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Wiener jüdisches Familienblatt · 1935-01-01 · 14 (Jänner 1935) · p. Seite 14

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
3 (1935)
Issue
14 (Jänner 1935)
Date
1935-01-01
Page
Seite 14 (sequence 16)
Language
German
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Dr. Hugo Zuckermann zum Gedächtnis Zum zwanzigsten Todestag Das höchste Gut des Mannes ist sein Volk, das höchste Gut des Volkes ist sein Recht. (Aus einem Vort-ag Zuckermanns, gehalten als Rechtsanwalt in Meran.) Hugo Zuckermann war ein sudetendeutsches Judenkind und mußte frühzeitig Eindrücke in sich aufnehmen, die sich in diesem seinem Jugendgedicht widerspiegeln: Ich glaub', ich war wohl nie ein Kind, ein Kind, wie andere Kinder sind, das keine Sorgen kannte. Ich freut' mich nie am Sonnenschein, ich freut' mich nie am blumigen Rain, ich spielte nie im Sande. Denn, wenn ich auf den Spielplatz ging, Geschrei und Lärmen mich empfing: „Geh weg, du schmutziger Jude!" Ich ging und weinte ob der Schmach. Da warfen sie mir Steine nach: „Schäm' dich, du feiger Jude!" Da fafyte mich ein wilder Zorn — ich schnitt 'nen Stecken mir vom Dorn und wollt's den Kerlen zeigen. Da rief die Mutter: „Gott bewahr'! du bringst uns alle in Gefahr! Mein Kind, der Jud' mufj schweigen!" Als im Jahre 1897 der erste Zionistenkongreß in Basel stattfand, kursierte in der sechsten Gymnasialklasse, die Zuckermann besuchte, die Programmbroschüre Theodor Herzl's „Der Judenstaat". Welchen Einfluß diese Gedanken vom jüdischen Selbstbewußtsein, jüdischer Selbsthilfe und jüdischem Bekenntnis auf den jungen, deutsch erzogenen Menschen, der als Kind das Hepp-hepp der Schönerianer kennen lernen mußte, ausgeübt haben, zeigte seine jüdische Tätigkeit als Student in Wien. Er schloß sich dem zionistischen Hochschülerverein „Theodor Herzl", der heute noch besteht, an, arbeitete im „Jüdischen Nationalverein für Österreich" und fand neben studentischpolitischer Tätigkeit seine besondere Befriedigung in literarischer Arbeit. Zunächst wurde er bekannt, ja berühmt durch prächtige Übersetzungen jiddischer Schriften von J. L. Perez, Schalom Asch, S. Schneur, Abraham Reisen, berühmt in jüdischen Kreisen. Er veranstaltete mit Freunden „Jüdische Abende", an welchen er diese Übersetzungen ins Publikum trug und gründete gemeinsam mit Egon Brecher und Dr. Oskar Rosenfeld den Verein „Jüdische Bühne" und die Jugendzeitschrift „Unsere Hoffnung", in welcher beispielsweise folgende Reime Zuckermanns erschienen sind: An Judas Jugend. Sei du das Schwert, ich will den Arm dir leihen! Sei du der Schaft, den ich mit Erz bewehre! Du sollst des Volkes Hort und Hoffnung sein, ein treuer Hüter vor dem Tor der Ehre! Dort harre aus die lange bange Nacht, bis dafj der Morgen dämmert von den Bergen, und halte schwertgegürtet Totenwacht an deiner Väter blutbefleckten Särgen! Es ist nicht allein das unleugbar große dichterische Talent, das schon aus diesen wenigen kurzen Jugendproben jeden empfindenden Menschen ergreift. Hugo Zuckermann, wie meist lyrische Menschen schwärmerisch veranlagt und mit nicht allzuviel praktischem Sinn begabt, der Intuition aus feinfühlendem gläubigem Herzen lebend, ist Held und Symbol geworden. Sein starkes Gefühl für sein Judentum führte ihn in nationaljüdische Kreise, sein ebenso starkes Gefühl für Heimat und Pflicht machte ihn zum Soldaten und zum unstreitig populärsten Soldatendichter des Weltkrieges. Am 27. März 1913 wurden in der Soldatenzeitschrift der alten österreichisch-ungarischen Armee, in „Danzers Armee - Zeitung", drei Gedichte Zuckermanns („Reiterlied", „Lied ans Maschinengewehr" und „Herr Hauptmann") mit folgender Einbegleitung des Herausgebers veröffentlicht: „ . . . Als mir aber in diesen Tagen die hier veröffentlichten Gedichte in die Hand gerieten, war ich zuerst erstaunt und zweifelte einen Augenblick an der Autorschaft des Einsenders. Ich hatte die Empfindung, nicht Kunstgedichte zu lesen, sondern echte Volkslieder, wie sie uns „Des Knaben Wunderhorn" aufbewahrt hat. Erst bei sorgfältigerem Studium fühlte ich doch an manchen Stellen einen leisen Einflufj etwa Morikes oder älterer, heute schon im Volke vergessener Landsknechtslieder, woraus geschlossen werden kann, daf5 der Dichter dieser scheinbar naiven Gedichte in unserer Literatur aufs beste bewandert sein mufj. Ich zögere aber nicht, die Art, wie hier intuitiv der reine Volkston getroffen ist, und der sorgfältig abwägende Kunstverstand scheinbar unbewußt Wirkungen erzielt, als gen:al zu bezeichnen. Mögen die Leser dieses Blattes nunmehr selbst urteilen, ob mein Urteil über das Ziel schiebt. Karl M. Danier." Das eine dieser drei Gedichte, dessen Wortlaut nun folgt, ist das populärste Gedicht der schweren Weltkriegsjahre geworden, wurde in alle möglichen Sprachen, auch ins Jiddische, übersetzt und mehrfach 14

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