Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Journal
- Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Volume
- I (1838)
- Issue
- 15 (2.6.1838)
- Date
- 1838-06-02
- Page
- Seite 57 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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1. Jahrgang. Literarisches No. LS. und homiletisches Beiblatt. Leipzig» den 2. Zum 1838. A r ch a o lo g i e. Ueber die Landwirthschaft der Hebräer von Dr. med. P. Philippson. (Fortsetzung.) VH. Wir erwähnen nur noch derjenigen Feldfrüchte, welche aus der Familie der Crueikerav oder Kreuzblüthen angebaut wurden. Hier aber muffen wir uns ganz auf die Anführung des Talmuds beschränken, denn das pTJ der heil. Sckrift, unter welchem besonders in Gärten cultivirte Kohlgewächse zu verstehen sind (Deut. 11,10., 1 Kön. 21, 2; Spr. 15, 17.), gibt uns über die Gattungen derselben keinen nähern Aufschluß. 1) Der Kohl xQaf.ißi^ ITH3 wird seit den ältesten Zeiten in sehr vielen Ländern cultivjrt, welchem Umstande wol die allgemein große Zahl von Ab- und Spielarten, die wir besitzen, zugeschrieben werden rüuß. In welchem großen Ansehen der Kohl im Alterthume stand, kann man aus den Schriften des Censors Porcius Cato und des Plinius kennen lernen. Pythagoras schon rühmte seine medizinischen Tugenden, nicht minder Dieuchcs, ja der Arzt Chrysipp schrieb ein ganzes Buch von den Wirkungen desselben u. s. w. Die Ionier schwuren bei der Brassica,. deswegen nannte Hippokrates sie die heilige. Ob aber, so oft die Alten von dem Kohle sprechen,. immer nur eine, und eben dieselbe Art verstanden ist, ob die wildwachsende, welche Sibthorp fand, oder irgend eine cultivirte, das - ist eine äußerst schwere zu beantwortende Frage. — Einige Abarten kannten schon Eudemus der Rhizotome und Diphilus, Arzt aus Siphnos, wie wir aus den Schriften des Athenäus wissen, mehre noch kommen bei spätem Schriftstellern vorz alle aber begreift Linne unter dem gemeinschaftlichen 'Namen Brassica oleracea. CI. XV, 2. Der Talmud (Chilajim I, 3) unterscheidet den 3VD vom “lirQ'h!}, nach den Interpreten einer Kohlart mit dünnem Stengeln, also wol Brassica oampestris, Kohlrabi, nach Andern Brassica capitata, nach GavisiuS aber das afrikanische Sognad, eine Art Rettig. Terumoth 10, 11 wird Kohl auf trocknem Boden (^'2 von solchem aus feuchtem (^2 Vvü) unterschieden; ersterer ward wol auf denAeckern, dieser in Gärten gezogen. 2) Die Rübe, Brassica Bapa L. HD1?/ Chilajim 1, 3. Sie gehört zu den Feldfcüchten, Naaser. V, 2. Nach Talm. Ketub. 111, 2 soll die Rübe in Palästina oft so groß geworden sein, daß ein Fuchs seine Höhle darin verfertigte und-noch 60 Pfund übrig blieben! Mit ihr als gattungsverwandt'wird Chilajim a. a. O. angeführt: 3) Die Steckrübe, Brassica Iiapus (esculeala) oder 0^23, lat. napus,. daher wol nicht, wie Aruch meint, die Sastinaca oder nach den jüd. Interpreten eine Art Rettig, auch nicht Raps (Brass. napus oleifera) wie die berliner Uebersetzung der Mischnah, .sondern unsere Steckrübe mit fleischiger, eiförmig knolligerWurzel (V122N Ohezim c. I). — 4) Auch der Rettig, Raphanu8 sativus L. war eine Feldfruchtj (Llaascr. 5, 2); er scheint schon lange cultivirt zu werden und schon früher sehr weit verbreitet worden zu sein. Plinius hält die egyptischen für sehr wohlschmeckend, die-in Arkadien wachsenden für die vorzüglichsten. Der Grieche Moschion schrieb ein ganzes Buch über die Kraft des Rettigs, und wie hoch man diese Speise in dem Tempel des Apollo zu Delphos hielt, erzählt gleichsam Plinius. Nach dem Talmud (Abodh. 11, 1) dient er zur Verdauung der Speisen, er wird (Chilajim) mit der Rübe als gattungsverschieden angeführt, obgleich sie sich ähnlich wären. Man gewann aus den Samen ein Oel (Sabb. Gemar. 24,2). 5) Der Senf, 8inapis alba oder m§ra, wurde auf Aeckern gebaut (Chilajim Mischn. 2, 9)^und als Feldsaat angesehen (Schebiit 2^ 8). Ueber die Größe und' den Samenreichthum seiner Pflanzen wird an verschiedenen Oö-, ten des Talmud Unglaubliches erzählt. So Kethub. 111, 2), wo in einem Zweige einer dreistengeligen Senfpflanze neun Kab Samen gefunden worden; Peah Hieros. 7 erzählt R. Simeon ben Chabaphta, daß er einen Senfstengel in seinem Garten gehabt habe, woran er, wie an einem Feigenbäume, zur Spitze klettern konnte! Vgl. N. T. Matth. 13^ 31. Ehe wir nun zu den Arbeiten des palästinensischen Ackerbaues übergehen, wird es, zur Beleuchtung nachfolgender Gegenstände und um eine allgemeine' Uebersicht zu er-