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Wiener jüdisches Familienblatt · 1935-03-01 · 16 (März-April 1935) · p. Seite 1

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
3 (1935)
Issue
16 (März-April 1935)
Date
1935-03-01
Page
Seite 1 (sequence 3)
Language
German
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WDIMI^ JlyPDSCIHIiS IFÄ MD Ulli NB ILA TT T Redaktion und Verlag: Wien I., Petersplatz 7 Telephon U-21-0-17 3. Jahrgang Adar Il.-Nissan 5695 März-April 1935 Nummer 16 Hans Kandl: Wie denkt die fydmcfafi inWUkUcnkeUt Ich hatte im letzten Heft des „Wiener Jüdischen Familienblattes" von einer Diskussion Mitteilung gemacht, die sich an die Tatsache angeschlossen hatte, daß ein katholischer Priester, der Franziskanerpater Z y r i 11 Fischer, zu einem Vortrag über das Thema ..Wie sieht der Katholik das jüdische Volk?" in einem geschlossenen jüdischen Kreise geladen worden war. Gegen diese Veranstaltung hatten sich maßgebende jüdische Kreise mit der Begründung gewendet, daß damit den jüdischen Interessen entgegengearbeitet werde, daß man damit einer „Taufpropaganda" Vorschub leiste und man war sogar so weit gegangen, mit Versuchen vom Verbotsweisungen eine Inhibieruno der Veranstaltung zu erreichen. Nach dem Vortrage wurde in einer Aussendung der Jüdischen Telegraphen-Agentur auf die Mißbilligung weiter jüdischer Kreise hingewiesen, welche angeblich gegen diese Art der „Verständigung" geäußert werde. Nun, wir hatten eine Darstellung der Diskussion gebracht und im Anschlüsse daran eine Rundfrage an unsere Leser gestellt, die gelautet hatte: 1. Halten Sie es für wünschenswert, daß Juden sich bemühen, durch zwanglose Aussprachen freimütiger Art mit ähnlich gesinnten Nichtjuden ein besseres wechselseitiges Kennenlernen und Verstehen anzubahnen, wo dies angezeigt und möglich erscheint? 2. Halten Sie es für möglich, daß bei solchen Bemühungen jeder Versuch einer religiösen Bekehrung (Tauf Propaganda) grundsätzlich und auch wirklich unterlassen wird? 3. Sind Sie der Ansicht, daß wir Juden im Verkehr mit unserer nichtjüdischen Umwelt zu viel oder zu wenig Selbstvertrauen in unsere Lebenskraft und Eigenart besitzen oder zur Schau tragen? 4. Halten Sie es für möglich und wünschenswert, daß auch während der weithin herrschenden Arbeitslosigkeit zielbewußte Bemühungen einsetzen sollten, den Juden Berufsmöglichkeiten zu erschließen, die ihnen bisher verschlossen geblieben sind? 5. Halten Sie es für möglich und wünschenswert, daß solche Bemühungen ungeachtet der ansonsten berechtigten parteimäßigen Verschiedenartigkeit der Einstellung des Einzelnen gemeinsam erfolgen? 6. Sind Sie der Ansicht, daß ein reicheres und tieferes Wissen um jüdische Vergangenheit und jüdische Lehre zu einer Stärkung des jüdischen Selbstvertrauens, zu einer Kräftigung unseres Freimutes in unserem Auftreten und Streben als Juden maßgebend beitragen könnte? Wir hatten gewiß mit zustimmenden Antworten und in dieser Linie liegendien Anregungen gerechnet. Aber damit konnten wir bei aller Ueberzeugung von der wegweisenden Richtigkeit unserer Bestrebungen nicht rechnen, daß keine einzige Zuschrift ablehnend lauten würde. Wir sagten: „Man höre, was ehrliche Nichtjuden sagen, und man spreche zu Nichtjuden, damit sie uns Juden hören. Wenn es sich dann zeigt, daß man zueinander Vertrauen haben oder gewinnen kann, dann werden auch wir Juden wieder unserer Kraft vertrauen." Scheinbar besteht in der jüdischen Bevölkerung eben keine Spur einer Abneigung gegen eine Gesundung der jüdischen Lebensverhältnisse, gegen eine Wiederaufrichtung jüdischen Gemeinsinnes und gegen eine vertrauensvolle Verständigung mit unserer Umwelt. Ja, es wurde doch Kritik geübt, wie in folgenden Sätzen einer Zuschrift: „Als letzte Hoffnung haben die Juden das Wohlwollen der gutgläubigen Katholiken. Lassen Sie damit nicht durch die Satten Mißbrauch treiben, man könnte es sonst satt bekommen, sich für guten Willen beleidigen zu lassen. Es war ein Fehler, einen katholischen Priester in den Kampf der Satten untereinander hineinzuzerren. Sie hätten es wissen müssen, daß die Furcht, auch nur einen einzigen Abonnenten an Sie zu verlieren, wenn man Ihnen sichtbare Erfolge in katholischen Kreisen zuerkennen muß, alle Unflafkübel in Bewegung bringen wird. Die schimpfgewohnten Juden dulden dies, nicht aber das katholische Volk. Wird aus diesem Kübel zu viel auf die Katholiken abfallen, so werden die Juden dasselbe Los erleiden, das sie immer zu tragen hatten, wenn ihre Presse allzu lange Christen, christliche Institutionen und Kirche beleidigte n." Hier wird also der Meinung Ausdruck verliehen, daß man den Vortrag des P. Fischer hätte absagen 1

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