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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-10-01 · 12 (Oktober 1934) · p. Seite 1

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
12 (Oktober 1934)
Date
1934-10-01
Page
Seite 1 (sequence 3)
Language
German
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u aypflsciHi DUO iHÄirir Redaktion und Verlag: Wien I., Petersplatz 7 Telephon U-21 0-17 2. Jahrgang Tischri-March. 5695 - Oktober 1934 Nummer 12 „Meute die Juden, m&tgen die Jiat&aliken!" iiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiimimiiiiiiiiiiiiiii Niehl bloß die österreichischen Juden blicken mit angespanntem Interesse auf die Ereignisse in Oesterreich, auf die Bestrebungen des katholischen neuen Oesterreich, inmitten einer Welt von Schwierigkeiten auf vielfach neuen Wegen eine Gesellschaft neu aufzubauen. Da vor allem in Wien eine stattliche Zahl Juden wohnt, vielfach seit langem wohnt, gibt es in Oesterreich auch hinsichtlich der Juden manches aufzubauen und auszubauen, wenn man eben bauen will. Und dieses Bauen interessiert auch anderwärts, besonders deshalb, weil seitens der Republik Polen die völkerrechtliche Regelung der Minderheitenfrage vehement aufgerollt wurde. Die am frischesten geschriebene Zeitung Oesterreichs - und frisch von der Leber weg schreibt man heutzutage nur in Zeitschriften — ist das Wochenblatt der vom Bundckanzler Dr. Schuschnigg gegründeten und geführten katholischen Wehrorganisation der „Ostmärkischen Sturmscharen''. Da kann mau einen langen Leitaufsatz lesen, der sich laut seiner Uebiersebrift um einen ,.Besseren Antisemitismus" bemüht. Als Jude ist man gewohnt, eine solche Ueberschrift mit ganz gehörigem Mißtrauen anzuschauen und das, was dann folgt, mit hohem Unbehauen zu lesen. Der überraschte Leser findet in den folgenden Zeilen einen geschichtlichen Hinweis auf die Ursachen der mit so viel feindseligem Gehaben begutachteten Berufsschichtung der Juden. Mit der Frischheit, welche dieses Blatt überhaupt auszeichnet und die sympathisch berührt, auch wenn der Leser den Inhalt so flott und freimütig verfaßter Aufsätze und Mitteilungen nicht gutheißen will, wird ganz freimütig festgestellt, wer an dieser so oft bemäkelten Berüfsschichtung die Schuld trägt, mindestens die Mitschuld. Und wenn man in diesem Blatt eigene Schuld oder Mitschuld feststellt, dann ist das so frisch und ehrlieh gemeint, wie mau dort andern eins aufs Zeug flickt, auch wenn dazu eine «Ute Portion Mut gehört. Diese Schreiber haken das, was man Zivilcourage nennt und solchen Menschen darf man aufs Wort glauben, auch wenn es redaktionell-anonym geschrieben ist. Es wird ein Beispiel angeführt, was die Menschen erleben können, wenn der Geldsack in seinem Besitzer jede Moral erstickt. Das Beispiel ist, wie nicht schwer erraten wird, der Rüstungsskandal, den der amerikanische Senat vor aller Oeffentlichkeit aufgedeckt hat. Mit Recht wird darauf verwiesen, daß den Skandal des Skandals nicht die Belieferung gegnerischer Staaten mit Kriegsmaterial bedeutet, sondern die gigantische Bestechungsmethode, die geradezu unwahrscheinlich anmutet. Und der Verfasser fügt hinzu, daß es keinen Unterschied ausmache, ob ein Jude oder ein Nichtjüde solches unternehme. Wie überhaupt der Verfasser den sogenannten jüdischen „Ungeist", das Generalrequisit des Judenhasses, nicht auf die Juden, sondern von den Juden weg verallgemeinert und davon ablöst, ob ihn ein Jude oder ein Nichtjüde in die Welt trägt. Er nennt das, was ihm mit christlicher Moral unvereinbar erseheint, einfach mit einem jüdischen Namen. Und dann scheidet er zwischen nationalen und religiösen Juden auf der einen Seite und „Assimilationsjuden" auf der anderen Seite. Diese Kennzeichnung könnte im jüdischen Lager leicht mißverstanden werden. Die Scheidung soll besagen, daß alle Juden., die sich mit dem Judentum schicksalsmäßig oder traditionsmäßig (also in diesem, nicht im Parteisinne national oder religiös) verbunden fühlen, die nicht 1

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