Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1928
- Issue
- November 1928
- Date
- 1928-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/8263477-8630886-8630895--065-8263535- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
R KOCHBA Offizielles Organ des jüdischen TurnuLportverems bar Kochba iV. franbfurt a.E. November 1928 Anschrift der Redaktion: FRANZ EHRMANN, Leerbachstrafte 72, Telefon Amt Zeppelin 54832 Anschrift für Anzeigen: LUMARGO«VERLAG, Frankfurt a. M,, Kronprinzenstr, 6 Hansa 7679, Druck: FIXDRUCK, Druckerei-Ges. Fix & Co., Langestr. 25, Telefon Hansa 2211, Römer 1342 Kislew 5689 INHALT: Gymnastik und Sport. Waldlauf. . . Seite 53 54 Aus dem westdeutschen Bezirk des deutschen Makkabikreises . . . Seite 63 Hebräische Kulturwoche . . . . 56 Tischtennis. 64 Palästinaquatsch. - » 57 Ping-Pong, Spiel-Berichte. 65 Die Idee des freien Landes . . - ,, 58 Unsere neue Fußball-Abteilung . . 67 Rund um den Sport. ,, 60 Die Einweihung der neuen Sporthalle 67 Colonel Wedgwood spricht . . 61 Termin-Kalender. 67 Aus dem Verein. >. 62 Rätsel-Ecke. 69 Gymnastik und Sport Lotte Stern-Marcusy. „Eine bloße Zucht von Gefühlen und Gedanken ist beinahe Null (— hier liegt das große Mißverständnis der deutschen Bildung . . . ) man muß den Leib zuerst überreden . . Er ist entscheidend über das Los von Volk und Menschheit, daß man die Kultur an der rechten Stelle beginnt — nicht an der Seele, die rechte Stelle ist der Leib, die Gebärde, die Diät, die Physiologie, — der Rest folgt daraus.“ Fr. Nietzsche, Unzeitgemäße Betrachtungen. Was uns im nervenzerreibenden Zeitmaß unserer Tage zunächst am wichtigsten erscheint, ist die (iesundung des Menschen. Die Maschine droht, uns aufzufressen. Das Arbeitstempo, das durch sie in unser Leben kommt, zehrt an unseren Körperkräften, die kurzen Ruhepausen genügen nicht zur Erholung. - - Da wendet man sich neuerdings mit einem an Wunderglauben grenzenden Vertrauen körperlicher Betätigung zu, oft ohne zu wissen, daß bei jeder körperlichen Betätigung auch andere Wirkungen auf treten, für die selten ein Verständnis und die genügende Verantwortlichkeit aufgebracht wird. Man ist versucht zu glauben, daß der Grundsatz befolgt wird: nur turnen, wie ist gleichgültig. Es darf nicht gleichgültig sein. Aber welchen Maßstab soll man anlegen? Im Sport weiß man längst, daß es durchaus nicht gleichgültig ist, w i e man sich bewegt. Man weiß, daß hier für den Laien kaum erkennbare Nuancen ausschlaggebend sind. Man sucht nach der richtigen Art des Laufs, Sprungs usf., nach der richtigen Art bestimmter Zweckbewegungen. In der Gymnastik sucht man nach der richtigen Art der Bewegung überhaupt. Müssen wir erst lernen, uns zu bewegen? Haben wir das nicht als Kinder gelernt? Nein! Als Kinder haben wir uns bewegen können, besser als heute. „Die Natur gibt das Kind als untrennbares Ganzes, als eine wesentliche organische Einheit...“, und die Bewegungen des Kindes sind daher „ganz“, das ist organisch und einheitlich. Erst die Intellektualisierung des Erwachsenen drängt die ursprüngliche Lebensbewegung zurück. Statt, daß Bildung und Vernunft unsere Bewegungskräfte formen und bilden, greifen sie hemmend in den natürlichen Bewegungsablauf ein, sodaß Bewegung unharmonisch wird — erstarrt - und verkrampft. Oder der Erwachsene überläßt den Körper dem Gesetz der Trägheit, und Körper und Bewegung werden auch hier unharmonisch, d. i. schlapp und unbeherrscht. Die organische Einheit kindlicher Bewegung, die Selbstverständlichkeit des Sich-Bewegen-Könnens, ist so dem erwachsenen Menschen verloren gegangen, und wir stehen heute vor der Aufgabe, durch eine planvolle Körpererziehung dem Menschen wieder zur organischen Einheit seiner Bewegung zu verhelfen. Gymnastik lehrt die richtige Bewegung an sich, denn nicht nur Kraft und letztes Sich-Einsetzen erzielt Höchstleistungen. Sieht man sich Zeitlupenaufnahmen von großen Sportlern an, so findet man das bestätigt: Statt isolierter Bewegungen einzelner Glieder wird der Körper als Ganzes bewegt. Die Bewegung fließt vom Körperzentrum über die Glieder in den Raum, zusammengefaßt: die Bewegung ist rhythmisch. Hier steigert die Freude an der eigenen beschwingten Bewegung den Willen zur Leistung. Man spricht dann von besonderer Begabung, während sieb meiner Ansicht nach hier keine besondere Begabung, sondern eine natürliche Fähigkeit zeigt, die sich jeder Sportler im Gymnastikunterricht erarbeiten müßte, bevor er anfängt auf Rekordleistungen hin zu trainieren. Wie je-