Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1928
- Issue
- September 1928
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 24 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/8263477-8630886-8630891--034-8263506- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
24 Die IX. Olympiade und was wir von ihr lernen können. Von Georg Vogel, Sportlehrer. Ich will midi hiermit nicht mit einer Beschreibung von Amsterdam und seinen herrlichen Grachten oder mit den Ergebnissen der Konkurrenzen beschäftigen, denn das ist schon durch die Tages- und Sportzeitungen usw. zur Geniige geschehen. Auch will ich meine Schilderungen nicht als eine Kritik aufgefaßt haben, denn trotz des großen Optimismus, welcher vor den Spielen herrsehte, hat es doch, wenn ich die Aulfassung der Allgemeinlieii zu Grunde lege, manche Enttäuschung gegeben, aber der Fachmann war von dein Ergebnis doch nicht überrascht. Wenn unter 45 Nationen wir mit 64 Punkten an zweiter Stelle in der Leichtathletik rangieren, ist dies ein Resultat, wie wir es ungefähr erwarteten. Vor uns liegt nur Amerika und das tapfere Finnland. Wohl hätte in einzelnen Konkurrenzen eine Plazierung etwa günstiger sein können, aber nach Lage der Dinge war es nun einmal nicht anders. Ich komme hiermit auch auf den Kernpunkt der Sache, technisch und theoretisch waren unsere Leute durch die vierjährige Olympiavorbereitung fit in einem Grade, welchen ich noch nicht einmal für so sehr vorteilhaft halte. Denn jeder unserer Wettkämpfer trug sich dauernd mit dem Gedanken, ist meine Lebensweise genau nach der sportlichen Vorschrift geregelt, habe oder werde ich bei meinen sportlichen Leistungen alle die technischen Feinheiten berücksichtigen. Unsere Leute konnten sich durch alle diese Dinge nicht immer die so bitter notwendige llulic in dem entscheidenden Moment bewahren. Letzten Endes spielte in den Lntscheidungen die Nervenfrage die Hauptrolle, denn große und gleichwertige Könnet waren es alle, die einen Endkampf bestritten. Oder wäre es möglich, da IL wie es beim 110 m Hürdenlauf der Fall war. Weiglitmann Smith, Südafrika, im Zwischenlauf den Weltrekord aul 14.6 schraubte und im Endlauf auf den 5. Platz kam? Um noch ein Beispiel anzuführen: Körnig läuft in seinem Zwischenlauf über 200 m die olympische Rekordzeit von 21.6, hier kann sich der spätere Sieger Williams, Kanada, erst nach ganz scharfem Endkampf mit Borah U. S. A. den 2. Platz sichern ohne Körnig je ernsthaft zu gefährden. Und wie war es im Endlauf? Körnig lief zum Schlüsse verkrampft und kam in fast totem Rennen mit Scholz als Dritter ein. Auch die 4X100 m Staffel läßt sich noch als Vergleich aufführen. Unsere Sprinter haben in Amsterdam bewiesen, daß sie in den Einzelläufen den Amerikanern überlegen sind. Der deutsche Wechsel (auch von Vereinsmannschaften) ist vorbildlich, sonst wäre es nicht möglich, daß wir schon unzählige Male Weltrekordzeit liefen. Und wie sah es bei der Entscheidung in der 4X100 m Staffel um die Weltmeisterschaft in Wirklichkeit aus? Deutschland führte vom Startmann Lammers bis zum Schlußmann Körnig und trotzdem verloren wir die Staffel. Meiner Ansicht nach lag es nur an den Nerven. Wir haben diese Nervenprobe nicht ganz bestanden. Verwundeilich ist es ja auch nicht. Wir waren den olympischen Spielen 16 Jahre fern und im gegebenen Augenblick seine Ruhe zu bewahren ist sehr schwer, doch hoffe ich, daß wir es auch noch leinen. Wohl beeinträchtigte die Nervenfrage die Leistungen aber weit wichtiger erscheint es mir unsere Wettkämpfer individuell so vorzubereiten, daß sie in der entscheidenden Stunde in Höchstform sind. d. h. mit anderen Worten, der Wettkämpfer muß genau wissen, wann seine Vorbereitungsmassage erforderlich ist, er muß auf die Minute genau sich für seinen Probegalopp oder seinen Sprung, Wurf, Stoß etc. einstellen können. Hier lag das große Geheimnis der siegenden Wettkämpfer. Ich habe hier peinlich genaue Beobachtungen gemacht. Es war kein Zufall, daß Nurmi oder Kitola genau eine Viertelstunde vor ihrem Kennen ihre Runde um die Bahn liefen CARL SOMMER g-m.b.H. Frankfurt am Main H Hafenstraße No. 13 Fernsprecher Spessart 314 Sorgfältige Erledigung allerMaler-, Anstreicher- &Verputz- Arbeiten in Neubauten, Umbauten, Wohnungen und Geschäftslokalen. O Fassadenanstriche, Schildermalerei, Möbellackierungen. Anstrich von Eisenkonstruktionen. Gegründet 1899 KOSTENANSCHLÄGE ZU DIENSTEN 0024