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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-11-01 · 13 (November 1934) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
13 (November 1934)
Date
1934-11-01
Page
[Seite] (sequence 42)
Language
German
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Zwei Legenden nach dem Talmud: i. Der lernbegierige Perser Ein etwas naseweiser Perser begab sich zu dem gelehrten Rabbi und erklärte, die hebräische Sprache und das heilige Gesetz lernen zu wollen. Der gutei Meister setzt sich zu ihm und fängt an: „Dieser Buchstabe heißt Aleph." „Aleph? Wieso Aleph? Wie beweist ihr mir, daß er Aleph heißt?" sagte der Perser mit der Bosheit des Verstockten. „O, mein Gott!" seufzte der Rabbi, aber er fuhr geduldig fort: „Schau, dieser zweite Buchstabe heißt Beth." „Beth?" entgegnete der ungelehrige Schüler in dem nämlichen dreisten Tone. „Beweist mir doch, daß dieser Buchstabe Beth heißt!" Da reißt dem Lehrer endlich die Geduld und er wirft ihn hinaus. Der Perser, nicht faul, versucht es mit dem weisen Rabbi Samuel. Aber kaum hatte der Unterricht begonnen, so stellt er wieder seine merkwürdigen Fragen. „Beweist mir doch", sagte er, „daß dieser Buchstabe Aleph, jener andere aber Beth heißt!" Da packt Samuel das Ohr des Persers und kneift ihn, daß es eine Lust ist. „Au weh, mein Ohr!" schreit der Perser. „Dein Ohr? Wieso dein Ohr?" fragte Samuel. „Beweise mir doch, daß dieses Läppchen Ohr heißt!" „Welch sonderbare Frage!" antwortete der Perser. „Alle nennen es so." „Sehr richtig!", lachte der Meister, „und in gleicher Weise nennen alle diese Buchstaben so. Bist du jetzt zufrieden?" Derselbe Perser soll ein großer Gelehrter geworden sein. II. Der Fuchs und die Fische Ein römischer Kaiser hatte den Juden das Studium der Gotteslehre streng verboten. Aber Rabbi Akiba hielt dem Verbote zum Trotz vor aller Weit religiöse Vorträge. Einer seiner Bekannten machte ihm deshalb Vorwürfe. „Akiba", sagte er, „fürchtest du denn gar nicht die Macht Roms?" „Ich will dir eine Fabel erzählen", erwiderte der Rabbi. „Der Fuchs ging einmal am Ufer eines Flusses spazieren, da bemerkte er, wie die Fische scheu und geängstigt von einer Stelle zur anderen huschten. Was fürchtet ihr? rief ihnen der Fuchs zu. Die Netze der Menschen! war die Antwort. Ich will euch einen guten Rat geben, sprach der Schlaue, kommt aufs trockene Land und wir wollen wieder in Freundschaft zusammen leben, wie einst unsere Ahnen im Paradies. Da lachten die Fische, daß der Flußlauf bebte: Du willst da« klügste aller Tiere sein? Wenn wir schon in unserem Lebenselemente nicht sicher sind, wie sollen wir dorthin gehen, wo schon der Aufenthalt den Tod bringt? So sage ich dir", schloß der Rabbi, „wenn wir bei der Beschäftigung mit der heiligen Lehre, die doch unser Lebenselement ist, nicht sicher sind, wie ginge es uns erst, wenn wir dieser Lehre untreu würden?!" A. W. Wie wachsen den Vöglein die Federn? Habt ihr die frisch ausgebrüteten Vöglein im Nest gesehen, die sich frierend aneinander schmiegen? Ihre zärtliche Mama muß sie noch einige Zeit gegen die Kälte schützen. Denn die armen Kleinen sind beinahe nackt. Nur ein ganz zarter Flaum bedeckt sie, wenn sie aus dem Ei kriechen. Federn haben sie noch keine. Sie entstehen unter der Haut,, wo man sie bereits sehen kann,, noch ehe sie herauskommen. Bald aber wird ihre noch geschlossene Spitze sichtbar, bläulich bei den farbigen Vögeln, rosenrot bei den weißen. Wenn die Kiele die Haut durchbohrt haben, bleiben sie erst noch geschlossen, bald aber fangen sie an, junge Federchen anzusetzen, kleine Pinselchen, die sich langsam entfalten. Wenn der Vogel gesund ist und gut gefüttert wird, so entwickeln sich die Federn sehr schnell. Sie holen ihre Ernährung durch die Kiele aus dem Fleisch des Vogels. Die Wurzel, die im Fleisch steckt und die Feder festhält, war erst weich, wird aber immer härter und zum Schluß ganz fest, wie eben ein Kiel, der sein Wachstum vollendet hat. Wenn man das Fell eines Tieres abschert, dann wächst es wieder nach; aber abgeschnittene Federn wachsen nicht mehr nach. Nur das Mausern, welches die Feder zur Gänze heraushebt, macht Platz für eine neue Feder, welche dann als Ersatz nachwächst. Zur Zeit des Mauserns fallen die Federn, welche ihre Schuldigkeit bereits getan haben, ganz von selbst aus und ein ganz neues Federkleid beginnt zu sprießen und ersetzt das alte. Wenn ihr ein Vöglein besitzt, könnt ihr jetzt, umso aufmerksamer alle Phasen des Wachsens seiner Federn beobachten. Herausgeber, Eigentümer und Verleger: Emil Huttrer. - Für den Inhalt verantwortlich: Chefredakteur Hans Kolb, beide Wien I., Petersplatz 7. - Drude: Buchu. Kunstdruckerei Ernst Kronberger, Inzersdorf bei Wien, Triesterstraße 30, Tel. R 10-105 Entgeltliche Einschaltungen sind mit einem * bezeichnet.

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