst iiii-n Jes. 5, 7. ispiip 1 Mos. 49, 19. selten in eigentlichen Poesien und Gesängen. (Form d. H. P. S. 120—32.) Diejenige Form der hebräischen Dichtungen, welche sich dem Gedanken am unmittelbarsten anschließt, ist der Parallelismus der Gedanken-Glieder, indem der Dichter denselben Gedanken von mehr oder weniger verschiedenem, mitunter entgegengesetztem Standpunkte, oft auch nach seinen gesonderten Theilen auffaßt, z. B. *) Vergl. ähnliche, gleichermaßen seltene Erscheinungen eines Reimes bei Homer, z. B. Jl. XXI. 523—25 — üvqy.ev — tyyr.iv — idyy.ev. XXIII. 152, 53 — (fü.oio — yooio. ttt» •’rvnüN l-iüTNi-i ‘-p2b 05*11 hin cnn -nnrS oöi ‘p'-prt Ol-ntf 1222 tTiEü« wn» mpiös rtnnwi ©ijs 'n 'in 1 Mos. 4, 23. Ps. 114, 3. Spr. 27, 6. 2 Mos. 15, 3. bei allen diesen Fällen ist natürlich eine große Mannigfaltigkeit denkbar. Viel Richtiges und Schönes über den Parallelismus haben Lowth und Herder gesagt und er ist seitdem mannigfach beleuchtet worden. S. besonders de Wette (Einleit. z. Comment. üb. d. Psalmen). Vergl. auch Mendelssohn (zu 1 Mos. 4, 23. und 2 Mos. 15), I. Löwe a. a. O. D. Ottensosser (Einleit, zu Jes.) mid Form d. h. P. S. 97 ff. Daß der Parallelismus häufig mit Gleichzahl der Worte verbunden ist und offenbar eine für das Ohr berechnete rhythmische Anlage hat, kann Keinem entgehen. Auch de Wette hat hierüber viele treffende Andeutungen gegeben, und seinem Scharfsinne würde kaum der wirkliche Versrhythmus entgangen sein, wenn ec es versucht hätte, nach der von den Alten angegebenen hexametrischen Betonungsweise zu lesen. Ueber die Entstehungsweise des Parallelismus ist manche Erklärung versucht worden. Wollte man diese von der Natur des hebräischen Landes hernehmen, so könnte man etwa sagen, daß dies ein Gebirgsland sei, wo sich die Töne des Sängers mannigfach an Felsen brachen und als Echo zurückkamen. Leicht konnte nun der einsame Sänger, der solchem lieblichen Geschwätz der Natur lauschte, auf jene Form kommen, die, wie der Reim und das Wortspiel, das einmal Gesagte von einer andern Seite wiederholt und oft als wahres Echo zurückgiebt. Aber wir würden doch lieber noch einen andern Weg einschlagen, um die Entstehung des Parallelismus zu erklären. Fragt man, unter welchen Verhältnissen sich Dichtkunst und Musik, welche in den ältesten Zeiten eng mit einander verbunden waren, zunächst entwickelt haben möchten, so