Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 12 (Oktober 1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 33 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Die jüdische Sportbewegung wächst. Die Berichte, die wir von der stets an Bedeutungzunehmenden .,Makkabi"-Bewegung erhalten, müssen jeden Juden, einerlei, welcher Anschauung er im täglichen Leben ist, freudig stimmen. Denn ihnen ist der Aufschwung zu entnehmen, den unser jüdisches Volk in körperlicher Hinsicht nimmt. Von Palästina gelangen Nachrichten zu uns, die auch aus de'n größten Sportländern Europas stammen könnten. Diese Berichte sind ein deutlicher Beweis der jüdischen Wiedergeburt. Sie sind ein erhebendes Zeichen des Erwachens unserer Nation. Aber nicht nur in Palästina existiert die jüdische Sportbewegung. Sie ist vielmehr auch in den andern Ländern vorhanden, in denen Juden in größerer Zahl wohnen. Es gibt heute wohl keinen unter uns Juden, der imstande wäre, sich des Einflusses, den der nationale Sport auf den Menschen ausübt, zu entziehen. Wir alle fühlen gerade im Sport, einerlei in welcher seinetr Arten, daß wir ein auch körperlich gesundes Volk wieder geworden sind. Mit dieser Erkenntnis haben wir aber auch schön alles das abgelegt, was uns an das Ghetto gemahnen könnte. Wohl aus diesem Erlebnis ist das rapide Ansteigen der Mitgliederzahlen der jüdischen Sportvereine zu erklären. Es dürfte auch die Erwägung mitspielen, daß der jüdische Mensch sich unter seinesgleichen am wohlsten fühlt und Vereine meiden sollte, die ihn lediglich dulden. In diesem Zusammenhang ist es sehr zu begrüßen, daß in Deutschland endlich die jüdischen Sportvereine zusam m engefund e n haben und der ohnehin genug tristen Lage nicht noch ein Bild innerjüdischen Zwistes hinzufügen. Aber nicht nur bei unseren Brüdern im deutschen Reich, sondern überall — auch bei uns in Oesterreich hat eine R ü c kw a n d e r u n g zum Juden t u m und damit auch zu den jüdischen Sport- und Jugendvereinen eingesetzt. Die Arbeit beginnt. Die Schwimmsektion des Sportklubs „Hakoah" beginnt vielversprechend die neue Saison. Zwölf Trainer sind bemüht, dem Nachwuchs die geeignete Anleitung zu geben und wer Gelegenheit hat, den Uebungsabenden beizuwohnen, konstatiert: Hochbetrieb. Mit Freude bemerkt man, daß die Leitung der Sehwimmsektion mit großem Ernst darangeht, den Schwimmsport allen Kreisen des Judentums zugänglich zu machen. Die Gründung der Sektion ,,S ü d", welche allwöchentlich am Donnerstag, 8 Uhr abends, ihren Schwimmabend im Amalienbad abhält, gibt der jüdischen Jugend der umliegenden Bezirke (IV., V., X., XI. und XII.) die Möglichkeit, den Schwimmsport unter bester Anleitung zu betreiben, ohne große Opfer an Zeit und Geld bringen zu müssen. Schon der erste Schwimmabend in der vergangenen Woche war außerordentlich stark besucht und es ist ein weiterer Zustrom au Teilnehmern zu erwarten. Auch die jeden Mittwoch um halb 6 Uhr im Boerhavebad veranstalteten Kinderabende bringen vollen Erfolg und man kann feststellen, daß an diesen viele dem Schwimmsport bisher fernstehende Kreise interessiert werden konnten. Die Schwimmsektion befindet sich auf dem richtigen Weg. Die Ausgestaltung dieses Systems, die Schwimmabende in die Bäder der äußeren Bezirke zu verlegen, wird sicherlich den gewünschten Erfolg bringen. Neue Talente werden entdeckt, neue Impulse dem Schwimmsport gegeben.. Nur so weiter! K—b. Glänzendes Abschneiden der Hakoah- Fußballer im Städtekampf gegen Prag. Die Mitwirkung der beiden ausgezeichneten Hakoah- Spieler Donn e n f e I d und B r e i t f e 1 d im Wiener Städte- Team gegen Prag brachte den Wiener Spielern einen großen Erfolg. Der famo e Ve"'eidiger DonnenVd crlc igte fast allein die gesamte Abwehrarbeit, er bewies die in den letzten Spielen seines Vereines bewiesene Hochform und Teamreife. Donnenfeld wird von der Sportpresse nächst dem Stürmen Walzhofer als der beste Mann der Wiener gelobt. Eine ausgezeichnete Leistung vollbrachte auch Breitfeld als Läufer, der in diesem Spiel eine glänzende Partie lieferte. Er wird von der Sportpresse als der Beste der Halvesreihe lobend hervorgehoben. Die deutschen Makkabi-Meisterschaften. Die anfangs September in Berlin abgehaltenen Weitkämpfe um die deutschen Makkabi-Meisterschaiten 1034 und die leichtathletischen Ausscheidungen für die zweite Makkabi gestalteten sich zu einer eindrucksvollen Propaganda für die körperliche Erziehung der jüdischen Jugend Deutschlands und die Pflege des nationalen Bewußtseins. Fast 2000 Makkabi-Mitglieder beteiligten sich an dein Aufmarsche. Im Mittelpunkte des Festes stand die Weihe' des Banners für die Mannschaft der deutschen Makkabi, die im Frühjahr zur Makkabia entsendet werden soll. Die sportlichen Ergebnisse waren ganz hervorragende: Schattmann lief 100 Meter auf schlechter Bahn in 10.8 Sekunden. Zweiter und Dritter wurden Sternlieb und Dr. Lewin mit 10.0 Sekunden. Vierter wurde Aufrichtig mit 11 Sekunden. Sternlieb wurde Sieger im 200-Meterlauf in 22.5 Sekunden. Die Kämpfe um die Titel in den Mittelstrecken litten unter der Verletzung von Franz Orgler, der sich einen Bandriß zugezogen hatte. Er konnte zwar über 800 Meter den Meistertitel erlangen, aber nur in der mäßigen Zeit von 2.05; über 5000 Meter kam es zu einem interessanten Kampfe zwischen Werther (Berlin) und Rosengarten (Kassel). Bemerkenswert ist die Leistung von Selma Schulmann (Berlin) welche im Kugelstoßen mit 10.42 Metern Erste wurde. Die 4 mal 100 Meter-Staffel des Bar Kochba Hakoah, Berlin, schnitt mit 44.5 Sekunden ab. Die zweite Makkabia. Vom 2. bis 7. April 1035 in Tel-Aviv. Das Londoner Büro des Weltverbandes „Makkabia" teilt uns mit: Das Datum der zweiten Makkabia wurde nunmehr endgültig auf den 2. bis 7. April 1035 festgesetzt. Das Turn- und Sportprogramm ist veröffentlicht worden und umfaßt folgende Kämpfe:!. Leichtathletik, 2. Turnen, 3. Schwimmen, 4. Rudern, 5. Boxen, 6. Ringen, 7. Gewichtheben, 8. Fechten, 0. Jiu- Jitsu, 10. Fußball, 11. Hockey, 12. Handball, 13- Basketball, 14. Tennis, 15. Radfahren, 16. Motorradrennen, 17. Reiten, 18. Moderner Fünfkampf. GYMNASTIK-, AKROBATIK- KURSE S 10 — S 14 DIANABAD. A 47 5-20 33