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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-09-01 · 11 (September 1934) · p. Seite 34

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
11 (September 1934)
Date
1934-09-01
Page
Seite 34 (sequence 36)
Language
German
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©Ri n v M i@l LOGISCHI EC ß 1 |t 1 1 Geleitet von Alf red Kanfer Liebe und Ehe im Spiegel der Handschrift Mancherlei Fragen und Problemen sieht sich der Graphologe in seiner Sprechstunde gegenübergestellt. Er blickt in tiefe seelische Rätsel, die dunkel und schiei unlösbar scheinen. Er sieht Seelchen, seicht und unscheinbar, die man durchschaut hat, ehe sie noch den Mund geöffnet haben, die kleinen und großen Hoffnungen breiten sich vor ihm aus. Er hat Auskunft zu geben, ob Angestellte verläßlich sind. Besorgte Mütter und Väter wollen über die Fähigkeiten und Veranlagungen ihrer Lieblinge informiert sein. Aber es kommen auch Menschen, müde und zerquält, in deren Schrift sich bereits mit wuchtig schweren Strichen der Selbstmord eingezeichnet hat. Es gehört zu den schönsten Erfolgen des Graphologen, wenn er hier helfend beispringen kann. Vor kurzem erschien in meiner Sprechstunde ein junger Mann; Gesicht und Schrift trugen deutlich Spuren des Selbstmordkandidaten. Er war von zuhause weg wegen eines Mädchens. Das Mädchen hatte ihn dann, als er mittellos war, verlassen. Es gelang mir, ihn nachhause zurückzuführen. Aber der Graphologe sieht auch materiellen Jammer, seelischen Jammer, wo er sich vergebens bemüht, das Hirn zermartert, wo sich kein Trost und kein Ausweg finden läßt. Müde und zerquält wie der Ratsuchende selbst, läßt er dann auch oft den Graphologen zurück. Aber unter all den Fragen und Problemen scheint immer wieder ein Komplex auf von schicksalsschwerer Verantwortung: Werde ich mit diesem Manne leben können? Paßt diese Frau zu mir? Ist hier Treue, Aufrichtigkeit gegeben oder werde ich belogen? Wie stellt sich nun die Graphologie zu diesen Fragen? Hat sie das Recht und die Fähigkeit, darauf Antwort zu geben? Ja! Sie kann und darf es. Ist ja doch das Problem der Ehe in erster Linie ein charakterologisches Problem. Wohl gibt es Ehen, die anscheinend in schönster Harmonie verlaufen, solange alles gut geht. Verschlechtert sich aber die materielle Lage, geht dann auch oft die Ehe in Brüche. Es läßt sich nicht leugnen, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse im Eheleben eine sehr wichtige Rolle spielen. Aber der Kernpunkt ist doch charakterologischer Natur; es gibt doch auch viele Ehen, die gemeinsames Unglück eher festigt als zerstört. Eine Harmonie, die den ersten größeren Ansturm nicht überdauert, war eben nur eine Scheinharmonie. Wie kann man nun erkennen, ob zwei Menschen zusammenpassen oder nicht? Was sind die tieferen Ursachen so vieler gescheiterter Ehen? Wie man nun fast in allen Fragen aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen muß, so auch hier. Wir wollen im weiteren aus der Fülle des Materiales, das sich dem Graphologen auf diesem Gebiete täglich bietet, jene Fälle herausgreifen, die sich gerade durch ihre Alltäglichkeit auszeichnen und sie nach Ursache und Entwicklung ihres Fiaskos betrachten. (Weitere Artikel folgen.) Jeder unserer Leser kann sich des graphologischen Fragekastens bedienen. Dieser wird von dem bekannten Wiener Graphologen Alfred Kanfer geleitet. Zur Erlangung einer Analyse sind mindestens zehn Zeilen Tintenschrift sowie Angabe von Geschlecht und Älter erforderlich. Wir berechnen unseren Lesern für eine Analyse nur einen Druckkosfenbeifrag von S 1.20, der in Marken beizulegen ist. Es ist ferner ein Kennwort anzugeben, unter dem die Veröffentlichung erfolgt. Einsender, die auf besonders rasche Erledigung ihrer Anfrage Werf legen, legen frankiertes Retourkuvert bei, und erhalfen brieflichen Bescheid. Ausführlichere Analysen gegen Einsendung von Schriftproben und genauen Geburtsdaten sowie S 3.50 in Marken und frankiertem Retourkuverf. Großes Charakterbild S 10.—. Für Ausland internationaler Änfwortkupon. Beantwortung der Anfragen Kurt. Schrift zeigt einen strebsamen, ehrgeizigen Menschen, der eine gewisse Selbstbetonung nach außen hin an den Tag legt, um damit innere Unsicherheit und Schwerblütigkeif zu verdecken. Intelligenzniveau ist gut, dürfte für das Studium ziemlich geeignet sein. Etwas hemmend mag vielleicht sein Mangel an Elastizität wirken, an Schwungkraft und Entschlußfähigkeit, doch wird er mit weit mehr Beharrlichkeit seinen Weg gehen, als man ihm im allgemeinen zumuten würde, als er selbst vielleicht von sich annimmt. Er ist gefühlsweich und anhänglich und doch ist eine weitgehende Verschlossenheit, vielleicht sogar Unaufrichtigkeit da, die aber ihre Ursachen in ängstlichem Mißtrauen und seiner inneren Unsicherheit hat. Sinnlich, aber beherrscht, sparsam, besonnen, etwas nörgelsüchtig, Widerspruchsgeist. Erscheint nach außen vielleicht gewandt und geschmeidig, dies ist aber anerzogen, verdeckt den im Grunde ernsten und tiefen Charakter, der nach außen hin mehr Heiterkeit und Lebenslust, Lebensfreude zeigt. Wenn auch oft draufgängerisch, so dennoch im allgemeinen schwer in Entschlüssen. „Bregenz." Sie sind für das angegebene Alter in sehr guter körperlicher und geistiger Verfassung, haben gute Widerstandskraft, sind rührig und elastisch, von regem Interessenkreis, fleißig und strebsam. In Ihrem Verhalten zur Umgebung ziemlich ungleichmäßig, oft nachgiebig und schmiegsam, meist aber eigenwillig und nörglerisch, lassen Sie sich schwer von jemandem etwas sagen. Im Auftreten einfach konservativ, wenn auch neuen Ideen zugänglich, häuslich und familiär, von klugem Wesen und offenem, durchaus anständigem Charakter, wenn auch nicht immer leicht verträglich. 34

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