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Wiener jüdisches Familienblatt · 1935-02-01 · 15 (Februar 1935) · p. [Seite]

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
3 (1935)
Issue
15 (Februar 1935)
Date
1935-02-01
Page
[Seite] (sequence 42)
Language
German
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„Sie hat es doch nicht absichtlich getan, du darfst ihr nicht böse sein!" bat die immer nachsichtige Großmutter. Emmy senkte den Kopf und schwere Schluchzer erschütterten ihre Schultern, aber sie gestand nicht, daß es eine vorbedachte Tat gewesen war, was ihre Schuld noch weit vergrößerte. Ach, wenn sie das geahnt hätte! Sie hatte gemeint, daß Martha nur ganz leicht hinfallen würde, gerade genug, um alle zum Lachen zu bringen und den Stolz der großen Bühnenkünstlerin ein wenig zu dämpfen. Statt dessen hatte sie sich das Bein gebrochen und es wurde sogar geflüstert, daß sie vielleicht ihr ganzes Leben lang ein Krüppel bleiben würde. Darüber würde Emmy nie hinwegkommen. Vierzehn Tage lang trug sie die Last ihres schrecklichen Geheimnisses allein mit sich herum; es war entsetzlich! Am 21. Tag, als sie sich anzog, um die arme Martha zu besuchen, brach sie plötzlich in Tränen aus. Tante Mitzi fragte sie nach dem Grund ihrer Verzweiflung und da gestand die Kleine, daß sie den Strick absichtlich unter dem Balkon hatte liegen lassen, weil Martha sich über sie lustig gemacht und sie verächtlich angesehen hatte. ,,Armes Kind!" sagte die junge Tante; „ich verstehe deinen Kummer. Aber warum hast du nicht nachgedacht, bevor du das gemacht hast?" „Ich war so wütend ..." ,,Im Zorn soll man niemals etwas tun!" „Ich werde mich nie trauen, Martha um Verzeihung zu bitten. Sie würde mich nicht mehr gerne haben. „Ich werde das schon in Ordnung bringen. Martha hat ihre kleinen Fehler, aber sie ist gut und großherzig. Wenn sie deinen Kummer und deine Reue sehen wird, wird sie bestimmt gerne alles vergessen." Als Emmy am nächsten Tag in das Zimmer eintrat, wo Martha, der die liebe Tante Mitzi alles erzählt hatte, ihr von ihrem Schmerzenslager zulächelte und ihr die Arme entgegenstreckte, brach sie wieder in Tränen aus. „Verzeih mir, verzeih mir!" stammelte sie. „Ich muß dich um Verzeihung bitten!" murmelte Martha zwischen zwei Küssen. Ich sehe ein, daß ich zu hochmütig war und daß mir ganz recht geschehen ist. — Von nun an, wenn eine von uns bei der anderen einen Rückfall in den alten Fehler bemerken sollte, werden wir einander darauf aufmerksam machen. Willst du?" Emmy konnte vor Tränen nicht antworten. Zwei Monate später kam Martha aus der Klinik aufs Land zurück. Von Emmy geführt, machte sie humpelnd ihre ersten Gehversuche. Aber in den nächsten Ferien konnte sie wieder laufen und Emmy, die solche Angst gehabt hatte, daß sie ein Krüppel bleiben würde, freute sich im Grunde ihres Herzens, als ihre Cousine sie beim nächsten Tennismatch mit größter Leichtigkeit schlug. Aus dem Französischen von Rose Richter. Ma und Mo auf Reisen Da das ganze Jahr sie sparten, Ihrer in der Büchse harrten Etwas Geld und nahmen da Noch die Rucksäck' vorn Papa. Eine Decke, warm und weich, Stopften sie hinein sogleich; Aus der Mutter Speisekammer Nahmen sie zu deren Jammer Rasch den nöt'gen Proviant, Traten an die Reis' durchs Land. Was auf dieser Fahrt geschah, Dazu seid nun Ihr schon da. Was wohl Ma und Mo erdachten, Was für Streiche sie nun machten, Liebe Leser, dichtet Ihr, Und Ihr sendet es dann mir. 20 Zeilen — niemals mehr —, Sonst geht es dann nicht mehr her. Ma und Mo, zwei tüchtige Knaben, Und das beste dann yon allen Wollten eine Freude haben Wird, den and'ren zum Gefallen, Und beschlossen kurzerhand, Abgedruckt an dieser Stell'. Mal zu reisen durch das Land. Frisch drauf los und dichtet schnell! Herausgeber, Eigentümer und Verleger: Emil Huttrer. - Für den Inhalt verantwortlich: Hans K o 1 b, beide Wien I., Pefersplafz 7,Tel. U 21-0-17 - Druck: Buchu. Kunstdruckerei Ernst Kronberger, Inzersdorf bei Wien, Triesterstraße 30, Tel. R 10-105. Entgeltliche Einschaltungen sind mit einem ' bezeichnet.

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