Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- 15 (Februar 1935)
- Date
- 1935-02-01
- Page
- Seite 8 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/8245601-8695759-8695769--641-8246057- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Josef Israels der König, neben ihm sitzt die Frau, rechts, sehr entfernt, der Harfenspieler. Er allein wendet sich der uferlosen, nebelschweren Landschaft zu. Und das hat hier seine besondere Bedeutung. Denn die Landschaft ist hier der Ursprung aller Stimmung, von ihr hat das Lied des Sängers den ernsten Ton, das Gemüt des Königs die düstere Farbe. Ahnungsschwer lastet sie auf allem. Bemerkenswert, daß die Stimmung, die doch dann auch die Menschen erfüllt, von der Landschaft herkommt, um Natur und Lebewesen in eine m chaotischen Zustand zu zeigen. Bemerkenswert, weil der Jude Israels mit diesem landschaftlichen Charakter seines Bildes, der hier auch innerlich den Ausschlag gibt, holländischer erscheint als Rembrandt. Schwieriger zu entscheiden, welches der beiden Bilder jüdischer ist, das heißt: dem ursprünglichen Sinn des Stoffes näherkommt. Von vornherein ist man natürlich geneigt, das bei dem jüdischen Maler anzunehmen. Franz Rosenzweig, ein Mann von tiefster Einsicht in das Wesen der Dinge, bestreitet bei einer Erörterung von Uebersetzungen aus dem Hebräischen die Möglichkeit, ,.jüdische Inhalte - in einer fremden Sprache ohne fremdgläubigen Beiklang mitteilen zu können". Dasselbe gilt für die Uebersetzung eines jüdischen Themas durch die Kunst. Trotzdem geht bei Rembrandt die Kraft der Einfühlung, der erschütterten Teilnahme so weit, daß in seinem dunklen Prachtwerk nichts Fremdes mehr zu verspüren ist. Nicht so einfach liegen die Dinge bei dem Bild des Israels. Gemalt, als der Künstler selbständig zu werden begann, hat es weder die Menschenkunde, noch auch die Lebenswärme des alternden Rembrandt. Schon deshalb wendet es den Stoff — das zeigen die Szene, das riesige Format des Bildes, das zeigen das vorherrschende, vorn Lichte kaum gestreifte Grau der Färbung und die stolz verdrossene Gebärde des Königs — in ein Pathos, das ein Eingehen ins Detail, auch in die nähere Schilderung der Seelen, von vornherein verwehrt. Dazu kommt die im Grunde kühle, ja kalte Haltung des Werkes. Dann aber stößt man unter den Psalmen Davids, die auf der Flucht vor Saul gedichtet sind, auf einen, der mit seiner Stimmung zwischen Abend und Morgen wie eine Vorahnung der Stimmung im Bilde des Israels klingt. Es ist der 59. Psalm, der mit den Versen gegen die Feinde endigt: . Des Abends heulen sie wiederum wie die Hunde Und laufen in der Stadt umher. Sie laufen hin und her um Speise Und murren, wenn sie nicht satt werden. Ich aber will von deiner Macht singen und des Morgens rühmen deine Güte, Denn du bist mein Schutz und Zuflucht meiner Not." Und nach der Woche wechselvoller Hast Ein Gast tritt grüßend über deine Schwelle. Der Friede kehret ein und jede Last Fällt von dir ab und dich erfüllt nur Helle. Rings um dich her ist köstlich süße Ruh. Ein Segensspruch steigt auf aus tiefstem Herzen. Und feuchten Glanz im Aug' entzündest du Des uralt heil'gen Sabbaths Weihekerzen. Beate Baumgarten. 8