Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1928
- Issue
- Oktober 1928
- Date
- 1928-10-01
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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?6 Richtung unserer Arbeit Turntagsreferat von N. Kaminsky Wenn wir die Entwicklung der letzten Jahreüberschauen, so können wir mit Befriedigung einen großen Fortschritt der Bewegung feststellen. Da ist zunächst eine weitere Festigung in unserer Ideologie zu verzeichnen. Früher begründete man die Notwendigkeit unserer Arbeit, im wesentlichen mit der Forderung nach einer körperlichen Ertüchtigung des jüdischen Volkes. Dieser Standpunkt hat von Jahr zu Jahr für uns an Geltung verloren. Einmal erscheint uns heute diese rein materialistische Fundierung unserer nationalen Einstellung zur Erfassung des ganzen Menschen nicht ausreichend. Dann aber ist auch die Notwendigkeit dieser Forderung wenigstens in West- und Mitteleuropa nicht mehr so brennend. Bei der Popularität, die der Sport und alle Leibesübungen heute genießen, ist die Forderung einer körperlichen Ertüchtigung so anerkannt, daß ihre Proklamation allein nicht Fundament unserer Bewegung sein kann. Von Jahr zu Jahr hat sich daher die Begründung der Makkabi-Bewegung als einer Bewegung für die nationale Erziehung des jüdischen Volkes stärker durchgesetzt. Unsere Forderung der körperlichen Ertüchtigung der Juden ist inzwischen fast überall anerkannt. Auch der Gedanke der , Repräsen!a ion" der jüdischen Leistung auf dem Gebiete des Sports, ja sogar unsere Namen und Embleme hat die „neutrale" Sportbewegung übernommen. All diese unsere früheren Forderungen sind somit heute Allgemeingut der Kreise geworden, die wir früher mit diesen Argumenten nie erreicht haben. Es muß uns zu denken geben, daß sie aber die für uns selbstverständliche Konsequenz der nationaljüdischen Einstellung nicht ziehen, sondern auf halbem Wege stehen bleiben. ZEIL ECKE SCHÄFES8GÄSSE Inhaber: Martin Mayersohn *?äk 0081 Schirme, Spazierstöcke in reicher Auswahl Fachmännischer Rat und Aufklärung in allen Fragen. Ausführung sämtl. Reparaturen in eigener Werkstatt. Ski «Zimmermann Frankfurt a. M. Töngesgasse 10 Telefon Hansa 2188 Hof rechts n 9 Worin liegt denn der Unterschied zwischen ihnen und uns. Der junge Mensch geht in diese neutralen Vereine, ebenso wie auch meist zu uns, um Sport oder Leibesübungen zu treiben. Er wählt einen jüdischen Verein, nicht etwa, weil er in den allgemeinen Vereinen nicht zugelassen wird, sondern weil er sich unter Juden wohlfüh't. Der Zusammenschluß erfolgt rein gefühlsmäßig. Ein unbewußtes Empfinden, das nicht erklärt wird und aus dem keine Konsequenzen gezogen werden, ist die Grundlage der neutralen Vereine. Man übernimmt den äußeren Rahmen von uns, übt aber auf die innere Entwicklung der jüngeren Menschen, außer in körperlicher Beziehung, kaum den geringsten Einfluß aus. Damit ist herzlich wenig erreicht. Auch die bewußten Assimilanten, ja sogar die Getauften bleiben, wenn man genauer hinsieht, .nur unter sich. Auch in den „paritätischen" Vereinen und Verbindungen bleiben sie in einem ungewollt jüdischen Milieu. Die Gefahr liegt also darin, daß man den tiefen Sinn unseres Zusammenschlusses nicht erkennt. Man bagatellisiert eine Entscheidung, die ein Anfang zu einer inneren Umwandlung sein soll, und läßt alles beim Alten. Anders bei uns. Auch zu uns kommt der Jugendliche zunächst, um Sport zu treiben. Aber bei uns herrscht keine satte Zufriedenheit mit der Gegenwart, sondern die Sorge um die Zukunft. Wir bemühen uns, ihn wenigstens zu einer Stellungnahme in der entscheidenden Frage der jüdischen Gegenwart zu bringen. Der bei uns herrschende Geist zwingt ihn, die Frage seines Judeseins zu Ende zu denken und nicht nur rein gefühlsmäßig zu entscheiden. Wir benutzen seine einmal getroffene Wahl eines jüdischen Vereins dazu, ihm die Situation der jüdischen Gegenwart deutlich vor Augen zu führen und jüdisches Verantwortungsgefühl in ihm zu wecken. Wir versuchen ihm zu zeigen, daß er, wenn er nicht in wesentlichen Punkten seiner persönlichen Entwicklung verkümmern will, sein Judesein freudig und stolz bejahen muß. Darüber hinaus wollen wir in dem jungen Menschen das Verantwortungsgefühl für die jüdische Geschichte wecken, indem wir ihm zeigen, daß auf unserer Generation die ganze Schwere der Verantwortung ruht, daß das Schicksal des jüdischen Volkes besiegelt ist, wenn der Zbnismus scheitert. Es geht uns also um die Schicksalsfrage des jüdischen Volkes, und in dieser Frage gibt es keine „Neutralität". Diese Erkenntnis in all ihrer Tragweite, ist trotz 30 Jahren Zionismus nur Besitz einer kleinen Minderheit des jüdischen Volkes. Aufgabe des „Makkabi" ist es, sie in die breiten Schichten des jüdischen Volkes zu tragen. Dazu ist die Makkabi-Bewegung in vielfacher Hinsicht geeignet.