Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1928
- Issue
- Oktober 1928
- Date
- 1928-10-01
- Page
- Seite 37 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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37 1. Durch ihre Popularität und volkstümliche Einstellung. Mehr als 50 o/0 aller Vereine in Mittel-Europa treiben Leibesübungen in irgendeiner Form. Diese Vereine erfassen also heute den Großteil der Jugend. Keine andere Form gesellschaftlicher Organisation kann sich zahlenmäßig damit vergleichen. 2. Durch den ihr innewohnenden Erziehungsgedanken. Stets wollen die Leibesübungen Erziehung. Turnen ist direkt als Mittel nationaler Erziehung erfunden worden und hat sich historisch bewährt. (Deutsche Turnbewegung, Sokol). Auch wir haben seit je unsere Bewegung so aufgefaßt. 3. Unsere gesellschaftliche Organisation. Der zionistischen Bewegung fehlen Gruppenbildungen, die außerhalb der rein politischen Ortsgruppen gesellschaftlich unsere Menschen erfassen. Der „Makkabi' ist eine der wenigen gesellschaftlichen Organisations formen, die hier für die große Masse zur Verfügung stehen. Blumenfeld zeigte in seiner Begrüßungsansprache, daß Spitzenleistungen unmöglich sind und unecht wirken ohne den festgefügten Unterbau, der die Spitze trägt. Er brachte das Bild von der Pyramide, die um so höher aufragt, je breiter die Basis ist. Die Breite, der Basis allein ist jedoch nicht ausreichend. Das Ma- ♦ <MUU ÄtH*i<Mf6WWf {Jfofl^fi*, 23 ♦ terial des Baues muß auch fest und hart sein. Aus Sand kann man keine Pyramide bauen. So ist es auch notwendig, daß jeder einzelne von uns gefestigt ist in seiner zionistischen Auffassung. Die gefühlsmäßige Einstellung allein genügt nicht. Jedem Makkabi muß das geistige Rüstzeug mitgegeben werden, daß er sich später im Leben gegenüber den Einflüssen der Umwelt behauptet. Nur wer eine systematische geistige Schulung erhalten hat, wird sich auch später bewähren. Die zionistische Entscheidung muß durch Wissen und Erkenntnis fest fundiert werden. Hier hegt das Schwergewicht unserer ganzen Erziehung. Immer wieder muß das zionistische Erlebnis einer neuen Generation vermittelt werden. Fleute wie vor 30 Jahren stehen wir vor der gleichen Entscheidung. Denn was verbindet uns mit der historischen Epoche unseres Volkes. Eine Kette von Generationen, die jede für sich das ererbte Kulturgut pflegte und einer neuen Generation übermittelte. Jede dieser Generationen mußte sich von neuem bewähren. Wäre ein Glied dieser Kette gerissen, hätte eine einzige Generation sich nicht bewährt, so hätte die Geschichte des jüdischen Volkes damit geendet. Wir sind ein Glied dieser Kette, das die Vergangenheit mit einer, so hoffen wir, würdigen Zukunft verbindet. Die Situation hat sich also nicht geändert in den letzten 20—30 Jahren. Das zionistische Erlebnis Herzl's hat für uns ' BRIEFMARKEN sowie alle p h i I ate I i st.''^Mju^a^'^n^^^ß^ BEDARFSARTIKEL XlT1 kaufen Sie am vorteilhaftesten im größten Spezialgeschäft Süddeutschlands >o Bfli-i K. IFriedricl Schaler Frankfurt a. M. oegr. i8«7 Kaiserstrafje 2 und die nächsten Generationen unverminderte Bedeutung, die damaligen Wahrheiten gelten heute noch unvermindert. Das zionistische Erlebnis und das Gefühl der Verantwortung vor der tausendjährigen Geschichte unseres Volkes muß in jeder Generation immer wieder von neuem geweckt werden. Dazu bedarf es nicht alle paar Jahre einer neuen Ideologie. Alle großen Geistesbewegungen haben sich dadurch ausgebreitet und erhalten, daß eine große Erkenntnis wieder und immer wieder mit Nachdruck einer neuen Generation gepredigt wurde. Auch unsere Väter haben es nicht anders gehandhabt. Immer wurde das jüdische Kulturerbe mit Autorität einer neuen Generation weitergegeben. Auch wir müssen wie in der Hagada dem „Chochom", dem „Roschoh", dem „Tom" und dem „Scheenu jaudeah lischaul" unser zionistisches Erlebnis, unsere zionistische Erkennntnis von Generation zu Generation weitergeben. Die zionistische Idee hat für das jüdische Volk die gleiche geschichtliche Funktion. Die Entwicklung der Mäkkabi-Bewegung nach dieser Richtung in einzelnen Orten und Gruppen ist daher außerordentlich erfreulich. Ich begrüße daher auf das Wärmste die Entstehung des Hazair. Nicht als ob ich glaube, daß in der Form schon das Richtige getroffen ist. Aber hier wird wirklich einmal der Versuch unternommen, Jugend intensiv zu erfassen. Für mich liegt der Sinn und die Bedeutung des Makkabi allein in seiner Leistung für die Erneuerung des jüdischen Volkes. Wir dürfen aber nicht verkennen, daß unser Weg nicht leicht ist. Der Sport, der an die Stelle des Turnens in unseren Vereinen getreten ist, bietet außerordentlich viel Hemmungen. Auch der Sport birgt in sieh die Gefahren einer gedankenlosen Assimilation. Unsere Jugend muß wissen, daß es uns um Höheres geht als nur um sportliche Leistungen. Seien wir doch ehrlich zu uns selbst. Der europäische Sport zeigt sehr viel Dekadenzerscheinungen. Die „Oeffentlichkeit" und der „Zuschauer" korrumpieren den Sport. Sport als Leistung, als Mittel der Erziehung hat nichts gemein mit der „Schaustellung" der Sensationslust und Reklame, die heute ein Sportfest begleiten. Heute tut SPORTHAUS TAUNUSSTRASSE 25 (ECKE ELBESTRASSE) HANDBALL / LEICHTATHLETIK, Heinz Messerschmidt Sämtl. Sportartikel für Telefon Hansa 9620 sowie jeden anderen Sport.