Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 11 (September 1934)
- Date
- 1934-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Schrei ohnmächtiger Wut erfolgte. Die Rasenden forderten, daß man die Flüchtlinge ins Meer werfe, um das Schiff von dem sündigen Blut zu befreien. Da aber stellte sich der Mönch ihnen entgegen: „Fort, wir wollen sie nicht töten, sondern mit dem Wasser der Taufe will ich ihr Haupt benetzen, zum Ruhm der christlichen Kirche!" „Her die Kinder!" rief er und eilte durch die nun geöffnete Türe. „Wir wollen sie taufen und so den Zorn des Himmels von uns ablenken." Er versuchte dem Alten die Kinder zu entreißen. Aber dieser preßte die laut Weinenden fest an sich und entgegnete: „Ihr könnt uns töten, aber niemals werde ich gestatten, daß die Kinder meines Herrn Christen werden." „Du wagst es, zu trotzen?" rief der Mönch, „und unser Leben soll vernichtet werden wegen dieser zwei Judenkinder, in deren Adern das Blut jenes Mannes rollt, der einen Diener der heiligen Kirche ermordet hat?" Abraham sah ihm ins Gesicht und erkannte mit erschreckender Deutlichkeit, um was es sich handelte. „Laß ab von den unschuldigen Kindern," rief er, „nicht Nathan, ihr Vater, ist der Mörder. Ich Allerlei für fleißige Hände Für kleine Jungen: Eine kleine Menagerie selbst herzustellen: Wenn ihr ein bißchen modellieren könnt, etwa ein großes Ei für den Körper und ein kleineres für den Kopf, dann zwei kleine Ohren und die Füße, bis das Häslein fertig ist, dann läßt sich leicht Modellierinasse selbst anfertigen. Ihr habt doch bestimmt zuhause altes Zeitungspapier. Das zerreißt ihr sehr klein und gebt es in einen Topf, den ihr dann so mit Wasser anfüllt, daß die Papierfetzchen eine Handbreit bedeckt sind. Am nächsten Tag, wenn das Papier gründlich durchgeweicht ist, stellt ihr es auf den Herd oder den üasrechaud und laßt es dreiviertel Stunden unter fleißigem Umrühren richtig aufkochen, so, als ob ihr eine gute Mehlspeise machen würdet. Dann wird das übrige Wasser weggeschüttet, der Brei ausgekühlt und mit Roggenmehl gründlich durchgeknetet. Je besser ihr es durchknetet, umso leichter läßt es sich nachher formen. Wenn ihr dann die Tiere geknetet habt, dann stellt sie ein paar Tage zum Trocknen, bis sie ganz hart geworden sind. Hierauf bestreicht man sie mit dünnem Leim und jetzt könnt ihr sie mit schönen Farben lustig bunt bemalen. Wenn ihr aber schon die Farben bei der Hand habt, dann könnt ihr eurer Mutter gleich eine Freude machen und ihr die glatten braunen Blumentöpfe mit einer netten farbigen Leiste schmücken. Die müßt ihr aber am nächsten Tag dann mit farblosem Lack überziehen, weil sonst die Farben beim Gießen der Pflanzen ausgewaschen werden. war es, der an jenem Tag statt der Arznei das tötliche Gift in die Phiole füllte und unschuldig mußte jener leiden!" Ein wahnsinniges Geschrei der Menge folgte diesen Worten. Sie warfen sich auf Abraham und schleppten ihn auf das Verdeck. In greifbarer Nähe ragten schon die Klippen empor — nur ein Strudel, dann mußte das Schiff an ihnen zerschellen. Da hoben sie ihn empor und warfen ihn in die Fluten, den Klippen entgegen. Und es war, als geschähe ein Wunder: im selben Moment drehte sich der Wind und trieb das Schiff weitab von den gefährlichen Felsen. In Neapel übergab der Kapitän die Kinder dem Arzt Nathan. Um das Felsenriff im Tyrrhenischen Meer aber brandeten die Wogen und spülten den Körper des treuen alten Dieners auf die Felswand hinauf. Die Sage begann um das Felsenriff zu raunen und die Schiffe suchten seinem Umkreis zu entfliehen. Denn es hieß: Wenn ein Fahrzeug, auf dem ein Jude seines Glaubens halber leiden mußte, sich den Klippen nähert, so steht in Riesengröße ein alter Jude hoch oben auf der Felswand und zieht mit unwiderstehlicher Gewalt das Schiff an sich, so daß es an den harten Steinwänden zerschellen muß. RAISEI Wenn deine Seele, tiefbewegt, Zu danken heiß Verlangen trägt, So bet' zu Gott das Wort mit a, Weil Heil und Rettung dir geschah. Verwandle a in i nun schnelle Und es erscheint an dessen Stelle Ein Mann, gleich gütig, wie gelehrt, Von Israel mit Recht verehrt. Für kleine Mädchen: Mutter ärgert sich sicherlich oft darüber, daß ein heißes Gefäß, das einmal achtlos auf den Tisch gestellt wird, einen häßlichen braunen Fieck ergibt. Also wird ihr die kleine Tochter zum nächsten Geburtstag eine Unterlage aus Holzperlen arbeiten. Man kauft sehr grobe Holzperlen, dünnen Spagat und eine nicht zu dicke Nadel mit großem Oehr, damit der Spagat leicht eingefädelt werden kann. Dann fädelt man locker eine Reihe Perlen auf. Für die zweite Reihe nimmt man eine andere Farbe und fädelt eine Perle auf, fährt mit der Nadel durch eine Perle der ersten Reihe und so fort bis zum Schluß. Die erste Reihe geht ein bißchen schwieriger, aber dann ist es ganz einfach, denn die Perlen bilden ein kleines Muster und es kann gar keinen Fehler geben. Auch aus starkem Bast kann man solche Unterteller häkeln, die besonders in bunten Farben sehr hübsch aussehen und der Mutter sicher viel Freude machen werden. Herausgeber, Eigentümer und Verleger: Emil Huttrer. - Für den Inhalt verantwortlich: Chefredakteur Hans Kolb, beide Wien I., Petersplatz 7. - Druck: Buchu. Kunstdruckerei Ernst Kronberger, Inzersdorf bei Wien, Triesterstraße 30, Tel. R 10-105 Entgeltliche Einschaltungen sind mit einem " bezeichnet.